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Der Israelit · 1930-09-19 · Heft 38 (19.9.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 38 (19.9.1930)
Date
1930-09-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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19. September 1930 _ ■ /_• ningcn unterbreitet und zum Schluß die Hoffnung ausgedrücktdaß alle an der Neuordnung des Kalenders interessierten Staaten und vor allem der Völkerbund selbst im Sinne seiner hohen Aufgabe nichts unversucht lassen wird, um einen alle Teile befriedigenden Ausgleich durchzusetzen. Der Lhofez Chajim an den Sabbatkongretz. Berlin, 7. Sept. In einer Zuschrift an: die Leitung des Sabbath- Weltkongresses unterstreicht der unter dem Namen „Chosez Chajim" in der ganzen Welt berühmte greise Gelehrte, Rabbi Israel Meier Kagan aus Radun, der -Ehrenpräsident des Großen Rabbinischen Rates der „Agudas Jisroel", die hohe Bedeutung, die er der Tagung beimißt. Er bedauerte ■es aufs Lebhafteste, wegen seines hohen Alters und seiner geschwächten Gesundheit an der Versammlung nicht persönlich teilnehmen zu können. Mit herzbewegenden . Worten nimmt der Rabbi zu den Aufgaben der den Geist der Sabbathheiligung neu erweckenden Tagung Stellung und empfiehlt die Gründung von Sabbath-Ortsgruppen in der ganzen Welt, die sich mit der, theoretischen und praktischen Verfechtung des Sabbathgedankens befassen sollen. Mit besonderem Nachdruck weist der Chofez Chajim daraus hin, daß es erforderlich sei, mit aller Macht gegen die Absichten der Kalenderreform mit Blanko-Tag, .die nichts Geringeres Zur Folge haben werden, als den Sabbath in Vergessenheit geraten zu lassen, zu protestieren. Kundgebung der bayerischen Rabbinerkonferenz. ' Nürnberg, 14. Sept. Da am 1. Oktober 1930 in Bayern das sogenannte Vetäubungsgesetz in Kraft tritt, erläßt die „Bayerische Rabbinerkonferenz" in Nr. 18 der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezertung", dem amtlichen Organ des bayerischen Gemeindeoerbandes, die folgende Kundgebung an alle bayerischen Juden: „Der 1. Oktober, der Vortag des diesjährigen Versöhnungsfestes, ist für uns bayerische Juden ein Tag schwerer seelischer Bedrückung. An ihm tritt das vom bayerischen Landtag beschlossene Betäubungsgesetz in Kraft, das in feiner Auswirkung in Wirklichkeit nichts anderes als ein Verbot des rituellen Schlachtens be- Deutet. So hält dieser Tag uns die schmerzliche Tatsache vor Augen, daß in unserem geliebten bayerischen Vaterland — einstmals das Land der Gerechtigkeit und Gewissensfreiheit und ungehinderten Religionsübung für alle Bekenntnisse — uns Juden gegenüber ein Angriff auf das Palladium der Gewissensfreiheit, wie auf unsere staatsbürgerlichen Rechte möglich geworden ist. Wir müssen uns leider vor dieser Tatsache beugen, die uns für kürzere oder längere Zeit schwere drückende Notwendigkeiten auferlegt. Unmännliches Klagen vermag uns nicht zu helfen. Es gilt dem Unabänderlichen ins Auge zu schauen,- den Schwierigkeiten die Stirne .zu bieten, das Schwere und Unbegreifliche würdig zu -tragen. In eingehenden Beratungen und treuer, umfichti- -ger Arbeit haben die religiösen und weltlichen Führer des bayerischen Judentums zusammen mit den Vertretern des jüdischen Metzgergewerbes in Bayern, auf dessen Erhaltung die jüdische Bevölkerung bedacht sein muß, die Voraussetzungen für den Fleischbezug aus außerbayerischen Ländern geschaffen. Die Durchführung wird sich, zumal in der ersten Zeit, nicht leicht gestalten und die Mitglieder unserer Glaubensgemein- 'fchast werden nicht geringe Opfer bringen müssen. Dennoch zweifeln wir keinen Augenblick, daß das bayerische Judentum mit starkem Willen und mit zähem Opfersinn sich der schwierigen Lage gewachsen zeigen und an der Heiligung seines Lebens im Sinne der religiösen Speisevorschriften festhalten wird. Hat doch die jüdische Gemeinschaft zu allen Zeiten, wenn es galt, einen Angriff auf ihre religiösen Heiligtümer.abzuwehren, wie die jüdische Geschichte es auf allen ihren Blättern zeigt, rühmenswerte Stärke und leuchtenden Opferfinn bewährt. De r Israelit Wir haben deshalb zu der Gesamtheit unserer Glaubensbrüder und Glaubensschwestern das feste Vertrauen, daß auch diejenigen, die bisher in der Beachtung der religiösen Speisevorschriften zurückstanden, nicht mehr zur Seite stehen, daß sie durch ihre Beteiligung an den zu bringenden Opfern uns im Kampfe um unsere Gewissensfreiheit unterstützen und auf solche Weise ihr Gemeinschaftsgefühl und ihre brüderliche Gesinnung betätigen werden. An alle unsere bayerichen Glaubensbrüder und Glaubensfchweftern richten wir somit die dringende und herzliche Bitte, daß sie der heiligen Sache der Religion die Treue wahren und in richtiger Würdigung der schweren Zeit, sich als pflichbewußte Bekenner unseres Glaubens bewähren mögen. Möge das bayerische Judentum in solcher Zeit der Drangsal nicht versagen und nicht enttäuschen." Wege und Ziele des Ostjüdischen Verbandes in Deutschland. Karlsruhe, 10. Sept. lieber die südwestdeutsche Verbandstagung ostjüdischer Ortsgruppen in Karlsruhe wird uns von befreundeter Seite folgendes geschrieben: Am Samstag abend und Sonntag, den 31. August tagte in Karlsruhe im „Nassauer Hof" eine Konferenz südwestdeutscher Ortsgruppen des Ostjudenoerbandes. Außer den Delegierten von 17 Städten waren auch von der Reichsexekutive die Herren Dr. Taubes, Haarpuder und Venzion Fett anwesend. Es ist nicht zu bestreiten., daß eine feste ostjüdische Organisation in Deutschland! notwendig ist, auch nicht daran zu zweifeln, daß die anwesenden Herren von der Reichsexekutive erste Autoritäten und Männer sind, welche die Fähigkeit besitzen, eine solche Organisation zu leiten. Aber gerade bei solchen Menschen nimmt es wunder, daß sie! so kurzsichtig sind und offenbare Fehler begehen. Sie haben in ihren brennenden Vorträgen die Versammlung aufgefordert, für Zionismus und jüdischen Nationalismus einzutreten und auch für kulturelle Arbeit. . Ich stelle nun die Frage: Wenn man von einem Ostjudenoerband spricht, so versteht man darunter doch einen Verband, dem sämtliche in Deutschland lebenden Ostjuden angehören können. Unter den Ostjuden gibt es aber drei Richtungen: Talmudisten, Hebraisten und Jiddischisten. Diese zerfallen wiederum in Zionisten, Misrachisten, Agudisten usw. Unter diesen Parteien herrscht schon lange Kamps und Meinungsverschiedenheit. Wie denken Zich die Herren der Exekutive ein gemeinsamss Arbeiten dieser verschiedenartigen . und gegensätzlichen Gruppen im Ostjudenverband, wenn dieser parteiische Ziele in sein Programm hereinbringt? — Es ist doch selbstverständlich, daß ein Nichtzionist niemals das zionistische Programm des Ostjudenverbandes anerkennen wird. Ein talmudisches Mitglied des Verbandes wird natürlich die Unterstützung einer Talmud-Thora, ein hebraistisches dagegen diejenige einer modernen hebräischen Schule und ein jiddischistisches einer jiddischen Schule fordern. Wie kann da gemeinsame kulturelle Arbeit geleistet werden? Außerdem ist es meiner Meinung nach ein chauvinistisches Bestreben, sich fremdes, geistiges Eigentum anzueignen: denn für Kulturarbeit gibt es ja die bereits bestehenden großen Parteien: Zionismus und Agudismus, denen sich die meisten Juden der Welt angeschlossen haben. Wozu also diese Arbeit im Ostjudenverband? Wenn der Ostjudenverband auf solche Weise arbeiten will, wird er anstatt, verbinden — zersplittern. Der Verband muß vielmehr seinem Wesen nach überparteiisch sein und sich auf das rein Soziale und Politische beschränken unter- Ausschluß der Kulturarbeit, wofür ja bereits lang bestehende, große jüdische Parteien da sind. Ich habe diese Fragen auch in öffentlicher Sitzung oorgetragen, doch ist man mir mit der Ausrede von Zeitmangel eine klare Antwort schuldig geblieben. .Nr..38. .Seite? Als ein immer mit Interesse in der Verbandsarbeit Stehender erbitte ich um eine klare und deutliche Antwort auf diese Fragen in einer jüdischen Zeitung. I. L. (Wir, haben diese Frage wiederholt schon öffentlich gestellt, eine klare Antwort ist nicht ergangen. Oder gilts auch hier, daß „keine Antwort eine Antwort ist?" D. Red.). Schweiz. Ein Fest in der Jeschiwah zu Montreux. Montreux, 12. Sept. Das für Sonntag den 14. September geplante Fest der Jechiwah wurde aus zwingenden Gründen auf Sonntag, den 28. September ('nvn 'i) verlegt. Mit der Weihe einer neuen Thorarolle verbindet die Jeschiwah das Fest ihres vierjährigen B e st e h e n s. Zugleich wird an diesem Tag das große Semester-Verhör stattfinden. Die Jeschiwah hat sich in d/n vier Jahren seit ihrer Gründung zu einer Position der Thora in Westeuropa befestigt, - die die Bewunderung der führenden Männer im Judentum, die sie in letzterer Zeit besuchten, erregt. Sie beherbergt zur Zeit kn ihren Mauern 70 Schüler ,aus allen Weltgegenden, darunter Rabbinatskandidaten, '.die vor dem Abschluß ihrer Studien an einem Rabbinerseminar stehen. Das Fest, für das umfassende Vorbereitungen getroffen sind und zu dem sich schon viele prominente Gäste angesagt haben, wird sich zu einer machtvollen Manifestation für die Regeneration des Thorastudiums in Westeuropa gestalten. Dänemark. Skandinavische Schomre Schabbos-Organisation. Kopenhagen, 7. Sept. Unsere von Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Winkler begründete Organisation, die alle in den skandinavischen Ländern sich interessierenden Persönlichkeiten und Vereinigungen zur gemeinschaftlichen Arbeit sammelt, ist in steter Entwicklung begriffen und kann bereits auch auf einen schönen praktischen Erfolg Hinweisen. Ein Beispiel: Ein hiesiger Familienvater in einer nichtjüdischen Lederfabrik tätig, hatte schon oft versucht, sich am frei zu machen, doch ohne Erfolg. Nun gelang es m. G. H. unserer Organisation, und zwar auf der Basis, daß er an jedem Werktage eine Stunde länger arbeiten dürfe. Die Arbeit war gar keine so leichte, erstens weil der Betreffende feit 20 Jahren an derselben Fabrik am Schabbos gearbeitet, zweitens weil dort noch andere zwei Glaubensgenossen beschäftigt sind, die auf die Befreiung am Schabbos nicht reflektieren. Die Freude des betr. Mannes und derer, die ihm nahestehen, läßt sich kaum beschreiben. Norwegen. Merkwürdige Folgen eines Schächtverboks. Oslo, 14. Sept. In Norwegen, das dieses Jahr das Schachtverbot eingeführt hat, wird bereits wieder die Abschaffung diskutiert. Bisher wurden nämlich auch die Schweine durch Halsschnitt geschlachtet, damit das Fleisch für den Export ins Ausland möglichst blutlos versandt werden konnte. Seit Erlaß des Schächtverbotes l aber mußte diese Methode aufgegeben werden, und in letzter Zeit häuften sich die Reklamationen der englischen Kunden, daß das norwegische Fleisch den hygienischen Anforderungen nicht mehr entspreche. Da die Engländer deswegen ihren Bedarf in Ländern eindecken, wo sie nach Wunsch bedient werden, bleibt den norwegischen Schweinehändlern nichts anderes übrig, als wieder zur Schächtmethode zu greifen. Es hat sich jetzt ein Komitee feine Herrenhute /.<* bekannte Marken Fabrikate y^O Haarfilz von Mk15.-an tyäu&fekwsvtäcfaHuifrdm- "Pfuhcix! ER GEWAHRT UNSEREN MITGLIEDERN 'ERSPARnI&SE. UND VERQUNSTIGUNGBt* BERLIN W 9, FRIEDRICH CBERTSTRASSE 2/3,TEL. KURFÜRST 8H6H & l i

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