Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1930)
- Date
- 1930-08-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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28. August 1930 _ für Süddeutschland nahegelegt habe und er dieselbe auch .angenommen habe und nach besten Kräften ausführen werde. Frank ist der Meinung, daß ein genossenschaftlicher Zusammenschluß für ganz Bayern in Frage käme und gangbar wäre. Herr Levi bemerkt hierzu, daß sowohl die Nürnberger als auch die Fürther Kollegen sich von Anfang an gegen eine Genossenschaft ausgesprochen hätten. Herr Frank gab dann noch einige Aufklärungen über die Abwicklung der Fleischversorgung. Herr Hamburger legte Beschwerde ein, daß seitens des Deutschen Fleischerverbandes und Bezirksvereins Bayern für die jüdischen Verbandsmitglieder nichts getan wurde. .Der Schriftführer, Koll. Linfauer, betonte nochmals mit Nachdruck, daß das bayerische jüdische Metzgergewerbe trotz der schlechten Geschäftslage, in der es sich befinde, bestrebt sein werde, das Fleisch zu den billigsten Preisen zu verkaufen. Er rechne aber auch mit dem Verständnis, seiner Kundschaft für die schwierigen Verhältnisse. — Im weiteren Verlauf kamen Vereinsangelegenheiten zur Abwicklung. Der Kassenbericht, den Koll. Hämburger-München erstattete, wurde genehmigt. Im Anschluß an den Bericht der Revisoren wurde /dem Kassier, sowie dem gesamten Vorstand Entlastung erteilt. , - Die Versammlung brachte ihren Dank gegenüber der Vorstandschaft durch Erheben von den Sitzen zum Ausdruck. — Die Wahlen ergaben nur für den Posten des 2. Vorsitzenden eine Aenderung, da Koll. Weil-Nürnberg .zurücktrat. Die Vorstandschaft setzt sich nunmehr zusammen aus dem 1. Vorsitzenden Levi-München, 2. Vors. Fränkel- Rürnberg, 1. Schriftf. Limdauer-München, 2. Schriftf. Hermann-Augsburg, 1. Kaff. Hamburger-München, 2. Kaff. Schild-Würzburg. Am Ende wurde noch ein Beschluß gefaßt über eine Statutenänderung. Koll. Levi schloß nach einigen internen Angelegenheiten die Versammlung mit Worten des Dankes an die Kollegen für ihre Mitarbeit, mit der Aufforderung, gerade jetzt, wo eine Einigkeit unseres Verbandes durch die Meischverforgung am zweckmäßigsten sich auswirken Wird, fest zusammenzuhalten. Schomre-Schabbos-Kongretz. Berlin, 26. August. In der Nachtsitzung des ersten Weltkongresses der Echomre-Schabbos-Bewegung im Berliner Brüdervereinshause vom 27. August erstattete Stadtrat Desider K o r e i n (Budapest) sein Referat über „Sonntagsruhe, Kirchen- oder Sozialpolitik". Er setzte die Erfahrungen auseinander, die er in 30jähriger Arbeit zum Schutz der sabbattreuen Juden Ungarns gewonnen hat. Während früher der Sonntag ein ausschließlich kirchlich motivierter Ruhetag war, und sich daher der gesetzliche Zwang zur Arbeitsruhe lediglich auf Christen beschränkte, geht .die moderne, für i die Sabbathaltung katastrophale Entwicklung der Sönntagsruhegesetzgebung im Wesentlichen darauf zurück, daß zu den kirchlichen Motiven sozial-- politische hinzutreten, wodurch eine kirchlich-sozialistische Einheitsfront für die absolute Sonntagsruhe entstanden ist. Die ausdrückliche Berücksichtigung sabbathaltender Juden in der Sonntagsruhe-Gesetzgebung nach dem Beispiele Hollands ist in Ungarn unter den gegebenen Verhältnissen nicht zu erwarten. Bei der Bekämpfung der absoluten Sonntagsruhe muß man sich daher auf die sozialpolitischen Argumente beschränken, die aber in der Tat so wirksam sind, daß sie z. B. in Ungarn, nachdrücklich vorgebracht, bte gesetzliche Verfügung absoluter Sonntagsruhe verhindert haben. Gute Erfahrungen sind auch mit der Verlegung des Lohnzahltages vom Wochenende in die Mitte der Woche gemacht worden, die Redner für die Budapester städtischen Arbeiter im Stadtrat. unter sozialpolitischen Gesichtspunkten durchgesetzt hat. Für die Juden ergibt sich der Vorteil, daß sich der Einkauf der Lohnempfänger nicht auf den Sonnabend konzentriert. So müssen die Schomre Schabbos einerseits die Weekend- und Antialkohol-Bewegung unterstützen, andererseits die absolute. Sonntagsruhe bekämpfen, was nur, äußerlich betrachtet, widerspruchsvoll erscheint. In.der Vormittagssitzung vom 25. August erstattete Rabbiner Dr. Ansbache r (Wiesbaden) sein Referat .über. „ S a b b a t - Idee und Z ei t g ei st ", in - dem er eine ideologische Grundlegung der Sabbat-Bewegung Der. I s r a e l i t _• , und des Sabbat-Gedankens in dieser Zeit zu geben versuchte. Anschließend referierte Rev. Dr. Bernhard Drachman (Newyork) über „Die Fünf-Tage-Arbeitswoche als Lösung des Sabbat-Problems". Der Referent ging von der These aus, daß geringe Erfolgsaussichten für die Lösung des Sabbatproblems bestehen, solange dieses lediglich als interne jüdische Angelegenheit betrachtet wird. Die Mitwirkung nichtjüdischer Kreise sei aber erreichbar, denn der wöchentliche Ruhetag sei vom Judentum in das Christentum übergegangen, und wäre nicht die Differenz der zum Ruhetag bestimmten Wochentage, dann bestünde eine völlige Einigkeit der Interessen. Nun sei es aber trotz Reformjuden, Sabbatianern und Adventisten ausgeschlossen, daß Juden und Christen sich auf einen gemeinsamen Tag als Ruhetag jemals einigen. Trotzdem ist eine Lösung des Problems möglich, und zwar in der Weise, daß die bisherige Sechs-Tage- Arbeitswoche durch eine Fünf-Tage-Arbeitswoche ersetzt wird, wodurch für die ganze Bevölkerung zwei Tage in der Woche arbeitsfrei werden Erfahrungen in Amerika zeigen, daß die Idee praktisch durchführbar ist und Vorteile ökonomischer, sozialer -und religiöser Art für das Individuum und für die Gesamtheit bringt. Die eintägige Erholung genügt im modernen Betrieb nicht, da sie zwar entspannt, aber nicht ausreichend kräftigt. In Me Woche. Berlin. Auf Veranlassung des Zentralvereins wurde ein Reichstagswahlausschutz 1930 ins Leben gerufen, dem außer dem C. V. Vorstandsvertreter der Berliner Jüdischen Gemeinde, die Zionistische Vereinigung, der R. I. V. und die Groß-Loge für Deutschland angehören. Zum Vorsitzenden des Ausschusses wurde Dr. Alfred Wiener bestimmt. Zweck des Ausschusses ist, „Erfüllung der Aufgaben, die zum Wohle der deutschen Juden von allen Organisationen gemeinsam erfüllt werden können." — Der sozialdemokratische „Vorwärts" weiß über antisemitische Bestrebungen in der „Mitropa" zu berichten. Die Angestellten werben für die Nationalsozialisten und die Haltung der Generaldirektion scheine die Angestellten darin zu ermutigen. Sollte sich dieses bewahrheiten, so dürfte das jüdische Reisepublikum es in der Hand haben, die gebührende Antwort daraus zu geben. — Auf der Kandidatenliste der Staatspartei im Wahlkreise Berlin-Potsdam steht auch Dr. Bruno Weil. München. Der „Völkische Beobachter" rechnet aus, daß die geplanten 34 000 nationalsozialistischen Wahlversammlungen bis zu den Wahlen etwa 2 Millionen Reichsmark erfordern. Wer bezahlt die Rechnung? Morms. Wegen des nationalsozialistischen Terrors in dem rheinhessischen Orte Dolgesheim bei Worms, vor dem die jüdische Familie Frank flüchten mußte, hat die Staatsanwaltschaft gegen die Täter ein Verfahren wegen Landfriedensbruches eingeleitet. Die zuständige Behörde hat nach diesen Vorgängen die Ortsgruppe Dolgesheim der NSDAP, a u fg e l ö st. Bad kiffingen. Herr M. M. U f =.! sifchkin, der sich zur Zeit in Kiffingen zur? Kur aufhält, wurde hier aus Anlaß der Ein-? weihung des Königs P e t e r - W a l d e s in? Palästina im Aufträge des Königs und der Regierung von Jugoflavien der Sabba- Orden II. Klaffe überreicht. Der König Peterwald in Palästina ist aus einer Spende der jugoflavischen Judenheit entstanden. amerikanischen Betrieben mit Fünf-Tage-Woche ist die Zähl der ausgelassenen Arbeitstage von 2,5 Proz. auf 1,62 Proz. zurückgegangen. Andere Beispiele zeigen, daß Produktion und Arbeitseinkommen trotz verringerter Arbeitszeit nicht gesunken, sondern gestiegen sind. In sozialer Hinsicht bringt die Fünf-Tage-Woche eine Verbesserung im Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und eine vermehrte Möglichkeit geistiger Bildung der Arbeitnehmer, die bei der eintägigen, hauptsächlich körperlicher Erholung gewidmeten Arbeitsruhe nicht zu ihrem Rechte kommen könne. Das gilt auch für das religiöse Gebiet. Der einzig^.Ruhetag bleibt der Natur Vorbehalten , und für die Kirche bleibt nichtsübrig. Schließlich verspricht man -sich von der ausgiebigen Freizeit einen gesteigerten Konsum. Auf.-dem Gebiete des Schulwesens ist die Fünf-Tage-Woche in Amerika bereits vollständig durchgeführt uiib die- Resultüte ffindgut, Dr. med. Henry Keller (Newyork) sprach dann Nr. 36. Seite 5 Rosch-ha-schono-Glückwünsche können in drei Größen veröffentlicht werden: Größe I 10 Zeilen 1 spaltig zu Mk. 5.— Größe II 15 Zeilen 1 spaltig zu Mk. 7.50 Größe H110 Zeilen 2spaltig zu Mk. 10.— Die Beträge wolle man auf Postscheckkonto Nr. 19 802 überweisen, den Text dyrch Postkarte ernsenden. Texte, die bis zum 16. September in unserem Besitze sind, werden in der Rosch-Haschono-Nummer. später eintreffende in der darauffolgenden veröffentlicht. Wer seine Glückwünsche zu Gunsten von Erez Jisroel a b z u l ö s e n und keine Anzeige zu veröffentlichen wünscht, wolle dem nach Belieben festzusetzenden Ablösungsbetrag eine Gebühr von 2.20 Mark für die Veröffentlichung von Namen und Wohnort im Sammelinserat beifügen. Frankfurt a. M. Verlag des Israelit G. m. b.H. über „Die medizinische Bedeutung der Fünf - Tage- Arbeitswoche". Die Vorteile der Fünf-Tage-Woche feien: Steigerung der physisch-individuellen und der Arbeitsfähigkeit, Hebung des geistigen Standards, Verstärkung des Familienkontakts und Verbesserung der gesellschaftlichen Beziehungen, wodurch auch die Intensivierung der jüdischen Gemeinschaft und ihre Vereinheitlichung erzielt werden würde. Als Arzt tritt Redner für die 44stündige Arbeitswoche ein, mit vier Arbeitstagen zu 9 Stunden und einem 8-ftündigen Arbeitstage am Freitag. In dieser Zeit lassen sich die wirtschaftlichen Aufgaben durchaus erfüllen. \ E. E. Ascher (Amsterdam) berichtete über die Bewegung in Holland, die dort bereits seit 35 Jahren besteht. Auch die Forderung nach der Fünf-Tage-Woche ist in Holland nicht unbekannt. Der Verband der Diamantenarbeiter hat, nach anfänglicher Gegnerschaft, auf Betreiben seiner jüdischen Mitglieder bereits die Fünf- Tage-Arbeitswoche zu seiner Forderung erhoben. In der Diskussion äußerten sich zu den angeschnittenen Problemen u .a. Dr. Meier Hildesheimer (Berlin), Dr. Alphonso Pacifici (Florenz), Bin Nun (Tel-Awiw), der die Konferenz im Namen der Thora Waawodah-Bewegung begrüßte und Dr. Würzburger. Der durch den Erwerb der palästinensischen Siedlung Machne Jisrael bekannte deutsche Agudist N u ß b a u m machte in der Diskussion den Vorschlag, in der Nähe der stark von Juden bewohnten Städte landwirtschaftliche Großbetriebe mit angeschloffenen gewerblichen Produktionsstätten zu schaffen. Diese Wirtschaften sollen gesetzestreuen Juden Arbeitsmöglichkeiten unter angemessenen Lebensverhältniffen geben und ferner der beruflichen Ausbildung dienen. Der Vorsitzende, Dr. Sulzberger, eröffnet die Nachmittagssitzung und begrüßt unter stürmischem Beifall den Gesandten Hollands. Fabrikant Henry Gu gg enh e im spricht über die Konzessionen, die seitens der holländischen Regierung den Juden erteilt werden und insbesondere über die entgegenkommende Form der Handhabung der Sonntagsruhe. Redner spricht dann von der besonderen Klasse der jüdischett Diamantenarbeiter und rühmt die vorbildliche Leistung der holländischen Jugendorganisationen, des Misrachi und der Agudas Israel auf dem Gebiete der Sabbatheiligung. Die Schulbefreiung der Kinder am Sabbat fei für Holland etwas Selbstverständliches. Beim Militärdienst feien die jüdischen Soldaten am Sabbat befreit. Bei Eisenbahn, Polt und sonstigen Staatsbehörden fanden jüdische Beamte hinsichtlich des Sabbat weitgehendste Berücksichtigung. Jacob R o s e n h e i m, Frankfurt a. M., spricht über die Arbeit des Reichsverbandes für Stellenvermittlungen und die Schaffung wirtschaftlicher Beratungsstellen. Es soll eine sabbättreue Arbeitnehmergewerkschaft gebildet werden, die bei den Regierungen Petitionen Vorbringen solle, die Interessen der jüdischen Arbeiter wahrzunehmen.. Ebenso solle eine Berufsberatungs- und Ausbildungsstätte in allen Ländern geschaffen werden. Ein Vorbild für Hie Angestelltengewerkschaft der sabbattreuen Arbeitnehmer sei die Organisation der Poale Agudas Jisroel in Polen. Die Jugend sei mehr zum technischen Denken zu erziehen und die schulentlassene Jugend richtiger zu beraten. Handwerk habe noch einen sicheren Boden und bedeute eine festere Grundlage als Angestelltenschaft oder Kleinhändlertum. In Holland bestehe bereits die Möglichkeit, die 48 Ar-