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Der Israelit · 1930-08-21 · Heft 34 (21.8.1930) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 34 (21.8.1930)
Date
1930-08-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. Nr. 34 Der Israelit 21. August 1930 Orthodoxie und dem Wunsche, daß nun beide hessischen Gemeindeverbände friedlich nebeneinander und zusammen arbeiten sollen. Die kommunistische Sklaverei in Sowjetrußland. Berlin, 18. August. Herr Dr. Ellsberg, Vize-Vorsitzender der Gesellschaft Ort in Amerika, der zuletzt einige Monate in Rußland verbracht und mehrere Städte und Kolonien besucht hat. äußerte sich u. a. wie folgt: Für einen, der es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, ist es schwer, sich vorzustellen, was das bedeutet: ein deklassierter Jude in Rußland. Es ist dies nicht bloß eine Brotfrage, sondern eine Frage der Erlangung der primitivsten sozialen und politischen Rechte. Hier ein Bespiel: Kurz vor meiner Abreise aus Rußland traf ich mit einer bekannten jüdischen Familie zusammen — Mann, Frau und zwei Kinder, die zwei Zimmer bewohnten. Die Frau, eine in einer Regierungsanstalt beschäftigte Aerztin, hat ein Recht auf ein Zimmer, der Mann aber, ein ehemaliger Geschäftsmann, ist deklassiert und besitzt kein Wohnungsrecht. Gerade, als ich mit der Familie zusammentraf, erhielt der Mann den Befehl, sein Schlafzimmer zu räumen und er mußte sich sofort nach einer Schlafgelegenheit umsehen. Solche Fälle zählt man nach Tausenden. Um die Deklassierten aus dieser unerträglichen Lage zu retten, ist es notwendig, sie einem produktiven Erwerb zuzuführen: Tschecho-Siowakei. Weltkonferenz der Zwnislen-Revisionislen. Prag, 15. August. Die heute Früh nach fünftägiger Dauer zu Ende gegangene Weltkonferenz der Revisionisten, die von 200 Delegierten besucht war und von Jabotinsky geleitet wurde, war durch oratorische Meisterleistungen des Vorsitzenden charakterisiert. Gegen Jabotinskys Willen wurde die Gründung einer besonderen revisionistischen Arbeiterpartei in Palästina beschlossen. Dagegen werden die Revisionisten vorläufig innerhalb des Rahmens der zionistischen Organisation verbleiben, um das Regime W e i z m a n n , das man für bankrott hält, auf dem nächsten Kongreß zu stürzen; sollte dies mißlingen, so ist der Parteirat der revisionistischen Partei ermächtigt, zusammen mit der Kongreßdelegation den Austritt aus der zionistischen Organisation zu beschließen. Die von der Konferenz angenommene Erklärung zur außenpolitischen Lage lautet im wesentlichen wie folgt: 1. Die Ereignisse in Palästina im August des vorigen Jahres sind die Folge der Regierungsmethoden der britischen Verwaltung des Landes. Diese Verwaltung hat jahrelang gegen den Sinn und Wortlaut des Mandates verstoßen; sie hat die wichtigsten Bestimmungen des Mandates, welche die Förderung der jüdischen nationalen Heimstätte betreffen, nicht ausgeführt: sie hat durch ihre Haltung den Widerstand aller Gegner der Balsour-Deklaration im Lande gestärkt; sie hat monatelang die zu politischen Zwecken von der Partei des Mufti unternommene Agitation wegen der Klagemauer geduldet und durch ihre eigenen Polizeiorgane friedliche jüdische Beter an der Klagemauer vor den Augen der mohammedanischen Bevölkerung mißhandelt. Sie hat in Kenntnis der dadurch heraufbeschworenen Gefahren das Land erst von den jüdischen Bataillonen, sodann von englischen Truppen und Gendarmerie entblößt, die Polizei fast vollständig arabisiert, und den jüdischen Selbstschutz unterdrückt. Durch dieses Verhalten der britischen Verwaltung ist in Palästina ein Herd ständiger Unsicherheit und Beunruhigung geschaffen worden, der notwendigerweise zu Ausschreitungen eines Teiles der aufgehetzten arabischen Bevölkerung gegen die Juden führen mußte. Die vom Colonial Office, der für die Palästina-Verwaltung verantwortlichen Behörde, nach Palästina entsandte Untersuchungskommission, hat den Versuch unternommen, die schuldige Verwaltung und die arabischen Pogrom- Anstifter reinzuwaschen und eine Schuld der Juden zu konstruieren. Wir protestieren vor der ganzen Welt gegen diese Auffassung und Darstellung der Untersuchungskommission und erklären, daß die britische Verwaltung Palästinas in vollem Umfang für die Ereignisse des letzten Jahres verantwortlich ist. 2. Wir bedauern tief, daß die Britische Regierung in ihrem Weißbuch vom Mai 1930 die falsche und irreführende Darstellung des Shaw-Berichtes großenteils übernommen und daraufhin Maßnahmen ergriffen hat, die einen offenen Bruch des Mandats bedeuten. Die aus politischen Gründen erfolgte Sperrung der jüdischen Immigration, die Ankündigung von Maßnahmen zum Schutz der angeblich bedrohten arabischen Landbevölkerung, die Entsendung Sir John Hope Simpsons mit dem Auftrag, im Verlauf einiger Wochen „festzustellen", welches die Fassungskraft des Landes für jüdische Einwanderer ist — eine unlösbare Aufgabe, da die Fassungskraft des Landes ja gerade durch die jüdische Einwanderung, das jüdische Kapital, die Intensivierung der Wirtschaft und die Schaffung neuer Industrien in unübersehbarem Maße gesteigert wird — alle diese unter dem Druck der arabischen und antizionistischen Agitation unternommenen Schritte zeigen klar und deutlich die Tendenz der britischen Regierung, den ihr aus dem Mandat erwachsenden Verpflichtungen auszuweichen, und die entscheidende Aufgabe, nämlich die Errichtung der Jüdischen Nationalen Heimstätte, nicht zu erfüllen. Wir erheben unseren feierlichen Protest gegen dieses Verhalten der Mandatarmacht. — 5. Wir erklären vor aller Welt, daß es nur eine Deutung des Zionismus gibt, und daß diese Deutung aus dem Wortlaut und dem Sinne des Baseler Programms und der damit übereinstimmenden Balfoür- Deklaration und des Mandats unmittelbar folgt. Alle diese Dokumente, ihre Geschichte und ihre Deutung durch hervorragende Staatsmänner, beweisen, daß es die Absicht des Zionismus ist, in Palästina auf beiden Seiten des Jordan ein jüdisches Gemeinwesen zu errichten. Das bedeutet praktisch das Streben der Juden, durch friedliche kolonisatorische Arbeit im Lande ohne Verdrängung und ohne Unterdrückung der ansässigen arabischen Bevölkerung, zur Mehrheit des Landes zu werden. An diesem Ziel halten wir unerschütterlich fest und wir fordern im Namen des uns in der Balfour-Deklaration und im Mandat feierlich gegebenen Versprechens, daß England uns zur Erreichung dieses Ziels behilflich ist. Das jüdifche Volk ist bereit und hat diese Bereitschaft durch Taten bewiesen, für dieses Ziel große Opfer zu bringen, Menschen und Kapital nach Palästina zu senden, Unternehmungen zu schaffen, und die notwendige Verteidigung des jüdischen Gemeinwesens selbst durch jüdische bewaffnete Kräfte zu übernehmen. Es fordert von der englischen Regierung nur eines: die Erleichterung seiner Arbeit in Palästina durch die wörtliche Erfüllung der Mandatsbestimmungen. 6. Zu vereinen mit der Zielsetzung des Zionismus ist die materielle Wohlfahrt, die religiöse und bürgerliche Freiheit und Gleichheit aller Bewohner des Landes, und damit der kulturelle und ökonomische Aufstieg des arabischen Teiles der Bevölkerung. 7. Das politische Programm des Zionismus ist bei gutem Willen aller Beteiligten ausführbar. Es gibt in Palästina zu beiden Seiten des Jordans genügend Land ür die Ansiedlung mehrerer Millionen Menschen, und die zu erwartende Entwicklung von Industrie, Handel und Verkehr schafft weitere Aufnahmemöglichkeiten für die jüdische Immigration. Wir appellieren an die englische Regierung, sich nicht zum Anwalt der politischen Aspirationen ausbeuterischer Effendis zu machen, sondern die friedliche Kolonisationsarbeit des jüdischen Volkes zu unterstützen, die mit der ökonomischen Entwicklung der arabischen Bevölkerung vollständig vereinbar ist. Wir empfehlen die Kooperation der englischen Regierung und der zionistischen Bewegung zur Schaffung einer dem Bodenwucher entzogenen Landreserve, die Juden und Arabern zugute kommen soll. 8. Wir stellen fest, daß die. Errichtung des jüdischen Gemeinwesens in Palästinia nach unserer tiefsten Ueberzeugung ein gemeinsames Interesse des britischen Reiches und des jüdischen Volkes ist. 9. . . . Die kommende Zeit muß die Zeit des letzten Versuches sein, mit der Mandatarmacht zur Verständigung über den Sinn und die Ausführung des Mandates zu gelangen. Wenn England das von der zionistischen Bewegung statuierte gemeinsame Interesse an der Errichtung des Jüdischen Nationalen Heims nicht anerkennt, und nicht innerhalb einer absehbaren Frist die jetzige kritische Lage in der Richtung unserer Forderungen umgestaltet, so wird das erschütterte Vertrauen des jüdischen Volkes zur Mandatarmacht nicht wiederhergestellt werden können. Wenn England seine klaren und unzweideutigen Verpflichtungen, wie sie aus dem Mandat hervorgehen, nicht erfüllen will, oder wenn es glaubt, daß seine politische Gesamtentwicklung ihm die Erfüllung dieser Verpflichtungen nicht gestattet, so rocrben mir vor aller Welt erklären müssen, daß England dann sein moralisches und formelles Recht verloren hat, das Mandat über Palästina auszüüben. Wir erachten es als oberste Pflicht der revisionistischen Union, die volle Wahrheit über die Lage zu sagen, das alleinige und unveränderliche Ziel des Zionismus zu verkünden, das jüdische Volk zu einer Reform seiner Führung aufzurufen, und den feierlichen Appell an die Mandatarmacht und den Völkerbund zu richten, das Recht zu achten und das Mandat zu erfüllen — in dem Sinne, wie es erdacht und geschrieben und vom ganzen jüdischen Volke verstanden worden ist. Rumänien. Erneuerung der antisemitischen Ausschreitungen in Rumänien. Cluj (Klausenburg), 17. August. Die Freisprechung Zelea Codreanus gab anscheinend das Signal zur Erneuerung der antisemitischen Ausschreitungen. In G a l a z wurden mehrere Juden durch Mitglieder der Eisernen Garde mißhandelt, ein Student wurde verhaftet. In K i s ch i n e wnvurden einige jüdische Bürger verprügelt, mehrere Exzedenten wurden verhaftet, aber bald wieder freigelassen. Fortschrittliche Zeitungen drücken ihre Empörung darüber aus, daß von interessierter Seite das Gerücht verbreitet wird, die Juden hätten die große Synagoge des „Wischnitzer Zaddik" in Szighet selbst in Brand gesteckt. Noch empörter sind die Zeitungen darüber, daß offizielle Funktionäre nach dieser Richtung hin recherchieren. Codreanus Freispruch. B u k a r e st, 14. August. Am Mittwoch, den 13. August, abends, wurde das Urteil gegen den antisemitischen Agitator Zelea C o - dreanu, den Organisator der Eisernen Garde, verkündet. Codreanu hatte sich wegen zweier Manifeste zu verantworten, in denen er das Attentat auf den Unteritaatssekretär Anghelescu verherrlicht und die Studenten zu anderen Attentaten und zur Vernichtung der Juden auffordert. Er war in allen Punkten geständig. Er erklärte: Ich bin der Autor dieser zwei Manifeste und übernehme die ganze Verantwortung für deren Inhalt. Das Urteil lautete auf Freispruch, nachdem die Gevorenen mit zwei Stimmen Mehrheit die Frage der Schuld Codreanus verneinten. Der Staatsanwalt hat Berufung eingelegt, so daß Codreanu vorläufig weiterhin in der Untersuchungshaft verbleibt. Das Urteil hat im ganzen Lande ungeheure Bestürzung hervorgerufen. Das Hauptorgan der Liberalen Partei, „Viitorul", veröffentlicht heute die folgende sensationell wirkende Mitteilung:, „Uns wurde heute ein Dokument zugestellt, das jeden Zweifel darüber beseitigt, daß der Innenminister Vaida Voevod den antisemitischen Agitator Corneliu Zelea Codreanu direkt mit Geld unterstützt hat und ihm Instruktionen zugehen ließ, wie die Unruhen im Lande zu organisieren seien. Zum Schluß gibt der Minister Codreanu die Versicherung, daß ihm vor Gericht nichts passieren werde, er möge ruhig sich dem Gerichte stellen. „Viitorul" kündigt die Veröffentlichung des Wortlauts des Dokuments für morgen an. Die Miteilung des „Viitorul" wird sehr ernst genommen. England. Das Budget der Agency. London, 19. August. Das Administrativ-Komitee der Agency schlägt für das Jahr 5691 ein Budget in Höhe von Lst. 630.000 vor (im Vorjahre Lft. 750.000). Hiervon sind Lft. 360.000 für die laufenden Ausgaben bestimmt, der , Rest dient zu Schuldenabzahlungen, Neuanlagen und Deckung des diesjährigen Defizits. Das reduzierte Budget wird natürlich von der palästinensischen Presse als unzulänglich bezeichnet und .stark kritisiert. Palästina. Iewish Agency, knesselh Israel und das jüdische Schulwesen. Jerusalem, 15. August. Der Waad Leumi hat in seiner letzten Sitzung, der auch Vertreter der Lehrerschaft beigewohnt haben, nach

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