Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1930)
- Date
- 1930-09-19
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450600-2450637--77278-2534926- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Płock 1× ep/1048069
OCR text
sagoBSSssTBssnss^BF- 19. September 1930 Der Israelit Blätter Ein nicht übertriebenen, den Verhältnissen angepaßter Beamtenapparat bildet zugleich den Baumeister wie auch das Gerüst des herzustellenden geistigen Gebäudes. Die Aguda, ja auch die Agudas Jisroel, braucht Menschen, d ie hauptberuflich ihre ganze Kraft den Aufgaben der O rg a n i s a t i o n widmen. Es darf nicht Vorkommen, daß Landeszentralen, das Herz der Bewegung in jedem Lande, zeitweise aussetzen, was aber unvermeidlich ist bei dem heutigen System, Männer an der Spitze zu haben, denen nicht übelgenommen werden kann, wenn sie im günstigsten Falle wenige Stunden Schlaf sich rauben und dem Klal opfern. Was können wir von Leuten fordern, denen wir von vornherein nur Dank schulden für jede Minute, die sie unserer Arbeit widmen? Beamte, festangestellte Beamte, brauchen wir, von denen wir etwas erwarten dürfen und können. Und diese Forderung auf Wiederbelebung durch Schaffung eines notwendigen Beamtenapparates möge nicht durch jene bereits bekannte, zur heutigen Zeit wirtschaftlichen Elendes mit noch größerer Wahrscheinlichkeit zu erwartende, aber doch unzutreffende Furchtvor der „Zahlungsunfähigkeit" der Aguda ad acta gelegt werden. Nicht nur sich selbst könnten Beamte erhalten, sondern frische Einnahmequellen für den Verein würden sie schaffen. Wie will man sich beispielsweise die Tatsache erklären, daß Amerika weder agudistisch bearbeitet ist, noch aber daß wir von diesem Dollarlande bis auf den einzigen Lubliner Raw keine irgendwelche bedeutenden Geldsummen herbekamen, wenn nicht als Folge des — an keiner Stelle so deutlich wie hier zutage tretenden — Mangels an zu diesem Zwecke notwendigen besoldeten Persönlichkeiten? Gewiß ist die Lage heute schwierig, schwieriger als vor einigen Jahren. Aber trostlos ist sie noch nicht, solange wenigstens wie wir, in einem durchaus erlaubten Optimismus lebend, bert Mut zur frischen Tat nicht verloren haben. Reorganisation der Agudas Jisroel tut not. Von innen und von außen sollen Umformungen eine Neubelebung ermöglichen. Beginnen wir aber dort, wo jede Organisation, wenn die Idee vorhanden ist, beginnt: bei der Anstellung genügender Organisatoren. Tüchtige, vom Geiste der Aguda durchdrungene, zum Organisieren fähige, aber besoldete Kräfte! Und zwar, nicht erst morgen, sondern heute noch. Denn noch ist es Zeit, aber auch höchste Zeit! (Wir stellen diese Ausführungen zur Diskussion. Red.) Die Bewegung in der Zugendorganisakion. I. In einer am 7. September ds. Js. stattgefundenen Besprechung der Führer der größeren Agudas Jisroel - Jugendgruppen Deutschlands fand ei!ne eingehende Aussprache über die künftige Arbeit der deutschen Jugendorganisation statt. Referate hielten Herr Hartog Hartogsohn- Frankfurt a. M. über die Tätigkeit des O". V. und die Herren Rabbiner Dr. Eli Munk-Berlib und Meier S chen ko lew skbHamburg über „Wege zur Umgestaltung der Jugendorganisation und zur Aktivierung der Gruppen." Nach Schluß der Debatte wurde folgendes Kommunique beschlossen: Die am 7. September in Berlin versammelten Vertreter der Agudas Jsroel-Jugendgruppen Berlin. Frankfurt a. M., Hamburg, Leipzig, Nürnberg-Fürth haben in Fortsetzung der Besprechungen vom 10. August d. I. den Beschluß gefaßt, die Einberufung eines Außerordentlichen Delegiertentages auf Grund der der Hamburger Gruppe vorliegenden Mandate, spätestens bis zum Jahresende zu beantragen. Ueber das Ziel des Delegiertentages konnte eine'einheitliche Meinung noch nicht herbeigeführt werden. Ein Teil der Versammlung stellte sich aus den Standpunkt, unter Aufrechterhaltung der bestehenden Organisationsform, durch programmatische Erziehungsarbeit und Erweiterung des Arbeitsfeldes, durch Bildung von Arbeitsgemeinschaften, und insbesondere durch Heranziehung des Esra, die A.I.JO. zu beleben. Zu diesem Zweck soll eine Erziehungskommission den Gruppen bis zum Delegiertentag spezialisierte Vorschläge, unabhängig vom O. V., unterbreiten. Der andere Teil der Versammlung zog eine neue Organisationsform der Agudajugend als Jugendgemeinschaft vor, die aus eingeschriebenen Mitgliedern der Agudas Jisroel besteht, in unabhängiger Selbstverwaltung ihre Erziehungswege sich selbst gibt, und eventl. eine Fraktion innerhalb der Agudas Jisroel bilden kann. Ueber die Aussichten dieser Jugendgemeinschaft soll rechtzeitig vor dem Delegiertentage noch einmal beraten werden. Es besteht Einigkeit bei sämtlichen Anwesenden, daß entschieden neue Schritte zur Belebung der geistigen Tätigkeit der Gruppen notwendig sind. Wie wir hören, hat die Hamburger Gruppe auf Grund der ihr erteilten Mandate den Außerordentlichen Delegiertentag bereits beantragt, n. Die Hamburger Jugendgruppe veröffentlicht in ihrem Mitteilungsblatt Auszüge aus Antworten, die ihr auf eine Rundfrage über ein Erziehungsprogramm der Jugendorganisation zugegangen sind. Einige dieser Antworten seien im folgenden wiedergegeben: . . . Unsere Organisation weist in ausgeprägter Form zwei ihrer Natur nach verschiedene Mitgliedertypen auf. Ich möchte sie einmal Bewegte nennen, d. h. Träger der Bundesideologie, und Unbewegte, d. h. solche, die zwar auf dem Boden der A. I. stehen, aber nicht gewillt oder befähigt sind, sich in ihrer gesamten Lebenseinteilung auf ein Bundesprogramm einzustellen. Es bedeutet dies absolut noch keine Wertung. Auf diese beiden Typen muß die Bundesarbeit Rücksicht nehmen. Sie hat es bis heute nicht getan, mit dem Erfolg, daß ein erheblicher Teil der Mitglieder lediglich „zahlendes Mitglied" - ist, ohne an den Veranstaltungen Anteil zu nehmen. Dieses Desinteressement liegt daran, daß man keine Mittel hatte, die Leute zur Mitarbeit heranzuziehen. Während dieser Teil also für die Arbeit nicht zu erfassen war, blieb durch die Arbeitsmethode, wie sie in vielen Gruppen bis vor kurzem und in den meisten bis heute geübt wurde, der andere Teil innerlich nicht erfaßt. Der junge Mensch von heute bleibt bei großen Veranstaltungen oder bei Droschaus und Masfenfchiurrm also bei einer Arbeit, die in die Breite geht, innerlich leer und unbeteiligt. Demzufolge müssen in Zukunft Erziehungsweg und Arbeitsprogramm getrennt für die beiden Mitglieder- Kategorien ausgearbeitetet werden. (Die beiden Typen herauszufinden/ sieht vielleicht schwierig aus, ist aber sicher in der Praxis leicht möglich. Auf eine genaue Abgrenzung kommt es ja schließlich nicht an.) Die sog. Bewegten sind als Agudas Jisroel- Jugendgemeinschaft in kleinen Gruppen mit einem gleichaltrigen oder wenig älteren Führer zusammenzufassen, deO die Verantwortung für die intensivste Mitarbeit jedes Einzelnen hat. Das Arbeitsbereich umfaßt alle Gebiete des jüdischen Wissens. Darüber hinaus wird man sich mit allen Arten von Problemen der Wissenschaft oder Tagessragen der Gegenwart auseinanderzusetzcn, sowie mit den praktischen Aufgaben der Orthodoxie, resp. der Agudas Jisroel zu befassen haben. Das Hauptaugenmerk ist auf eine vollkommene Erfassung des ganzen Menschen zu richten, zwecks Erziehung zu abgerundeten jüdischen Persönlichkeiten und der Heranbildung einer Kerntruppe für Agudas Jisroel. (Den Kern zu diesen Gruppen werden die seit einiger Zeit in manchen Gruppen eingerichteten Arbeitsgemeinschaften bilden.) Der andere Teil ist zwar zwecks besserer Uebersicht „nach Möglichkeit" in kleineren oder größeren Zirkeln zuammenzufassen. Im wesentlichen wird sich die Arbeit jedoch wie bisher auf Lehrvorträge und dergl. zu beschränken haben, bei denen die persönliche Mitarbeit der Einzelnen nicht so nötig ist. Trotzdem muß durch straffe Zusammenfassung auch hier das Bewußtsein der Pflicht zur Arbeit in der und für die Organisation gestärkt werden. Die Mitglieder der Jugendgruppen und der Jugendgemeinschast sind innerhalb der Organisation gleichberechtigt. Die Jugendgemeinschaft ist berechtigt, gesonderte Treffen und Tagungen abzuhalten. Die Leitung der A. I. I. O. wird nicht nach der Stärke der beiden Abteilungen bestellt, lediglich ein oder mehrere Mitglieder derselben sind Referenten für ihren Kreis . . » (Schluß folgt.) Aus der polnischen Jugendbewegung. Es macht sich eine heftige Protestbewegung besonders in der gesetzestreuen Jugend gegen die destruktiven Elemente, die im jüdischen Polen verheerend wirken und manche junge jüdische Seele in ihre Netze fangen. Vor kurzem kamen in Scherzs etwa 400 Mitglieder der Agudajugend aus neun Städten der Gegendvon Plozk zusammen, mit ihren Führern- und Obmännern. Solche Treffen werden überall geplant und durch- Nr. 15. Seite 3. geführt. Es wurde bei der Gelegenheit auch eine würdige Gedenkfeier zur ersten Jahrzeit für die Märtyrer in Palästina abgehalten. Eine ganze Reihe von Referaten behandelten alle jüdischen Fragen. Die Begeisterung erreichte aber ihren Höhepunkt, als der gefeierte P l o z k e r Raw, Rabbi Mordechai Dow Eidelberg, im Saale erschien und gleich das Wort zu einer herzenswarmen Rede nahm. Er ist glücklich, sich bei der Jugend zu befinden und ihr das zu sagen, was ihm so sehr das Herz bedrückt. Die größte Gefahr drohe für die männliche und weibliche Jugend won der Schundpresse, die Unsittlichkeit und G'ttesleugnung in die Herzen und Häuser trage. Auf seinen Antrag wird beschlossen, den Ellulmonat als einen Monat des Protestes und des Kampfes gegen all diese Feinde des jüdischen Geistes in Polen anzusetzen. Mit dem Das Jomi-Schiur und Schlußreden fand das große Jugendtreffen sein Ende. Im Warschauer jüdischen „Tagblatt" veröffentlicht ferner der Lodzer Jugendführer, A. W. Friede nsohn, Herausgeber des Bes Jakow-Journals, ein Offenes Wort an die Orthodoxie, an die Aguda und ihre Führer. Roch ist das alte Uebel bei den Gesetzestreuen Polens nicht verschwunden, daß man für eine religiöse und thoratreue Erziehung nur der Söhne besorgt ist, die Töchter dagegen in nichtjüdische und unjüdische Schulen schickt, wo sie dem Judentum und seinen Lehren ganz entfremdet werden. Wie katastrophal sich dieses für die kommende Generation auswirkt, muß nicht erst gesagt werden. Er ruft die Führer der Aguda auf, mit dem Einsatz ihrer ganzen Kraft dahin zu wirken, daß auch für die Erziehung der Töchter etwas mehr Sorgfalt angewandt wird, zumal, da Polen jetzt, seit Aufblühen der Bes Jakow-Bewegung, keinen Mangel mehr an guten jüdischen Töchterschulen hat. Glückwunschablösung N'mn ,t> zu Gunsten des Schulwerks in Erez Jisroel. Hermann Kahn u .Frau, Baisingen, Louis Marx, Baisingen, Lehrer Goldberg, Bechhofen, David Steindecker u. Frau, Bechhofen, Isaak Nuhbaum u. Frau, Berlin, Landgrafenstr. 18a, Dr. S. Chrmann u. Frau, Frankfurt a. M., Hanauerlandstr. 15, Dr. Joseph Frank u. Frau, Frankfurt a. M., Weberstr. 3, Gustav Kaufmann u. Frau, Frankfurt a. M., Obermainanlage 22, Dr. S. Oppenheimer u. Frau, Frankfurt a. M., Eschenheimer Anlage 31, Frau Dr. Roos, Frankfurt a. M., Schöne Aussicht 5, Julius Schwabacher, Frankfurt a. M., Hölderlinstr. 5, Meier Schenkolewski, Hamburg, Poolstraße 8, Harry Goodman u. Frau Mirjam geb. Erlanger, London, Lordship Park 27, Lehrer G. Erlebacher, Mönchsroth, Moses und Heddy Held, Frankfurt a. M., Rotteckstraße 12. Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel in Frankfurt a. M. wünscht allen ihren Spendern und Vertrauensleuten herzlichst n^iv nv'vm mvis. Keren Hakorah, Halberstadt. Glückwunsch-Ablösungen: Lunower 3, Rabb. Dr. Auerbach 3, Dr. Schlesinger 2, Hugo Beverstein 3, R. A. 2, R. B. 2, Dr. Auerbach 2, Dr. Frankl 2, A. Tannenberg 2. Mrtschastssorgen. Es war nicht immer üblich, daß in den politischen und kulturellen Organisationen der deutschen Judenheit die Diskussion wirtschaftlicher Fragen einen so breiten Raum beansprucht hat, wie wir dies heute allenthalben beobachten können. Wohl in keinem Bereich des Zusammenwirkens von Menschen und Menschengruppen haben die verheerenden Einwirkungen des Weltkrieges eine solche Folge sich ablösender Krisenzustände gezeitigt, wie gerade auf wirtschaftlichem Gebiet. Während wir in politischer und kultureller Beziehung schon ein Jahrzehnt nach Kriegsende die freudig zu begrüßenden, aus der tiefen Friedenssehnsucht der KriegsgeneraLionen geborenen und Dauer versprechenden Bemühungen eines normalen und friedlichen Zusammenwirkens aller Kräfte konstatierenkönnen, hat die