Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1930)
- Date
- 1930-08-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 34. Seite 5 21. August 1930 Der Israelit Lassen Sie Hire UHREN bei Neeser-LAPP, Allegasse 2 reparieren. Sie gehen gut und die Preise sind billig. Alles unter Garantie rung und Routine von den Erwachsenen trennen, der aber durch seine körperliche und geistige Entwicklung dem Erwachsenen gleichkommt, unzufrieden, bald geheim, bald großtuerisch, eine neue Sphäre des Lebens sucht und sich -gegen« die alte abschließt. Äie fände er sonst sein Ich, dessen Entdeckung und Eroberung die Pubertät -einleitet, wenn nicht durch Losrei-ßung. von der Umgebung. Wie brächte er sonst in rationalistischen und nüchternen Kreisen die Phantasie unter, in welcher der seines Ich Bewußtgewordene und in diesem Bewußtsein vereinsamte Jugendliche -eine Brücke nicht sieht zur Wirklichkeit und zu ihren Menschen und Dingen? Wo fände er sonst auch die Altersgenossen, an denen er sich wiederzufinden hofft? (Schluß folgt.) MmponSeme« * Nachrichten. Deutsches Reich. Ein Prüfstein für die Staatspartei. Berlin, 17. August. Der Vorsitzende des „Zentralvereins" sagte in einem Interview mit. dem ITA.-Vertreter u. a. folgendes: „Entscheidend für die Gesinnung der neuen Partei wird sein, ob sie die gute Tradition der demokratischen, auch jüdische Abgeordnete ins Parlament zu schicken, fortsetzen Wird. In der demokratischen Fraktion des Reichstags waren zuletzt Ludwig Haas und Georg Bernhard als hervorragende Vertreter; beide werden im neuen Reichstag nicht mehr vorhanden sein. Es wird ein Prüfstein für die neue Partei sein, ob sie gewillt ist, an aussichtsvolle Stelle ihrer Listen Männer zu stellen, die sich bewußt als Juden fühlen, und die im neuen Reichstag zur Abwehr der antisemitischen Angriffe besonders der Nationalsozialisten unentbehrlicher sein werden als je. Das deutsche Judentum hat, das glaube ich sagen zu dürfen, die große Gefahr wohl erkannt, in der es sich zur Zeit befindet, es hofft, sie aus eigenem überwinden zu können und rafft alle moralischen und materiellen Mittel zusammen, um den Antisemitismus niederzuwerfen. Freilich ist es auch klar, daß ein völliges Abebben dieser Flut erst dann eintreten wird, wenn-Deutschland uußenpolitisch mehr sein Gleichgewicht gefunden hat, und wenn vor allem durch eine befriedigende wirtschaftliche Läge das ungeheure Heör der Arbeitslosen und der Unzufriedenen, ^ie immer zum Radikalismus neigen werdest; verringert fein wird." :^>--HeMcher Landesverband gesetzestreuer ['jr .! Synagogengemeinden: /;i;:,;i ' Darmstädt 18. August. Am Sonntag, derr 17. ds., fand in Darmstadt unter stärkster Beteiligung die 5. ordentliche Verbandsoersammlung des Hessischen Landesverbandes gefetzestreuer S y n a g o g e n g e m e i n d e n statt, hie vom Vorsitzenden, Rabbiner Dr. Merzbach- Darmstadt ^eröffnet wurde. Nach Begrüßungsworten (auch vün/Herrn Dr. Bodenheimer - Darmstadt für die dortige Religionsgesellschast) erstattete der Vorsitzende den Tätigkeitsbericht, aus dem einige kurze Angaben .hervorgehoben , feien. Die Hessische Staatsregierung hat im Berichtsjahre in mündlicher Verhandlung endgültig den Verband (paritätisch mit dem neutralen Landesverband Mainz) als S p i tz e n o r g a n i - s a.t i o n jüdischer Gemeinden anerkannt.. Bei Gesetzberatungen wurde infolgedessen ständig mitgewirkt. Die Befreiung israelitischer'Schülerinnen vom Kochunterricht in den Schulen wurde erwirkt. Im Kampf gegen die Sch ächtverbotsantrage, die-angesichts des bayrischen Lündtagsbeschlusfes, des Eintritts des Tierschutzvereins und der Verbreitung durch diesen an alle hessischen Zeitungen und Abgeordneten dieses Mal besonders gefährlich waren, ergriff der Verband, fö für die Die Woche. Berlin. Hitler kündigt im „Völkischen Beobachter" 34 000 nationalsozialistische Wahlversammlungen mit 1500 Rednern an. Frankfurt a. IN. Der Lehrbeauftragte. für Jüdische Religionslehre und Jüdische Ethik, Schriftsteller Dr. Martin Bub er, ist zum Honorarprofes- - sor in der Philosophischen Fakultät der Universität Frankfurt ernannt worden. München. Der Jüdische Lehrer-Verein für Bayern begeht am 24. und 25. August in Würzburg, der Stätte der Israelitischen Lehrer-Bildungsanstalt, an der der Großteil der Mitglieder des Vereins die grundlegende Berufsausbildung empfangen hat, die Feier seines 50jährigen Bestehens. Genf. Der Bericht der Klagemauer-Kommission wird der Britischen Regierung Ende Ok- ■' tober überreicht werden. — Die Bemerkungen der britischen Regierung zum Bericht der Mandatskommission wird noch diese Woche veröf- \ fentlicht; er enthält das Angebot einer „Gesetzgebenden Versammlung" an die Araber. — Das Internationale Exekutiv-Komitee zur Vorbereitung einer Weltkonferenz für inte rnationqken Frieden durch die Religronen tagt gegenwärtig in Bern unter Teilnahme von 45 Vertretern der Katholiken, Protestanten, Indern, des Islam, Buddhisten» der christkatholischen Kirche,der Anglikaner, Kongregationalisten und sieben weiterer christlicher Bekenntnisse. Prag. Präsident Masaryk hat den Dozenten Dr. Ernst Schwarz zum außerordentlichen Professor sich altdeutsche Sprache und Heimatkunde an der deutschen Universität in Prag ernannt. Prof. Schwarz ist Jude und 35 Jahre alt. Czernowih. Das „Czernowitzer Morgenblatt" erfährt aus informierten Kreisen in Bukarest, daß der Innenminister Vaida Voevod auf Veranlassung des Ministerpräsidenten Maniu in Kürze wird demissionieren müssen. London. Das Colonial- Office hat die erweiterte Jewish Agency nunmehr offiziell anerkannt und zugesagt, daß für den Fall der, Auslösung die Zionistische Organisation wieder Agency wird, falls ihre Verfassung angemessen ist. — Unterstaatssekretär Dr. Shiels wird. wie offiziell angekündigt,;ine Reise nach Palästina unternehmen, vorher jedoch zusarpmen mit dem High Commissioner an der Tagung des Völkerbundsrates in Genf teilnehmen. Man erwartet dort scharfe Auseinandersetzungen über den Palästina-Bericht der Mandatkommisfion und die stark polemische Gegenwirkung der britischen. Regierung zu diesem Berichte. Boston. Der bekannte jüdische Dramatiker und Regisseur Samuel G r o ß - man, der auch auf dem Gebiete der jüdischen sozialen Fürsorge in Newyork und Philadelphia hervorragend tätig war, beging in Boston, wo er sich zum Besuch seiner Schwiegereltern aufhielt, Selbstmord, indem er sich aus dem 16. Stockwerk des Statler Hotel herabstürzte. 'Man nimmt als Ursache des Selbstmordes einen Nervenzulymmenbruch infolge fehlgeschlagener Hoffnungen an. Gkoßman, der 1893 in Allentown als Sohn des dortigen Rabbiners geboren wurde, studierte an verschiedenen Universitäten und am Jüdischen Theologischen Semst, nar. Jerusalem. Die arabische Exekutive hä( beschlossen, für den 23. August, dem Jabrestag« des Ausbruchs der Unruhen in Palästina, einen allgemeinen arabischen Streik zu proklamieren. Der Proteststreik wird sich gemäß Beschluß der Exekutive auch gegen die Begnadigung des Juden Joseph Urphali richten. — Waad Hair in Jerusalem wendet sich in einer offiziellen Kundgebung gegen die neugegründete Organi- , sation „Toschaw" (Bürger), die die Schaffung' einer separaten jüdischen städtischen Behörde in Jerusalem anstrebt. Waad Hair erklärt in seiner Kundgebung, daß die Toschaw- Bewegung geeignet sei, die nationale Disziplin unter den Juden zu untergraben, und fordert die Führer des Toschaw auf. von jeder weiteren Tätigkeit abzusehen. Auch „ A g u d a s I i s r o e l" hat sich gegen Toschaw erklärt, weil die Bewegung geeignet sei, Araber und Juden einander noch mehr zu entfremden. Newyork. Der rumänische Gesandte in Washington erklärte dem JTA-Bertreter, die rumänische Negierung könne nicht das Leben der Minister dem Schutze der Juden-opfern. — Dpr. amerikanische Anteil an dem Hilfsfonds für die Schäden der Palästina-Pogrome beträgt über 2 Millionen Dollar. gesamte Judenheit Hessens arbeitend, alle notwendigen Maßnahmen. Durch Audienzen, Eingaben, Drucklegung und Versendung der Eingaben und orientierenden Zeilen an alle hessischen Zeitungen und Abgeordneten (in Zusammenarbeit mit dem Büro für Schächtangelegenheiten) wurde das Notwendige getan. Der Zusammenarbeit mit dem Reichsverband „Scstaumre Schabbos", dem „Bund gefetzestreuer Gemeinden Hcklberstadt", der „Freien Vereinigung", dem „Neichsverband deutscher Schochtim" wurde Erwähnung getan. Die Drucklegung des durch den Verband zu billigem Preise beziehbaren Buches über die Vorschriften in Trauerfällen (Rabb. Dr. Wolf-Köln) wurde erleichtert; eine zweiwöchentlich erscheinende gesetzestreue Zeitung (Laubhütte) für alle Mitglieder von Verbandsgemeinden abonniert; Lehrerfortbildungskurse und Lehrerausbildung finanziert; Subventionen an Lehrer und Gemeinden in Höhe von RM. 1000.— verteilt. — Die Versammlung erteilte dem Vorstand nach kurzer Aussprache Entlastung. Sodann erstattete der Vorstand Bericht über die im Berichtsjahre erfolgten Verhandlungen' zwecks Zusammenarbeit der beiden jüdischest' hessischen Landesverbände. Nach Anführung der früheren Verhandlungsergebnisse wurde über den Vorschlag des Verbandes berichtet, in einem von der Regierung nach Artikel 137 der Reichsverfassung anerkannten Arbeitsverbande, der alle hessischen jüdischen Gemeinden umfaßt, zusammen zu arbeiten, auf Grund, der von dem neutralen Verband gewährten Kautelen. Der Regierung gegenüber sollte der gesetzestreue Verband selbständig bleiben können, um nicht der Orthodoxie das in jahrzehntelanger Arbeit errungene Recht ihrer Sicherheit zu nehmen und um nicht durch eine einzige Religionsgemeinschaft eine Landeskirche zu schaffen, die sich nicht durch klare religiöse Grundlage auszeichnet. Zur Arbeit und Hilfeleistung an Landgemeinden hätte dies voll genügt. Von dem Landesverband Mainz wurde dies abgelehnt, da dort die einheitliche Zusammenfassung der Regierung gegenüber Hauptgrund war, zu der aber die Notwendigkeit weder durch Regierungswunsch, noch durch die Arbeitsbedürfnisse gegeben sei. Von Herrn Max R o s e n st e i n, Bensheim, und einer Reihe von Gemeinden wurde der Antrag gestellt, die Selbständigkeit des Verbandes aufzugeben. In der Begründung wurde darauf hingewiesen, daß die Wirtschaftsnot und der Judenhaß auf Einigung dränge und die Kautelen und Sicherungen durch Zugeständnisse genügend seien. Auch in Bayern sei ein solcher Einheitsverband schon längst da. In der Erwiderung wies der Vorsitzende sowie Rabb. Dr. H i r s ch f e l d - Gießen unter lebhaftem Beifall darauf hin, daß gerade durch den Vorschlag des gesetzestreuen Verbandes die gesamte wirtschaftliche Arbeit durch Schaffung des Arbeitsverbandes ermöglicht worden sei und betonte nochmals die Gründe, die gegen die Aufgabe der Selbständigkeit des gesetzestreuen Verbandes sprachen. Religiöse Fragen könnten von orthodoxen Vertretern und von klar auf dem Boden der Ueberlieserung stehenden Verbänden weit besser verföchten werden. Neun bayrische gesetzestreue Rabbiner erklärten schriftlich nach Prüfung , der Frage, daß die Verhältnisse Bayerns auf Hessen angesichts der dort ganz anders gelagerten Situation nicht übertragbar seien. Darunter auch Urteile, daß der bayrische Einheitsverband große Nachteile gezeigt habe. Nach einer lebhaften Diskussion wurde ein Vertrauensvotum für die Stellungnahmen des Vorstandes in den Verhandlungen gestellt und begründet von Herrn Mainzer-Pfungstadt, mit großer Mehrheit (11: 3 bei 2 Stimmenthaltungen) angenommen und damit der Antrag;auf Aufgabe der Selbständigkeit abgelehnt. Eine unerquckliche Diskussion über die Zulassung von Stimmvollmachten, die der Vorstand aus rechtlichen und sachlichen Gründen nicht anerkennen konnte, die aber, wie nachträglich festgestellt wurde, an dem Abstimmungsergebnis nichts geändert hätten, entspann sich. Eine Reihe von Statutenänderungen wurde besprochen und der ,Vorstand durch Wieder- und Neuwahl ergänzt. . Die vom Mittagsmahl unterbrochenen Verhandlungen wurden durch einen geistvollen, lebhaften Beifall findenden Vortrag von Herrn Dr. S. E h r m a n n, Frankfurt > o. M., „Zur gegenwärtigen Lage der Juden in Deutschland" gehoben. Der Vorsitzende schloß die Verhandlungen mit der Betonung der Bedeutung des Verhandlungsergebnisses und dessen Bekenntnis zur Unabhängigkeit der