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Der Israelit · 1930-09-04 · Heft 36 (4.9.1930) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 36 (4.9.1930)
Date
1930-09-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 36. Seite 5 4. September 1930 -7 " ...' " v~ " . i ßacbricbten Deutsches Reich Das Zentrum und der Antisemitismus. > ' Berlin, 3.«'Sept. Die „Germania" rückt kn einem Leitartikel entschieden von den antisemitischen Aeutzerungen des katholisches Gewerkschaftsorgans „Der Deutsche" ab, der mit der Zentrumspartei nichts zu tun habe. Das Zentrum lehne jede Gemeinschaft mit Parteien ab, die programmatisch judenfeindlich sind. Wie die „Welt am Montag" meldet, ist der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde,..Georg Küreski, der bekannte Zionist, vom Zentrum 'an 10. Stelle — also praktisch aussichtslos — auf die Berliner Wahlliste gesetzt worden. Die Demonstration ist jedenfalls gut gemeint, daß sie aber besonders^ geschickt ausgefallen sei, wird man nicht behaupten können. Tagung des Adminiftrativ-Eommtttee der Iewish Agency. ' Berlin, 31. Aug. Am Freitag vormittag begann im Logenhaus. die Tagung des A. C. der Iewish Agency. Herr Felir M. Marburg eröfsnete die Tagung mit -Anspräche und Berichterstattung. Zum Schlüsse 'gibt' er der Hoffnung Ausdruck, datz mit Hilfe-Englands, unters Mitarbeit der Araber und mittels der Anstrengungen, des jüdischen Volkes das Mandat in all seinen Teilen durchgesührt wird. - - ' '• Gleich nach Marburg ergreift der Präsident Dr. M e i z m a n n das Wort zu seinem Berichte über die politische Läge. Seine Ausführungen decken sich rnit seinem Berichte in der Sitzung des Aktionskomitees, den :wir an anderer Stelle wiedergeben. Nach Weizmann erstattete Dr. Artur R u p p i n seinen Bericht über die Siedlungspolitik in Palästina und feine Mitarbeit an der Untersuchung von Sir'John Simpson. Wir haben seine Ausführungen 'bereits aus Anlatz seines Berichtes in der A. C.-Tagung re- : gistriert. In den weiteren Verhandlungen erstattete Oskar . W.assermann den Bericht über den Keren Hajes sod. Die Gesamteinnahmen des Keren Hajessod rn den zehn Jahren seines Bestehens betragen vier Millionen 209 000 Pfund. Er ist für Zentralisation der Finanzen Wassermann schmückt seine Rede mit vielen hebräischen Zitaten aus und schlietzt mit dem Wunsche diner KetiwL -vechatima towa! An' der sich anknüpfenben i Aussprache beteiligte, sich. u. a. Ussischkin, der die Interessen des N a 1 i o n a l f o n d s neben denen des Keren Hajessod unterstreicht. Emeneuejüdische Mädchenvolksschule in Berlin. , ' " Berlin, 1. Sept. In einer von. Juden -stark bewohnten Gegend,, in her Äu g u st st r atze, entstand mit einem vorläufigen Kostenaufwand von 600 000 Mark ein neues Schulge- . bäude, das. der. Jüdischen. Gemeinde als Mädchenvolk s s chu l e.dienen soll. Die Einweihungsfeier fand am 31.' August unter Beteiligung aller Eemeindeinstanzen mit einer Festrede des Herrn R.-A. Dr. Kol len scher statt.' Cr rühmt, als Schüldezernent im Gemeindevo'rstande, das Verständnis des Vorstandes für alle Schul- Wünsche der Mitglieder. Das jüdische Volksschulwesen in Berlin, erst drei Jahre alt, umfasse schon 12 000 -Kinder. R.-A. Dr. A. Klee überbrachte die Wünsche der R e p r ä s e n t a n t e n v e r s a m m l u n g und Fräulein Kaphan gab einen Ueberblick über die Entstehung und Arbeit der Schule. Mit Rezitatonen von Schullindern nahm die Feier ihren Abschluß. Die Schlußsitzung des Weltkongresses der Schomre Schabbos. Berlin, 31. Mg?" In der Vormittagssitzung des dritten Konferenztages referierte E. Ä. G e n a ch o w s k y., Antwerpen über „Sabbath und . Jugend". In beiden Prinzipien liege die Zukunft des Judentums begründt. Es gelte, der Jugend' mit der Rückkehr zum . Sübbath. die- Möglichkeit eines geistigen Lebens zu gewähren. Redner bringt^ den Vorschlag," die Kluft in den Reihen der sabbath- D e r I s r a e l i t treuen Jugend und insbesondere der sabbathtreuen Arbeiterjugend durch Gründung einer Jugendzentrale km Sinne der Schomre Schabbathbewegung zu Überdrücken. Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer berichtet über die Lage der Judenheit Südafrikas im allgemeineil And die Situation des Sabbathproblems im besonderen. In diesem einzigen Lande, wo der Sabbath fast völlig verloren gegangen sei, unter dem Druck der wirtschaftlichen Situation, gelte es in den Wegen des Weltverbandes den Zusammenhang mit der Gesamtjudenheit zu stärken, um erlösende Resultate zu erzielen. Ober-- rabbiner Friediger, Kopenhagen berichtet über die Bedeutung des Sabbathproblems und über die Arbeit der dänischen Landeszentrale. Rabbiner Dr. Langer, Paris, gibt eine Darstellung von der Lage Die Woche. Berlin. In der Nacht vom 19. zum 20. August wurde der alte jüdische Friedhof in Kieferstädtel bei Gleiwitz geschändet. Acht Grabsteine wurden umgeworfen, Bäume und Sträucher aüSgerissen. In Kieferstädtel ' wohnen keine Juden mehr, der Friedhof ist der Obhut der Gleiwitzer Synagogengemeinde unterstellt. Die Landeskriminalpolizei leitet im Verein mit der Landjägerei die Ermittlungen. — Am 23. August veranstaltete die Liga ■ . für öfli arbeitende Palästina in den Musiker-Festsälen eine große Kundgebung im Zusammenhang mit dem demnächst' in Berlin stattfindenden W e ltkongreß für das v arbeitende Palästina. 1200 Personen füllten den Saal. Fritz Näphtali leitete die Kundgebung und Kaplansky hielt das Referat. Hamburg. Der hamburgische Senat überreichte in -feierlicher Sitzung dem Hamburger Bankier $r: Carl Melchior, Mitinhaber des Bankhauses Marburg, die Bürgermeister S t ol t e n - M e d a i ll e, die als ganz seltene Auszeichnung gilt. Bürgermeister Roß würdigte dabei in einer Rede die Verdienste Melchiors für Stadt und Staat. Budapests In einer von prominenten Vertretern der ungarischen Judeii abgehaltenen Versammlung wurde beschlossen, ein Zentralkomitee der Föderation unga rischer Juden zu bilden, in dem'alle Organisationen der .ungarischen Judenheit vertreten sein sollen. London. Der Unterstaatssekretär irü Kolonialamt, Dr. Drummond S h i e l s, wird, wie „Iewish Chronicle" erfährt, in Begleitung seines parlamentarischen Pripatsekretärs, des Mitglieds des Unterhauses, George Mathews. am 19. September die Reife nach P a - l ä st i n a antreten. Bukarest. Die Königin- Witwe Maria leitet eine Sammel-Aktion für die Opfer der Judenverfolgung in'der unglücklichen Stadt B o r s ch a ein. Die Regierung hat 12 Millionen Lei für Unterstützung der Opfer und den Wiederaufbau der Häuser bewilligt. Moskau. Mehrere höhere jüdische Beamte der Sowjets wurden verhaftet, unter ihnen auch die Führer des „Ozet", Los-, v e s k y und Abraham G ü n z b e r, g.. Jerusalem. Die Leitung der Hebräischen Universität -gibt bekannt, daß das der Universität zur Verfügung stehende Lord Plumer-Stipendium im i;; Betrage von 100 Pfund im kommenden akademischen Jahre.dazu---bestimmt worden ist, . . einem Absolventen einer ausländischen Universität eine monographische. F o r s chu n g überfein arabisches Problem zu ö'rmö glichen. der Judenheit . in Frankreichs wp . bekanntlich die TrÄrnung von Kirche und Staat vollkommen durchgeführt ist. Im Zusammenhang damit bestehe in Frankreich kein einschneidendes Sonntagsruhegesetz. Die sranzösische Jugendbewegung „Schema Jisroel" leistet eins Unterstützungsarbeit für die Schmre Schabbatvereine — Rabbi W e r n e r , Rofch-Pinah, weist daauf hin, datz Erez Israel. das einzige Land fei, wo eine unbedingte und vollkommene Sabbathheiligung möglich sei. — Der bekannte Schriftsteller Rabbi B. e-n.j.a m i n ergänzt ..diese. Ausführungen mit Darlegungen über die Rechte der jüdischen Beamten hinsichtlich der religiösen Praris und insbesondere über die wertvolle Tätigkeit der Mishmereth Schabbath-Organisation. -v- Rabbiner Dr. Ansbacher, Wiesbaden bittet den Kongretz, bei den Rsfgierungen dahingehend zu intervenieren, datz gssetzestreuen Arbeitern die Arbeitslosenunterstützung nicht entzogen werden dürfe, wenn sie die Uebernahme von mit Sabbathentweihung verbundener Arbeit ablehnten. — Herr Pfe ufser , .Würzburg, bittet^, bei. der Reichsregierung zu intervenieren, datz jüdischen Beamter, bei Post und Eisenbahn Konzessionen hinsichtlich der Sabbathheiligung und des Sonntagsdienstes gemacht werden sollen. — Herr Dr. Freyhan, Breslau macht den Vorschlag, durch Schiedsgerichte, die von den Schomre Schabbath-Ortsgruppen aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmerkreisen zu bilden seien, dem entwürdigenden Zustande vorzubeugen, daß jüdische Menschen vor den Arbeitsgerichten einander gegenüberständen. . In der Nachmittagssitzung.begrüßt Herr Dr. Klee, Berlin den Kongretz im Namen der Repräsentanz der, Jüdischen Gemeinde' Berlin. Er versichert dem Weltkongreß eine einstimmige Sympathie von Seiten der Jüdischen Gemeinde, die das Bedürfnis nach dieser großen Demonstration für, den Sabbath wohl verstanden und gewürdigt habe. R. A. D.avid, Hamburg hatte als Berichterstatter der Statutenkommission in deren Namen dem Kongreß die Ergebnisse intensivster Beratungen vorzutragen. Fast an die Verlesung der meisten Paragraphen knüpfte sich eine interessante und lebhafte Diskussion an. Dr. P a c i f i c i, Florenz wünscht die Bezeichnung des Verbandes. in seinen sämtlichen Aufzeichnungen mit den hebräischen Worten und Lettern „Schomre Schabboth". Dr. Würzburger, Heilbronn wünscht, datz Mitglieder des Verbandes nur solche Persönlichkeiten -seinen, -die den Sabbath praktisch bejahen. Rabbiner Dr. Meier Hilde s h e i nk e r , Berlin plädiert für die Ausnahme auch solcher Mitglieder, die den Schabbath als Wesensbestandteil des jüdischen Volkes überhaupt bejahen, eine Regelung, wie sie auch der Entwurf der Statutenkommission vorsieht. Im Paragraphen 4 des Statuts beantragt Herr Rabbiner Dr. E a r l e b a ch , Altona den Zusatz f) „Einflußnahme aus die Gesetzgebung der Länder zur Erleichterung des Sabbaths". Eine bewegte Debatte knüpft sich an den Paragraphen 6 des Stätutenentwurfs, der die Beziehung eines Landesverbandes zum Verbände regeln will. Nachdem das gesamte Statut schließlich en bloc angenommen ist, wird ein Redaktionsausschutz mit der endgültigen Fassung betraut, bestehend aus den Herren R. A. Dr. S u I z b e r g e r,, Dr. F r i d - diger, Dr. Schlesinger, Dr. Sluys, R. A. Dr. David. Rabbiner Dr. Winter, Lübeck berichtet für die sozial-pädagogische Kommission in Berlin unter Leitung von Konrektor Sinasohn, Berlin. Die Resolutionen dieser Kommission werden einstimmig angenommen. Das Referat für die Finanz- und Wirtschaftskommission erstattet A. Adler, Berlin. — Rabbi Teitelbäum, New Pork spricht von dem Segen, den die Füns-Tage-Arbeitswoche der Sabbathheiligung in Amerika gebracht habe. Es wurde dann eine Fassung der Resolution, die aus die Ausführungen der beiden amerikanischen Referenten Bezug nimmt, angenommen, mit der Maßgabe, datz in Ländern, in denen bereits die Fünf-Tage-Arbeitswoche Wirklichkeit geworden sei, diese Bewegung zu Gunsten der Sabbathheiligung zu fördern sei. In anderen Ländern aber soll eine Handhabung angewendet werden, deren prinzipielle^Festlegung einer Kommission obliegt. Eine Resolution in Sachen der drohenden K a l ende rr eso rm mit Blankotag wird einstimmig angenommen. Desgleichen findet eine von Rabbiner Kossowsky eingebrachte Resolution zu Gunsten der russischen Juden, sowie eine von Raw Werner-Rosch-Pinah begründete Palästina-Resolution Beifall und Annahme. Zum Schlüsse werden die Vorschläge für das. neue geschäftsführende Präsidium, dessen Sitz in Berlin sein soll, bekannt gegeben. Unter großem Applaus wird Herr Seminardozent Dr. Samuel Erünberg, der Schöpfer der Bewegung zu deren Präsidenten vom Kongreß gewühlt. Der Präsident Dr. Grünberg dankt für das ihin mit der Wahl entgegengebrachte Vertrauen und findet für alle Mitarbeiter des Kongresses, insbesondere aber für das Zentralbüro, das in wöchenlanger, aufopferungsvoller Arbeit vorbereitet habe, Worte der Anerkennung.' Krisis in der zionistischen Organisation. Berlin, 31. Aug. Die Verhandlungen des zionistischen A. C. wurden am Donnerstag geschlossen, oder richtiger abgebrochen mit einer Rücktrittserklärung Dr. W e i zmanns, von der man im Momente noch nicht weiß, ob sie aufrechterhalten wird, nachdem mit Ausnahme von Stricker und Grünbaum das gesamte A. C. Weizmann um Rücknahme der Demission ersuchte. Ueber den Gang der letzten Verhandlungen sei noch folgendes berichtet:

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