Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1930)
- Date
- 1930-09-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 2. Nr. 14 D er Israelit Blätter 4. September 1930 Bericht über Tätigkeit und Aufgaben der Stellenvermittlungen Schomre Schahhos in Deutschland. Eine der zentralen Gegemvartsausgaben zur wirtschaftlichen Erhaltung und Förderung der gesetzestreuen Judenhett bildet der Nachweis von Stellen an stellungsuchende Schomre Schabbos. Geschichtliches. In Deutschland ist die Einrichtung von Stellenvermittlungen für Schomre Schabbos keine Errungenschaft der letzten Zeit. Bereits vor mehr als dreißig Jahren haben führende gesetzestreue Persönlichkeiten zwecks Erleichterung der Unterbringungsmöglichkeiten für fabbattreue Angestellte örtliche Stellenvermitttungsvereine zum kostenlosen Nachweis von Stellen ins Leben gerufen. Solche Vereine entstanden in Berlin, Breslau, Hamburg und Frankfurt. Der Frankfurter Verein fungierte gleichzeitig als Zentralstelle. Diese Vereine leisteten bis zum Ausbruch des Weltkrieges recht ersprießliche Arbeit. Während des Krieges hörte ihre Arbeit praktisch auf, dakein Mangel an Vakanzen herrschte, ein Zustand, der bis nach Abschluß der Inflation dauerte. Mit Beginn der Deflation trat durch den allgemeinen Personalabbau das spontane Bedürfnis, .nach Wiedererweckung der Stellenvermittlungstätigkeit hervor. Es ist das bleibende Verdienst der Agudas Jisroel-Jugendorganisation, daß sie in klarer Erkenntnis der Zeitnotwendigkeiten damals die Gründung von örtlichen Stellenvermittlung^ anregte und durchführte. Die stärkste Tätigkeit entfalteten die Stellenvermittlungen in Frankfurt a. M. und Berlin. Letztere führte bald eine enge Zusammenarbeit mit dem früheren Schomre Schabbos-Verein herbei, mit dem sie später auch organisatorisch verschmolzen wurde. Die sich ständig verschärfende Wirtschaftskrise legte den Gedanken einer engen organisatorischen Verbindung zwischen den einzelnen Stellenvermittlungen zwecks Erhöhung der gemeinsamen Schlagkraft immer näher. Dieser Gedanke fand Ende des Jahres 1929 mit der Gründung des Reichsverbandes der Schomre Schabbos Stellenvermittlungen mit dem Sitz Berlin seine Verwirklichung. Die Geschäfte des Verbandes leitet ein Vorstand, der zurzeit aus folgenden Persönlichkeiten besteht: Moritz Merzbach, Vorsitzender, Dr. Moses Auerbach, stellv. Vorsitzender, Ludwig Bier i. Fa. Julius Bier A.-G., Raphael Gradenwitz i. Fa. Eisenberg u. -Struck V.-G., James . Halberstadt i. Fa. I. HalberstaM Dr. Emil Hirsch t. Fa. Aron Hirsch u. Sohn, Moritz Lehmann il° Fa. I'/ Michael u. Co., Aron Löwenstein i. Fa. .]$' Wwenstein. ... Fü'^.die. 'Hsondexen -.Belange der Ängestell-; ten wurde ein Angestellten-Ausfchuß tztzbildeh dessen Vertreter an den Vorstandsheratungen regelmäßig teilnehmen. Folgende Vereinigungen bezw. Institutionen, .die sich mit der Vermittlung von sabbatfreien Stellen befassen, sind gegenwärtig in dem Verband züsämmengeschfosien: : /” Berlin: Verein für Stellenvermittlung „Schomre Schabbos" Berlin N. 64,. Gormannstraße 27. ' " '5 : " Frankfurt a. M. : Stellenvermittlung der Agudas JisroetjSchchanenstraße 12c Fürth i. V.: Schomre Schabbos-Stellenver-;. mi'ttlung, Marienftt. 4 (Dipl, mathem. Hugo Heinemänn). ..'. ■ Hamburg: Israelitischer Stellenvermittlungsverein, Hahntrapp 6. Hannover: Stellenvermittlung der Agudas Jisroel, Kreuzkirchhof.3 (M, .Klein). Köln: Stellenvermittlung, der!Ägudas Jisroel Mastrichterstraße 29 (Heinrich Klein): M a n nh e i m: Verein zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Baden, F. 3/13a. (Carl Oppenheimer). von Nürnberg: Stellenvermittlung des Israelitischen Jugendbundes Chewrath Bachgrim Bauerngasse 36. Wü r.zbu rg.-.Vereinigung der Sabbatfreunde Domerschulstraße 13.' .7 ,iiAufgabeiM?' m,-,-- Die Aufgaben zerfallen in 2 Hauptgebiete: 1. Aufgaben der lokalen Stellenvermittlungen 2. Gesamtaufgaben des Reichsverbandes. >. Aufgaben der e i n z e l ne n S t e l l e n - '"Vermittlungen. . a) Kostenlose Vermittlung von Stellen, b) Schaffung neuer Existengmöglichkeiten, c) Berufsberatung u. Lehrstellenvermittlung' d) Rechtsberatung. . l Leistungen. Z u a) K o,st e n l 0 f e V e r m i t t l u n g von Stellen. . 1. Genauere Ziffern liegen zurzeit nur der Berliner Stellnvermittlung vor, da sich die übrigen Stellenvermittlungen erst im Laufe der letzten Jahre entwickelten. Seit der im Jahre 1924 erfolgten'Reorganisation des Berliner Nachweises wurden insgesamt etwa 2 5 0 0 S t e l l e n (kaufmännische, gewerbliche und Hauswirt schaftliche) vermittelt, ei»L Ziffer, die für sich selbst spricht, wenn man bedeMt, daß sich der Arbeits- Markt von Jahr zu Jahr verengt hat... Nach Berlin hat die Frankfurter Stellenvermittlung die stärkste Aktivität entfaltet. Mit verstärkter Propaganda unter den Arlieitgeberkreifen wird versucht, der unter den sabbattreuen Juden herrschenden Arbeitslosigkeit durch erhöhte Beschaffung , von Stellen, auch zum Teil in Sabbat nicht geschlossenen Betrieben, nach Kräften entgegenzüwirken. - Geldmangel zwingt uns, unsere Propaganda in bescheidenem Rahmen zu führen. 2. Zur Hebung des Leistungsniveaus der männlichen und weiblichen kaufmännischen Stellungsuchenden wurden kostenlos Abendkurse m Stenographie, Schreibmaschine, deutscher Handelskorrespond enz und Buchführung unter Leitung erstklassiger Fachlehrer veranstaltet. Diese Kurse zeitigten recht günstige Resultate, mußten jedoch infolge Geldmangel vorübergehend eingestellt werden. Sobald die finanzstllen Verhältnisse es gestatten, werden die Kurse sofort wieder ausgenommen. Welche Bedeutung derartigen Kursen allgemein beigemessen wird, geht schon daraus hervor, daß die städtischen Arbeitsämter für ihre Petenten die gleiche Einrichtung getroffen haben. Zu,b) 7. , , .j ,,-i; Schaff UiNL n e u e r. E xjst e n zjm äg-5 bch - "L;,-' k.8 j t örM; jj.-f . -7' •: ttmstandp') daß' die -Unterbringungi:- Mn kaufmännischem - männlichen i Personal infolge desunablässigen Ahbaües imS der MattonaMerung in irden - geschäftlichen * Nnternchmungen auf iwnier größere Schwierigkeiten stößt, hat die Notwendigkeit dargetan, neue Wege für die Stellenbeschaffung zu beschretten. Eines dieser Wege waren unsere wiederholten Verhandlungen mit solchen Behörden, die in ihren Betrieben auch an den Sonntagen arbeiten' lassen wie z. B. die Reichspost, ebenso Berkehrsunternehmungien (Eisenbahn und städtische. Verkehrsbetriebe). Es kommen ferner städtische ,Werke wie Gas, Wasser und Elektrizität in Betracht. Lecher' sind diese Versuche bis heutL 'sticht. geglE','«E die ‘ Behörden und Verkehrsbetriebe heute^ ebenfalls unter einem außerordentlichen Sparfamkeitszwang stehen und kaum neues Personal einftellen. Trotzdem werden die Versuche fortgesetzt, in der Erwartung, daß diese-bei Eintritt' günstigerer Verhältnisse eher zü einem Erfolg führet werden. Die Bemühungen nach dieser Richtung sind schon deswegen von besonderer Wichtigkeit, als es unter den erwerbstätigen Juden eine verhältnismäßig große Anzahl gibt, die ihrre Veranlagung und Einstellung nach dem ausgesprochenen „Beamten-Typ" zuzurechnen sind. Vereinzelt ist es sabbattreuen Juden an einigen Plätzen auchschon gelungen, in unteren Positionen Stellung bei Behörden zu finden. (Weiteres siehe unter ^Berufsberatung, Punkt 2"). Zu c) ' .. B er u-fsb eratung. n 1. Berufsberatung der s ch u l e n l a s s enen Jugend und L e hr st e l l e n v e r - mittlun g. Die Berufsberatung der zur Entlassung gelangenden Schuljugend^ gestaltet sich infolge der allgemeinen WiMchaftslagei von Jahr zu'Jahr komplizierter. Die berufliche Einstellung der jüdischen genau wie der nicht-jüdischen Jugend ist durch das Stteben gekennzeichnet, los von den kaufmännischen Berufen und hinein , in gewerbliche bezw. handwerkliche Berufe. Man kann sa-' gen, und es ist dies bereits von berufener jüdischer Seite ausgesprochen worden, daß diese berufliche Neuorientierung der jüdischen Jugend das Ergebnis/ einer planmäßigen Propaganda für die produktiven Erwerbszweige ist, sondern -ihre Wurzel in einer instinktiven Erfassung der wirtschaftlichen Gefamtsituation-und der sich hieraus ergebenden Berufslag-e hat. Das gesunde an dieser Tendenz liegt darin, daß heute im wesentlichen nur solche Anwärter die kaufmännischen Berufe ergreifen, welche die entsprechende berufliche Eignung mitbringen. Für die mit der Berufsberatung verbundene Lehrstellenvermittlung hat dies die praktische Folge, daß die gemeldeten kaufmännischen Lehrstellen nicht rnehr in vollem Umfange besetzt werden können, während andererseits es kaum möglich ist, genügend gewerbliche Lehrstellen zu beschaffen. Als erschwerendes Moment kommt hinzu, daß wir bei der Beschaffung gewerblicher Lehrstellen zum großen Teil auf sabbat-offene jüdische und nichtjüdische Betriebe angewiesen sind, da die sabbatgeschlossenen viel zu gering an Zahl und zudem sehr häufig keine Meister-Betriebe sind und dadurch keine Lehrlinge einstellen dürfen. Hinzu ritt weiter, daß die Zahl öer einzustellenden Lehrlinge für jeden gewerblichen Betriieb von den beruflichett Berttetungen sehr beschränkt wird, um eine berufliche Ueberfüllung nach Möglichkeit zu verhindern. Diesen Schwierigkeiten gegenüber uritt der Umstand des geringeren Zugangs an Lehrlingen infolge des durch die Kriegsjahre bedingten Geburtenrückgangs in seinen Wirkungen in den Hintergrund. Aus dem Vorhergesagten ergibt sich für die Berufsberatung die Notwendigkeit konzentriertester Jndividualärbe i't. 'In Berlin erfolgt sie in Verbindung mit Schule und Haus sowie Fachleuten und sehr häufig auch unten Heranziehung der städtischen Berufsberatungs- . stellen, letztere vor allem für die. vorzunehmenden EignunKprüfüngen.. Intensives'Arbert^N läßt . auch aüft diesem'Gebiete M deft Zeit güs zuneh- M-eWs, ^rfolge^hoff^en. v; {• 12^'V e r u f sch'e r a tu n> .Ti- J / ti;- :r 7f s b e r a t u n g v;ö n/, b^e r eit s - j\ b e r u fts t'ät t g e g M/e n s H.e n. i | Die ungeheure Berschäxfungp den - WNschiaftskrife im letzten Jahre hat dazu geführt, daß eine große Zahl älterer Angestellten aus guten Posittönen und ebenso bisher selbständige Existenzen auf den Arbeitsmarkt geworfen wurden. Mit den gewöhnlichen Mechoden der Stellenvermittlung, die heute nur noch für jüngere Menschen in Betracht kommen, ist hier nicht zu helfen. In dieser Erkennstis haben sich zunächst m Frankfurt.,, a. M vor kurZern-Äne Reihe von jüdischen Käufleuten aus verschiedenen Branchen zUsaisimengetan und sich als Komitee für WirtschaftsberatUng etabliert/ In gleicher Weife hat' def Vorstand des Reichsverbandes in Berlin einen wirt-/^ schaftlichen Bettat gebildet. Aufgabe dieser/ Ko-'' Mtebs, die erforderlichenfalls an allen in Betracht'kommenden Plätzen gebildet werden sol- ', len, ist die fachkundige Beratung der obenbezeich- / nsten ratsuchenden Kreise durch Persönlichkeiten.. mst''gründlicher''wirtschaftlicher'Erfahrung ^Md' - mit guten wirtschaftlichen Beziehungen-. Gedacht ist hierbei vor allem auch an die Beratung von solchen Personen, die über kleinere Kapitalien