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Der Israelit · 1930-09-04 · Heft 36 (4.9.1930) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 36 (4.9.1930)
Date
1930-09-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2. Nr. 36 Der Israelit 4. September 1930 Dauerwellen und Haararbeiten ist Vertrauenssache! EUGEN OCHS Spezialist dafür Moselstr.16 . Taunus 1593 Unverbindlicher Besuch erbeten die m engem Zusammenhänge stehen. Daß von rabbmifcher Seite theoretische Bedenken gegen eine Propagandierung der Fünftagewoche geltend gemacht wurden, weil sechs Tage Arbeit gewissermaßen religöse Pflicht feien, ist einigermaßen merkwürdig. Wir möchten annehmen, daß der Vertreter dieser Bedenken selber sie keineswegs im halachischen Sinne gemeint hat. Sind sie aber abstrakt-philosophischer Natur, dann dürfte wohl die Rücksicht aus die Rettung Tausender von jüdischen Seelen vor nnw schwerer ins Gewicht fallen als alle Theorie. Vorbedingung alles Eintretens für die Fünftagewoche ist allerdings die Zuversicht, daß es gelinge, die Kalenderreform mit Blankotagen endgültig abzuwehren — denn das Schlimmste alles Schlimmen wäre natürlich eine Fünftage- Woche, in der für den orthodoxen Juden zu den zwei Feiertagen des scheinbaren Sabbats und des scheinbaren Sonntags auch noch als dritter erzwungener Ruhetag innerhalb einer Woche der wirkliche Sabbat hinzuträte. An positiven Anregungen verzeichnen wir, abgesehen von den durch den Referenten des „Reichsverbandes" vorgetragenen Plänen, auf die wir noch zurückkommen, die Idee der Schaffung einer Produktionsgenossenschaft, zu der der Weltverband Mk. 100.000 bis Mk. 200.000 sammeln will, ferner den Rußbaum'schen Vorschlag auf ländliche Siedlungen in der Nähe von Großstädten. Die Verlegung der Lohnzahlungstage von Samstag auf einen Wochentag, wie sie Stadtrat K o r e r n in Budapest durchsetzte, wäre überall zu erstreben-. Zur Kalenderreform wurde folgende Resolution gefaßt: „Der in Berlin vom 24. bis 26. August 1930 tagende „Weltkongreß für Sabbatschutz" hat sich mit der geplanten Kalenderreform eingehend beschäftigt. Von der Erkenntnis getragen, daß die Heiligung des siebenten Wochentages im g'ttlichen Schöpfungswerk unlöslich verankert ist, richtet der Weltkongreß den Appell an die gesamte Kulturwelt, im besonderen an alle Instanzen, die sich mit einer Abänderung des Kalenders befassen, diese in einer Weise durchzuführen, durch die die Unverrückbarkeit des Sabbats gewährleistet wird. Unerträgliche Seelennot müßte für die gesamte Judenheit die Folge sein, wenn der Kalender durch Einsetzung eines Blan-kvtages einen beweglichen Sabbat vorfähe." Am wichtigsten könnte sich jedoch die nachfolgende Entschließung erweisen, sofern sie, wie wir hoffen, nicht auf dem Papier stehen bleibt: Der Kongreß beschließt die Einsetzung eines ständigen, aus Männern der Wirtschaft zusammengesetzten Wirtschaftsausschusses, der am Orte des Präsidiums seinen Sitz hat. Der Ausschuß ernennt in den verschiedenen Ländern korrespondierende Mitglieder, die territoriale Wirtschaftsausschüsse zu bilden haben. Zum Aufgabenkreis des Wirtschaftsausschusses gehört die Prüfung und Bearbeitung aller.. Vorschläge, die geeignet sind, Schemiras Schabboth zu ermöglichen. Hierzu gehört insbesondere: 1. Schaffung von Genossenschaften (Cvoperativen) auf dem Gebiet von Produktion, Konsum, Kredit und Siedlung. 2. Propagierung von Berufsumschichtung jüdischer Menschen und deren Vorbereitung zu solchen Berufen, die Beobachtung des Sabbat möglich machen. Handwerk und LandwirtschafL sowie Hausindustrie sind dabei besonders zu berücksichtigen. 3. Der Kongreß bevollmächtigt die zentrale Wirtschaftskommission/ sogleich nach ihrem Zusammentritt sich an den Vorarbeiten zur Gründung einer Garantiebank zu beteiligen, unter der Bedingung, daß.die unparteiische Leitung und Verwaltung der Bank gewährleistet ist. Der letzte Satz bedarf der Erläuterung, die wohl noch zu erwarten steht. Daß der Kongreß in einer Reihe von Entschließungen — ähnlich wie die Kenessio gedaulo — Aufrufe an alle jüdischen Instanzen, Organisationen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer richtete, worin auf bestehende Mißstände hingewiesen und die volle Wahrung der Sabbathut verlangt wird, ist selbstverständlich. Grundsätzlich ist der streng orthodoxe Charakter des neuen Sabbatverbandes durch die Beschränkung des passiven Wahlrechts auf praktische Schomre Schabbos gesichert worden, während die Mitgliedschaft jedem offensteht, der der Erhaltung und Förderung des Sabbats feine Kräfte und Mittel widmen will. Der gewählten Leitung harrt eine große Aufgabe. Möchte es ihr gelingen, getragen von allseitiger Mitarbeit, der nächsten Generation das kostbare Diadem des Sabbats in vollem Glanze zu erhalten. Wochenrundschau. m/s Die konservativen im Berliner Landesverband und der Entwurf znm prentzifchen Indengefetz. In Nr. 32 unseres Blattes hat Ben Aron unter Bezugnahme auf die Beschlüsse hinsichtlich des Frauenwahlrechtes in Baden darauf hingewiefen, daß bei der Neuordnung des Judengesetzes auch in Preußen entsprechend dem Entwurf des Berliner Landesverbandes das Frauenwahlrecht obligatorisch gemacht werden soll, und daß die Konservativen im Landesverband der Verantwortung, die sie für diesen der Preußischen Regierung eingereichten Entwurf tragen, sich bewußt werden mögen. 1 Hierzu erhalten wir von Herrn Julius Löwenthal in Eschwege folgende Zuschrift: „In Ihrer vorletzten Nummer bringen Sie am Ende des Leitartikels die Behauptung, daß der Preußische Landesverband in seinem neuen, dem Ministerium eingereichten Entwurf zum Judengesetz zunächst die Zwangszugehörigkeit der Gemeinden, des ferneren auch das Frauenwahlrecht obligatorisch einführen will. Diese Behauptung entspricht nicht den Tatsachen. Die Frage des Frauenwahlrechtes wird in dem Entwurf überhaupt nicht geregelt, sondern der Autonomie der einzelnen Gemeinden resp. der Entscheidung des Ortsrabbiners überlassen. Da Sie in denk erwähnten Artikel zunächst an die konservativen Mitglieder des Landesverbandes appellieren, halte ich es für erforderlich, Sie auf diesen Tatbestand aufmerksam zu machen." Hierzu bemerkt der Verfasser des angegriffenen Artikels: „Ich muß meine Ausführungen über den Entwurf des Berliner Landesverbundes aufrecht erhalten. Ueber die zwangsmäßige Zugehörigkeit zu einem Landesverband bestimmt 8 21, Ziffer 1. der letzten Fassung von 1928: „Jede öffentlich - rechtliche Synagogengemeinde in Preußen muß einem als öffentlichrechtlich anerkannten Verbände (Landesverband der Synagogengemeinden) angehören." Ziffer 2 regelt die Möglichkeit des Uebertritts von einem Landesverband zu einem etwa existierenden andern, während Ziffer 3 eine sehr eingeschränkte Möglichkeit des Austritts aus dem Landesverband ohne Uebertritt zu einem anderen Eiulgedanken. Von Rabbiner Dr. III. Lewin in Hamburg. Ol. Auf die Fülle und Mannigfaltigkeit der die verschiedensten Verhältnisse und Beziehungen des Lebens umfassenden Satzungen, die den Inhalt gerade der dieswöchentlichen mio bilden, wenden die Alten treffend das Wort salomonischer Weisheit an: „'jVsii' cm jn mii> ’D imiaiai» rnpayi Ein Kranz der Anmut—sind sie deinem Haupte und Geschmeide deinem Halse." Wie bei einer Perlenkette erst die Verbindung aller großen und kleinen, wertvollen und weniger geschätzten Perlen ihren Wert und ihre Bedeutung bedingt, so darf auch in der Kette der NM keineswegs nach wichtigen oder unwichtigen Geboten geschieden werden, da gilt vielmehr die Mahnung: vi>vn jb Q’->n ms „den Weg des Lebens wäge ja nicht ab." Was bedeutet dieser Satz? fragen unsere Alten: ias min bv mi'Ma awv xnn mb rrapn Sitze nicht und führe eine Rangordnung ein unter den Geboten Gottes, man» rnavv nnirr nviy ns n^na nn msam ^'si.i ibix snn sl> nms nsny 'i's nbp nix» in V’sinv Sage ja nicht, dieses Gebot ist wichtig, das will ich üben, jenes ist bedeutungslos, ich lasse es also. Welches sollte uns denn der Gradmesser sein für die Wichtigkeit einer nix»? Woher sollen wir einen Maßstab gewinnen, um hier wirklich klassifizieren zu wollen? Wissen wir es nicht, wie aus der Beachtung der unscheinbarsten Pflicht und aus einem kaum beachteten Keim häufig genug die edelste Menschentugend hervorkeimt und wie unsere Alten mahnen: mss mna nix»- Eine gute Tat wird der Keim zu weiteren guten Taten und ,may mna may und eine Uebertretung zieht weitere Pflichtverletzung nach sich. — Diesen Satz beweisen unsere Lehrer mit unserem Wochenabschnilt. Die Schrift beginnt hier damit, um die Leidenschaft in gesetzliche Bahnen zu lenken,v dem Krieger die Kriegsgefangene zu gestatten. Es ist dies nur ein Zugeständnis au die Schwäche der Menschennatur. Die Lehre muß dann aber weiter gehen und Vorschriften erlassen, um zuerst das Weib vor den Folgen des leicht eintretenden Haffes zu schützen Und schließlich den Fall des miai vno p des „widerspenstigen Sohnes" zu behandeln". So zeigt uns die Schrift an der Anreihung dieser gesetzlichen Bestimmungen, wie schnell 'die Leidenschaft auf die abschüssige Bahn des Lasters führt. Sie reiht aber auch Bestimmungen aneinander vM, die den fortschreitenden Sieg des Guten im Menschen lehren und gewissermaßen verbürgen, wenn wir uns daran gewöhnt haben, das Gute und Rechte zu unferm Teil zu erwählen, daß wir dann Gelegenheit finden, immer von neuem uns dem Dienste des Guten und Schönen hinzugeben. In einem schönen Gleichnis lehren die Alten, warum die Thora die nix» alle gleichwertig aneinandergefügt werden, ohne daß ihnen, bis auf zwei Gebote — das Gebot der Elternverehrung und das vom „Fliegenlassen der Vogelmutter" — irgend eine Lohnverheißung folgt, vno 10112 -jin^ jms o’aam D’Vyis i$> 12VI7 ftas> I"n»^> Ein König setzt Arbeiter in einen Park und gibt ihnen den Auftrag, diesen in Treue und Hingebung, mit Fleiß und Sorgfalt zu bearbeiten. Absichtlich unterläßt er es, den Lohn für die einzelnen zu leistenden Arbeiten festzulegen. Wollte er dies, so würden sich die Leute zu jenen Arbeiten besonders drängen, für deren Leistung der reichste Entgelt zu erwarten wäre. Es soll aber das ganze Werk vollbracht werden. So hat auch der Herr nicht für die Erfüllung der einzelnen -mx» den Lohn vorherbestimmt. Kommt dann der Abend, wo die Abrechnung erfolgt, dann ist er der Auftraggeber, der gütige Vater im Himmel, darauf bedacht, jedem nach seinem Tun zu vergelten, und nicht nur das, die ms» die wir üben, sind an sich selbst wie' gute Engel, die uns schützend umlagern. "jms nn^a mxan “jVniy aij?» bsb- Ueberall, wohin du deinen Schritt lenkst, geleiten dich die Gebote und binden dich an das Ewige und Heilige, daß du nicht strauchelst und nicht im Strudel der Sünden und Laster versinkst. Das ist der Sinn und Wert der msa mit denen uns unser Judentum förmlich rüstet im Kampfe gegen die feindlichen Mächte in uns und um uns. Der Schofar, der da in diesen Tagen wieder erklingt, will uns zur Lebensheiligung führen und unser Verständnis für den anmutsvollen Kranz unserer Pflichten stärken. — kleines Feuilleton. ’ (Aas Stammesveumßtscin der Mtlnscherr). In dem Jdsteiner Prozeß, der jetzt vor dem Wiesbadener Gericht verhandelt wird, spielt auch ein Neger eine Rolle. Unparteiische Zeugen bestätigten, besondere Erregung habe eine Bemerkung des national-

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