Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1930)
- Date
- 1930-09-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450600-2450635--77217-2534863- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Isaiah 1× ep/1005097
OCR text
WWWWWWW Seite 4. Nr. 36 Der Israelit 4. September 1930 Frankfurts größtes Spsrislbsus bietet „Beste Qualität zu WW^ billigsten Preisen“. Uhren aller Art ■ IÄ Gold . Silber _ 11P Juwelen E^»1 ■ _ Bestecke unD soht» Trauringe. Nur Zeil 95 u. Töngesg. 25-27 lefzfcfi Kraft entgegenzutreten. Seit 25 Jahren stehe ich hinter den Kulissen an der Spitze dieser Wache. Und bloß einmal, im Jahre 1908, ist es den Gegnern gelungen, die weitere Beschränkung der Sonntagsarbeit - durchzusetzen. Laut dieser zweiten Ministerialverordnung dursten in der Hauptstadt bloß die Lebensmittelgeschäfte bis Sonntag vormittag 9 Uhr, in der Provinz jedoch, — ohne Rücksicht auf die Branche, — alle Kaufläden bis vormittags 10 Uhr offenhalten. Diese Regelung besteht auch bis zum heutigen Tage. . Während des Kampfes gegen die vollständige Sonntagsruhe assistierten mir in brüderlicher Treue meine verewigten Freunde, Dr. Jakob Schächter, Vizepräsident der Budapester Orthodoxen Kultusgemeinde und Alexander Ullmann, Präsident der Großwardeiner Orthodoxen Kultusgemeinde, wie.auch der jetzt amtierenden Präsidenten der Budapester Orthodoxen Kultusgemeinde, die Herren Leopold und Abraham v. Freudiger. Bei dieser Gelegenheit erachte ich es als Ehrenpflicht, diesen Herren hier öffentlich Dank auszusprechen. Es sei mir gestattet, hier noch die charakteristische Bemerkung zu eröffnen, daß mir selbst bei den früheren liberalen Regierungen nicht gelungen ist, eine Ausnahmebestimmung expressis verbis für Sabbathaltende zu erreichen. Die jeweiligen Handelsminister, bei denen ich sowohl in Privataudienz wie auch an der Spitze von Deputationen, in dieser uns so hochwichtigen Sache vorsprach, und., die mich in der Eigenschaft als Vertreter der Sahhathaltenden zu den Fachenqueten der Sonntagsruhe einluden, ersuchten mich, in meinen diesbezüglichen Anträgen keine konfessionellen Motive anzuführep. Sie wollten den Status quo belassen und unseren Wünschen nur unter anderen Motiven entgegenkommen. So stellte ich in meinen Elaboraten die vollständige Sonntagsruhe als Hemmung des Geschäftsverkehrs für die Landwirtschaft dar, die bloß am Sonntag Gelegenheit hat, ihre Einkaufsbedürfnisse zu besorgen. Da bekanntlich Ungarn , ein Agrarstaat ist, wurde dieses Argument von den jeweiligen Regierungen akzeptiert und die konsequente Bestrebung der Sozialisten und Klerikalen im Interesse der allgemeinen Sonntagsruhe stets zurückgedrängt. Es sei mir nunmehr gestattetz die hochwichtige Frage der Sonntagsruhe in internationaler Beziehung zu erörtern. Die st a a t l i ch v e r o r dn-e t e S o n n t a g s r u h e zwing t urts s ä bbath alt ende Judenzur fünftägigen Arbeit, -wogegen den anderen Konfessionen 6 A rnb eitstag e.-.. z u r Verfügung stehen. Die katastrophalen Folgen dieses indirekten Zwanges sind zur Ge nüge bekannt. Meiner bescheidenen Meinung nach hätten wir Sabbathaltende dys volle Recht, unsere Läden und Werkstätten Sonntag in Betrieb zu halten. Denn, hat die Sonntagsruhe in manchen Staaten noch immer einen kirchlichen Charakter, so haben wir mit unserem Sabbat dieser religiösen Verpflichtung Genüge geleistet. Jeder Rechtsstaat hat die konfessionellen Satzungen seiner Bürger gleichmäßig zu berücksichtigen. Die Kriterien der Gewissensfreiheit gehören in den Bereich der menschlichen Kultur. Jeder Kulturstaat muß die heiligsten Anforderungen seiner Bürger gleichmäßig schützen. Ideal ist diesbezüglich der Zustand in der Türkei, wo bekanntlich der Mohammedaner am Freitag, der Christ am Sonntag und der Jude am Sabbat seinen Laden geschlossen hält, und so jeder mit seinem konfessionellen Ruhetag auch den Humanitären Anforderungen Genüge leistet. In Holland gestattet die Gesetzgebung dem säbbathmtenden Kaufmann das Privileg der Sonnntagsarbeit ohne christliche Angestellten. Teilweise ist es ebenso in vielen amerikanischen Staaten und selbst in London, in Whitechapel. Das ist die ehrenwerte Toleranz eines Kulturstaates. Wir sind ja heute ärger daran als im Mittelalter, wo nur den Christen die Sonntagsarbeit verboten war, doch wir Juden unseren Geschäften Sonntag nachgehen konnten. Heute hingegen, im Zeitalter des Kulturfortschrittes, werden wir äd majorem Del gloriam zu doppelten Ruhetagen gezwungen, denn bei allem Vertrauen zum Allmächtigen sind wir als wirtschaftlich ohnehin Schwächsten durch die Zwangssonntagsruhe materiell noch mehr gedrückt. Ist jedoch die Sonntagsruhe eine sozialpolitische Staatseinrichtung, so leisteten wir Sqbbathaltende mit unserer g'ttlichen Sozialeinrichtung, mit der Heiligung des biblischen Schabbas Kodesch schon seit der Weltschöpfung zur Genüge. In beiden Fällen kann und darf man uns nicht zur Sonntagsruhe zwingen. Da wir aber leider im Golus sind, und unter dem Drucke der Uebetmacht zu leiden haben, können wir auf die allgemeine Einführung des holländischen Musters keine großen Hoffnungen hegen und bis das Weekend-System oder eine andere ähnliche. Einrichtung seitens der zivilisierten Gesetzgebungen nicht genehmigt wird, müssen Schomre Schabbos- Vereinigungen der einzelnen Länder mit allen, ihnen zu Gebote stehenden Mitteln die Einführung der vollständigen Sonntagsruhe verhindern-. Bis dahin wäre es tunlich, für die Weekend-Bewegung zu propagieren, refp. sich dieser anzuschließen. Es scheint paradox, wenn ich einerseits hier für zwei Ruhetage, andererseits gegen die vollständige Sonntagsruhe mit aller Kraft eintrete. Wir müssen jedoch im Interesse unserer gefährdeten Sabbatidee uns beide Weltbewegungen permanent vor Augen halten, damit vorsichtige Politik die Lebensinteressen der Sabbathaltenden, in welcher Form immer, schütze. Gestatten Sie mir noch, meine verehrten Brüder, über eine mit unserer heiligen Schabbosfrage eng verbundene wirtschaftliche Einführung, welche ich als Budapester Stadtrepräsentant vor zwei Jahren bei den städtischen Betrieben durchsetzte, Bericht zu erstatten. Die Haupt- und Residenzstadt Budapest beschäftigt bei den verschiedenen Kommunalbetrieben ea. 46000 Arbeiter, die bis vor 2 Jahren ihre Wochenlöhne am Samstag ausbezahlt erhielten. In einer Generalversammlung der Hauptstadt habe ich einen Antrag eingebracht, demnach die Wochenlöhne mit Rücksicht auf die zerstörende Wirkung des Alkohols, statt ctm^Samstag-nachmittag, in der Wochenmitte, ausgezahltwerden sollen. Die sozialdemokratischen Stadträte, als - auch die katholischen Seelsorger, letzterenatürlich von kirchlich-erziieherischen Motiven ligeleitet,-' haben mich kxäftig unterstützt, und das Munizipimn hat meinen Antrag einstimmig zum Beschluß erhoben. Seit zwei-Jahren werden die Wochenlöhne der Budapester städtischen Arbeiten am Mittwoch ausgezahtt, was für die sabbathaltenden Kauflegtp vongroßem VorteilsLst. Der ungarische Schomre Schabbos-Verband SfeNKriY© Die großartigste Neuerung seit Erfindung des/ Gasherd es! Braten u. Grillen im eigenen Saft, öline Begießen, ohneVorkenntnisse, im neuen SENKING - - Gasherd Mod. 1930; Rituelle und Sabbat-Vorschriften werden gern berücksichtigt ■ E. H AGE & Co. Am Eschenheimer Tor 3 arbeitet ausi diesem Gebiete weiter und mehrere Industrie-Unternehmungen haben infolge unseres Ansuchens die Wochenlohnauszahlungen von Samstag auf einen anderen Wochentag verlegt. Pas Ungarische Handelsministerium hat auch in dieser Angelegenheit auf mein Ansuchen eine schriftliche Enquete ungeordnet, um Mich bei einer persönlichen Beratung vor eventueller Niederstimmung zu schützen. Das Resultat dieser schriftlichen Enquete war für uns leider nicht befriedigend, da die Majorität der Fabrikbesitzer und Gewerbekorporationen, hauptsächlich die Baubranche für die Beibehaltung der samstägigen Wochenlohnauszahlung Stellung nahm. Es wäre vielleicht zweckmäßig, in dieser Angelegenheit die Antialkoholistenvereme, natürlich mit der Motivierung ihrer Bestrebungen, zu unterstützen. Ferner wäre eine Vorstellung bei der Genfer Internationalen Arbeiterschutzzentrale am Platz. Es handelt sich ja um eine weitgehende humanitäre Frage in streng sozialer Beziehung, wofür diese Weltstelle stets großes Interesse bekundet. Bekanntlich vergeudet ein Teil der Arbetter die bei der Samstagstohnauszahlung zu Händen erhaltene Summe bis Montag früh, wo-, bei ihre Familien während der ganzen Woche fast brotlos bleiben. Im Falle der Mittwochauszahlung geht das nicht, da der Arbeiter weiß, daß er den folgenden Arbeitstag nur ganz nüchtern antreten kann, wenn er sich nicht einer sofortigem Entlassung. aussetzen will. Hochwichtige hygienische, ethische und sozialpolitische Gründe sprechen daher gegen das jetzt in den meisten Jndustriestätten eingeführte Samstagauszahlungssystem. Die mich der Budapester Magistrat verständigte, hat sich die eingeführte Mittwochsauszahlung in jeder Beziehung wohl bewährte Bitte, dies gefälligst zur Kenntnis zu nehmen und nötigenfalls beim Budapester Magistrat Informationen einzuholen. Hochverehrter Kongreß! Da ich für einen einheitlichen Vorgang in der Sonntagsruheangelegeüheit keinen konkreten Antrag stellen wich möchte ich bloß die höfliche Bitte vorlegen, daß indieser hochwichtigen Frage eine Subkommission gewählt werde, die alle zukünftigen Abwehrpläne zu bestimmen hätte. Hochverehrter Kongreß! Empfangen Sie zum Schluß meines Vortrages für Ihre gütige Geduld wärmsten Dank. Ich' fühle mich glücklich, an diesem Kongreß, der unsere heiligste religiöse Satzung des Schabbos Kodesch zu stärken und zu propagieren sich zum Ziele steckte, teilnchmen zu können. Es ist dies der g'ttliche Lohn meiner dreißigjährigen Mühe um die Schabbosfrage und ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß uns der Allmächtige, der die Lauterkeit und Ehrlichkeit unserer Bestrebungen kennte beim nächsten Kongreß zur Verzeichnung freudiger. Resultate verhelfen wird. Ich bin der Meinung, daß wir, Epigonen großer Ahnen, von denen wir den Kultus unserer heiligsten Traditionen zur ehrlichen Weiterförderung und Ueberlieferung-an dienächsten Generationen^ ü.bernahpM, ^>Mexsei>tß... schyMe VerantwortunK; nach obm dem "allgüttgen WMchöpfer^ üer deni-> Schoos. Kodesch!-bei,nWEeginn vanordnete^ j hnderßrseits unserey. -Kindern schulden.' .. -,-C';»j mba fen*» pin p rrntf mm*? rm^arr ytä rch >,Zwar ist, es nicht aMn-Deche Pflicht, daß Werk" zu vollenden, jedoch bist Du auch nicht bereWigtt Dich ihm zu entziehen." Das Bewußtsein ehrlicher Arbeit und brüderlichen Zusammenwirkens ausschließlich Lefchem Schomaim wirdunseren Bestrebungen die Krone aussetzen. Und ich wag? hier öffentlich zp behaupten, daß uns nur ml r-nKsn^i' ausschließlich nur die große heilige Schäbbosidee bei unserer. Arbeit yorschwebt. Unsere Devise bleibt der klastische Spruch des VE Propheten Jesaja: „Heil dem Menschen, der dieses tut und dem Erdensohn, der daran festhAt, den Sabbat vor Entweihung bewahrt und seine Hand hütet, irgendwelches Böse zu tun.". In diesem Geiste wollen wir leben und diesen echt jüdischen Geist unseren Kindern übertragen. Ich danke nochmals für Ihre gütige Aufmerksamkeit. . .>■■.;