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Der Israelit · 1930-08-28 · Heft 35 (28.8.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 35 (28.8.1930)
Date
1930-08-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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28. August 1930 „Das Joint Foreign Committee ist ermächtigt, dem Internationalen jüdischest Komitee berefss der Kalestderreform aus vollem Herzen iste. Unterstützung des Deputiertenrates der britischen Jüöen zu versichern. Es bleibt dem Ermessest der Präsidenten (nämlich des Jewifh Board of Deputies ustd der Anglo Jewifh Association) überlassest, in UebereinstimMung mit -cm Komitee jede weitere Aktion einzuleiten, welche dieselben in Bezug auf die Verteidigung jüdischer Interessen, ganz besonders hinsichtlich der Stabilität des jüdischen Sabbat, als notwendig erachten sollten." Line Mahnung des „Jleat East" an die Araber. London, 8. August. Die Zeitschrift „Near East" befaßt sich in ihrem Leitartikel mit der Politik und der Taktik der palästinensischen Araber. Die Araber, schreibt die Zeitschrift, warten gespannt auf die Rückkehr des High Commifsioner Sir John Chancellor aus London, weil sie hoffen, der High Commifsioner werde einen neuen Entwurf einer Verfassung mit sich bringen, der den Arabern einen größeren Anteil, an der Selbstverwaltung einräumt. „Near East" weist darauf hin, daß in der letzten Sitzung der arabischen Exekutive der Vorschlag gemacht wurde, die Mchtzusammenarbeit mit der Regierung und den bürgerlichen Ungehorsam nach dem indischen Muster zu proklamieren, und führt aus: Die Einnahme der Haltung Ghandis in Indien oder sogar nur die Drohung, eine solche Haltung einzunehmen, würde die Höhe der Torheit bedeuten. „Near East" weist auf das Fehlschlagen der Wafd-Aktion in Aegypten als auf ein warnendes Beispiel hin. Palästina. Der arabische Streiktag in Palästina ruhig verlausen. Jerusalem, 24. August. Der vom Großmufti und der arabischen Exekutive für Sonnabend, den 23. August, dem Jahrestage des Ausbruchs der Unruhen in Palästina, proklamierte Generalstreik aller palästinensischen Araber nahm einen ruhigen Verlauf. Nur etwa die Hälfte der arabischen Läde waren geschlossen. Sonst bot die Stadt Jerusalem das gewöhnliche sonnabendliche Bild. Die Zeitung „Al Jamea el Arabia", das Organ der Mufti-Partei, wurde wegen Veröffentlichung der Streikproklamation der Exekutive konfisziert. Die Zikha-Zeremonie der Moslems an der Mauer, die seit einiger Zeit ausgefallen war, wurde an diesem Freitag-Abend wieder exekutiert. Der mit der Zeremonie verbundene ohrenbetäubende Lärm der Instrumente dauerte auch den ganzen Sonnabend über an. Personalien. Berlin. 17. Aug. Aron Friedmänn, Oberkantor i. R. Königlicher Musikdirektor, vollendete n"'n am 22. d. M. sein 75. Lebensjahr. Seinen Werdegang schildert Friedmann in seinen „Erinnerungen, 60 Jahre in Berlin", die 1928 erschienen. Den Schatz an Chasonus, den er in seiner Heimat in sich ausgenommen und der jahrzehntelang in seinem Herzen ruhte, legt er nieder in seinem Lebenswerk Schir Lisch'laumaü, Chasonus für das ganze liturgische Jahr, vom Deutsch-israelitischen Gemeindebund 1901 herausgegeben, Eigenschöpfungen, mit Ausnahme der überlieferten Melodien wie Kol Nidrei und dergl. wehr. Die Frucht seines wissenschaftlichen Forschens nach dem Chasonus ist die Studie „Der fynagogale Gesang". An literar-historischen Schriften veröffentlicht Friedmänn 3 Bände Lebensbilder berühmter Kantoren, in denen ca.' 100 Biographien von Kantoren aller Länder enthalten sind. Dem dritten Band fügte er einen wissenschaftlichen Anhang hinzu: Zur Geschichte des jüdischen Kantorats. Friedmänn ist der Erste, der solches Gebiet betritt. Zu diesen Arbeiten kommt noch der erste Band käntöral-wissestschäftlicher Aufsätze. Äst Kompositionen schrieb er eine große Anzahl Gesänge, meist religiösen Inhaltes, z. T. veröffentlicht, z. T. im Manuskript. Ist dest letztest JHrest erweiterte er sein Hauptwerk durch/Mei Anhangs, die Piecest für den G'ttesdienst für Kantor üntz Chor enthalten und die im Manuskript vorliegest. Seine Verdienste um die kantorale Wisfestschäft würden äüch vön höherer stäätlicher Welle anetkäNnt, Und würö'eihm der Titel Königlicher MusikdiMM verliehest. "-y So Ebrächtß Wed'inänst sein Lebest' in reicher Arbeit, in treiier, histtzWestd'er Pflichterfüllung. Möge »"n auch weiterhin mit ihm sein und ihn in körperlicher und geistiger Frische erhalten, vmnet- Der Israe l i t _ Köln; 26. Aug. Die Esragruppe Köln hat einen ihrer Besten verloren. Unser lieber ^Freund Sally Ansbach er n~y ift von uns gegangen; auf der Rückkehr vom letzten Gautag ist er verunglückt. Wir können es noch gat nicht ermessen, tüas er uns gewesen ist: überall und, von allen Ecken und Enden schreit es uns entgegen, wie sehr er uns fehlt. Wir haben ihn Führer genannt, und er war uns in Wahrheit Führer und Vorbild in der unbeirrbaren Grobheit seines Denkens und in der vornehmen Bescheidenheit seines Wesens. Vorbild vor allem bleibt er uns in seiner heißen Liebe zur nnw; man muß mit ihm gelernt haben, um sich Diese Freude am Lernest vörstellen zu können; man muh dazu bei ihm in feinest ti'n'ijrä gelernt haben, in denest er diese Freude und diese Begeisterung weitergäb. Er war unser Freund, und er war unser Bruder. Jeder von UNS fastd bei ihm Rat und Verständstis bei allest unsren großen und kleinen Sorgen. Es ist so unendlich viel, was wir von unsrem Sälly gehabt haben! Was er uns mit seinem liebevollen Wesen gegeben hat, bleibt jedem Einzelnen von uns ein wichtiges Stück seines Seins, läßt jeden Einzelnen von uns untrennbar mit ihm verbunden bleiben. Und gar mit den Jüngeren unter uns, denen insbesondere seine Arbeit galt, war er wie ein Vater mit seinen Kindern. Unauslöschlich sehen wir ihn vor uns, wie er im Heimnachmittäg oder auf Fahrt inmitten seiner Gruppe lebt und wirkt, wie er aus seinem reichen Wissen ihnen mitteilt, wie er mit ihnen lernt und Liebe und Begeisterung für unser Judentum weckt. Nun ist er von uns gegangen und nach kürzester Frist seiner seligen Mutter nachgefolgt, die er so besonders geliebt, und der er das Leben bis zu ihrem Ende verschönt hat. Uns, die nun ohne ihn unsren Weg weitergehen müssen, bleibt die Dankbarkeit für das, was wir von ihm haben durften, und der Wille, in seinem Geiste und in seinem Sinne weiterzuarbeiten, mmn misi G'tt helfe uns! »"»Sin- Köln, 18. Aug. Einen echten Jehudi, einen edlen Menschen haben wir in der vorigen Woche zur ewigen Ruhe begleitet. Herr Moritz Cohen, der würdige Sproß. einer alten Altonaer Familie, treu den geheiligten Traditionen,wurde im blühendne Alter von 42 Jahren, fern von der Heimat, auf einer Geschäftsreise in Athen, feiner Familie entrissen, wo er einer kurzen, aber schweren Krankheit, erlag. Nicht nur der engere Kreis seiner Angehörigen verliert in ihm den besten Gatten, Vater, Sohn und Bruder; auch die Synagogengemeinde Adaß Jeschurun und mit ihr das Gesamtjudentum beweint den Heimgang dieses vortrefflichen Menschen, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigte. In wahrhaft echt-jüdischem Geiste erzogen, gestaltete er sein Heim und sein Leben in vorbildlicher Weise und verbreitete durch den Frohsinn seines Gemütes überall Licht und Freude. Eine kostbare Blüte am Baum des Juden- und des Menschentums ist mit ihm dahin gegangen. Unter unsäglichen Schwierigkeiten war es seiner Gattin möglich, die unsterblichen Reste des Entschlafenen nach hier zu überführen. An seinem Grabe rief ihm Herr Rabbiner Dr. C a r l e b a ch schmerzerfüllte Worte des Abschieds nach, gab Herr Dr. L i f f a u e r feiner Trauer über den Heimgang seines Freundes und Mitarbeiters in erschütternder Weise Ausdruck, während Herr Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal im Namen der Logen dem Heimgegangenen für alle Liebe dankte. Möge der Allgütiqe seiner schwergeprüften Gattin und seinen Kindern, seiner von harten Schicksalsschlägen getroffenen Mutter und der ganzen Familie Trost und Aufrichtung in ihrem Schmerze schenken. - Emden, 20. Aug. Am 15. ds. Mts.' verschied hier Sanitätsrat Dr. Sternberg. Mit ihm ist ein Mann aus dem Leben geschieden, der weit über Ostfrieslands Grenzen bekannt war; ein Mann, der nicht nur . als Wohlfahrtsarzt sich die Liebe und Anerkennung vieler Menschen erworben hatte, sondern der auch Jahrzehnte zum Wähle der Gesamtheit in der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit tätig war. Als Bürgervorsteher unserer Stadt. Ausschußmitglied der jüdischen Gemeindeverwaltung, Mitglied der Schulverwaltung, Vorstandsmitglied des Waisenvereins „Esrath Jeffomim" und des Altersheims „Maufchav sekenim" hat er fein Bestes gegeben., Ein großes Leichenbegängnis gab Zeugnis von der großen Verehrung, die der Verstorbene genoß. Am Grabe zeichnete Herr Landesrabbiner Är. de Haas, Oldenburg, das arbeits- und erfolgreiche Leben dieses edlen Menschen und Kämpfers. rrasirn- Memmingen. 19. Aug Am Sonntag den 10. August, am 16. 2« schied der langjährige treubewährte Lehrer und Kantor unserer Gemeinde, Herr Ahron R o s enbla t t, 61 Jahre alt. -von uns. 41 Jahre seines Lebens waren dem Dienst für Schule und G'tteshaus geweiht. Nach genossener Ausbildung in Burgpreppach und Würzburg wirkte Ährost Rosenblatt als Religionslehrer in den Gemeinden Strümpfelbrunn in Baden und Egenhausen bei Ansbach. IM Jahre 1896 wurde er von der Israelitischen Kultusgemeinde. Memmingen zu ihrem geistigen Führer berufen. In 32jahriger von beispielloser Gewissenhaftigkeit sind hingebungsvollster Berufstreüe erfüllter Tätigkeit hat er Mitgebaut äst der Aufwärtsentwicklung unserer Gemeinde. Einer traditionserfüllten Familie entstammend, aus der altehrwürdigen Kehilloh Fürth, war er von tiefreligiösem Geiste beseelt. Sein ganzes Leben war beispielgebende Tat. Nr. 35. Seite 7 Die Würdigung seiner Persönlichkeit kam bei der am 12. üs. stattgefundenen Beerdigustg in eindrucksvollster Weife zum Ausdruck. Lehrer Liffgens schilderte in ergreifender Weise das segensreiche Leben und Wirken, die Bescheidenheit, Menschenliebe und Menschenfreundlichkeit des edlen Gatten und Familienvaters, des treuen Führers seiner Gemeinde, des väterlichen Freundes und Amtsgenossen. Auch im Namen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern und der Bezirkskonferenz Schwaben gab er der. Trauer Ausdruck um den rührigest Kollegem Der 1. Borständ der Kultusverwaltung, Direktor Karl Gerstle, widmete dem treubewährten Lehrer feiner Gemeinde, dem hilfsbereiten Freund jeder Familie einen aus tiefbewegtem Herzen kommenden üstd zu Herzen dringenden Nachkuf dankbarer Verehrung. Für den Bezirkslehrerverein Memmingen stahm dessen Vorsitzender in erhebenden Worten Abschied von dem teuren Kollegen und langjährigen Mitglied des Vereins, rraxin. Gerolzhofen, 21. Aug. Unter großer Beteiligung wurde heute unser ältestes Gemeindemitglied, Kalman S e e l i g, zu Grabe getragen. Er erreichte ein Alter von 85 Jahren, war ein guter Jehudi, ein bescheidener biederer Charakter und als Feldzugsteilnehmer von 1870/71 Ehrenmitglied des Veteranen- und Krieger-Vereins, der ihm mit umflorter Fahne und unter Trauerweisen das letzte Geleite gab. Am Grab entwarf Lehrer Reiter ein ausführliches getreues Lebensbild, während der Vorstand des genannten Vereins dem „guten Kameraden" einen letzten Scheidegruß widmete. rrasan* Die Woche. Kaufmann Eltlinger y^t* •nnpan snn in» Diese Worte, mit denen Nabb. Dr. Jacob H o r o - w i tz von unserem heißgeliebten Freunde Ettlinger am Freitag bei feiner letzten Heimfahrt nach Karlsruhe Abschied nahm, waren uns allen aus tiefstem Herzen gesprochen. Wer kann sie alle zählen, die vielen religiösen Institutionen, in denen unser Heimgegangener Freund gewirkt, mit denen er gewissermaßen gelebt und tief verwurzelt war! Ob er als Mohel jüdische Knaben in den Bund Abrahams einführte, als Vorbeter an den heiligen Tagen die Gemeinde zur Andacht hinriß, als Bal-Tokeah mit den Tönen des Schofar die Herzen erschütterte, oder als Gabbe der Chewrah Kadischa letzte Liebespflicht an einem jüdischen Bruder erfüllte, immer mußten wir den großen Menschen und Jehudi bewundern. dessen liebevolles Herz seinen Brüdern sozusagen von ihrer Wiege bis zum Grabe gewidmet war. Er war ein -wn, vollkommen in dem Sinne, daß er alles, was er tat, nsn nn»v», mit Freude und Begeisterung, G'tt zu Ehren und den Menschen zunutze, tat. Freundlich und liebenswürdig zu jedermann, war er, getreu dem Väterspruche nrmsn onrrn bo ns Vapn 'in- Wer einmal in dieses liebe Antlitz geschaut, der war gebannt von einem Strahl menschlicher Güte. Eine Frohnatur, konnte er den Menschen auch in traurigen Lebenslagen ein Tröster und ein Helfer sein. Ihn kennen, hieß ihn lieben und achten. Und keiner von der großen Schar seiner Verehrer wird ihn und sein Wirken vergessen. Sein Andenken wird uns allen zum Segen gereichen. n^asan- Mirjam Landsberg Immerwenn Menschen von besonderem Format aus unserer Gemeinschaft scheiden, scheint die Lücke unersetzlich. Wer vom Tode Mirjam Landsbergs hörte, dachte nicht nur an den Verlust, den die Familie, die alte feinsinnige Mutter, die Schwestern erlitten, der unsere Gemeinde betroffen hat. Alle ihre Bekannten und Freunde empfanden ihren Tod als einen persönlichen Verlust. 1911 kam Mirjam Landsberg nach Frankfurt, wo sie das Kindergärtnerinnen-Seminar besuchte. Zwei strebsame Jahre verlebte sie im Israelitischen Mädchen- Heim (Taunusplatz 17). Befruchtend wirkte auf die Reichbetzabte das Gemeinschaftsleben des Hauses. Sie schloß sich eng an die Vorsteherin des Heimes, Frau Dr. Burstin, an, die ihr bis in ihre Todesstunde Freundin, Führerin und Förderin blieb. Nach Beendigung der Schulzeit war Mirjam Landsberg mehrere Jahre als Erzieherin in einer unserer besten jüdischen Familien in Frankfurt tätig. Später erreicht sie ihr Ziel, einen eitzenen Privat-Kindergarten leiten zu können. Wer dieses Mädchen einmal im Kreise der ihr anvertrauten Knaben und Mädchen gesehen hat, der mußte die Liebe und Estergie, harmonisch vereint in einer Erzieherinnenpersönlichkeit, bewundern. Denn ihre innig fromme, schlichte Art, ihr starker Glaube, ihre mütterliche Liebe gaben ihr die'Eignung, Kinder zu ganzen Menschen, zu aufrechten Juden zu erziehest. Miriams Streben nach erweiterter theoretischer Und sozialer Schulung, führte sie nach hartem Kämpfe mit sich selbst zur Aufgabe des Kindergartens. Sie besuchte die hiesige hessen-nässauische Fraüen-Wohlfahrtsschule. Kstapp vor dem Abschluß ihrer Studien hät sie eine tückische Krankheit wochenlang ans Bett gefesselt und jäh von uns genommen. Unter den Hüstdertest von Beileidtzbriefen, die die schmerzgebeugte Fämilie erhielt, ist auch nicht ein einziger, der die oft üblichenbastälen Phrasen gebraucht hätte. Jeder Schreibende vergegenwärtigt sich eine lichte Seite im Wesen der Dähingeschiedesten. Schmerz, Trauer, Klage, Wehmut schwingen in erhabenen Tönen. Die Bewegtheit des Gemütes machte in diesem Falle einfache Menschen zu Formern kraftvoller Worte.

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