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Der Israelit · 1930-09-11 · Heft 37 (11.9.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 37 (11.9.1930)
Date
1930-09-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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11. September 1930 Der Israelit Nr. 37. Seite 7 Nach Besichtigung der Räume gab es ein geselliges Beisammensein bei einer schön gedeckten Kaffeetafel. Dieses kleine Festmahl war zum Teile von ganz ausgezeichneten und geistsprühenden Tischreden verschönt. So blieb man in Liebe zu einer segenverheißenden Sache vereint, bis der Zeiger an der Uhr — leider zu früh — daran gemahnte, daß es Zeit sei aufzubrechen, um noch den letzten Zug nach Frankfurt zu erreichen. — Das war vielleicht der einzige „häßliche Zug" an der ganzen Veranstaltung.- Schweiz. Ein geistiges Treffen auf -er Alontreuxer Jefchiwo. MontreuX, 29. Aug. Aus verschiedenen Lagern des Judentums hatten fich vornehme Vertreter bei uns zusammengefunden, alle von dem lebhaften Interesse getrieben, den neu erschlossenen Quell des jüdischen Lebens der Schweiz mit eigenen Augen kennen zu lernen. Bor kurzen: traf hier Herr Advokat P a c i f i c i aus Florenz, einer der tätigsten Führer des italienischen Judentums und Herausgeber der größten jüdischen Zeitung Italiens, „Israel", der schon vor ein paar Wochen die Jeschiwah besucht hatte und seine Eindrücke in -einem längeren Aussatz im „Israel" wiedergab, ein. Mit Ihm kamen drei junge Leute, die auf der Weltkonferenz der Jugend in Genf als Deputierte der italienischen, französischen und deutschen jüdischen Jugend anwesend waren und die es sich nicht nehmen ließchr, die lernende jüdische Jugend der Schweiz zu besuchen. Sodann sei, Herr Universitätsprofessor Dr. Krauß, Dozent an dem Rabbinerseminar in Wien, genannt. Später traf noch Herr Rabbiner Dr. T i k t i n aus Berlin bei uns ein. Aus der Begrüßungsansprache des Rebben merkte man den freudigen Stolz, das Werk, dem er alle seine Kräfte widmet, schon so kräftig gedeihen zu sehen, daß maßgebende Männer des Judentums es als wichtigen Faktor in unserem Geistesleben ansehen. In seiner kurzen, inhaltsreichen Rede konnte Herr Professor Krauß nicht genug die Freude schildern, die er gleich bei Betreten der Jeschiwah empfand. Er war ergriffen von dem hingebungsvollem Fleiß, von dem «raa r-n'oa, mit dem selbst die jüngsten Bachurim ihrem Lernen obliegen, trotz Sonnenschein und Freizeit. Nach ihm ergriff Herr P a c i f i c i das Wort und hielt eine glänzende Rede in klingenden fephardischem Hebräisch. Bei seinem ersten Besuch habe -er erlebt, was reinstes jüdisches Leben und Lernen ist, und sein jüdisches Herz und Verantwortungsgefühl hätten ihn seither nicht ruhen lassen. Er, ein Mann in mittleren Jahren von gesellschaftlicher Stellung, will, so teilte er mit, für einige Wochen Schüler der Jeschiwah sein, um zu versuchen, etwas - von dem vsan pun zu gewinnen, den nur oas unvergängliche einzigartige Eeisteswerk des Talmuds geben kann. In seiner Jugend hatte er in Italien keine 'Gelegenheit zum Lernen, und aus der eigensten Erfahrung, welche tiefen seelischen Werte dadurch der Jugend verschlossen blieben, wird seine weitere jüdische Arbeit besonders dahin gehen, in Italien ein ähnliches Werk schaffen zu helfen. Als dritter sprach einer der Jugenddelegierten. Es war ein begeisterter Zuruf von Jugend zu Jugend. Er sprach von der Ausgabe und dem Sinn des Jugendtreffens, das seinen ethischen Schwung schöpfe aus dem Feuer, das die Propheten der Seele jedes Juden für alle Zeiten mitgegeben haben, aus dem Zwang, eintreten zu müssen für Gerechtigkeit und gegen Gewalt. Und um dieses Feuer stets lohend zu erhalten, gibt es auch für die heutige Jugend kein besseres Mittel, als nun Auch Rabbiner Dr. T i k t i n versprach, in seinem Wirkungskreis in Berlin von diesem Sammelpunkt jüdischen Geisteslebens zu sprechen. Unser verehrter Rebbe, R. E. B o t s ch k o , dankte allen Rednern für ihre Ausführungen und für alle die vielen Wünsche für das Gedeihen der Jeschiwah. Si» arbeite mit an der Heiligung unserer tiesgesunkenen 'Zeit, wo der Einzelne den Maßstab und den Antrieb des Ueberzeitlichen verloren hat. Durch das geistige Erfassen und durch das tätige Verwirklichen der ru->in sollen die Menschen, die die Jeschiwah heranbildet, Verkünder dessen sein, was seinem Volke als Sinn des Daseins offenbart und aufgegeben hat. Palästina vor dem Völkerbundsrat. Genf, 8. Sept. Der Völkerbundsrat, der am Montag, den 8. September, zu seiner 60. Tagung zusammentrat, ist gleich in seiner ersten öffentlichen Sitzung in die Beratung der Palästina-Frage eingetreten. Den Vorsitz führte der Delegierte von Venezuela, der greise Minister Zumeta. Um 11.30 Uhr begann der Berichterstatter für Mandatsfragen, P r o c o p e, mit der Verlesung des auf Grund der vorangegangenen Besprechungen mit Henderson modifizierten Berichtes der- Mandatskommission. Er bezeichnete ihn als ein gründlich durchgearbeitetes gerechtes Dokument und hob besonders hervor, daß es nicht in der Absicht der Mandatskommission gelegen sei, ihren Kompetenzkreis zu überschreiten und sich an die Stelle der Mandatarmacht zu setzen. Er billigt den Standpunkt der Mandatarmacht, daß die Einwanderung von Juden der jeweiligen ökonomischen Aufnahmefähgkeit des Landes angepaßt werden müsse und erkennt an, daß die Erklärung der britischen Delegation, die Einstellung der Einwanderung sei nur eine zeitweilige, geeignet sei, Befürchtungen der Juden nach dieser Richtung zu zerstreuen. Er stellte ferner fest, daß des Premiers Macdonald jüngste Erklärung im britischen Unterhaus hinsichtlich der Palästina-Politik der englischen Regierung als Mandatarmacht als ein unzweideutiges Bekenntnis zur Balfour-Deklaration und zur Politik des Jüdischen Nationalheims aufzufassen sei. Henderson erklärte, die Einschränkung der Einwanderung betreffe nur die Arbeiterschedule und auch diese Einschränkung sei nur zeitweilig. Er billigte der Mandatskommission das Recht und die Pflicht zu, die Mandatarmacht zu kritisieren. Die überzeugenden Ausführungen Procopes hätten ihn, Henderson, bewogen, der von Procope unterbreiteten Resolution zuzustimmen. Ein Programm über ihre Zukunftspolitik in Palästina werde die britische Regierung erst nach Prüfung des Simpson-Berichtes dem Völkerbundsrat unterbreiten. Im weiteren Verlaufe der Ratssitzung erklärte der holländische Delegierte, Van Rees, namens der Mandatskommission, deren ^Vizepräsident er ist, diese habe nicht erwartet, daß der Mandatsbericht über Palästina eine so günstige Aufnahme bei der Mandatarmacht finden werde. Er drückte seine Zufriedenheit darüber aus, daß die Mandatarmacht in ihrer Erklärung den ursprünglich von Henderson vertretenen ablehnenden Standpunkt aufgegeben habe, und sprach die Hoffnung aus, daß der Rat den Gerechligkeitswillen und die Unparteilichkeit, von denen die Mandatskommission bei ihrer schwierigen Aufgabe sich hat leiten lassen, anerkennen werde. Der Vertreter Persiens, Kahn Alla, bemerkte, die Mandatskommission habe in ihrem Berichte die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerungsteile Palästinas nicht genügend berücksichtigt und befürwortete die Schaffung von Selbstverwaltungsorganen. Der jugoslavische Außenminister Marinkovic gab dem Wunsche Ausdruck, die Mandatsregierung möge die Rechte der Araber schützen und, während sie den ersten Teil des Mandates durchführt, den zweiten Teil nicht vernachlässigen. Der Berichterstatter Procope drückte schließlich seine Zufriedenheit über die zustandegekommene Einigung aus und zollte der Mandatskommission für ihre Unparteilichkeit Anerkennung. Der Bericht wurde vom Völkerbundsrat einstimmig angenommen. Palästina. Ein Hebron-Polizeioffizier Polizeileiker in TNachne-Iehuda. Jerusalem, 2. tSept. Die hebräische Presse Palästinas gibt ihre/ Empörung darüber Ausdruck, daß der Polizeioffizier aus Hebron, Ibrahim Jvrjura, der während der Masfakres in Hebron im'August 1929. eine eigentümliche Rolle gespielt hat, nunmehr befördert und zum Leiter der Polizei in dem großen Jerusalemer jüdischen Stadtviertel Machne-Jehuda ernannt wurdß. Gesonderte jüdische Stadtverwaltung in Jerusalem? Jerusalem, 6. Sept. Die jüdische Gemeinde beschloß, eine Abordnung zum High Commissioner zu entsenden, um die Frage der Jerusalemer Stadtverwaltung zu erörtern, in der bekanntlich seit dem im April d. I. erfolgten Rücktritt der jüdischen Stadträte die Juden nicht mehr vertreten sind. Die Möglichkeit der Errichtung einer eigenen jüdischen Stadtverwaltung nach dem Muster von Tel-Awiw, eine Idee, die in Jerusalem immer mehr an Boden gewinnt, (? Red.) soll bei dieser Gelegenheit ebenfalls erörtert werden. Konkrete Vorschläge des Brith Schalom. Jerusalem, 26. Aug. Brith Schalom hat in einem Memorandum an die Mitglieder des Zionistischen Aktions-Komitees und des Administrativ-Komitees der Jewish Agency eine Zusammenstellung von 42 praktischen Vorschlägen zur Förderung der jüdisch-arabischen Zusammenarbeit überreicht. Mit diesen Vorschlägen will Brith Schalom der an ihn ergangenen Anregung Harry Snells Nachkommen, der sich bereits als Mitglied der Shaw-Kommission in seiner Vorbehaltsnote zum Bericht dieser Kommission für praktische Maßnahmen zur Förderung der jüdisch-arabischen Annäherung aussprach und in einem Schreiben den Wunsch äußerte, „Brith Schalom sollte die Möglichkeit erforschen, in jedem Dorf und in jeder Stadt in Palästina, wo die beiden Völker nebeneinander leben, binationale jinter-racial) Komitees ins Leben zu rufen..." Das Memorandum enthält in der Hauptsache folgende Vorschläge: Die Regierung soll jüdische und arabische Mitglieder für den Eisenbahn-, Hasen-, Straßen-Ausschuß und für ständige Comitee für Handel .xnd Industrie ernennen: sie soll Beamte bevorzugen, die alle drei Landessprachen — Englisch, Arabisch, Hebräisch — beherrschen: eine Regierungskommission soll die Methoden der Munizipalverwaltung in Städten mit gemischter Bevölkerung überprüfen. Ein ständiges gemischtes Subkomitee der Stadtverwaltungen von Jaffa und Tel Aviv soll alle die Wohlfahrt beider zusammenhängenden Städte berührenden Angelegenheiten behandeln: wo jüdischen Dörfern arabische Dörfer eng benachbart sind, sollen die arabischen Mukhtare an den Sitzungen des jüdischen Komitees teilnehmen, so oft Fragen behandelt werden, die auch den arabischen Bezirk betreffen: in jüdischen Dörfern ansässige Araber sollen in dem Gemeindeausschuß des Dorfes vertreten sein. -'s In Haifa und Jaffa sollen die gemischten jüdisch^ arabischen Handelskammern erneuert werden: eine gemischte Vereinigung jüdischer und arabischer Fabrikanten ist zu begründen: ferner eine gemischte Körperschaft für die Propaganda palästinensischer Produkte: nach Möglichkeit sollen gemeinsame jüdisch-arabische Gewerkschaften errichtet werden; jüdische Kreditorganisationen sollen ihre Tätigkeit auf arabische Gebiete ausdehnen und die. Bildung arabischer Kooperativen anregen: nach Bedürfnis und Möglichkeit sollen für gemeinsame wirtschaftliche Zwecke gemischte arabisch-jüdische Comitees gebildet werden: die jüdischen landwirtschaftlichen Forschungsinstitutionen sollen ihre Tätigkeit auf arabische Bezirke ausdehnen. Arabischen Kindern soll der Eintritt in jüdische Elementarschulen erleichtert werden; die Kolonie-Schulen sollen für die Kinder ansässiger Araber sorgen: arabischen Studierenden sind besondere Möglichkeiten des Eintritts in jüdischen höheren und technischen Schulen und in die Hebräische Universität zu bieten; in gemischten Städten sollen Abendkurse zum Unterricht des Arabischen für Juden und des Hebräischen für Araber organisiert werden: gemischte jüdisch-arabische Klubs mit Bibliotheken und Gelegenheit zu sportlicher Betätigung sind zu begründen; die jüdischen medizinischen Organisationen sollen ihre Tätigkeit innerhalb der arabischen Bevölkerung ausdehnen, in Zusammenarbeit mit den lokalen arabischen Körperschaften: es sollen gemischte Organisationen für Wohlfährtsarbeit geschaffen werden: ferner Berussvereinigungen jüdischer und arabischer Rechtsanwälte, Ingenieure usw. Die Bildung gemischter jüdisch-arabischer politischer Parteien soll gefördert werden: eine arabische Zeitschrift soll von Juden mit arabischer Mitarbeit herausgegeben werden; die Jewish Agency soll in engerer Berührung mit der arabische?., Presse Palästinas und der Nachbarländer stehen; sie soll ein periodisches arabisches Bulletin herausgeben, das verläßliche Informationen über die jüdische Entwicklung enthält; sie soll einein verantwortlichen Mitglied ihrer Exekutive die Beschäftigung mit den Beziehungen der beiden' Völker in Palästina übertragen und ihn^ ständige Beamte in Jaffa und Haifa zur Seite stellen, die Beziehungen zur arabischen Gemeinschaft unterhalten: in jeder jüdischen Siedlung

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