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Der Israelit · 1930-08-21 · Heft 34 (21.8.1930) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 34 (21.8.1930)
Date
1930-08-21
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Der Israelit Blätter Nr. 13. Seite 3 21. August 1930 der jüdischen Einwanderung überhaupt auferlegten Beschränkungen Ausdruck zu verleihen. Wir hoffen, daß sich die Regierung auf Grund ihrer Untersuchung von der Haltlosigkeit aller der Behauptungen überzeugen wird, die die Aufnahmefähigkeit des Landes ibestreiten und daßdie Lösung, die die Regierung dem Problem geben wird-, mit den Forderungen der Judenheit der ganzen Welt sowohl wie mit unseren eigenen Anträgen in Uebereinstimmung stehen wird. Aber gleichzeitig möchten wir bitten, daß bei jeder neuen Methode;die hinsichtlich der ÄUSgabe und der Verteilung der Zertifikate angewandt werden sollte, der Tatsache Beachtung geschenkt wird, d a ß e i n großerTeil d e r a u s ländischen I u de nch e i t s i ch b r s h e r durch die geübte Verteilungsmethode in seinen Rechten beeinträchtigt fühlte. Wir halten die in dem Berichte der Shaw- Kommission'ausgedrückte Besorgnis über die Einflüsse der dort erwähnten Partei auf die Verteilung der Zertifikate für g r u n d l o s. Aber die Haltung, die man bisher gerade gegenüber Einwanderern Non religiöser Gesinnung angenommen hat, war bis jetzt höchst unbefriedigend. In Polen, dem Hauptursprungsland der palästinensischen jüdischen Erwanderung, wo die orthodoxe Judenheit, d. h. die Agudas Jisroel eine außerordentlich bedeutungsvolle Rolle spielt, wurden Angehörigen der Agudas Jisroel die Ein w a n deru n g sz e rt i - fikate verweigert, trotz der Tatsache, daß solche religiös-gesinnte Leute von einer noch stärkeren Sehnsucht nach Palästina beseelt sind mit Rücksicht auf die Heiligkeit des Landes und ihre eigenen religiösen Ideale. An und für sich war es nicht unnatürlich, daß die Beamten in den Emigrationsämtern, die selber unreligiös sind, diejenigen bevorzugten, die ihnen gesinnungsmäßig näher standen. Wir bitten deshalb, diese Angelegenheit zu erwägen und in dem Bestreben, das Problem in befriedigender Weife zu lösen, so wie wir und die gange Judenheit es erhoffen, in Zukunft dafür Sorge zu tragen: 1. Daß die Zertifikate einer autoritativen Körperschaft überantwortet werden, in welcher die orthodoxe Judenheit, d. h. Agudas Jisroel, angemessen vertrete n i st. 2. Daß auch in den lokalen Auswanderungsämtern im Auslande sich Beamte befinden müssen, die Mitglieder d er Agudas I i s - r o e l s i n d , so daß die Verteilung der Zertifikate unparteiisch geübt wird, ohne Beeinträchtigung der Rechte religiöser junger Leute, die nach Palästina zu gehen wünschen, um dort mitzuhelsest sin dem Aufbau ihres religiösen und; nationalen Heimes.;L u. .! . : ■..■•!■... . bes Heren hathora , in Polangen (Litauen). tnsnix ns „Es zenuim chochmoh". Bei den Stillen, Zurückhaltenden ist die Weisheit. Geistig wird am meisten bei denen geleistet, die am wenigsten von sichreden, wachen, die .M der Stille und/'Zurückgezogenheit iden Aufgaben der Lehre under Forschung sich, hmgeben. Dieses. Wort-;ist «ne Charakteristik derganzen litauischen, Judenheit, von der in den Zeitungen und in der Oesfentlichkeit am wenigsten laut wird, und bei denen die Thora und ihre Ergründüng die höchsten Triumphe feiern. Das kleine Läntzchen, das heute m fefogr Jfoliepüng ein MlMsche^ und mltureMs.Moblem fürpsich geworden lst,?hat diemelhewußtstund besonnene litaüische Regierung, Me/siMneHWild^ hük'/wollend oder nichtrvollend'iN all die schweren Erziehungsprobleme hineingeworfen, welche die moderne Entwicklung in ihrem Schoße trägt. Jy den Erschütterungen und Ueberras'chungen, die diese Neugestaltung mit sich brachte, konnten die rein nationalen.Verfechter des Judentums und DÄ Lehrerkurs die Vertreter des Jiddifchismüs am schnellsten ihr inneres Gleichgewicht wiederfittden. Unter Preisgabe der ungeheuren Werte, die die Jefchiwaus und der Eheder in der Vergangenheit des litauischen Judentums geschaffen hatten, fanden sie sich leicht mit 2 Stunden „Religonsunterricht" ab — vielleicht war ihnen auch das noch zuviel — und fanden in den Freiheitender Schulverfassung für nationale Minoritäten Gelegenheit genug, das bißchen Wissensstoff unter Dach und Fach zu bringen, das sie aus nationalen Gesichtspunkten für erforderlich hielten. Ganz anders die Orthodoxie. Der neue Rahmen, in welchen die Regierung das Schulwesen hineingestellt hatte, stimmte so wenig mit dem Geist und den Forderungen eines jüdischen Chinnuch überein, daß eine Versöhnung fast unmöglich schien. Und so kostete es einen schweren inneren Kampf der Treuen, bis sie in die Neuordnung sich hineinftnden konnten und» zu einer Gestaltung aus eigenem Geist die Kraft fanden. Diese historische Langsamkeit hat viele Opfer gekostet.. Die jüdische Welt war fast schon verteilt, ehe die Orthodoxie Hand anlegte.,; Eine Gesellschaft zur Neufundierung eines religiösen Chinnuch in Stadt und Land, bildete sich erst verhältnismäßig spät unter dem Namen „ I a w netz Unter der Aegide des verstorbenen Telscher Raw, f. A., eines der zähesten und zugleich mutigsten Kämpfer, Materiell und ideell gefördert durch den treuen Freund des litauischen Judentums, Herrn Dr. Leo D e u t s ch l ä n d e r - Wien, der seine organisatorische und pädagogische Begabung den Gründern zur Verfügung stellte, hat die Jawneh in den nun vergangenen 10 Jahren ihres Bestehens einfach Erstaunliches geleistet; je ein Lehrerseminar für Lehrer und Lehrerinnen, Gymnasien in Telschi, Kowno, Ponjewesch und ca. 100 Volksschulen über das ganze Landverstreut. Das sind nur einige äußere Daten, die die zielbewußte und seg-ensvolle Arbeit her Jawneh kennzeichnen, die. abhold allen Parteistreitigkeiten, alle religiösen Kreise unter ihrer Fahne vereinend, von ihrer Kownoer Zentrale aus Schritt um. Schritt des schwer umkämpften Bodens erobert hat. Postscheck - Konto der LandesirganisatiBi: Landesorganisation der ■ ' ’i ';i «!!•• t: „Agudas Jisroel“ in Deutschland, " ‘ No. 50204 Hamburg. Wo noch schlichte, gesunde, solide und kernige Leistung Aberkennung und. Begeisterung, wecken könnM,-da muß die Jawneh als. vorbMlich.lMerkannt werden. - .i.> : Aber die Arbeit stand zum großen TeilejUn-- ter der Unruhe und dem Drang einer stürmischen Entwicklung. Ganz besonders die junge Lehrerschaft fühlte, daß ihre Ausbildung nicht den großen Forderungen voll entsprach, die ihre Wische und kulturelle.Mission ihnen auferlegt. Denn di^e jungen Lehrer und Lehrerinnen stehen i in ihren'Städten, wo sie Pioniere der r werdenden Zivilisation sind, gleichzeitig unter Her /Moßen Verantwortung für W Erhaltung^es Wischen Wissens und der talmudifchen Hochkultur, die für litauische Juden ein heiliges Vermächtnis der Vergangenheit ist. Auf der andern Seite hatte für die meisten die Isolierung der Kleinstadt die größten Erschwerungen für die eigene Weiterbildung und Selbstvervollkommnung im Gefolge. So drängten sie ihre Zentrale in Kowno, ihnen einmal Gelegenheit zu geben, in einem großzügig angelegten Ferienkursus alle ihre geistigen und sittlichen Kräfte wieder zu erneuern und das Gefühl ihrer Ertüchtigung für ihren Beruf aufs neue in sich zu stärken. Der letzte Sommer brachte endlich, dank der energischen Initiative der Keren hathora - Zentrale in Wien und ihres Leiters, die Erfüllung dieses Wunsches. In Polangen, am Strand der Ostsee-, zwischen Dünen und Wald, in der starken, erfrischenden Luft des Baltikums, wurde den Junglehrern und Junglehrerinnen auch ein Bad der Seele gewährt. Und wenn wir jetzt am Abschluß des Kursus ein Urteil fällen, so muß man sagen: der zuerst mit Aengstlichkeit unternommene Versuch hat einen vollen Erfolg gezeitigt. 52 Lehrer und Lehrerinnen hatten sich dort eingefunden. Das litauische "Bildungsministerium gab diesem Kurs seine offizielle Anerkennung. Er verfolgte aus der einen Seite praktische Ziele, Handsertigkeits-, Zeichen- und Turnkurse, litauische Literatur und Sprache. Wichtiger noch waren allgemeine pädagogische Vorlesungen; fürdieftn Zweck waren im Auftrag des Keren hathora der Direktor der Keren h ath o r a -Z en tra l e, Herr Dr. Leo D euts chl än d er - Wien und Oberrabbiner Dr. Earlebach - Altona-ge kommen. Seine eigentliche Bekrönung aber fand der Kursus darin, daß sich die rabbinische Welt Litauens selber für ihn zur Verfügung stellte, und einer der führenden Rabbinen, einer der „Aeltesten des Geschlechts", der Schaulener Raw, dort anwesend war, um vor den Damen und den Herren über das Wesen des Judentums und seine erzieherischen Probleme Borträge zu hMen. So stellt das Programm, an welchem auch die Leiter des jüdischen Lehrerseminars, Herr Dr. Holzberg und Schmulowitz, mitwirkten, in seinen Themen und in seinen Lehrpersonen eine Bereinigung aller der großen Ziele dar, die sich die Jawneh gestellt hatte: Himmlisches und Irdisches, Thora und Profankultur.. Theoretisches und Praktisches miteinander zu verbinden. Der Kurs wurde wie ein großes geistiges Ereignis im Lande ausgenommen. Selbst aus Lettland kamen Einzelne zur Teilnahme. Die vielen in Polangen versammelten Rabbinen und die Welt der Kurgäste verfolgte die Vorlesung mit gespanntem Interesse? Eine hohe Begeisterung erfüllte vor allem, die Schar der Junglehrer. Sie fühlten mit Stolz die Größe und Bedeutsamkeit des Lehrprinzips, dem sie dienten. Die Stimmung wuchs von Tag zu Tag. Die alte Lernbegierde der Litauer erwachte wieder und steigerte sich von der feierlichen EröffnÜstg des Kursus an jedem Neüen' Stofft an jedemneuenUnterricht.?: .Mr Pevicht der Zentrale hes Äkerkas-Jäwneh in K'üwno ^gibt diesen Gefühlen, ftestdigen Ausdruck."-:-^?--" ".7. ' f7 ’ r 7'7; ... Mit freudigen Gefühlen und hohen Hoffnungen find. ,.W Teilnehmer' - jri ■ ihre Arbeitsstätten wieder zurückgekehrt. Es hat sich gezeigt, daß trotz der Schwierigkeiten, vor allem auf materiellem Gebiet, der Merkas-Jawneh unter Leitung seines bewährten Vorsitzenden, des Herrn Koppelowitfch, noch Großes zu leisten fähig ist., Aber auch wir gratulieren dem Jawneh und der'Keren hathdra- Zentrale zu chrem schönen Erfolg./Wir begrüßen diesen' Erfolg doppelt, weil .dieser Kursus auch ein wundervolles' Zusammenwirken von 'Rabbinen und Lehrern, von Ost und West darstellt. Das verspricht; daß aus den Stätten der Jawneh ähnliche Erfolge im Interesse des gesamtest Judentums hervorgehen, wie aus den früheren - ThoralehrstäMn, durch die Litauensich einen unvergän glichen Ruhm erworben hat. Und so gebem wir^mit iünerer-Freude und mit Dank gegen alle MitwirLende von diesem Kurs der Oesfentlichkeit Kenntnis und Höffen, daß die Arbeit der Jawneh auch ein Echo des'Interesses allüberall finden wird! C. 3584

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