Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1930)
- Date
- 1930-08-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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21. August 1930 Der Israelit Nr. 34. Seite 3 irmern, von den Liberalen das Gesetz des Handelns diktieren, nicht aber -in dem Sinne, wie jener Herr es meinte, sondern in einem ganz andern: Ihr Verhalten und das ihnen sekundierende gewisser konservativer Herren trieb uns'aus der Gemeinde heraus. Wir haben den Schritt getan. Zunächst nur einzelne, und jeder einzelne von ims, das sei offen bekannt, schweren Herzens. Wochenrundschau. Jüdisches Genossenschaftswesen. Die Volksbank I w r i a , eine eingetragene Genossenschaft in Berlin, legt ihren Bericht über ihr zweites Geschäftsjahr, das Kalenderjahr 1929, vor. Die Bank, die zu gemeinnützigen Zwecken von zionistischer Seite für die Mittelstand- und Handwerkerkreise in Berlin ins Leben gerufen worden ist, hat nur 253 Mitglieder mit 513 Anteilen, konnte aber dennoch einen Umsatz von 36 Millionen Mark erzielen. Das gefamthastende Kapital am Jahresende betrug rdc Mk. 350.000. Der Reingewinn stellte sich nach reichlichen Abschreibungen aus Mk. 11.000, die den verschiedenen Reserven zugeführt worden sind. Die Höhe der bewilligten Kredite bewegte sich von Mk. 200 aufwärts, die Spareinlagen betrugen am Ende des Jahres 108.000. Die Bank fügt ihrem Berichte ein Mitteilungsblatt an, das über die jüdische Kreditgenossenschastsbewegung in Deutschland und in einem Teil des Auslandes berichtet und das dabei wertvolle Informationen und Anregungen gibt. Es wird darauf hingewiesen, daß, nachdem die ersten Ansätze einer jüdischen Kreditgenossenschastsbewegung in Deutschland vorhanden sind, es notwendig wäre, eine Instanz zu schaffen, die diese Bewegung unterstützt und ausbaut. Der europäische Direktor des Joint, Dr. Bernhard Kahn, habe sich bereit erklärt, bei der Durchführung von praktischen Maßnahmen mitzuarbeiten. Den größten Umfang hat die Kreditgenossenschaftsbewegung in P o l e n , wo ein dichtes Netz von Genossenschaftsbanken sowohl solcher zionistischer Färbung — unter neutraler Flagge —, als solche agudistischen Charakters vorhanden^ sind. Der Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen von Genossenschaftsbanken in Polen besteht nur darin, daß sich die e r st e r e n der einseitigen Unterstützung der Joint-Foundation erfreuen, während die aus Notwehr gegen die parteipolitischen Tendenzen jener Kassen geschaffenen orthodoxen Kreditkassen von der Jomt-Foundatron bis zum heutigen Tage boykottiert worden sind. Man muß leider befürchten, daß auch anderwärts diese parteipolitische Ausbeutung einer bedeutsamen sozialen Bewegung Platz greift und von den amerikanischen Verwaltern der Joint-Gelder aus Mangel an Kenntnis der inneren Zusammenhänge gefördert wird. Es wird über diese Frage wohl noch manches ernste Wort zu sprechen sein. Die Skaaksbeihilsen für die preußischen Synagogengemeinden. Das Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden Nr. 3 vom 1. Juli 1930 enthält den stenographischen Bericht der Verbandstagung vom 30. und 31. März 1930. Das Ratsmilglied Dr. Freund hat zur Frage der Verteilung der Staatsbeihilfen an den Berliner und Halberstädter Verband u .a. folgendes ausgeführt (S. 48): „Der Halberstädter Verband hat im Jahre 1923 durch Unterschrift dem Ministerium gegenüber als Grund-;Iage für den Verteilungsschlüssel im Verhältnis zu uns j eine Seelenzahl von 17 000 zu 524 000 anerkannt . . . i Von dieser Feststellung, die, wie gesagt, vom Halberlstädter Verband durch Unterschrift anerkannt war, ausj gehend, war der Verbandsschlüssel 97 Proz. zu 3 Proz. Bei den Verhandlungen, die wir nun mit dem Halberstädter Verband geführt-haben, haben wir uns in einem offenbar unangebrachten weiten Entgegenkommen zu einem Verteilungsschlüssel bereit reklärt, nach dem der Halberstädter Verband 13 Proz. bekommt und wir 87 Proz. Das Ministerium hat sich nicht einmal an diese Vereinbarung gehalten, sondern die Verteilung der Staatsbeihilfen ist so erfolgt, daß im vorigen Jahre wir RM. 333.000 bekommen haben und der Halberstädter Verband RM. 67.000, ll. h. 20 Proz." Der Redner führt darüber Klage, daß der Halberstädler Verband also zuviel bekommen hätte und darüber hinaus zu seinen Gunsten einen besseren Verteilungsschlüssel beim Ministerium beantragt habe. Ob der Halberstädter Verband tatsächlich im Jahre 1923 als Verteilungsschlüssel die Seelenzahl der Gemeinden anerkannt hat, ist uns nicht bekannt. Wir wollen im folgenden wie Herr Dr. Freund davon ausgehen, daß diese Seelenzahl richtig fei. Die 400.000 Mk. Staatsbeihllfen, um welche es sich hier handelt, werden vom Preußischen Staat zur Verfügung gestellt als „Beihilfen an leistungsschwache Synagogengemeinden behufs „Das Anwesen, Herr Israel, macht mir schon keine neuen Sorgen mehr. Diese Sorgen sind schon alt. Aber es gibt immer noch extra Aerger." „Aha, — völkische Treibereien tm Dorf, was? Und Sie als Fortschrittsmann geschädigt?" „Da ist ja schon F.! Ich wünsche Ihnen auch bessere Zeiten; auf Wiedersehen, Herr Jensen!" „Auf Wiedersehen, Herr Israel!" (Mitgeteilt zur Beleuchtung des l'«i '122 i2i>nv 2i>n 110'« i.nrrii von B. C.l. „Nein, Herr Israel, — über diesen Fimmel sind wir hinaus. Wir wehren uns auch gar nicht mehr gegen diese Brüder. Das machen die unter sich schon aus. In A. trafen sich neulich zwei Sorten von ihnen, und da gab es gebrochene Stuhl- und Nasenbeine." „Also, was ist denn Ihr Jammer?" „Meine Stute hat zwei Jahre hintereinander Zwillingsfüllen geworfen. Diese sind so schwach und lebensunfähig, daß wir sie dem Roßschlächter geben mußten." „Und die Milch?" „Um die reißen sich unsere Kunden zwar, denn jeder will gern damit seine Kuhmilch versüßen. Darum verteile ich sie ganz gleichmäßig a n a l l e." „Und die Pflichtlieferung an die Meierei?" „Kriegt auch ihren Teil ab, aber damit habe ich meinen Schaden nicht heraus." „Dieses persönliche Extrapech, das Sie da haben, tut mir besonders leid, da Sie unser bester Freund im Dorfe sind." „Wieso persönliches Pech? Das Zwillingewerfen der Stuten war hier eine Zeitlang geradezu L a n d p l a g e." „Da könnte man wohl zeitweilig recht leicht zu versüßter Milch kommen?" „Gewiß, Herr Israel, soviel Sie mögen, und mehr als verlangt wird; aber ich wünsche mir bessere Geschäfte." Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat September! Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erkalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. Erfüllung ihrer Verpflichtung zur Sorge für den Religionsunterricht". Unter „leistungsschwachen Synag-ogengememden" versteht man doch Gemeinden, welche zu schwach sind, den Lehrer oder die Lehrer für den Religionsunterricht allein aus eigenen Kräften zu besolden. Es fallen also die Groß- und Mittelgemeinden ohne weiteres fort. In Preußen gibt es gemäß der „Statistik des Deutschen Reichs" Bd. 401, Heft 1, etwa 404 000 Juden. Demgemäß ist bereits der Ausgangspunkt des Herrn Dr. Freund nicht mehr richtig, der von etwa 540 000 Juden spricht. Der Berliner Verband umfaßt die 4 Großgemeinden Berlin, Breslau, Frankfurt a. M. und Köln mit mindestens 240 600 Seelen. Hinzu kommen 15 Mittelgemeinden mit etwa 45 000 Seelen. Jede dieser Gemeinden hat mindestens 1000 Seelen. Von einer Leistungsschwäche bezüglich des Religionsunterrichts kann also bei ihnen kaum die Rede sein. Im Gegenteil, sie sind in der Lage, ihren leistungsschwachen Gemeinden im Verband noch Mittel zur Verfügung zu stellen, wie der Etat des Verbandes erweist. Es fallen somit, vorsichtig gerechnet, 285 000 Seelen für den Vergleich hinsichtlich der leistungsschwachen Synagogengemeinden ohne weiteres aus. Der Halberstädter Verband verfügt über Großgemeinden überhaupt nicht, als Mittelgemeinden sind ewa 8 anzusprechen. Hingegen sind etwa *h der Gemeinden des Halberstädter Verbandes als unterstützungsbedürftig zu erachten. Der Berliner Verband unterstützt nach früheren Veröffentlichungen etwa -k der ihm ungehörigen Gemeinden. Aber angenommen, daß sämtliche Kleingemeinden unter 1000 Seelen unterstützungsbedürftig wären, was bestimmt nicht der Fall ist, so ergäbe sich ist runden Zahlen ein Verhältnis von etwa 100 000 unterstützungsbedürftigen Seelen auf der einen Seite und etwa 20 000 auf der anderen Seite, also ein Verhältnis von 1 : 5. Dann würde der Staat auf einen möglichen Ausgleich innerhalb von leistungsschwachen und leistungsstarken Gemeinden des Berliner Verbandes keine Rücksicht nehmen. Beim Halberstädter Verband käme ein solcher Ausgleich ohnedies nicht in Betracht, weil die Mkttelgemeinden gar nicht in der Lage sind, aus Für Körper und Füsse nur DIALÖN-Puder (Line Mahnung zur Vorsicht.) Aus unserem Leserkreis werden wir auf Grund praktischer Erfahrungen darauf aufmerksam gemacht, daß es sich empfiehlt, auch in beaufsichtigten und als zuverlässig geltenden Restaurants in Kurorten sich jedes Mal zu erkundigen, ob nicht ’naa gereicht wird. Es geschieht dies vielfach stillschweigend, wenn der Gast nicht ausdrücklich das Gegenteil wünscht. Ebenso verhält es sich am Sabbat mit gewärmtem Essen. Auch hier muß der Kurgast ausdrücklich darauf aufmerksam machen, daß er lediglich gesetzte oder kalte Speisen wünscht. (Zur Geschichte des amerikanischen Hilfswerkes für die osteuropäische Judenheik.) In einer mit Bildmaterial reich ausgestatteten umfangreichen Broschüre gibt der unermüdliche Morris Engelmann in Newyork, der eigentliche Initiator des großen amerikanischen Kriegshilfswerks für Osteuropa, einen chronologischen Ueberblick über die Entwicklung dieses Hilfswerkes, zu dem am 1. Oktober 1914 in einer Zusammenkunft im Hause des verstorbenen Rabbiners Dr. Ph. Klein b-'xi der Grund gelegt wurde. Etwa hundert Millionen Dollar sind in 16 Jahren seit dem Ausbruch des Krieges im Rahmen dieses Hilfswerkes aus der Hand der amerikanischen Juden zur Linderung der Kriegsleiden'und zur Wiederaufrichtung des zerstörten Wirtschaftslebens der Ostjudenheit verwendet worden. Man wird die Broschüre, die lediglich die Tatsachen sprechen läßt, nicht ohne ein Gefühl aufrichtiger Anerkennung und tieferer Dankbarkeit für alle die Männer und Frauen aus der Hand legen, die in echter Betätigung jüdischer Bruderliebe dieses gewaltige Denkmal menschlicher Solidarität geschaffen haben, ein Denkmal, das zugleich eine Heiligung des G'ttesnamens in der Menschheit darstellt.