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Der Israelit · 1930-09-04 · Heft 36 (4.9.1930) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 36 (4.9.1930)
Date
1930-09-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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fl I l t Seite 6. Nr. 36 Der Israelit 4. September 1930 PKAFF Nähmaschinen Bequeme Zahlungsweise Martin Decker £*£; Gr. Friedbergerstr. 18/20 Mittwoch nachmittag wurde die Debatte über die Rede Weizmanns fortgesetzt. Es wird Kritik geübt von Vertretern des Misrachi und der Arbeiterpartei. Man beklagt sich über die aggressive Politik der Revisionisten und den scharfen Kurs des „Doar Hajom", den wiederum Revisionisten zu rechtfertigen suchen, indem sie den Spieß umdrehen. Prof. Brodersky von der Exekutive fetzt sich nach Afchbluß der Debatte in längerer Rede mit der Kritik auseinander. Man habe Grund, mit England unzufrieden zu fein, doch müsse man doch einsehen, daß auf dem Kampfwege in London nichts zu erreichen fei. Man könne nicht mit einer Regierung verhandeln und diese Regierung zugleich bekämpfen. Beide Extreme: unbedingter Kamps und unbedingte Nachgiebigkeit, seien abzulehnen. Der Mittelweg heiße friedliche Verhandlungen auf Grund der von England übernommenen Mandatsverpflichtung. Darauf ergreift Weizmann das Wort zur scharfen Auseinandersetzung mit der Opposition. Diese habe keine praktischen Vorschläge gemacht, er wäre sonst gern bereit, ihr die Exekutive zu übertragen, was freilich Sache des Kongresses ist. Er wirft den Gegnern Mangel an Sinn für reale Möglichkeiten und Unmöglichkeiten vor. Heroische Gesten seien billiger und bequemer als reale Arbeit Dieses Wort war besonders an die Adresse Grünbaums gerichtet, der dauernd zum Kampfe ruft. Das Geleistete sei ein Maximum dessen, was man mit den zur Verfügung stehenden Macht- und Geldmitteln leisten konnte. Vieles für die Zukunft hänge von den Ergebnissen der neuen Untersuchung in Palästina ab. Er könne keine Versprechungen machen, nur sagen, daß die Exekutive all ihre Kräfte einsetzen wird, um die zionistische Sache weiter zu führen. Im übrigen wiederhole er, daß er am Juden st aat nicht fest halte, daß Palästina ein Staat für b t e beiden, das Land bewohnende Völker, Juden und Araber, werden muffe und daß der zionistischen Bewegung als Ziel die Schaf - fung eines konstruktiven autonomen Gemeinwesens als jüdisches Nationalheim vorfchwebenmüffe. Diese letzte Erklärung rief bei der Opposition, aber auch in den Reihen der Mitte, einen unbeschreiblichen Proteststurm hervor. Für Misrachi erklärt Rabbi Brod, sich dieser Auffassung nicht anschließen zu können. Joseph C o w e n, England, bringt eine Resolution ein, wonach das A. C. vom Präsidenten ab rücke. Die Sitzung mußte abgebrochen werden. Nach Wiederaufnahme der Sitzung suchte Weizmann seine Erklärung dadurch abzuschwächen, daß er mehr auf den positiven Teil derselben einging, und erläuterte, was er unter „konstruktiver Autonomie" verstehe. Ob „Judenstaat" oder nicht, das könnte erst diskutabel fein, wenn sich eine halbe Million Juden im Lande befinden. Mit diesem Ausblick auf den Judenstaat erklärt sich Misrachi einverstanden. Revisionisten und Radikale bestehen aber auf dem Mißtrauensantrag Co - w e n s. Darauf erklärte Weizmann feine Bereitwilligkeit zum Rücktritte, um so mehr als auch Misrachi eine Formulierung akzeptiere, die er nicht als die seine betrachten könne. Er sei bereit, provisorisch bis zum nächsten Kongreß die Geschäfte weiterzuleiten, vorausgesetzt, daß das A. C. nicht jetzt schon eine neue Führerschaft bestimmen wolle. Dr. Weizmann verläßt darauf, den Sitzungssaal. In später Nachtstunde wurde mit 24 Stimmen gegen die Stimmen von Grünbaum und Stricker der Beschluß gefaßt, Dr. Weizmann zu ersuchen, die Führerschaft definitiv zu behalten. Die politischen Resolutionen konnten nicht mehr behandelt werden. In der Budget-Beratung einigte man sich auf ein Budget von 832 000 Pfund. _ Die Krise gelöst. Berlin, 2. Seit. Nach Erledigung des Berichtes der politischen Kommission. beschloß das A.-E. einstimmig, Dr. Weizmann auszusordern, seine Demission z u r ü ck z u n e h - m e n. Dr. Weizmann erklärte sich daraus bereit, die Arbeit fortzusühren und forderte auch alle anderen Mitglieder aus, aus ihrem Posten zu bleiben. Es sei dringliche Notwendigkeit, für die zukünftige Entwicklung einig und gerüstet zu sein. — So bleibt vorläufig alles beim Alten! Personalien. 25jähriges Amksjubiläum des Oberrabbiners von Trier, Dr. Adolf Allmann. Trier, 1. Sept. Am 6. September 1930 werden es 25 Jahre fein, daß der bekannte Oberrabbiner von Trier, Dr. Adolf Altmann, feine rabbinifche Wirksamkeit entfaltet. Gleichzeitig mit diesem Jubiläum jährt es sich zum zehnten Male, daß Herr Dr. Altmann nach segensreicher und vielseitiger Wirksamkeit als Rabbiner in Salzburg und Meran zum Oberrabbiner , der jüdischen Gemeinde Trier berufen wurde. Während des Krieges war Herr Dr. Altmann Feldrabbiner und hat an einflußreicher Stelle viele Jahre seiner Familie und der Gemeinde gesund erhalten bleiben. Flörsheim, 2. Sept. Ihren 80. Geburtstag begeht in voller geistiger und körperlicher Frische Frl. Friederike Altmaier. Dieburg, 1. Sept. Mit Frau Kusel L o r ch, die hier am 27. Aw zu Grabe getragen wurde, ist eine unserer Besten von uns gegangen. Der Wohltätigkeitssinn diese: Frau kannte keine Grenzen, sie konnte ihr Letztes für Arme und Bedürftige hergeben. So lebte und wirkte sie in alter jüdischer Frömmigkeit mustergültig für die neue Generation. Ihr Andenken wird im Kreise ihrer Familie, aber auch in der gangen Gemeinde gum Segen fortleben. n-axm Sprechsaal. äofcher-Lebensmillel. Gegen die -Behauptung,-daß die Preise für Koscher- ___ __ ..... Lebensmittel höher feien als für nichtkoschere Ware. eine fthr reiche und überaus segensvolle Tätigkeit ent-j wendet sich die Firma Amid Bäuerin einer längeren faltet. Herr Oberrabbiner Dr. Altmann hat als bedeu-^ Zuschrift. Die Firma schreibt: tender jüdischer Gelehrter, Kanzelredner und Schrift- Es ist sehr leicht nachzuweisen, daß die sehr oft lautsteller einen guten Namen und genießt durch sein Wirwerdende Meinung, Koscher-Lebensmittel feien teurer ken und das Wesen seiner Persönlichkeit in der jüdischen Welt wie auch in weiten nichtjüdischen Kreisen hohes Ansehen. In Oberrabbiner Dr. Altmann besitzt das gesetzestreue Judentum einen Rabbiner von seltener Unials nichtkoschere Waren, nicht richtig ist. Aus der sehr umfangreichen Anzahl von in Frage kommenden Artikeln können wohl außer Käse und einiger weniger Koscher-Spezialitäten keine Artikel herausgesucht werden. Kinder aus der Ferienkolonie der Frau M. Golde in Norderney beim gedeckten Kaffeetisch. (Siehe Artikelserie „Aus dem Reiche der See und Sonne" auf der Romanseite der No. 35 des „Israelit".) verfalität der Persönlichkeit. Seine große Tätigkeit er-; die in meinem Geschäft im Preise höher sind, dennanstreckt sich weit über die Grenzen der Stadt Trier hinaus j derswo. Im Gegenteil, durch den von meiner Firma auf den ganzen Regierungsbezirk. Nicht nur bei seiner durchgeführren Grundsatz, st a t t G e w ä h r u n g e i n e s Gemeinde, auch in den Kreisen der Behörden und nicht- Rabattes einen tatsächlichen Preisabbau jüdischen Bevölkerung genießt Dr. Altmann besondere vorzunehmen, sind die hauptsächlichsten Lebens- > mittel, welche für die Koscher-Küche gebraucht werden, noch billiger als die gleichwertigen nichtkoscheren Waren. Daß sich das langjährige Bestreben meiner Firma, Liebe und Verehrung Herr Dr. Altmann ist Mitglied vieler städtischer und staatlicher Kommissionen Triers, Expräsident der Mofelloge, Mitarbeiter vieler jüdischer und allgemeiner Institutionen und zahlreicher Zeitschriften und wissenschaftlicher Gesellschaften. j An dem vor kurzem erschienenen großen Werk? „Deutschlands Köpfe der Gegenwart über Deutschlands Zukunft", das von der deutschen Kulturbücherei herausgegeben wurde, hat Oberrabbiner Dr. Altmann als einziger deutscher Rabbiner mitgearbeitet. Herr Oberrabbiner Dr. Altmann hat eine reiche schriftstellerische Tätigkeit auf jüdisch-historischem, philosophischem, halachischem und homiletischem Gebiete entfaltet. Seine Hauptwerke sind: „Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg" (2 Bändel. — „Jüdische Welt- und Lebensverfvektiven", Abhandlungen über alte und neue Judentumsfragen. — „Sefer Aulelaus Umlilaus", Homiletische Weckrufe an die zeitgenössische Judenheit. — „Die Weltanschauung eines Optimisten. Robert Hamerlinas Weltanschauung", Historisch-kritisch-literarisch-philosovhische Studie. — ..Sinn und Seele des Höre Israel". Studie. — „Schicksalsmomente im Judentum". In diese Wochen fällt auch das Erscheinen zweier neuer Werke, eines wissenschaftlichen und eines literarischen und zwar erscheint der zweite Band der „Geschichte der Juden in Salzbura" und vom Philo-Verlag Berlin. herausgegeben ein Band von Dichtungen unter dem Titel ..Aus rinnenden Welten", von dem der Verlag auch eine signierte Jubiläumsausgabe veranstaltet. Wie bekannt, arbeitet Dr. Altmonn auch an der Geschichte der Juden in Trier und wird in einem Vortragszyklus innerhalb der Trierer wissenschaftlichen „Gesellschaft für nützliche Forscknnaen" demnächst einen Vortrag über die Frühgeschichte der Juden in Deutschland halten, der von neuen Forschungsergebnissen berichten wird. Neustadl a. Haardt. 3. Sept. Am 6. September feiert s. G. w., Herr Jacob Samson, hier, in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar erfreut sich in der ganzen Stadt besonderer Wertschätzung ob seines ehrenhaften Charakters und seiner im Stillen geübten Mildtätigkeit. Möge er, noch durch Angleichung der Preise der teurer herzustellenden Koscher-Waren an die Preise für nichtkoschere das Vorurteil des jüdischen Publikums zu beseitigen, nicht auch auf Koscher-Käse ausdehnen läßt, hat feine Ursache in dem geringen Absatz, der in diesem Artikel erzielt wird. Wenn alle in Frage kommenden jüdischen Haushaltungen es sich angelegen sein ließen, so gut wie Koscher- Wurst auch Koscher-Käse zu verwenden, so wäre es durch die Verteilung der hohen Spesen auf eine größere Menge Käse sehr leicht, auch die Preise für Koscher-Käse denen der nichtkoscheren Ware gleichzustellen. Dies trifft auch zu für einige Spezialitäten, die auch nur von den wenigsten jüdischen Familien gekauft werden. Nur unter Zugrundelegung dieser Ausnahme-Artikel das den jüdischen Interessen sehr abträgliche Urteil zu fällen, Koscher-Lebensmittel feien teurer als nichtkoschere, ist nicht gerade wünschenswert und nur um der Wahrheit zum Recht zu verhelfen, beschreitet meine Firma den Weg in die Oeffentlichkeit. Für meine Koscher-Lebensmittel bestehen an allen größeren Plätzen Niederlagen. Zu bemerken ist allerdings noch, daß seitens mancher Wiederverkäufer dis Koscher-Waren nicht zu den gleichen Preisen wie von mir verkauft werden können, weil sehr oft die Bezüge sehr klein sind und durch Portospesen usw. eine Verteuerung unumgänglich ist. die je kleiner der Bedarf einer Gemeinde ist, um so höher sich auswirkt. Es wäre für das auswärtige kaufende jüdische Publikum zweifellos ein Gewinn, wenn mehr und mehr Koscher- Ware bevorzugt würde, so daß durch größere Bezüge au^ die Spesen auf das Mindestmaß herabgedrückt werden können, wodurch unbedingt erreicht würde, daß. wie am hiesigen Platze und in der näheren Umgebung, die Preise zwischen koscherer und nichtkoscherer Ware ohne Unterschied sind. Zigarren Zeil 49 Wolf Tel. Hansa 2793(1

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