Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1930)
- Date
- 1930-08-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Nr. 35 ten lassen zu wollen: Nach Schluß dieser Er örterungeü erteilt der Vorsitzende, Herr Dr G r ü n b e r g , Herrn Rabb. Dr. Sch a ch t e aus Belfast das Wort, der den Kongreß im Nä men der' britischen Judenheit wännstens begrüßt, Der Rabbi aus Radzimin spricht BegrüßungS Worte im Namen der Rebbes in Polen? Das Wort ergreift nun Herr Rabbiner Dr Ludwig R o s e n t h a l - Köln zu seinem Referat „Zur Frage der Kalenderreform". Der Redner legt die geistigen Grundlinien des Kalenderreformprojekts und seiner Gefahren dar und ge staltet daraus eine ausgezeichnete Apologie der Sabbatidee. In wirksamer Weise wird dieses Referat durch den; darauf folgenden Redner Oberrabbiner Dr. T. L e^w e n st ein aus Zürich, ergänzt. Herr Dr. Lewenstein, der Generalsekretär des . Internationalen' jüdischen Komitees für Kalenderreform, gibt eine geschichtliche Darstellung der Bestrebungen hinsichtlich der Kalenderreform und berichtet über das Jüdische Komitee und seine Ausgaben. In diesem Zusammenhänge gestaltet sich die 'Erwähnung des plötzlichen Ablebens des ver dienstvollen jüdischen Führers und Mitgliedes des Jüdischen Abwehrkomitees Lücien W o l f f zu einer erschütternden Trauerkundgebung, bei der sich der ganze Kongreß zu Ehren des großen To ten von seinen Plätzen erhebt... Unter dem Eindruck dieser spontanen Kundgebung hört "das Auditorium^ mit gespanntestem Interesse den weiteren ÄuSführun gen des Redners zu. Nach einer längeren Pause ergreift der Präsident des ungarischen Schomre 'Schabbos-Bundes, Herr Stadtrat Desideur K o - r e i n, das Wort zu seinem Vortrag über: „Sonntagsruhe,, Kirchen- oder Sozialpolitik". Er schildert den Kampf der ungarischen Judenheit gegen unsoziale Bestimmungen der Sonntagsruhegesetzgebung und versteht es, das Problem über diesen engeren Kreis hinaus für alle Verhältnisse rich tunggebend zu beleuchten. Hier ist das Verdienst des Redners, dem es gelang, eine Verlegung der Lohnauszahlung für die städtischen Arbeiter in Budapest zu, erreichen, besonders erwähnenswert. Redner erhofft, von einer allgemeinen Lohntags- Verlegung wesentliche Entlastungen für den Sabbat. Im Namen der holländischen Delegation und des holländischen Schomre Schabbos-Landesverbandes berichtet Herr E. Ascher in außer ordentlich sachlicher und bemerkenswert klarer Weise über die intensive praktische Arbeit der Schomre Schabbos-Bewegung in Holland in einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Damit erreicht die Abendsitzung ihr Ende. (Weitere Berichte über die Tagung im Nachrichtenteil.) Der Israelit man nur aus politischen Gründen, wegen der nationalsozialistischen Hetze, es vorziehe^-Thüringen fernzubleihSn. £>iej; Stimmung unter den Hoteliers und Weschäfwleuten/M deshglb außerordentlich aufgebracht. Psgn'hM in de'N meiftin Geschäften im Gespräch, daß „der Frick - die Gäste weggejagt habe" Matt spricht es gänz offen aus, daß man auf das schwerste enttäuscht sei von der; Politik der Nationalsozialisten, di^ alles versprochen und nichts gehalten hätten, und von denen es schon jetzt klar sei/ daß sie keines von den Allheilmittel-Rezepten besäßen, deren Besitz sie den Wählern vorgetäuscht haben SrhMtg des zionistischen A. C. ■ Berlin, 25. August. Am Sonntag den 24. August trat hier das zionistische A. C. zu einer Sitzung zusammen. 'Mit Ausnahme vö Chajim Weizmann, der erst später erwartet wird, waren alle führenden Männer der Organisation und Mitglie der des A. C/anwesend. Den-Vorsitz hatte Herr Leo MotzkiN. Im Mittelpunkt des ersten Verhandlungs tages ftünd der Kolonisationsbericht ' Dr. R u p p i n s (kr'referierte insbesondere/über"seine Verhandlungen mjr S i m p s o tt. Auf Grund bcfrt weitgehenden Unter suchüngen konnte Simpson ein genauer Plan vorgelegt werden, der eiüe größere Judensiedlung ohne Penach Heiligung der Araber ermöglicht., Im Küstengebiete: köny ten 55 000 jüdische Familien in einer Weise angesiedelt werden, die auch für die Araber von größtem Segen wäre. Die Kolonisation hatte im letzten Jahre eine schlechte ' Ernte zu verzeichnen. Die. allgemeine' Wixt schäftslage in 'den Städten' war Nicht' schlecht. Das Budget der Exekutive beläuft sich auf 850.000 Pfund. Es ist dies ein 'Minimum dessen, was man für die Palästina- Arbeit unabweislich braucht. Der Keren Hajessod-Bericht des Herrn Dr H a n t k e konstatiert befriedigende Sammelerfolge. Es sei bezeichnend, daß die Länder mit stärkster Wirtschaftskrise am meisten geleistet hätten/ Den Bericht über den N a t i o n a l f ö n d erstattet . M. Ussischkin. Er kündigt eine große Sammelaktion-in Amerika an, zu der er sich im Oktober dahin begeben wolle. Dr. Senator referierte über das Budget. Das Defizit beträgt, da die Gelder nicht entsprechend dem Voranschlag eingegängen sind, 300.000 Pfund, was zur Folge hatte, daß die Exekutive das Budget um 125.000 Pfund kürzen mußte. Die Frage der weiteren Deckungen sei noch ungeklärt. Mit einem Budget von 400.000 Pfund wird man im nächsten Jahre ungenügend arbeiten können, doch sei auch dieser Betrag noch nicht gesichert. An die Referate schließt sich eine lebhafte Ansprache an. « nacftricftte«. Deutsches Reich. jagif die Kurgäste weg"?; , Kerlft n, 21. August. Von einem Kurgast,,cher Thüringen seik Jahren regelmäßig besucht, wird der. „VoMchen Zeitung" geschrieben: ' , '/ Die Aera Frick hat-dem Lande'Ungeheuer geschadet. Sämtliche thüringischen Badeorte eine wichtige Steuerquelle des Landes^— haben schlechten Besuch aüfzuweisen. Keineswegs, das Wetter allein ist , schuld, sondern es ist festgestellt, daß die großen; Kurorte,' die in der Hauptsache doch nicht von den Töüristen und 'Pässänten/ sondern von dem ^zählüü.gsfätzigen' lebest das/ zur Nachkur von den Bädern Nguh.^im/und Kisiingen Thüringen zu besuchen pflegt, dieses Publikum diesmal vermissen, und daß in den großen Hotels, die jämmerlich besucht sind, sehr eindeutige Schreiben vorliegen, daß Landesverband jüdischer 2Nehgermeister in Bayern. M ü n ch e n, 24. August. Die außerordentliche Generalversammlung, welche Sonntag, den 17./August in der Gaststätte. „Domhof' München,-stacksanö/ war nMEeN^Teilen Bayerns seh güsi'besucht?' ^Der Bürgende'/ Äs'^ Petbändes,// Megger MbistediMä/x^L'ev f/München/ ^gstüßte/^leerschienenen Kökkegen' -hsrglich?'Mvöx U^'Äörs^MimL/in.d!L.3^ägKSüs ordnungUeinträ?,' gedachte ^Är Vorsitzende der verftörb^- neu Kollegen, Samson Wurzinger-Nürnberg "und s.Stegs rredLMolhMÜNcheN-: -Die 'BsksämMung erhW sich'/zum Zeichen des Gedenkens von den Sitzen, Hierauf ergriff im Namen der israelitischen Kultusgemeinde Herr Justizrat Dr. Feuchtwanger das Wort und sprach sowohl seinen als auch den Dank der Israelitischen- 'KultusgetNeirwe? für - die EinladüNg aus'. Die Kultusgemeinde habe ganz besonderes Interesse all den.-«Beratungen,' - 'nachÄindie Versammlung 'doch die Fleischversorgung an die Spitzb'der ^agesordriuNgf ge? 'tellt hübe.> Er betönte gleichzeitig, nüeMf erschüttbdie ganze bayerische Judenheit'Mrch das SchächtverÜöt sei, daß sowohl die Israelitische Kultusgemeinde, sbtvie auch der Verband bayerisch^ -. israelitischer Gemeinden " das Vertrauen in den Landesverband bäherischer'Metzger- Meister setze- und /daß dasselbe gerechtfertigt^ sein möge. Hieraus dankt er im Namen des Verbandes bayerischer israelitischer. Gemeinden 'und wünscht,, däß 'die Versammlung zu einem gedeihlichen Ende /geführt'werden möge/ In emem 'ausführlichen Referate legte BörsitzerchÄ L e v i' klar, - daß die Versammlung" hauptsächlich. 'der Äegelung der Versorgung der jüdischen' Bevölkerung in 28. August 1930 toher ds. Js. das Schächtverbot in Kraft tritt/'Der Redner berichtete, daß innerhalb des. Verbandes /bayerischer israelitischer Gemeinden ein . Landesausschuß gebildet würde, ferner Bezirksausschüsse und ständige Beratungsstellen für Fleischversorgung, deren Hauptzentrale in München ist, und der jüdische Metzgeroerband stets Hand in HärA mit derMVeratungsstelle für Fleischversorgung in Führung war Mnd praktische Arbeit mit bollbrächte. Außerbayerische Schlachthöf- und Städteverwaltungen haben gegenüber ^der Lage des Jüdischen Metzgergewerbes / in Bayern Verständnis Und Entgegenkommen gezeigt.. Das jüdische Metzgergewerbe müsse jetzt im Interesse der rituellen Fleischversorgung Wege gehen, die vom Standpunkt des treuen bayerischen Staatsbürgers auf das Tiefste zu bedauern sind- Für Oberbayern/Mittelschwaben und Regensburg fei eine Regelung dahin getroffen, daß die Kollegen aus diesen Gebieten das Fleisch : von dem-Großschlächter, Herrn Adolf Frank, München, beziehen werden, und die Schlachtungen in Ulm vorgenommen werden. ' ' Des weiteren führte Levi aus, daß sich das Schächtverbot auch für das jüdische Lehrlingswesen unangenehm fühlbar machen werde. Ferner betonte er/ daß es die: vornehmste Aufgabe des jüdischen Metzgergewerbes sein werde, die jüdische Bevölkerung mit rituellem Fleisch zü erschwinglichen Preisen zu versorgen. / ' H Ein großer Teil der nordbaherischen Kollegen werde das Fleisch aus Frankfurt, Berlin, Baden und Württemberg beziehen. Die Pfalz versorgt sich selbst. Im weiteren schilderte Kollege Levi die Kampfe Um das Schächtverbot in - Änderen deutschen - Bundesstaaten, wo das Schächtverbot in allen Parlamenten äbgelehnt wurde und stellte fest, daß das bayerische Gesetz insofern mit zweierlei Matz mesfH als auch das Schächten auf dem Lande für jüdische Metzger verboten Und uNter Gefängnisstrafe gestellt sei, während bei Hausschkachtungen bei Bauern und kleineren Metzgereibetrieben eine Betäubung nicht erfolgen brauche. Levi führte ferner auch Klage darüber, daß das jüdische Metzgergewerbe als- Unterorganisation des Bezirksvereins Bayern im deutschen Fleischärverbande nicht vom deutschen Fleischerverband in der Abwehr des Schächtgesetzes unterstützt worden sei. Man habe scheinbar übersehen, daß nicht nur das jüdische' Gewerbe schwerstens betroffen werde, sondern auch das nichtjüdische und darüber hinaus auch die bayerische Landwirtschaft. Das Vieh müsse ausschließlich in Württemberg angekauft werden. In der Zeit vom 1. Juli bis 10. August wurden aus dem Münchener Viehmarkt 207 Stück Großvieh und 22 Kälber nach Württemberg ausgeführt. Die Beschaugebühr für aus Württemberg eingeführtes Fleisch beträgt per Pfund 1 Pfg. Das bayerische jüdische Metzgergewerbe ist sich voll und ganz bewußt, daß es auf dem an und für sich schweren wirtschaftlichen Kriegsschauplätze am meisten betroffen, Opfer — schwere Opfer in der künftigen Fleischversorgung — bringen muß. Das bayerische jüdische Metzgergewerbe wird es als feine vornehmste Aufgabe betrachten, seine ganze Kraft einsetzen, haß unsere bayerische jüdische Gemeinschaft mit Fleisch versorgt.,.pöW// Ahss.r, mit der Versorgung des' ritAlletz^Misches" MHü'Knd die Pflichten des slld.ischen Metzgergew^rbes üllt. Das Fleisi^ "muß auch/ an chest ^Ms.M 'stebrachf., werden! und es Mzu /hoffen , und zft wrijif^n^daß d^y/ DKäg) der mis Ähr Schächtzierböt die^ ganze, füstische T($£?ri Msisihgst betrkftE/äüch verständen chird/^Usih./^e/Ijdjsch^. Gemeinschaft zü''ßrhöyten / religiösen'' Opfern /.anregt. /' Herr Dr. Bamberger, Nürnberg, ergreift das Wort, hält es als eine selbstverständliche Pflicht,'/ daß der Verband bayerischer israelitischer Gemeinden und der Verband der bayerischen jüdischen WtzNWWetzMfqyrxrj' menarbesten müssen. Eingaben. des. jüdischen -Metzger-- verhänö'es an irgend eine Behörde sollen durch hie Zen? trälstelle der Fleischversorgung, geleftet. werden.,,,-. . Kost W e i l Nürnberg, richtet än die, Vertreter des; Verbandes bayerischer, israelitischer Gemeinden die. An-ü rage, ob seitens desselben.alles getan wurde, um das Schachtverbot zu verhindern. Hesi.ist der Meinung, daL?' das Schächtverbot rechtlich anfechtbar isst In einer Aussprache, .rouchen chie - Einzelheiten, der-.'Fleisch-!' veHorgung besprochen sind/es,.kam dabei. zum AZsdruL>-j/ daß äs/für., den 'Äbwehrkampf , cher . israelitischen -D.e.vpl»- / kerüng siegen das/Schächtverbot . nur .förderlich sein kanst^! chEnn, Mch dre^.nHfgech.KrHse.h.re'.--vy^schastt'ichM. Schäden' der nun notwendigen -Maßnahmen' zu spüveN' bekommen.. Herr .Grohschlächter Frank . ergreift das Bayern mit rituellem Fleisch gelte, nachdem am '1. Ok- Wart, führte , aus,, daß man ihm die/Freischversörgunst