Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1930-09-19 · Heft 38 (19.9.1930) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 38 (19.9.1930)
Date
1930-09-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450600-2450637--77255-2534903
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 8. Nr. 38 Der Israelit 19. September 1930 Lassen Sie Ihre UHREN be! Neeser-LAPP, Allegasse Z reparieren. Sie gehen gut und die Preise sind billig. Alles unter Garantie gibeldet, das für — Schweine eine Ausnahmebestimmung einführen will. Die jüdischen Führer warten auf den Moment der Diskussion im Parlament, um das ganze Problem wieder aufzurollen. Es besteht große Hoffnung, daß das damals nur mit geringer Mehrheit eingefllhrte Schächtoerbot in kurzer Zeit wieder aufgehoben wird. Tschechoslowakei. Gründung eines Vereines „TNachfike Jeschiwoth" für die Slovakei. Preßburg, 14. Sept. Die Notlage der Jeschiwoth in der Slowakei hat nach längerer Vorbereitung und zahlreichen Besprechungen im engeren Kreise endlich zu einer ernsten Beratung größeren Stiles und auch zu den ersten Ansätzen einer organisierten Hilfeleistung geführt. Die von einem vor bereitenden Komitee auf den 14. (Elul nach Nooe Zamky einberufene Versammlung fand unter reger Beteiligung von Rabbinern und Baalebatim statt. Als erster ^greift Herr Oberrabbiner Tigermann das Wort zu einer warmen Begrüßung und zu guten Wünschen für die Beratungen im Interesse oer p"mn und der Zukunft unserer mi»rr- Der Vorsitzende, Herr pberrabbiner U n - gar, entwirft'hierauf unter allgemeiner Spannung ein Bild der traurigen materiellen Lage der rm’P’ und ihrer Zöglinge, die im wörtlichsten Snne mit vor ni'vo in unseren Tagen Thora lernen und bezeichnet es als unabweisbare Pflicht der Gesamtheit, gemeinsam mit den Jeschiwoleitern über Hilfsquellen für diese Jeschiwos nachzusinnen. Es soll heute der Weg der vereinten Arbeit in einem Unterstützungsverein beschritten werden, auf dem sich alle min ’aniR in tatkräftiger Opferbereitschaft finden sollen. Tiefbewegt widmet Redner Worte der Trauer um den unerwartet frühen Heimgang des Initiators dieser Vereins gründüng, R. Salomon Pasch kusz ‘-v'xr und bittet die Versammelten, diesen schweren Verlust durch eigene hingebungsvolle Arbeit zu ersetzen. Herr Oberrabbiner Eckstein erstattet hierauf sein Referat über die geplane Tätigkeit des Vereines, wobei er in umfassender Weise die Situation der Jeschiwoth in der Slowakei und ihre materiellen Grundlagen beleuchtet, und legt den Statutenentwurs des Landesoereines ’p’rn» mw vor. An dieses Referat und namentlich an die einzelnen Bestimmungen der Statuten knüpft sich eine sehr anregende und fruchtbare Debatte an, wobei fast alle Anwesenden das Wort ergreifen. Sehr ausführlich wurden die verschiedenen Anregungen zur Beschaffung der Mittel zur Erhaltung der Jeschiwoth behandelt. Es sollen nach allgemeiner Ansicht außer den .Mitgliedsbeiträgen der Einzelnen quch die Gemeindest als solche ßur Beztragslöistung herasttzezogen werden. Es wird verlangt, daß manche koschere Gebrauchsartikel mit einer Zusatzsteuer ^zugunsten der Jeschiwoth belegt werden. : Die zum Schlüsse gewählte Vereinsleitung besteht aus folgenden, Herren:. Julius Herzog- (Nove Zamky), Präses; Isidor Sußmanm (Galanta), Vizepräses; I. Hönigsber (Nitra), Kassier: . Markus Fürst (Bratislava), Kontrollor; Pafchkusz (D. Streda); Jgn. Kalisch (Galantä), I. Abeles (Trnava), S. Scharman (Kosice), Raf. Kohn (Nove Zamky) und Arnold- Kämpfner (Bratislava), Repräsentanten. Polen. kulturfragen im Warschauer Gemeinderar, Warschau, 10. Sept. In der gestrigen Sitzung der Kehillaverwaltung gab es eine regelrechte Kulturdebatte. Im Budget von 1930 sind 3000 Zloty für den Hebräischen Literatur-Verein ausgesetzt/ Darauf fordert Finkelstein ähnliche Subventionen für andere Vereine und literarische Gesellschaften, auch für das Jiddische Theater. Einige Vorschläge werden genehmigst Der Beitrag für das Theater wird gestrichen, solange Hort Freitag abend und Sabbat gespielt wird. Einem Abendkurs wird die Unterstützung verweigert, weil dort Hebräisch barhäuptig gelernt wird. Ratmann E l l e n b e r g verlangt, die Kehilla möge das orthodoxe Blatt, das „Jüdische Togblatt" boykottieren. Ein Blatt, das zuweilen den Präses Farbstein angreist, dürfe keine Annoncen von der Verwaltung erhalten. Ratmann Finkelstein erklärt, obwohl er kein Anhänger der Orthodoxie sei, ein solches Boykottvorgehen als unerhört und eine Uebertragung antisemitischer Methoden aus jüdische Angelegenheiten. Wenn das „Jüdische Togblat" als einzige Zetung den Mut aufbringe, der Verwaltung gelegentlich - die Wahrheit vorzuhalten, so solle man ihm dafür dankbar sein. Herr Färb stein ergreift das Wort in eigener Sache und sagt, das „Jüdische Togblatt" könne man nicht gerichtlich belangen, darum seien andere Repressalien sehr angebracht. In der weiteren Debatte zieht Ellenberg seinen Boykottantrag zurück, womit die Verhandlung ihren Abschluß findet. Rutzland. Ein „Monat für antireligiösen kulurvormarsch" proklamiert. Moskau, 4. Sept.st, Eine vom Zentralkomitee der kommunistischen Paist. tei der Ukraine einberufene Konferenz der sozialen und kulturellen Organisationen faßte den Beschluß, die Zeit, vom 15. September bis 15. Oktober, in die die hohen jüdischen Feiertage Rosch-Haschanah, Jom-Kippur und das Sukkoth-Feft fällen, als einen „Monat für antireligiösen Kultur-Vormarsch" zu proklamieren. Ziel dieser Aktion ist es, einerseits die „bourgeoisen Frömmler zu demaskieren", andererseits eine Propaganda für die „konkreten Aufgaben der Kulturrevolution" durchzuführen. Unter den jüdischen Arbeitern, Bauern, Kustars und Angestellten soll kräftig dafür agitiert werden, daß sie an den hohen jüdischen Feiertagen die Synagogen meiden und ihr Tageswerk verrichten. Palästina. Eine Iriedensaklion des Drith Schalom in Palästina. Jerusalem, 3. Sept. Die palästinensisch-jüdische Friedensorganisation Brith Schalom hat neuerdings Schritte zur Förderung des Friedens zwischen Arabern und Juden in Palästina ergriffen. In Verwirklichung der vom Unterhausmitglied Harry Snell, Mitglied der Shaw-Kommission, gegebenen Anregung, in allen Städten und Dörfern Palästinas, in denen Araber und Juden zusammen leben, binationale Komitees zur Förderung der gegenseitigen Achtung und Freundschaft zu bilden, hat Vrith Schalom beschlossen, Seminare zum Studium Palästinas, der jüdischen Kolonisation, der arabischen Bodenkultur, der Fragen der Gesundheit und des Unterrichts, sowie der Frage, wie jüdische und arabische Selbstverwaltungs-Institutionen auf der Grundlage einer binationalen Regierung entwickelt werden können, einzurichten. Ein Entwurf praktischer Maßnahmen zur Besserung der arabisch-jüdischen Beziehungen wird ausgearbeitet. Araber zu den Vorschlägen des BtifjjÜi-ij;; Schalom.; ■ , I e r u f ü l e stl,' 3. Sept. Als Erwiderung auf die Vorschläge des^ Brith Schalom stellt die arabische Zeitung „Al.Carmel^ nachstehende Vorbedingungen für' deren Erwägung: Verpflichtung, auch nicht einen Fellachen zu entlassen; Verzicht aus Konkurrenz mit-arabischen Beamten und Arbeitern; Beschäftigung von 80 Proz. -Arabern in jüdischen Unternehmungen; Verzicht auf Unterstützung der jüdischen Industrie durch die Regierung, eine Unterstützung, die auf Kosten der arabischen LandwirfÜ und'.Kaufleute geleistet wird; keine Konkurrenz mit arabischen Kausleüten; Anerkennung des Arabischen als der einzigen offiziellen Sprache Palästinas; Verzicht!auf den Traüm vom Nationalheim und Aufgabe des. Widerstandes gege,n die Einreihung Palästinas in einqn arabischen Staatenbund. Als Erwiderung auf die Ausführungen des Präsidenten der Jewish Ägency, Dr. Chaim Weizmann aus der Berliner Tagung des zionistischen A. C., daß in Palästina Platz sein muß für beide Völker, schreibt das Organ der arabischen Exekutive „Felestin": Palästina ist ein arabisches Lypd, wir! fordern einen arabischen, nicht aber einen jüdisch-arabischen Staat. Die Zionisten müßten sich damit abfinden, wenn sie nicht eine Niederlage erleben wollen. Nach Berichten der arabischen Presse ist die arabische Bevölkerung gegenwärtig in zwei politische Gruppen geschieden: in Extremisten, >die den Plan einer gesetzgebenden Körperschaft ablehnen und auf Erfüllung aller arabischen Forderungen bestehen, und in Gemäßigte, welche den Legislative Council unter der Voraussetzung^ der Einschänkung der jüdischen Einwanderung und des- Verbots des Bodenverkaufes anerkennen wollen. Die arabische Presse warnt vor der Durchführung des Planes, 60 Jemeniten in Hebron anzusiedeln, und schreibt, eine Ansiedlung. der Jemeniten wird den in Hebron herrschenden Frieden, stören. Einigungsverhandlungen in der klagemauerfrage gescheitert? Jerusalem, 8. Sept. Die vor etwa einer Woche unter Mitwirkung der' Palästinaregierung eröffneten Verhandlungen zwischen Juden und Arabern über eine Einigungsformel im Klagtzmauerkonflikt wurden nunmehr ergebnislos abgebrochen. Die starre Ännachgiebigkeit des Erotzmufti von Jerusalem macht eine Wiederaufnahme solcher Verhandlungen unwahrscheinlich. Der Präsident der Jerusalemer Jüdischen Gemeinde und Mitglied der Exekutive des Waad-Leumr, Josef Meyuchas, hatte sich schon kurz nach der Ausnahme der Verhandlungen dem Vertreter der ITA gegenüber dahin geäußert/daß er an die Möglichkeit einer Verständigung ini Klagemauerstreit nicht glaube. Die Juden hätten die äußersten Zugeständnisse gemacht, die Araber seien jedem Argument unzugänglich. (ITA.) Der Hebroner Polizeileiter Eaferata Polizeiinspektor in Tel-Awiw. Jerusalem, 26. Aug. Die hebräische Presse teilt mit, daß die Palästina- Regierung den bisherigen Leiter der Polizei von Hetron, Herrn Laferata, zum Inspektor der Polizei der Stadt Tel Aviv ernannt hat. Die revisionistische Tageszeitung „Doar Hayom" fordert die Stadtverwaltung in Tel Aviv auf, gegen die Ernennung Laferatas zum Leiter der Polizei einer rein jüdischen Stadt zu protestieren und die Annullierung der Ernennüngsorder zu fordern. Auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen- Agentur beim Hauptquartier der palästinensischen Polizei wilrde eine Auskunft über die erfolgte Ernennung nicht gegeben, die Nachricht über die Ernennung aber nicht bestritten. Caferata war Leiter der Hebron-Polizei zur Zeit der Judenmassakres im August 1929. Er war es, der vor den Massakres, als die wegen der ungehemmten Mordagitation unter den Arabern besorgt gewordenen Hebroner Juden eine Verbindung mit bet Jerusalemer Regierung herzustellen versuchten, um diese um Schutz zu bitten, eine solche Verbindung verhindert und die Hebroner Juden vertröstet hat, daß kein Grund zu Besorgnis besteht. Dieses sein Verhalten hat die Empörung der gesamten palästinensischen Judenheit hervorgdruftp^ Während der.Anrühen freilich' solider sich perfö'nlich mit der Waffe in der Hand den arabischen Ercedenten enttzegengestellt und dabei-einen Räuber niedergeschossen .haben. \ 7/ Ein i Ariedeü!späkt zwifchM Arabern iitrtP Puden ’ in Äligdal. /;; - Jerusalem, ‘14. Sept. In einer eigenartigen Zeremonie wurde an einem Punkte nördlich von Migdal ein Friedenspakt zwischen den jüdischen Kolonisten dieses Ortes und dem benachbarten Beduinenstamm Arb el Hip geschlossen. Am 11.. September.»wurde in dem Bananenhain von Migdal ein dem Stamme ängehörender Beduine erschossen aufgesunden. Die Kolonisten von Migdal, unterstützt von den - Kolonisten Rosch-Pinahs, traten sofort in^ Unterhandlungen mit dem Bedüinenstamm ein, um.eine eventl. geplante Blutrache hintanzuhalten. Das ANerbieten der Kolonie Migdal,/den Perwasidteh des getöteten 'Beduinen 125 Pfund.zu-bezahlen, wurde von diesen als ausreichende Sühne angenommen.;'Der. 'wiederhergestellte Friede wurde Nunmehr in einer, feierlichen Zeremonie, der der Distriktskommissar von Liberias, die jüdischen Kolonisten von 'Unter-Galiläa und die Sheiks des Beduinenstammes und^ mehrerer anderer arabischer Dörfer beiwohnten, bekräftigt.-Die Aeltesten von Migdal hielten Begrüßungsansprachen und umarmten die Verwandten des Getöteten und die Sheiks des Stammes. Ueber eine Stange, von der das eine Ende von Kolonisten, das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.