Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1930)
- Date
- 1930-09-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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4. September 1930 Der Israelit Nr. 36. Seite 7 Die Woche. Agudas Iisroel-Iugendgruppe <£. V. Es wird nochmals auf die am Sonntag, den 8. September, 20.30 Uhr in der Aula der Israelitischen Volksschule, Röderbergweg Ecke Bärenstraße (nicht im Vereinslokal) aus Anlaß der Reichstagswahl stattfindende Wahlversammlung aufmerksam gemacht. Nach einleitenden Referaten von Rechtsanwalt Isaak Rosenheim (Zentrum), Referendar Albert Loewenthal (Deutsche Staatspartei) und Erich W e i l l (Sozialdemokratie) findet freie Aussprache statt. Gäste — Damen und Herren — herzlich willkommen. Das neue Programm für das kommende Wintersemester wird zur Zeit' zusammengestellt und kommt auf Rausch Haschono zum Versand an die Mitglieder. -Interessenten (Nichtmitglieder) wollen bereits heute ihre Anschrift bei dem Büro Schwanenstraße 12 angeben. Der Mainzer Ausflug verschoben. Von der Agudas Jisroel-Jugendgruppe wird hiermit zur Kenntnis seiner Mitglieder gebracht, daß der für nächsten Sonntag geplante Ausflug nach Mainz mit Besichtigung des alten Friedhofes und der jüdischen Altertümlichkeiten aus zwingenden Gründen verschoben werden mußte. Der nächste Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. Ein Neunzigjähriger Im Kreise seiner Angehörigen und unter Teilnahme eines weiten Freundes- und Verehrerkreises beging dieser Tage der Veteran unsrer Kehillo, Herr Seligmann Weiskopf, seinen neunzgsten Geburtstag. Als Sohn von t]ö8pö«ri w '*i in Aub geboren, eignete sich der Jubilar zuerst bei seinem Vater, dann beim Würzburger Raw ein gründliches Thorawissen an und ging nach einer intensiven Studientätigkeit in Paris als Lehrer der „Alliance israelite unievrfelle" nach dem Orient, einer der wenigen, vielleicht der einzige dieser Lehrer, dem die Treue zur min selbstverständliches Lebensprinzip war und blieb. Mit den Sephardim trat er in engste Berührung und hinsichtlich Palästinas hatte er den klaren Blick eines seine Brüder suchenden Menschen. In Volo und Damaskus hatte er Gelegenheit, dem Mo große Dienste zu erweisen, da im Orient damals noch die Nachwehen der Pater Thomas-Affäre von Damaskus sich geltend machten. Sein edles Wollen und fein bescheidenes Wesen trug auch nach dieser Richtung reife Früchte. In Kolmar war er Lehrer an der ecole rabbnique des R. S. Klein Vxt und die innige Freundschaft mit diesem Führer der Judenheit des Westens erachtet er heute noch als einen innerlichen Wert seines Lebens. Gerne gibt er seine Erfahrung denen kund, die im Kampfe für Thora und Glaubenstreue sich seines Rates bedienen möchten. v~av- Eine Dauerrede Iizchak Grünbaums in Frankfurt. Der „Führer der polnischen Judenheit", wie er mit Emphase genannt wird, der Sejm-Abgeordnete Jizchak Grünbaum, scheint des Glaubens zu sein, daß die Frankfurter radikale zionistische Vereingung sich in Lebensgefahr befindet, da er es für angebracht hielt, um diese rasch zu retten, am Sabbat Parschas Schauftim von Berlin nach Frankfurt zu reisen und dann am Samstag Abend in Anwesenheit von Vertretern der zionistischen Ortsgruppe, des Misrachi unb der radikalen Zionisten und vor einem hauptsächlich von Jugendlichen stark gefüllten Saale der Frankfurt-Loge einen dreistündigen Vortrag zu halten, der dann als gelungen bezeichnet werden' kann, wenn Quantität anstelle von Qualität als Haupterfordernis eines» Vortrages angesehen wird. Nachdem nicht weniger als vier Herren die Bedeutung der Persönlichkeit Grünbaums gefeiert hatten, ergriff dieser selbst das Wort und führte, mit epischer Breite die sattsam bekannten Gedankengänge aus, warum das System Weizmann gescheitert sei und man im Gegensatz,, zu Weizmann ein neues System einschlagen und „kämpfen" müsse. Wie dieser Kampf im einzelnen aussähe, wurde nicht weiter dargetan, wohl aber mit großer Emphase verlangt, man müsse tun, ob man könne oder nicht. Weizmann müsse abdanken, um damit zu symbolisieren, daß sein System gescheitert sei. Die Plattheit ^und Seichtheit der Ausführunegn des Redners wurden ab und zu durch ironisch sein sollende Bemerkungen über die kein Hebräisch verstehende, assimilierte deutsche Judenheit unterbrochen. Der Redner konnte sich auch nicht versagen, einige Ausfälle gegen die Orthodoxie zu machen, welche das jüdische Volk als eine Sondererscheinung betrachte, er verlange vielmehr, daß wir wie die anderen Völker seien und erblickt im Zionismus den Erben des Moschiachgedankens, als deren Vertreter er unglücklicherweise die Makkabäer, Bar Kochba, Salomon Molcho nannte. Lauter ungünstige Prognostica für die radikalen Kämpfer. Böswillige Gegner der zionistischen Organisation empfanden nach dieser Rede den lebhaften Wunsch, daß Grünbaum die Stelle Weizmanns einnehmen möge. Grünbaum selbst hat vor einigen Monaten, wie er sich damals selbst ausdrückte, versucht, der Orthodoxie Polens einen „Totklapp" zu geben. Dieses wird ihm wahrscheinlich schwerer gelingen, als ungewollt dem radikalen Zionismus einen solchen zu versetzen. Jedenfalls wird dessen Pikuach Nefoschaus nicht geringer, wenn solche Retter da sind. Es beweist den unverwüstlichen Optimismus der Jugendlichen, daß sie um 12.15 Uhr, als endlich der Vortrag zu Ende ging, doch noch vereinzelt durch Absingen der zionistischen Hymne aussprachen, daß sie trotz der Rede Grünbaums „die Hoffnung nicht verloren" haben. Vereinigung jniim Wir erlauben uns, auf unseren jeden Schabbos-Nachmittag pünktlichst 3.10 Uhr in der Klaus-Synagoge Ostendstraße 15 stattfindenden Jugendg'ttesdienst hinzuweifen. Hiermit ist den am Schabbos die Schule besuchenden Schülern Gelegenheit gegeben, leienen zu hören. Anschließend Minchoh. Es muß jedem frommen Jungen Herzenspflicht sein, die Mizwoh des Krias Hatauroh zu erfüllen. Das Konto T. Man schreibt uns: Unter anderen Fragen wird auch das Judenprobkem in dem neuen Stück „Das Konto X" von Rudolf Bernauer und Rudolf Oestreicher berührt. Ein jüdischer Rechtsanwalt ist der Vermögensverwalter einer altadeligen und natürlich den Juden etwas fremd gegenüber stehenden Familie. Diese Antipathie wird genährt durch einen stockarischen Kollegen dieses Dr. Schiller, welcher seinen jüdischen Amtsbruder gerne daran verhindern will, weiterhin die Interessen der Generalsfamilie zu vertreten. Der Konflikt verschärft sich durch allerlei Umstände, wobei die Liebe eine nicht geringe Rolle spielt. Jedoch das Judentum siegt, und das in solchen Stücken übliche gute Ende wird herbeigeführt. Das Ganze ist eine an den Geist nicht allzu hohe Ansprüche stellende, anspruchslose Komödie, welche jedoch dank der vorzüglichen Aufführung des „Neuen Theaters" den vollen Beifall des Publikums fand. Dr. B. An der Spitze der Präparate für Zuckerkranke stehen die weltuekannten Dr. Theinhard's Diabetiker- Erzeugnisse. Sie werden zum großen Teil nach Angaben von ersten medizinischen Autoritäten auf dem Gebiete der Diabetes hergestellt und dauernd chemisch kontrolliert. Allen Interessenten fei empfohlen, von der Firma Dr. Theinhardt's Nährmittelgesellschaft A.-G., Stuttgart- Cannstatt kostenlos die Broschüre: „Die Linderung der Zuckerkrankheit und ihre Heilung durch Dr. Theinhardt's Diabetiker-Diät" zu fordern. Der Frankfurter Kefir-Kuranstalt wird von Universitätsprofessor Dr. Jsaac folgendes bescheinigt: Ich bescheinige hiermit der Frankfurter Kefir- Kur a n st a l t, daß ich den von ihm hergestellten Kefir schon seit mehreren Jahren als sehr gut hinsichtlich des Geschmacks und der Bekömmlichkeit erprobt habe. Ich verwende seinen Kefir in ausgedehntem Maße sowohl in der Privatpraxis wie im Krankenhause als Stärkungsmittel sowie als vorzügliches Heilmittel, besonders bei Erkrankungen des Darmes. Aber auch Gesunde dürften von dem Genüsse des Kefirs als Erfrischungsmittel und Vorbeugungsmittel gegen Krankheiten Nutzen haben. gez. Prof. Dr. S. Jfaac. An unsere jüdischen Mitbürger in Frankfurt a. M.! Eure Ehre, Gleichberechtigung und Gewissensfreiheit steht auf dem Spiel! Der Nationalsozialismussammelt seine Gefolgschaft zu verstärkter Stoßkraft, um durch die Reichstagswahlen am 14. September die Zahl seiner Abgeordneten zu erhöhen und damit maßgebenden Einfluß im neuen Reichstag zu gewinnen. Gegen diese Gefahr der Verhetzung weiter Volkskreise sind wir gerüstet. Die Erfüllung unserer Aufgabe erfordert jedoch g I* O S S © RA I t t 0 I ■ Jeder deutsche Jude muß sich darüber klar sein, daß er dieses Mal wirklich finanzielle Opfer bringen muß und daß er sich mit einer schweren Verantwortung belastet, wenn er uns im. Stiche läßt. Wir rufen daher jeden jüdischen Einwohner von Frankfurt, ohne Rücksicht auf seine religiöse und innerjüdische Einstellung, auf, uns trotz der wirtschaftlich schlechten Lage eine möglichst große KAMPFSPENDE auf unser Postscheck-Konto: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V., Frankfurt a. M., Nr. 54515 oder zu Händen der Unterzeichneten Vorstandsmitglieder zu überweisen. Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E.V. Steinweg 9, Zimmer 111 Ortsgruppe Frankfurt a. M. Telefon Hansa 25403 Der Vorstand: Dr. Max Mainzer Dr. Martin Marx Vorsitzender . ' Syndikus Max Bloch-Neustadt; R.-A. Dr. Paul Blüthenthal; Stud.-Dir. Dr. Otto Driesen; Dr. Fritz Edinger; Prof. Dr. Elias Fink; Stephanie Forchheimer; Henriette Fürth; R.-A. Dr. Rudolf Geiger; Ella Haas; R.-A. Dr. Ernst Hochschild; R.-A. Dr. Steffen Kann; R.-A. Dr. S. Katzenstein; I. B. Levy; Albert Levy-Mohr; Dr. S. Loeb; Heinrich Rothschild; Henry Rothschild; R.-A.Dr.Erwin Seligmann; Nathan Sondheimer; Dr. Gustav Stiebei; Hermann Wronker.