Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1930)
- Date
- 1930-09-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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a^c zum Mgan -es Kim-es gesetzestreuer Mischer Kehrer Deutschlands. Bericht über die 50 jährige Jubiläumsfeier des jüdische« Lehrervereins für Bayern-Franken. 24. und 25. August 1930 in Würzburg. •nnann mis um bv m cv Dieser Tag unseres Festes, Licht und Freude! Jomtowstimmung ist die Signatur des Tages, fröhliche und zufriedene Gesichter sieht man überall. Freude und Zufriedenheit leuchtet aus den Augen der israelitischen Jugenderzieher Bayerns, trotz Schächtverbots und trotz der allgemein herrschenden niedergeschlagenen Stimmung.. Endlich ist erreicht, was unsere Vorkämpfer im vorigen Jahrhundert kaum erhoffen und träumen durften. Not und Sorge sind mit G'ttes Hilfe aus den jüdischen Lehrerhäusern verbannt. Der jüdische Lehrerverein Bayerns hat seine Mitglieder zu seinem 50jährigen Jubiläum eingeladen. Alle, alle sind sie dem Rufe der Vereins?-, leitung gefolgt, aus Franken und Schwaben, aus Ober¬ und Niederbayern und aus der Pfalz. Auch die Frauen wollten dabei sein, wo es galt, dem Vereine den Dank und den Tribut der Anerkennung zu zollen. Ein schönes Familienfest! Der jüdische Lehrerverein Bayerns bildet eine einzige grotze Familie, in der ein Herz für alle und alle für einen schlagen, in des sich alle mit klarem Blicke anschauen, in der alle Zusammenhalten, wie Eisen und Stahl, in Not und Ekelnd, aber auch im Glück und bei festlichen Anlässen. In Würzburg, der schönen Frankenstadt, gelegen am herrlichen Main, mit seinen sanft emporragenden Rebenhügeln, und seinen altertümlichen Burgen und Schlössern, feiert eine 300-köpfige Familie den 50. Geburtstag ihres treubesorgten Vaters. Hier stand vor 50 Jahren die Wiege des von zwei Dutzend beherzten und weitschauenden Männern begründeten und nun zu einem stolzen Bau emporgewachsenen Verejins, der nun mit Genugtuung auf eine 50jährige segensreiche Tätigkeit zurückblicken kann. Ein Glücksstern waltete von Anbeginn an über den von glücklicher Hand ins Dasein gerufenen Verein. Tüchtige, von der Wichtigkeit des Lehrerberufs durchdrungene und im Veremsleben erfahrene Führer Haben es verstanden, das Vereinsschiff ein halbes Jahrhundert durch die brandenden, es umstürmenden Wogen glücklich zu steuern. Ludwig Stern, Würzburg; Isaak Schlenker, Würzburg: Hirsch Eoldstein. Heidingsfeld: Simon Dingfelder, München; Moritz Rosenfelder, München; alles Männer mit gutem Klang und Namen. Der 50. Geburtstag bildet einen Markstein im Leben des rührigen' Vereins. Er legt für alle Zeit Zeugnis ab für die Dankbarkeit und Treue all seiner Mitglieder, für die Anerkennung des Jubilars nach außen. Schon am Vorabend des eigentlichen Feiertags, am 24. August, hatten sich die meisten Mitglieder mit ihren Frauen und Töchtern, wozu auch noch eine grotze Anzahl von Freunden und Bewunderern des Vereins kamen im Platz'schen Garten eingefunden. 70- und 80-jährige Greise im Silb'erhaar satzen in Harmonie und Eintracht neben den in Jugendlocken prangenden Junglehrern, Kaum vermochte der weitgedehnte Raum die zahlreichen andächtigen Zuhörer zu fassen. Die Künstler, meist Angehörige des Lehrerstandes gaben alle ihr Bestes und boten alles auf, um zahlreichen Gästen einen kunstreichen, vergnügten Abend zu schaffen. Als man sich in später Mitternacht nachhause begab, da hatte jeder das Gefühl einen genußreichen Abe.nd im Kreise der Kollegen und Freunde verlebt zu haben. Den Höhepunkt der Jubiläumsfeier bildete der Festakt, der an: Montag, den 25. August, wiederum im großen Platz'schen Saale stattfand. Ein herrlicher Chorgesang unter Leitung des Mitgliedes Herrn Steinberger in Bad Kissingen eröfsnete die Fester. Weithin erschollen die schönen Weisen des 100. Psalms, gesungen von kräftiger Männerbrust, Dann betrat der Vorsitzende. Herr Hauptlehrer Rosenseld, München den Präsidentenstuhl. Mit lauter, deutlicher, weithin vernehmbarer Stimme begrüßte er die zahlreich anwesenden Dameir, Kollegen und Freunde. Er begrüßte die Vertreter der Hohen Regierung, des Stadtmagistrats, des bayerischen Gemeindeverbandes, der jüdischen Gemeinde Würzburg, des bayerischen Rabbinerverbandes, der Lehrerbildungsanstalt, der Franken-Loge und der zahlreichen Brudervereine. Alle, alle hieß er herzlichst willkommen. Seiner begeisterten Begrüßungsrede legte der Vorsitzende den an der Wand prangenden, von Kollegen Berlinger, Schweinfurt mit Künstlerhand gezeichneten Schriftvers ~nyp n’tzrann mr onanpi- „Und ihr sollt heiligen das 50. Jahr" zugrunde. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine schöne Begrüßungsrede. Von dem gleichen Geist der Begeisterung und der -Anerkennung des Vereinsjubilars waren die Reden der- Vertreter der Behörden, Gemeinde, Verbände, Logen und Brudervereine beseelt und durchdrungen. Ihren herzl. Gruß und Glückwunsch entboten: Herr Reg.- und Schul-Rat Dr. Schmitt für die Kreisregierung von Unterfranken und Aschaffenburg, Herr Komm.- Rat Braunschweiger für den bayerischen jüdischen Gemeindeverband, Herr Rabbiner Dr. Stein, Schweinfurt für den bayr. Rabbineroerband. Herr Stadtschulrat Wall für die Stadt Würzburg, Herr Rabbiner Dr. Hanover für das Stadtrabbinat und die Frankenloge, Herr Justizrat Dr. Haas für die jüd. Kultusgemeinde: Herr Oberlehrer Troll in Partenstein für den untersränkischyn Kreislehrerverein und den Allg. Bayer. Lehrerverein, Herr Studiendirektor Stoll für die Israel. Lehrerbildungsanstalt. Herr Lehrer Steinhard, Magdeburg für die jüd. Lehrervereine Preußens und den Reichsverband jüdischer Lehreroereine, Herr Lehrer Kaufmann, Tauberbischofsheim für den Badischen Bruderverband, Herr Lehrer Kahn, Alsfeld für den Hessischen Lehreroerein, Herr Prediger Heijmann Plauen für den Mitteldeutschen Lehrerverein und zuletzt noch ein Vertreter des Pfälzischen Untervereins. Alle, alle rühmten den Idealismus die Eintracht, Treue, Freundschaft und Opferbereitschaft der Mitglieder des jüdischen Lehrervereins Bayerns und wünschten dem Jubilar eine weitere, gesegnete Wirksamkeit. Leider waren die nach den zahlreichen inhaltsreichen Reden erschöpften Mitglieder und Zuhörer so ermüdet, daß sie dem großangelegten Referate des Hauptlehrers Dr. Fränkel, Augsburg „Der jüdische Lehrer von heute" nicht mehr die wohlverdiente Aufmerksamkeit schenken konnten. Mit dem Schlußgesang: Psalm 150, endigte der eindrucksvolle Festakt. Nach einstündiger Pause schloß sich ein gemeinsames Festessen im Hotel Schwan an, an welchem sich ca. 90 Gäste, Damen und Herren, beteiligten. Auch das Festessen wurde durch geistvolle Tischreden und Absingen schöner jüdischer Gesänge gewürzt. Während der Eßpausen erfolgten die schriftlichen Anmeldungen zum „Vereine ehemaliger Würzburger". Als objektiver Berichterstatter kann ich nicht unterlassen, auf einen kleinen Schönheitsfehler, der sonst in allen Teilen sehr gelungenen Veranstaltung hinzuweisen. Zu meiner Verwunderung machte ich die Wahrnehmung, daß in einer jüdischen Lehrerversammlung prominente Persönlichkeiten, jüdische Lehrer und Führer, beim Absingen der obenerwähnten Psalmen, in denen der heilige G'ttesname ausgesprochen wurde, ohne Kopfbedeckung zuhörten. Wenn man aus sicherlich nicht angebrachter Konzession gegen die paar christlichen Teilnehmer sich schämte, ein Mützchen auszusetzen, so unterlasse man zwecks Vermeidens der Entweihung des g'ttlichen Namens das Absingen jüdischer Lieder. Bericht über , die 58. Jahresversammlung der Israelitischen Lehrerkonferenz Hessens. Himmelfahrt fand in Bebra, das wegen seiner zentralen Lage oft als Tagungsort erwählt wurde, die Jahresversammlung der Israelitischen Lehrerkonferenz Hessens statt. Der Vorsitzende, Herr Schaumburg, Neukirchen begrüßte die Versammlung. Sein Willkommengruß galt auch besonders den Gästen, Herrn Landrabbiner Dr. Walter, Kassel sowie den Vertretern des Hessischen Volksschullehrer-Vereins und des Bezirks-Lehrerrats, den Herren Reß. Asmußhausen und Konrektor Dithmar, Sontra. Herr Schaumburg warf einen kurzen Rückblick aus die 1868 gegründete Konferenz, an deren Wiege das Elend und die Not der israelitischen Lehrer Hessens Gevatter standen. Ihrem Ziele, der ideellen und materiellen Hebung des Lehrerstandes und der Förderung der Volksbildung durch Hebung der Volksschule ist sie stets treu geblieben. Schulter an Schulter kämpften Hessens israelitische Lehrer mit ihren christlichen Kollegen im großen „Hessischen Volksschullehrer-Verein" zusammen. Ihr Zusammenschluß in der „Konferenz" bezweckt nur die 'Lösung besonderer konfessioneller Aufgaben. Darum konnte er die Begrüßung der Vertreter des großen Brudervereins in die Worte ausklingen lassen: „Gute Waffenbrüderschaft"! Herr Landrabbiner Dr. Walter, der die Grüße des Kasseler 'Vorsteheramtes überbrachte, bedauerte, daß der zweite Vertreter des Vorsteheramtes, Herr Stud.-Rat Heß, in letzter Stunde am Erscheinen verhindert wurde. Er betonte die grundsätzliche Ueber - einstimmung des Vorsteheramtes mit dem Antrag des Ausschusses . . . „der Anstellung nicht seminarisch oder akademisch vorgebildeter Religionslehrer die Genehmigung zu versagen." Mit besonderem Beifall wurden seine Mitteilungen bezgl. der Fürsorge des Vorsteher- Amtes für die leistungsschwachen Gemeinden ausgenommen. Gleiche Befriedigung rief seine Mitteilung hervor, daß die Vorsteherämter und Verbände hinsichtlich der Verteilung der Staatsmittel entsprechende Schritte getan hätten, die einen Erfolg erhoffen ließen. Lehrer Reß überbringt Grüße und Wünsche des Hessischen Volksschullehrer-Vereins, des Bez.-Lehrer-Rates und deren Vorsitzenden Leinius, der durch Vorbereitungen zur Musiklehrer-Tagung und zur Vertreter-Versammlung des Deutschen Lehrer-Vereins in Anspruch genommen ist. Er hebt hervor daß die jüdischen Lehrer treue Mitarbeiter im Gesamtverein sind, daß wir alle an einem Werk arbeiten, am deutschen Kind und am deutschen Vaterland. Das Hauptinteresse der Versammlung nahm der Vortrag von Krön, Fritzlar in Anspruch über das Thema: „Apologetik im jüdischen Religions-Unterricht". Es sei im voraus betont: Der große Beifall, den die Ausführungen des Referenten fanden, war wohl verdient. In gewandter Sprache wies er die Notwendigkeit apologetischer Unterweisungen und Belehrungen in der jüdischen Schule nach. Kein besonderes Unterrichtsfach soll Apologetik sein, das apologetische Prinzip muß mehr zur Geltung kommen, und im Anschluß an Tefilla, Pentateuch und biblischen Unterricht sollen apologetische Fragen ihre Erledigung finden. Des Referenten Ausführungen gipfelten in der Forderung: Aufbau und Vertiefung des religiösen Wissens durch den Religionsunterricht, sowie Abwehr der Feinde aus dem eigenen Lager— Abwehr der Assimilationsbestrebungen und aus der nichtjüdischen Umwelt. — In der regen und lebhaften Aussprache fanden die Ausführungen des Referenten allgemeine Zustimmung. Nach einer kurzen Pause, die d.ie Versammlungsteilnehmer zu einem einfachen Mittagsmahle vereinigte, erstattete der Vorsitzende den Jahresbericht. Die Kollegen Gundersheimer, Wüstensachsen und Weinberg, Langenselbold sind in den Ruhestand getreten, drei Pensionäre Nußbaum, Hersfeld, Roßmann, Gersfeld und David, Kassel sind im Berichtsjahre gestorben. Die Versammlung ehrt ihr Andenken in der üblichen Weise. — Heber Schaffung eines Anhanges zum Lesebuch referiert Rofenbusch, Bebra. Es ist zu hoffen, daß ein solcher Anhang bald geschaffen wird. Auch über die Kassenlage berichtet R., die Kasse schließt mit einem Defizit. Die Hilfskasse Esra, über die Jäckel, Kassel berichtet, hat auch im letzten Jahre manche Not gelindert und manche Träne getrocknet. Durch den schlechten Eingang der Beiträge ist der Kassenstand z. Zt.. kein günstiger. Als Vertreter für den Verbandstag, der voraussichtlich in Berlin stattfindet, werden Moses, Kassel und