Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1930)
- Date
- 1930-09-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6. Nr. 38 * Ver6eim Sporf und wer ßeimVcmdern Kaiser-Borax-Puder wäfiff. Brauefit nu 5 diesen-keinen andern, ^Weil ihn nie mehr Wundsein quält. Berliner Landesverband und Lrauenwahlrecht. Berlin, 15. Sept. Nach Erscheinen unserer letzten Nummer, in der wir uns bereits mit Herrn Rechtsanwalt Dr. Wiener in Berlin über die Frage auseinandersetzten, ob durch § 12 des Gesetzentwurfes des Preußischen Landesverbandes das Frauenwahirecht den Gemeinden obligatorisch auserlegt wird oder nicht, geht uns eine offizielle Erklärung des Berliner Landesverbandes in der Angelegenheit zu, die wir im folgenden wiedergeben: In Nummer 32 Ihres Blattes wird unter der Ueberschrift „Zwangsverband und Frauenwahlrecht" ein Artikel veröffentlicht, in dem behauptet wird, daß in dem Entwurf des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zum preußischen Judengesetz die zwangsweise Einführung des Frauenwahlrechts verankert ist. In Nr. 36 wird unter der Ueberschrift „Die Konservativen im Berliner Landesverband und der Entwurf zum preußischen Judengefetz" gegenüber einer Ihnen zugegangenen Richtigstellung diese Behauptung wiederholt. Demgegenüber stellen wir hiermit fest, daß die Behauptung unrichtig ist. Mit keinem Wort ist in dem Entwurf das Frauenwahlrecht verankert. Die Forderung des gleichen Wahlrechts schließt lediglich ein ungleiches Wahlrecht, wie es etwa das alte preußische Klassenrecht oder ein Pluralwahlrecht darstellen würde, aus, bedeutet aber nicht, daß nicht gewissen Personenkreisen das Wahlrecht entzogen werden könne. Das geht völlig eindeutig aus Abs. 4 hervor, der genau die Personenkreise umreißt, für die durch das Gemeindestatut ein Ausschluß nicht erfolgen darf. Die Frauen sind darunter nicht ausgezählt. In Abs. 5 ist dann ausdrücklich bestimmt, daß „im übrigen", also soweit nicht in den vorangegangenen Bestimmungen das Gegenteil ausgesprochen ist, „das Selbstbestimmungsrecht der Gemeinden in Fragen des Wahlrechts gewahrt" bleibt. Mithin auch in der Frage des Frauenwahlrechts. Wir stellen mit Befriedigung fest, daß hiernach der Vorstand des Preußischen Landesverbandes offenbar nicht die Absicht gehabt hat, durch seine Formulierung des § 12 das Frauenwahlrecht obligatorisch einzuführen. Dann sollte jedoch, wie wir wiederholt betonten, eine klarere Formulierung des Paragraphen erfolgen, zumal auch in dem vom Kultusministerium dem Vorsitzenden des Landesverbandes zugesandten Schreiben, das Herr Dr. Sandler auf der Verbandstagung erwähnte (Seite 57 des stenographischen Berichtes) und das damals auch Mitgliedern der Plenarversammlung zur Kenntnis gebracht wurde, Bedenken gegen die „staatsgesetzliche Einführung des Frauenwahlrechtes" geltend gemacht find. Demnach muß die Absicht der staatsgefetzlichen Einführung doch aus der derzeitigen Formulierung des Paragraphen hervorgehen und es besteht aller Anlaß zu einer Revision dieser Formulierung. Ist der Entwurf einmal Gesetz, dann haben nicht mehr die Organe des Landesverbandes über die Interpretation zu befinden. Hilfskaffe der Rabbiner Deutschlands. Berlin, 12. Sept. Die im Jahre 1907 ins Leben gerufene Witwen-, Waisen- und R u h e g e h a l t s k a s s e der Rabbiner Deutschlands ist Ende des Jahres 1929 aufgelöst worden. Die Kaffe hatte durch die Inflation den größten Teil ihres Vermögens verloren, so daß sie nicht mehr imstande war, den von der Satzung bestimmten Verpflichtungen nachzukommen und die vorgesehe- I nen Pensionen, Witwen- und Waisengelder zur Auszahm Der Israelit Die Woche. . Berlin. Lehrer Silberbach aus Bonn, ein Frontsoldat, der unter Lebensgefahr einen Menschen vor dem Tode des Ertrinkens gerettet hatte, erhielt von der preußischen Regierung die Rettungsmedaille am Bande. — Frl. Dr. Dora Berliner, eine Führerin in der Jugendbewegung, ist zum Professor ernannt worden. — Die Deutsche Reichsp o st läßt zum Rofchhafchonofest einen Glückw u n f ch t e l e g r a m m d i e n ft mit ermäßigter Gebühr zu. Vom 19. Sept. bis 3. Okt. können solche ermäßigten Glückwunschtelegramme in innerdeutschem Verkehr wie im Verkehr mit dem Auslande zugelassen werden. — Am 23. September begeht Herr Moses S a l o m a n, Eharlottenburg, _ Kuno-Fischer- Straße 19, in völliger körperlicher und geistiger Frische seinen hundert st en Geburtstag. Die Berliner Montagszeitungen bringen das Bild des rüstigen Hundertjährigen, wie er ohne jede Stütze oder Begleitung zum Wahllokal schreitet, um seiner Bürgerpflicht zu genügen. Er war der älteste Berliner Wähle/,:. — Das hebräische Theater „Habima" führte bei ausverkauftem Haufe das Sheakefpearesche Stück „Was Ihr wollt" in der hebräischen Bearbeitung von Tschernikowsky auf. Die Zeitungen sind voller Lob über die künstlerische Leistung der „Habima". — In der Prinzregentenstraße wurde am Sonntag eine neue liberale Synagoge eingeweiht. Die Empore hat eine Frauenabteilung, aber auch eine solche. in der Frauen und Männer zusammensitzen können. — Wie Berliner Schaffner dem Terror der Hakenkreuzler Vorschub leisten, beweist der „Vorwärts" mit einem Falle, in dem sich Aulobusführer der Linie 5, am Wahlabend von johlenden Nationalsozialisten bewegen ließ, jüdische oder jüdisch aussehende Herren aus dem Autobus zu weisen. Riga. Hier verstarb der älteste Jude und wohl älteste Mann in Lettland. Er hieß Rafael F e l d m a n n und erreichte ein Alter von 117 Jahren. — Der Lubawit scher Rebbe traf, von Amerika kommend, wieder in Riga ein. Es wurde ihm dort ein feierlicher Empfang bereitet. Am Bahnhof hielt Sejmdeputierter D u b i n die Begrüßungsansprache. Der Menschenandrang war so groß, daß die Polizei die Ordnung aufrecht erhalten mußte. Moskau. Nach neuer Verordnung dürfen Sowjetbürger ohne Einschränkung von Verwandten im Auslande Unterstützung erhalten. Bisher wurden solche Unterstützungsempfänger des russischen Bürgerrechtes verlustig. Bukarest. Die Behörden fangen langsam an, die den Juden durch die Pogrome zugefügten Schäden zu ersetzen. In V o r s ch a werden die Abgebrannten aus den Staatswäldern mit Holz zum Wiederaufbau der Häuser versorgt. Sarajewo. In Anwesenheit eines Abgesandten des jugoflavifchen Königs, von Vertretern der königlichen Regierung, der höchsten Zivil- und Militärbehörden, der nichtjüdischen Konfessionen und unter Teilnahme führender Juden aus allen Teilen Jugoslaviens fand hier am 14. Sept. die feierliche Einweihung der neuen großen sephardischen Synagoge statt. Den Weiheakt vollzog der Großrabbiner von Sarajewo, Dr. M. L e v i. Paris. Der Generaldirektor der I e - wish Colonisati.on Association (JEA) Dr. Louis O u n g r e, ein Mann, dessen Name überall, wo Juden leben, einen guten Klang hat, hat sein 50. Lebensjahr vollendet. Dr. Louis Oungre stammt aus Arlon in Belgien, wo sein Großvater Rabbiner war. Im Dienste der Jewish Eolonisation Assoziation steht er seit 1910. Auf seinen Vorschlag wurden vom Direktorium eine Reihe von Maßnahmen getroffen, durch die den Kolonien rasche Entwicklung und Erreichung hoher Prospektivität gesichert wurde. Newyork. In den Newyorker Lichtspielbühnen wird zur Zeit ein Tonfilm in jiddischer Sprache vorgeführt und findet größte Beachtung. Jerusalem. Das Territorium von Wadi Hawaii t h wurde nach langem Prozeß den jüdischen Besitzern zugesprochen. Die Araber weigern sich aber, den Boden zu räumen, so daß 30 Polizisten die Räumung mit Gewalt vornehmen muhten. — Im Alter von 60 Jahren starb David W e i ß b r o d , einer der Mitbegründer der jüdischen Stadt Tel-Aviv. Tel-Aaia. Der Stadtrat von Tel-Aviv hat den Entwurf einer neuen Stadtverfassung fertig gestellt. Heber die endgültige Formulierung der Bestimmung über die S a b - b a t r u h e soll noch mit dem Oberstaatsanwalt Norman Bendwich verhandelt werden. 19. September 1930 lung zu bringen. Der noch übrig gebliebene Vermögensrest sollte satzungsgemäß zu einem ähnlichen Zweck Verwendung finden. Infolgedessen beschloß die letzte Mitgliederversammlung, dieses Restvermögen zur Begründung einer Hilfskasse zu verwenden, welche nicht mehr wie die frühere Kasse den Charakter einer Versicherung, sondern einer Wohlsahrtseinrichtung tragen sollte. Diese neue Kasse wurde unter dem Namen „Hilfskasse der Rabbiner Deutschlands" mit dem Sitze in Berlin nunmehr ins Leben gerufen. Zweck derselben ist die Gewährung von Beihilfen in Bedarfsfällen an Rabbiner in Deutschland sowie an ihre Witwen und Waisen. Mitglied der Kasse kann jeder Rabbiner in Deutschland werden, der einen Jahresbeitrag von Mk. 10.— entrichtet; andere Personen sowie Körperschaften als Förderer gegen einen Jahresbeitrag von Mk. 20.—. Der Vorstandschaft muH ein vom Vorstande der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und ein vom Vorstand des allgemeinen Rabbinerverbandes in Deutschland bestimmtes Mitglied angehören. Zum Vorsitzenden wurde der bisherige Vorsitzende der aufgelösten Kasse, Herr Rabbiner Dr. -Freudenthal, Nürnberg, berufen. Zum zweiten Vorsitzenden Herr Direktor Kareski, Berlin. Das Amt des Schatzmeisters übernahm Herr S. Schönberger, Bankier in Fa. S. Schönberger u. Co., Berlin. Dem Vorstände gehören ferner Herr Handelsgerichtsrat Berthold Kirstein, Berlin, sowiedie Herren Rabbiner Dr. Baeck, Berlin, Dr. Bergmann. Berlin und Dr. Vogelste'in, Breslau an, die sämtlich bereits Mitglieder des Kuratoriums der früheren Kaste: waren Gesuche, die die Kasse angehen, sind an den Vorsitzenden, Zahlungen an die genannte Banksirma unter Postscheckkonto Nr. 814 zu richten. - , Tagung der Preußischen Provinzialverbände jüdischer Gemeinden in Berlin. Berlin, 12. Sept. Vor kurzem fand in Berlin unter dem Vorsitz des Gemeindeältesten Waldstein-Breslau eine Zusammenkunft der Vertreter der preußischen Provinzialoerbände jüdischer Gemeinden statt, in der fast alle Verbände vertreten waren. Als Vertreter des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden wohnte Dr. Freund den Verhandlungen bei. Amtlich wird hierüber berichtet' Die Tagesordnung umfaßte eine Reihe von Gegenständen, die für die Provinzialverbände von erheblichem Bedeutung sind. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Forderung, daß die Prooinzialverbände in der Verfassung des Preußischen Landesverbandes verankert werden sollen. Es wurde einstimmig ein Antrag angenommen, der diese Forderung zum Ausdruck bringt. Ein Antrag, die Provinzialbeamten auf den PreußifchenLandesverband zu übernehmen und damit zugleich eine Umorganisation der zur Zeit noch vielfach unvollkommenen religiösen Versorgung der Kleingemeinden und der unzureichend beschäftigten Beamten herbeizusühren, fand grundsätzlich Zustimmung. Von dem Vertreter des Rates wurde darauf hingewiesen, daß der Landesverband die Bildung von Lehrerbezirken zu diesem Behuse von Anfang an zu seinen wichtigsten und dringlichsten Aufgaben gezählt habe. Er würde es durchaus begrüßen, wenn diese seine Tätigkeit durch konkrete Vorschläge der Provinzialverbände unterstützt werden würde. Eine weitere wichtige Frage, die in der Tagung behandelt wurde, war die, auf welchem Wege eine religiöse und feelsorgerische Betreuung der vielen Zwerggemeinden und der sporadisch auf dem Lande lebenden Juden herbeigeführt werden könne. Von"'dem pommerschen Verband wurde gefordert, schnellstens eine Ruhegehaltskasse zu schaffen, die die Pensionsansprüche der Beamen und deren Hinterbliebene sicherstellt. Vom Vertreter des Rates des Landesverbandes wurde darauf hingewiesen, daß die Verhandlungen über die Schaffung ener solchen Kasse bereits seit langer Zeit schweben und in Kürze wohl auch zu einem Ergebnis führen werden. Das Präsidium des Vellverbandes der Tchomre Schabbos an den Völkerbund. i Berlin, 14. Sept. ( Das Präsidium des Weltverbandes der Schomre Schabbos sandte ein Schreiben an den Völkerbund, in dem dieser von der Verlner Weltkonferenz in Kenntnis gesetzt wird. Es wird dem Völkerbund ferner die Resolution in Sachen der Kalenderreform mit Erläute-