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Der Israelit · 1930-09-11 · Heft 37 (11.9.1930) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 37 (11.9.1930)
Date
1930-09-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. Nr. 37 Der Israelit 11. September 1930 Arbeiterparteien würde sowohl diesen wie auch den Juden selbst schaden. Die Sozialdemokratie sei auch nicht in der Lage, gewisse jüdische Forderungen zu vertreten, wie Verhinderung eines Schächtverbotes, Aufrechterhaltung des gesetzlichen Schutzes der Religionsgemeinschaften und Stellung der Kollektivbeleidigung unter Strafsanttion, damit nicht wie bisher die jüdische Gesamtheit ungestraft geschmäht werden könne. Nach einem Appell des Führers des R. I. F., Dr. Alfred Wiener, an die jüdischen Wähler, vollzählig an der Urne zu erscheinen, um ihre Stimmen gegen die antisemitischen Parteien in die Wagschale zu werfen, schloß der Vorsitzende die imposante und bis auf einige Zwischenrufe ungestört verlaufene Versammlung. Rabbiner Dr. Eli Munk nach London berufen. Berlin, 9. Sept. Herr Rabbiner Dr. Eli Munk, Berlin wurde zum Rabbiner der Gemeinde Adaß Jisroel in London berufen. Dr. Eli Munk ist der älteste Sohn des Rabbiners der „Israelitischen Religionsgemeinde Adaß Jisroel zu Berlin", Dr. Esra Munk, und ein Schüler des Hildes-- heimerfchen Rabbinerseminars in Berlin. Eli Munk wirkte bisher als Substitut seines Vaters im Nabbinat der Berliner Adah Jisroel und im Büro für Schächtangelegenheiten. Hier besonders kam er in Berührung mit Vertretern aller an der Schächtfrage interessierten Länder und verschaffte sich allseits Respekt und Sympathie durch seine Zielsicherheit, Zuverlässigkeit und Sachkenntnis. Auch in der wissenschaftlichen Abwehrarbeit hat Dr. Eli Munk schon, hier allerdings naturgemäß abseits des öffentlichen Interessenkrsises, Beachtliches geleistet^ In der orthodoxen Jugendbewegung, vor allem in „Esra" ünd „Agudas Jisroel Jugendorganisation", nahm -er schon als Student eine Führerstellung ein und vertrat die deutsche Aguda-Iugend auch auf der letzten „Kenessioh Gedauloh" in Wien. In seinen Londoner Wirkungskreis tritt er als Nachfolger des verstorbenen bekannten und angesehenen Rabbi Schönfeld ein. Die dortige Gemeinde ist nicht etwa eine „Austrittsgemeinde" in deutsch-ungarischem Sinne, sondern entsprechend der anglo-amerikanischen Eemeindestruktur ein Synagogenverband ohne öffentlich-rechtlichen Körperschaftscharakter, genießt jedoch hohes Ansehen als Thora-Zentrum und hat Schule, Schechita, soziale Einrichtungen u. ä. in., um die sich ein reiches jüdisches Leben kristallisiert. Die Beratungen des Zionistischen A. C. Berlin, 28. Aug. Ueber die Beratungen des Zionistischen A. C. ist noch folgendes nachzutragen: In der Montagssitzung hielt Dr. W e i z m a n n eine längere Rede, in der er insbesondere auf die Auseinandersetzung zwischen der Mandatskommission in Genf und der englischen Regierung über die Palästina-Fragen einging. Er akzeptierte die Auffassung der englischen Regierung, daß sie nur die Vorbedingungen für das Jüdische Nationalheim, dieses selbst aber das jüdische Volk schaffen müsse. Nur müßten die Vorbedingungen derart sein, daß dem jüdischen Volke die weitere Arbeit ermöglicht wird. Dr. Viktor Jacobson verweist aus die Tatsache, daß die Mandatskommission den Shaw-Bericht wenig berücksichtigte, also richtig einschätzte. In der Debatte werden von Vertretern der Chaluz-Organisation, wie von Delegierten des Poel Hamisrachi Klagen erhoben. Letztere beschweren sich, daß die religiösen Siedlungen nicht die gleiche Behandlung erfahren wie die anderen. Ein rumänischer Vertreter wünscht besondere Berücksichtigung Rumäniens. Eine Mittel st andskolonisation sei heute unter Umständen, noch wichtiger als die Arbe-iter- Kolonisation. -i- * , An der politischen Aussprache am Dienstag vormittag beteiligten sich F a r b st e i n vom Misrachi, Ben Gurion von der Arbeiterpartei, sowie Vertreter aus Amerika. Sie sprechen alle ihre Unzufriedenheit mit der Mandatspolitik der englischen Regierung aus. Der Bericht der Mandatskommission biete uns zwar eine moralische Genugtuung, aber es sei zu bedenken, daß nicht Genf, sondern London für die jüdische Siedlungspolitik in Palästina maßgebend sei. Ein Redner der Revisionisten erhebt scharfe Vorwürfe gegen die Londoner Exekutive, die die Schuld an der Lage in höherem Maße treffe als die englische Regierung. Dr. M o s s i n s o h n verteidigt die Politik Weizmanns. Grünbaum sagt, Weizmann hätte schon längst zum Proteste gegen das englische Verhalten zurücktreten müssen. S o k o l o w warnt vor einer Debatte von allgemeinen Redensarten, die ein ganz falsches Bild über die Lage in der Welt erwecken könnte. In der Nachmittagssitzung konstatiert Stricker ein völliges Versagen der Erweiterten Iewish Agencn. Blumen seid ist optimistisch. Innere Notwendigkeiten würden zum Zionismus drängen, unabhängig von seinen momentanen Erfolgen'. Josef C o w e n (England) wünscht einen schärferen Kurs gegen England. S o k o l o w verspricht intensivere politische Arbeit, wozu aber größere Mittel nötig seien. R u p p i n bespricht die arabische Frage. Die Araber haben sich rapid organisiert und bilden heute einen gewaltigen Machtfaktor. Eine praktische Politik in der arabischen Frage sei im Moment das dringendste. Ein von englischen Bajonetten gesicherter Friede ist kein Friede. Wir müssen uns gewöhnen, die Araber als Volk anzusehen, das ebenfalls Rechte auf Palästina hat, aber es, darf keine künstliche Grenze für die jüdische Ausdehnung geben. Die jüdische Majorität im Palästina sei eine Utopie. Wenn wir in 30 Jahren es auf eine Million. Juden in Palästina bringen, dann haben sich inzwischen die Araber auf anderthalb Millionen vermehrt. Er bekennt sich zum Programm des Brith-Schalom und kündigt in dessen Namen konkrete Vorschläge an nach der Richtung des „Zweinationen-Staates". Im ähnlichen Sinne für eine direkte Verständigung mit den Arabern spricht sich Kaplansky aus. Ein Lehrerheim in Bad Ems. Bad Ems, 7. Sept. In aller Stille ist ein Werk zustande gekommen, das lange Jahrzehnte den Traum der jüdischen Lehrer und Lehrerfreunde bildete. Im schönen Ems steht nun mit dem Ausblick auf die lieblichen grünen Hügelketten am Lahnufer das stattliche Haus, das Lehrern, Kantoren und sonstigen Angehörigen des Lehr- und Gelehrtenstandes vorübergehend oder dauernd ein Heim bieten soll. Zu einem Tagessatze, resp. Monatssatze, der nicht so niedrig berechnet ist, daß er die Gäste deklassierte, aber auch nicht so hoch ist, daß er für einen Lehrer mit bescheidenem Gehalt oder kleiner Pension unerschwinglich wäre, bietet das Heim den Bewohnern eine Ferienerholung, wie man sie in keinem Kurhotel und in keinem Sanatorium besser haben kann, oder auch ein dauerndes Heim, in dem sie nach einem Leben der Arbeit für Gemeinde und Gemeinschaft einen heiteren, sorgenlosen Lebensabend verbringen können. Das Lehrerheim ist aus dem Israelitischen Mädchenwaisenhause in Bad Ems hervorgegangen. Nachdem im Zwange der Zeit die Voraussetzungen für das Waisenhaus nicht mehr gegeben waren und die Frage entstand, was mit dem Bau geschehen solle, reifte im Herzen des Herrn Rabb. Dr. Jakob H o - r o w i tz der Gedanke, das Haus in ein Heim für Lehrer und Kantoren umzuwandeln. Tatkräftige Männer, an deren Spitze die Herren Emil H. L e h m a n n, Oberkantor I. B. Lewi, Hauptlehrer a. D., D. Rofenwald und B. Rosenthal, Nassau, nahmen sich mit dem ihnen gegebenen Eifer und einem Herzen voller Liebe für den Lehrerstand der Sache an, und so entstand das Werk mit allem denkbaren Komfort, der noch nicht Luxus fein muß. Ungefähr 30 Betten können, in Einzelzimmern oder von Ehepaaren, sofort bezogen werden. Alle Zimmer sind geräumig, gut ausgestattet nnd haben fließendes Wasser. Liegehalle und Veranden lassen freien Ausblick nach den grünen Höhen, die die Lahn einbetten. Ein Garten umringt das Haus. Für Licht und Luft ist in reichstem Maße gesorgt. Und eine Verwalterin ist in Frl. N i s s e n s o h n für das Haus gewonnen, die sich längst in Liebe und Treue zu den Menschen und Dingen ihres Schutzbereiches bestens bewährt $ht. Sonntag, den 7. ds., nachmittags, wurde das Haus unter großer Beteiligung, besonders aus den Kreisen der Lehrerschaft, eingeweiht. und seiner Bestimmung übergeben. Ein Lehrerquartett leitete die Feier mit einem kräftigen san ivu< ein, worauf Herr Rabb. Dr. Jakob H o r o v i tz in einer kurzen, prägnanten Festrede die Geschichte des Hauses streifte und die Richtlinien seiner Wirksamkeit in der neuen Form festlegte. Er dankte den Begründern und Betreuern des alten Hauses, Dr. Aro nf o h n und Rabbiner Dr. Weinberg, nannte die Männer, die sich um das Haus in seiner neuen Gestalt so sehr verdient machten und dankte den Verbänden für ihre Mithilfe. Er dankte auch den Architekten und allen Mitarbeitern und begrüßte die Behörden wie die Vertreter der Geistlichkeit, die mit ihrer Anwesenheit das Interesse am Heime bekundeten. Die Rede schloß mit Segenswünschen für das weitere Gedeihen des Werkes. Es folgten Begrüßungen. Herr Dr. Cohn überbrachte die Grüße der Israelitischen Kultusgemeinde in Bad Ems. Herr Dr. E f ch w e g e, Frankfurt a. M., entbot die herzlichen Grüße des „Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine", und überreichte in dessen Namen eine Spende. Der Herr Pfarrerder katholischen Gemeinde beglückwünschte im Namen seiner Gemeinde und lobte die gute Nachbarschaft des Heimes mit dem danebenstehenden katholischen Heime. Er habe früher in seiner Frankfurter Wirkungszeit wiederholt Gelegenheit gehabt, das Zusammenhalten der jüdischen Konfession in Sachen des Wohltuns gü bewundern. Herr Studienrat M. Munk, Frankfurt a. M., begrüßte für den „Bund der gesetzestreuen Lehrer in Deutschland" und drückte seine aufrichtige Freude darüber aus, daß alle Instanzen freudig und willig mithalfen, solche religiöse Voraussetzungen für das Heim zu. schaffen, die die Mitarbeit auch der gesetzestreuen Lehrer ermöglichen. Herr Oberkantor I. B. Lewi verlas ein Schreiben des „Deutschen Kantorenverbandes" und übermittelte dessen Glückwünsche. Herr R. Strauß sprach für die drei Frankfurter Logen und überreichte deren Gabe. Herr Lehrer C a p e l l grüßte im Namen des „Israelitischen Lehrervereins in Nassau". Herr Lehrer Flörsheim überbrachte unter Glückwünschen eine Gabe der Lehrer und Lehrerinnen in Frankfurt a. M. Zuletzt überbrachte Herr Direktor Dr. Elias Glückwünsche der Lehrer und Lehrerinnen an der Samson Raphael- H ir s ch - S ch u l e in Frankfurt a. M. Auch dieses neue Haus würde, wie das alte, letzten Endes der Jugend zugute kommen. — In fast allen Reden kam der heiße Dank an die Männer zum Ausdruck, die durch unermüdliche Arbeit das Gelingen des Werkes ermöglichten, in erster Reihe Rabb. Dr. Horovitz, Oberkantor I. B. Lewi, Emil H. Lehmann und Herr Rosenwald. Mit einem Schlußworte und Danksagung an die einzelnen Redner und mit dem Gesänge des mm p’rs fand der offizielle Weiheakt seinen harmonischen Abschluß. Jüdische Wähler und Wählerinnen! Haushoch schwillt die Flut des schamlosen Antisemitismus. Im III. Reich des Nationalsozialisten sollen Juden und römische Katholiken kein: Bürgerrecht haben. I Das ZENTRUM kämpft von Anfang an für die religiöse und politische Befreiung aller Unterdrückten. 1 Das ZENTRUM kann garnicht anders! Darum sind ihm Klassenhaß und Rassenhaß ein Greuel. ' Das ZENTRUM steht unter allen Umständen zur Volksgemeinschaft. Seine Geschichte beweist es! Das ZENTRUM tritt stets für die religiösen Belange der Juden ein. Darum wählt alle die Liste 3

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