Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1930)
- Date
- 1930-09-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450600-2450636--77238-2534885- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 8. Nr. 37 D er Israelit . 11. September 1930 sollen eine oder mehrere der arabischen Sprache mächtigen Personen mit der Führung aller Beziehungen mit den benachbarten arabischen Dörfern beauftragt werden; in jedem jüdischen Siedlungsbezirk soll ein Komitee zur Verbesserung der jüdisch-arabischen Beziehungen in dem betreffenden Bezirk eingesetzt werden; die Jewish Agency soll jüdische Verbindungsbeamte mit den arabischen: Gemeinschaften in Damaskus, Kairo und Bagdad bestellen. Die Jewish Agency, der Waad Leumi, die Hebräische Universität oder die Palästina-Regierung sollen eine Uebersicht über die jüdisch-arabischen Beziehungen in Palästina äüsarbeiten lassen; eine jüdische Gruppes zur Erforschung der ökonomischen, sozialen und politischen Lebensbedingungen soll gebildet werden und hebräische Monographien veröffentlichen; in den jüdischen und arabischen Schulen soll eine weitergehende Kenntnis von Sprache, Geschichte und Kultur des anderen Volkes vermittelt werden; Juden aus Syrien, Aegypten und Irak, die Hebräisch und Arabisch können, sollen für die Verständigungsarbeit in Palästina herangezogen werden; die Hebräische Universität soll Ferienkurse für Erwachsene über Probleme des Zusammenlebens von Völkern abhalten, gemischte Komitees zur Förderung jüdisch-arabischer Zusammenarbeit sind in gemischten Städten zu bilden: die Institutionen beider Völker sollen durch wechselseitige Besichtigungen den Angehörigen des änderen Volkes bekannt gemacht werden; die Propaganda zugunsten einer Verständigung und , Zusammenarbeit soll verstärkt werden; die " Jewish Agency soll ihre arabische Politik deutlicher definieren und ständig betonen; die Mithilfe von Regierungsbeamten bei der Förderung der Zusammenarbeit ist zu sichern; die Mithilfe der Quäker, der Vahai-Gemeinde sowie der Freimaurer-Loge zur Förderung der Zusammenarbeit beider Völker ist anzustreben. Personalien. Rilra» 7. Sept. Der Lehrer der Nitraer Talmud- Thora-Schule, Herr Chaim Klein, vollendet dieses Jahr seine 25jährige Lehrertätigkeit. Seine früheren hiesigen Schüler haben beschlossen, ihren beliebten und hochgeschätzten Lehrer an seinem Jubiläumstage unter Mitwirkung all seiner Schüler würdig zu feiern. Daher werden alle früheren Schüler des Jubilars ersucht, ihre Adresse an Herrn Michael Blume nfeld, Niira, bekanntzugeben, damit wir sie über Ort und Zeit der Festlichkeit verständigen können. Würzburg, 5.. Sept. .Unsere große und berühmte Gemeinde verfolgt seit etwa 2'Jghren,.efn,igeradezu tragisches Schicksal, So viele wertvolle, ,?i.frige,und angesehenp Mitglieder wurden uns in kurzer Aufeinanderfolge eytrisien. Kaum schloß sich das Grab über den uns allen unvergeßlichen in so jungen Jahren dahingegangenen Synagogenvorsteher Hermann Engel,, standen wir schon wieder am 3. Elul an der Bahre eines allgemein bekannten- und hochverehrten Gemeindemitgliedes, des Hauptlehrers a. D: Salomon Eisema n. n. Nach, erfolgreichen Lehrer- und Führerjahren in Haßfurt Und Westheim b. Hammelb. war er 1912 in unsere Gemeinde übergesiedelt, wo er nach kurzer Ruhepause eine eifrige und ersprießliche Tätigkeit im Dienste der Allgemeinheit entfaltete. Seine stille und vornehme Persönlichkeit, sein kluger, alle Probleme rasch erfassender Verstand und seine liebevolle Art mit Menschen umzugehen, erwarben ihm in unsere Stadt bald die Freundschaft weitester Kreise und seine pädagogische Begabung sichert ihm über den Tod hinaus das dankbare Andenken seiner zahlreichen Pensionäre und Schüler der verschiedensten privaten und Gemeindefortbildungskursen. Besonders 'unsere Chewrah Kadischa verliert in ihm elften in früheren Jahren gern für sie tätigen Redner in Trauerhäusern, der in harmonischer ^Vereinigung von Thorawissen und moderner Rednerkitiist es wie feiten einer verstand, 'Öle1' Trauernden zu trösten und die Herzen der'Zuhörer für Tauroh und Mizwaus immer 'aufs Neue zu erwärmen. Bezirksrabbiner Dr. Hanover schilderte am Grabe in schmerzlicher Klage den schweren Verlust der Gemeinde und die ideale Lebensführung des Entschlafenen. Nachdem noch Studiendirektor Stoll und Oberlehrer Dürig im Namen des Seminars und der bayerischen- Lehrerschaft letzte Grüße entboten hatten, sprachen, mach Lehrer Weil-Hof im Namen der weiteren und Dr. Eisemann - Nürnberg als Sohn im Namen der engeren Familie Worte des Abschieds und des Dankes, n-Msa/i. Ladenburg, 7. Sept. Am 2. September feierte Herr Julius Kaufmann seinen achtzigsten Geburtstag.. Wer Zeuge all der Liebe und Verehrung war, die dem Jubilar an diesem Tage von Verwandten, Freunden, Anstalten und Vereinen entgegengebracht wurden, kann ermessen, auf ein wie reiches Leben der verehrte Jubilar zurückblicken kann. In einer dem überlieferten Judentum entfremdeten Gemeinde hatte er jahrzehntelang mit dem Einsatz seiner ganzen -Kraft um die Anerkennung der nun und ihrer Forderungen zu kämpfen, und wenn diese Gemeinde heute unter den Kleingemeinden Deutschlands einen ehrenvollen Rang einnimmt, wenn heute sich täglich morgens und abends ein i'w zu rui-'sn, ■rosa zusammenfindet^ so ist dies in allererster Linie den unermüdlichen Bemühungen des verehrten Jubilars zu danken, der noch heute als Synagogenratsvorsitzender seiner n^up vorsteht und noch heute in jugendlicher Kraft und pünktlicher Gewissenhaftigkeit zu den im G'tteshause zählt, u'Seine flammende Begeisterung für alles'Jüdische äbeist schöpfte und schöpft er aus den •* Schriften' S. R. Hirschs >xt, und Rabb. Dr. M. Lehmanns aus ihnen holte er sich Mut im Lebenskampf, aus ihnen gestaltete er seine kraftvolle jüdische Persönlichkeit. In diesem Geiste gelang es ihm auch, vereint mit seiner treuen Lebensgefährtin seine Kinder zu ebensolchen aufrechten und opferbereiten D'iirv zu erziehen. Der materielle Wohlstand, den G'ttes segnende Hand ihm gewährte, bedeutete ihm stets verantwortungsvolle Verpflichtung zu strengster Redlichkeit irr Handel und Wandel, zu freigiebiger Unterstützung aller Hilfesuchenden und zu weitherziger Förderung aller Anstalten uüd Institutionen, die sich an ihn wandten. Für alle zeigt 'er noch heute ein warmes und verständnisvolles Herz. Möge 'm dem Jubilar noch recht lange seinem Hause, das fest gegründet ist auf rrai rrmyi nun, -erhalten, seinen Kindern, Enkeln und Urenkeln als leuchtendes Vorbild. •«riny Aurich, 7. Sept. Am nrrn 'a n3v verschied im Alter von 67 Jahren Selly Wolfs. Unter großer Beteiligung der hiesigen Einwohnerschaft und seines auswärtigen Bekanntenkreises wurde seine sterbliche Hülle zur NU3P getragen. Herr Lehret Moses verstand es, die hohen Charaktereigenschaften des Verstorbenen in trefflichen Worten zu schildern. Als echter und aufrichtiger Jehudi, nicht für die Menschen und nicht wegen der Menschen, auch nicht zum Scheine, sondern aus innerster Ueberzeugung heraus hat er ivn ais» voll und ganz erfüllt, > Jeder Arme war in seinem Haufe ein gern'gesehener Gast. Er gab reichlich 'und viel, öffentlich und mehr noch geheim. Seiner 36jährigen glücklichen Ehe entsprossen 12 wohlgeratene Kinder, die er alle im Sinne der nun erzog. Als langjährige^' 'Ausschußmitglied der Gemeinde hat er unter Aufbietung seiner ganzen Kräfte sich um das Wohl der Gemeinde verdient gemacht. Herr Landrabbiner Dr. Blum-'Emden ehrte ebenfalls in warmen Worten das Andenken des Verstorbenen. Möge all die vielen Trauernden trösten. n'unn- Bechhofen, 2. Sept. Der Monat Aw brachte unserer Gemeinde einen schweren Schlag. Unser bewährtes Mitglied und'zwar der Besten einer, Hugo Steindecker, Mitinhaber der Pinselfabrik Marx Schloß, Bechhofen, ist uns plötzlich entrissen worden. Diese Hiobsnachricht hat die gesamte Bevölkerung in tiefe Trauer versetzt. tv®