Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1930)
- Date
- 1930-09-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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]IMJ[ MKHHMUBDtM HM DEM I *7p n n d x a Organ des Stcicfisverbandcs deutscher Schochtim Erscheint periodisch als Beilage zum „Israelit" I I M ItHICHlIHlLöülM. HM MII l. Jahrgang Frankfurt a. M.» den ly. September ly3o/26. Elul S69o Nr. 2 Zur bayerischen Schächkverbokskragödie. Von Jfak Lubinski in Lchweinfurl. Es ist kein Traum, es ist. bittere .rauste wirkliche WÜHrheit. Die Galgenfrist,, die man uns bis zum 1. Oktober ds. Js. gewährt hat, ist nun bereits bald abgelaufen und nur noch wenige Tage trennen uns von dem Inkrafttreten der harten verhängnisvollen mta des Schächtverbotes in Bayern. Der 1. Oktober 1930 wird ein schwarzer Tag in der Geschichte der bayerischen Juden sein jynd es mutet uns': geradezu tragisch an, daß gerade am Erew Jom-Kippur, dem Rüsttage des Tages, an dem vor mehr als 3000 Jahren unser Gesetzeslehrer Moses mit den Gesetzestafeln in den Händen zum zweiten Male vom Sinai hinabstieg, um dem Volke die Sühne zu bringen: Gesetze, die laut Tradition, „mit schwarzem Feuer auf weißem Feuer" naaV »s »aa b* nnin» »rr geschrieben waren, um deren Geltungsdauer für alle Zeiten und Geschlechter zu veranschaulichen, daß gerade an diesem Tage, ein „sinaitisches Gesetz irrim ]» nmn» durch das Gekläff einer antisemitischen Hetze allster Kraft gesetzt wird. Es schmerzt uns tief in der Seele, daß gerade am Rüsttage des Tages, an dem Israel um seinen G'tt sich sammelt, mit hm sich aussöhnt und die Treue zu seiner Thora und deren heiligen und heilvollen Geboten aufs neue bekundet und bekräftigt, daß an diesem Tage das hochwertige Postulat der Schechitoh, die die Wesenseigenheit einer jüdischen Kultusgemeinde ausmacht, abgeschafft wird und ihr, trotz neuerer Gutachten erster Autoritäten, in welchen nachgewiesen wird, daß im Schächtschnitt selbst eine betäubende Wirkung liege, der Makel der „Tierquälerei" aufgedrückt wird. Es handelt sich bei diesem Verbote nicht allein um die jüdische Ehre, wir sind in den Golusländern gewohnt, unsere eigene menschliche Ehre höheren religiösen oder sittlichen Zwecken zum Opfer zu bringen, hier handelt es iich vielmehr, um die Ehre unserer Thora und deren Gebote, die durch dieses Verbot herabgesetzt wird. Schwer lastet daher diese Geseroh auf den Häuptern und Gemütern der bayerischen Juden und zu den wirtschaftlichen und politischen Nöten der Jetztzeit gesellt sich nunmehr die Not der jüdischen Seele, die durch diese neue Prüfung in schweres Leid.versetzt wurde. Wieviele Metzgereiexistenzen in Stadt und Land, drohen durch dieses Verbot zu Grunde gerichtet 'zu werden,! Welche religiöse Verheerungen in:Hüüy und Küche kann dieses Verbot verursachen! Aber das religiöse. Ehrgefühl -der bayerischest Judepheit wird sich angesichts dieses'Zchangdh um so glänzender. bewähren und dem ültgeheiligfen Geböt der Schech'itoh.^die Treues nicht versagen und . somit dass. Bänd, das .sie mit Vebgaygenlieit und' Zukunft verbindet, nicht z'erMßefü U > . Die bayerische Judenhelt chirh' Nie äüfhören, laut Erklärung eines ihrer verdienten 'Führer, ' von ' den Körperschaften und Behörden des bayerischen Staates zu fordern, daß das Schächtverbot wieder rückgängig gemacht wird und wird vom himmlischen Vater in diesen Tagen der Jomim noroim inbrünstiger als je Erfüllung des Gebetes erflehen: -nivp MIN Va, la'Vyv Vva 12'aVv ia'arr Protokoll. Gemeinsame Tagung von Schochlim Deutschlands zwecks Gründung eines Reichsverbandes ' im Sitzungszimmer' der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Mainz am Montag, dem 9. Juni 1930 (13. Siwan 6690), vorm. 9.30 Uhr.' ' - (Schluß.) Der Schriftführer, Koll. Metzler aus Königstein (Ts.) dankt namens der vorbereitenden Kommission Koll. Neustädter für seine aufopferungsvolle Arbeit und schildert ihn als den trefflichen idealen Führer, unserer neuen Organisation. Metzler überbringt in seiner Eigenschaft, als Vorsitzender des Frankfurter Schochtimverbandes die herzlichsten Glück-, und Segenswünsche, ermahnt zur Einigkeitsmnd Gefolgschaft, damit der Reichsverband eine Machtorganisation darstelle, der vm» als ausführender Teil der enipn größeres Ansehen und Würdigung verdiene und die nv'nv ^in Deutschland auf ein Niveau gebracht werde,, das der inneren heiligen Bedeutung dieser Institution entspricht. Es folgen Begrüßungen. Als erster ergreift Herr Rabbiner Dr Bamberger, Mainz, das Wort, um dem Reichsverbande an Hand eines Midraschwortes ein 'iV» °w»'8'a 'bm ino’ioa zuzurufen. Dr. B. geht von anna nana in der Sidro aus... Auffallend ist der Wechsel inbezug auf Ein- und Mehrzahl, a n b iivn \ia n« laaan na also Plural in der Aufforderung, aber im Segen selbst livv'i 'n ia-,a' usw. die Einzahl. Die nana ist nur dann voll wirksam, wenn ya->a-> (er segne dich), wenn diese Vielen unter sich einig sind, so daß sie wie eine Person betrachtet werden können. Auch zu den vielen, aus allen Gegenden Deutschlands zu dem wichtigen Zwecke der Gründung eines Reichsverbandes von Schochtim Deutschlands zusammengeeilten v'vniv rufen wir mb .maK» aber den Inhalt unseres Rufes in der Einzahl zu: iana> usw., es möge Friede und Eintracht und einiger Geist herrschen in der Erstrebung Ihres großen Zieles, das Sie sich gesteckt haben für die ideelle und materielle Verbesserung der Träger der varrVa »tipn und, von diesem Willen getragen, wird Ihre Tagung zu einer naia* zu einer wirklich segensvollen werden, 'lVffn sVs Vrwv'V nana p'ina »Va prr- Dann wird auch in Erfüllung gehen die Deutung eines Midrasch zu den Worten: tna Va ay 'ibv ztirna'a 'iV» 'iV» -|V a»'i :ynv^aa Friede bei Deinem Einzug, Friede bei Deinem Auszuge, Friede mit allen Menschen. Wie die Tagung beginnt mit - ytw'»a 'aVr — so möge dieselbe auch unter diesem Bestreben durch- und zu Ende geführt werden, so daß auch inK'S'a 'iVr und hierdurch wird erreicht werden btk Va ay mV». Durch diesen '•bv, der gesichert wird durch Ihr Streben nach ma’V», nach Ganzheit, nach Vervollkommnung, durch den Willen nur dto avb zu wirken und eine Vereinigung d’»p b»V zu bilden, die die mannigfachen. Gefahren bei der Einrichtung eines solchen Verbandes im Sinne nrnpn wutojm iwiin beachtet und behütet, werden Sie m. G. H. die Anerkennung nach innen und nach außen finden in ideeller und materieller Hinsicht, es wird sein ai« Va ay 'iV». Sie werden Gehör finden für Ihre berechtigten materiellen Forderungen und Besserung und Abhilfe schaffen für die vielen Mißstände, die bei der Ausübung Ihrer anipn aaaVa vorhanden sind. Und durch Ihr ernstes Wollen werden Sie dazu beitragen, daß die gehässigen, unfreundlichen Angriffe auf die heilige Institution der na»n» wie sie in den letzten Jahren durch antisemitische Agitation hervorgerufen wurden, verstummen müssen, airr Va ay "ö». Wir dürfen hoffen i»y aa'V»' i'an« aa »'« ’avi 'n nuna, wenn wohlgefällig sind; vor die Wege des Mannes, dann schließt auch der Widersacher-mit ihm Frieden. Wenn Sie Ihre, heilige Aufgabe in dev richtigen, g'ttgefälligen Meise durchführen, wenn Ihre! Tagung in hrer Durchführung und in ihrer Auswirkung ■jwwaa;unb iBK’x’a rein B’ia» a»V sich gestaltet, bann wird auch Ihnen gegönnt sein a-7« Va ay-iV»alle entgegenstehenden Bestrebun-' qen werden Friedest schließen angesichts Ihres heiligen Willens, i»y a'V»'i'a'irr aa Und in freierer Ausdeutung dürfen wir noch mehr sagen, indem wir das Wörtchen i»y La'V»' auf 'n beziehen, alle Feinde der nnv>, innere und äußere werden sich in Ganzheit zurückfinden in Frieden zu G'tt und seiner g'ttlichen Lehre. In diesem Sinne rufe ich Ihnen nochmals zu: 'b>v /iV» zV Lawi b*ir Va ay znrr^'a 'iVn "ino-oaa ' . möge durch Sie der Name G'ttes geheiligt werden. Dies ist mein Wunsch iznd der Grüßden ich von ganzem Herzen Ihrer Tagung entbiete. Im Namen der Mainzer Israelitischen Religionsgemeinde begrüßt Herr Rabbiner Dr. Levi die Versammlung, ebenso,: entbietet er in seinem eigenen Namen und im Aufträge des Hessischen Landesverbandes den a'vm» ein herzliches aa»Vy Wir alle sind bemüht, an jeder Lösung der vielfachen Probleme der Schechita eifrig, mitzuarbeiten, der Schechita zu ihrem Ansehen als 'pn aasVa zu verhelfen und die Stellung des vni» zu heben. — Dies konnten wir mit- Befriedigung dem Inhalt seiner trefflichen Worte entnehmen. -- Herr Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt, spricht der Versammlung im - Namen - des Berliner Büros für Schächtangelegenheiten beste Wünsche für das Zustandekommen und Gedeihen -es Reichsverbandes aus. Dr. M. führte aus: Gerade bei der gegenwärtigen Bedrohung der nvw» wisse das Büro, wie wertvoll ein solcher Verband sei und bringe ihm lebhaftes Interesse entgegen. Auch in- Hessen, wo seit Monaten „der Kampf akut ist, habe der Hinweis bei Abgeordneten stets den Eindruck erweckt, daß der Schächter' eine sittliche und religiöse Persönlichkeit ersten Grades fei. In einzelnen Organisationsfragen könne das Schächtbüro selbstredend eine Meinung nicht äußern, da es seine Tätigkeit auf die Abwehr von Angriffen beschränke. Man sollte sich fragen, wieso gerade die Mizwoh des Schlichtens zur Zeit so gefährdet sei. Es sei aber, wie ein Blick in mav Kap. 12, Vers 6 zeigt, die allererste Mizwoh, die der Gesamtheit des my Vnp gegeben sei. Alles Frühere richte sich nur an Einzelpersonen oder bleibe nicht später zu den 613 Mizwaus gehörig. Der Angriff bedeute also damit den Kampf gegen die gesamte Tauroh. Von der gleichen Stelle aber lerne man -eben, daß imaa trw bv imV» der Vertreter des Menschen wie er selber sei. Das habe zweifache Bedeutung: Es müsse die Judenheit sich bewußt sein, daß der Schochet ihr persönlicher Vertreter sei. Dies sowohl, indem sie ihm dementsprechend die wirtschaftliche und moralische Stellung einräumt, die ihm zukommt als in dem Sinne des. Bewußtsein, welch wichtige Mizwoh hier oorliege, und welch schweres Unrecht eine Uebertretung des Speiseverbotes sei. Auf der andern Seite müsse der Schochet sich als Vertreter seiner Gemeinde, der nu Vnp empfinden und dementsprechend immer wieder auch die Verpflichtung tiefster virri' und peinlichstem rman xnixn zu streben, fühlen. Wenn sich so jeder zur Innehaltung der Mzwoh zurückfindet, dann 'könne wie damals in Mizrajim die nVwa von dieser Not, wie überhaupt die nVirra kommen. Herr Dr. Schlesinger, Vorsitzender der Religionsgesellschaft zu Mainz, verspricht den Schochtim alles Verständnis und alle Sympathien vonseiten der Gemeinde. Herr Hugo Cahn, Mainz, bringt im Austrage des Preußischen Landesverbandes und des Halberstädter Verbandes gesetzestreuer Gemeinden die besten Wünsche für unsere Arbeit, damit unser heutiges Streben zum Ziele führen möge. Das wäre ein Segen für die Iudenheit Deutschlands. . Herr Redakteur Schachnowitz spricht im Namen einer ganzen Reihe von gesetzestreuen Jugendverbänden und für die orthodoxe Presse. Er könne heute mit Befriedigung konstatieren: Hier sammelt sich nicht eine Zunftgenossenschaft bloß zur Erreichung und Erringung materieller Vorteile. Er empfiehlt bei der Gründung des Reichsverbandes der Führung desselben die nv'n» maVn n»nn in freirer Auslegung. ">n» — den Verband ohne Versäumnis zu gründen und zu handeln, denn die rivw» sei in Gefahr, nam —, aber ohne Druck auszuüben- Vm in scharf und glatt, keinem zu Liebe und keinem zu Leide. niVn — nicht versteckt, „sagen Sie es heraus wie Sitz es meinest, ich werde es der Welt verkünden", nv'ian — .stellen Sie. Ihre Forderungen nicht zu hoch und nicht zu tief, iip’y — nur ja keinen Riß, der Kampf sei gegen keinen; gerichtet.' ,:Einigkeit ist die Macht.' .! , In diesem Sinne wünscht er unserer Arbeit die besten Erfolge. Herr Saalheimer, Würzburg, spricht als Vertreter des Bayerischen Landesverbandes, der gewillt sei, der Schochtimorgansation volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Herr N. A. Saf.fra, Frankfurt a.. M., spricht von der np'ia. die im Gegensatz zu der. nv'n» in keiner Gefahr ist, qber in noch höherem Mäße des Schrches nach innen bedarf. Neustädter dankt für alle Begrüßungen und Verfichernungen der Sympathie und Mitarbeit und nimmt Anlaß, zu einzelnen Worten noch Grundsätzliches über die Stellung der Schochtim. ihre Wünsche und ihr Verhältnis zu Rabbiner, Vorstand und Lehrern zu sagen. Es beginnt nunmehr der geschäftliche Teil der Tagung. Zunächst wird über die Gründung eines Reichsverbandes auf Grund -es Referates Neustädter abgestimmt. Einstimmig wurde die Gründung eines solchen angenommen unter dem Namen: Reichsverband von Schochtim Deutschlands mit dem vorläufigen Sitz in Mainz. Die Verwaltung setzt sich zusammen: 1. Vorsitzender: Neustädter-Bad. Kissingen; 2. Vors.: Holzmann-Oberhausen: Schriftführer u. Kassierer: Wetzler-Königstein (Ts.). Als Beisitzer: Moddel-Frankfurt, Neumann-Siegburg, Lachmann-Aurich: als stellv. Beisitzer: Lewin-Fürth: als stellv. Schriftführer: Wolffs-Leer (Ostfrsld.); Kassierer und Verwalter. der mit einer kleinen Einlage gegründeten Wohlfahrskasse: Brünn-Schlüchtern. — Mitglied des