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Der Israelit · 1930-08-14 · Heft 33 (14.8.1930) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 33 (14.8.1930)
Date
1930-08-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Der Israelit Dr. 33 19)0 p'£y? Me der Lubawikscher Rebbe in Sowjekrußland vor dem Tode » gerettet wurde. -j; Rach Mitteilungen von Beteiligten. Als die Nachricht von der Verhaftung des. Luba'wi-tscher Rebbe in Leningrad durch die Judenheit fuhr und sich verbreitete, wirkte sie wie eine Bombe, die alle Herzen ausriß. Schlüfsekdepeschen gingen nach allen großen Gemeindein Rußland und außerhalb Rußlands. Man betete Psalmen und ließ in Lubäwitsch und/Lady am den-'Gräbern der großen Ahnest bes" Rabbi Gebete verrichten. Vom frühen Morgen bis kn die späte Nacht waren die angesehensten Männer, darunter die Dertretev der höchsten Arfftokatie^ bei Sitzungen und BeaiungeN. zusammen. Die Beratung! begann im Hause des Rabbi und mußte im Laufe des Vormittag dreimal den Ort wechseln, weil mün sich da und dort nicht mehr sicher fühlte, Räch und nach waren Vertreter aller Schichten dev. russischen Judenheit an der Aktion beteiligt, mit Ausnahme freilich der Kommunisten. Die politische Lage war damals eine äußerst gespannte. England hatte die Handelsbeziehungen mit Sowjetrußland abgebrochen. In Warschau war ein Attentat gegen den russischen Gesandten ausgeführt worden. Die Aufregungbei den Kommunisten gegen die kapitalistische Welt hatte den Höhepunkt erreicht, und der Rabbi war in der Vorstellung des Bolschewismus ein „Vertreter des Großkapitals". So gefährlich die Lage des Pabbi war, so schien der Versuch seiner Befreiung noch gefährlicher. Man war sich darüber allgemein klar, daß die Alarmierung des Auslandes und die Heranziehung von Faktoren außerhalb der Grenze der Sache nur schaden könnte.. Man hatte schon gedroht, daß man den Rabbi in aller Stille durch -einen Schuß beseitigen und dann den Prozeß allen denen machen werde, die in kontrarevolutionärem Sinne seine Befreiung anstrebten. So blieb nur e im Weg üppig--her. nach M-os-< k g p. Er wgr: schwierig -und gefahrvoll!! genug,- schien Wch -; menschlicher Perechnungi; im bestem! Fälle rtu|$0S>:,i;;;,v <■.! r:?:!.'? i Nach i zwölfstündigev -unüntevbvochöstet!' Beratuntz suchte n mall -eiüe BerbistdUng mit Moskstü,"- bekam -sie,auch, teilte 'demMaßgebendem' Mischen > Stellenidem SachverhalitMt und Mndigte die-An-'! kunft einer speziellen Delegation an. Nunmehr begann die Arbeit auch in Moskauspäter, als die Herren von Petersburg kamen, gemeinsam mit diesen. Äld kurz 'vör Sabbat in Leningrad bekannt würde, .'daß das ' T o d e s u r t e kl " gegen den Rabbi gefällh sei und bald. zur Apsführustg gelangen Meros, begab sich ein Bote, mit'Hriaubnis der RabbinM, f o f o r't nach! Moskaus M> er Sabbat Morgen ankam. Mast hätte sich in Moska-ü 'imMer' stoch 'sticht recht entfWeßen könnest,' ob man dest^ West nach dem Auslande,, vderstäch dem Kreml ' nehmen sollte', beide schienen gleich gefährlich! Unter dem Drucke dieser letzten NW-, ri-cht' fäßte 'man Lest raschen Entschluß, sich zunächst und sofort, an die höchsten StellenLest Sowjets zu chenddst., -- Ms wärestinzwischen.Petitionen mit hunderttausenden Unterschriften zustande gekommen, die die Loyalität des Rabbi garantierten. Einige einflußreiche Nichtjuden schloffen sich der Rettungsaktion an, darunter auch Mm. Pesch k o w, eine-bekannte Schriftstellerin, die erste Frau von Maxim G o r k i. Inzwischen wurde in Petersburg Rabbi Schneerfohn vernommen. Als er vom ersten Verhör, in seine Kammer zurückkehrte, wußte er Nür eines: I n 2 4 Stun den w ird er erschösse n. So hatte es ihm der Führer der Tfcheka, Lunof, in aller Kürze und Sachlichkeit mitgeteilt. Dabei hatte er gar kein unangenehmes Gefängnis, genoß viele Privilegien und erfreute sich guter Behandlung. Nur war er von der Welt vollkommen abgefchnitten, bekam weder Briefe noch Zeitungen und hatte keine blaffe Vorstellung davon,.ob und was vonfeiten seiner Freunde für ihn geschieht. Er selbst durfte schreiben, hatte als Einziger von allen Arrestanten Papier und Schreibzeug zur Verfügung, und er benutzte.die Gelegenheit, seine Erlebnisse niederzuschreiben und Reminiszenzen aus früheren Jahren aufzuzeichnen. Auch, schrieb er Thoragedanken, Abhandlungen und halachische Entscheidungen. Wiewohl es keinem erlaubt war, nur. eine Minute nach dem Appell außer Bett zu blejben, dürfte er bis tief in die Nacht bei seiner Arbeit bleiben. Der Rabbi war auch befreit von den üblichen Arbeiten, die die Verhafteten ausführen müssen, wie Reinigen der Kammer, Aufwaschen des Fußbodens ufw. Da er das Teewasser, in der Befürchtung, es sei in einem unrituellen Kessel gekocht, zurückwies, bekam -er das Wasser unter seiner eigenen Aufsicht extra gekocht. Er erhielt auf seinen Wunsch sogar einen Arzt, der aber nach langer Untersuchung den Rtbbi für haftfähig erklärte. So vergingen über die 24 Stunden der Tod-eserwartung neun Tage des Hangens und- Bangens. Jeden Tag konnte er erwarten, daß er zum letzten Gang geholt werde. Aber am zehnten Tage erhielt er sogar die Möglichkeit, seinen Am gehörigen mit einigen Worten zu berichten, daß er sich noch am- Leben und' bei befriedigender Gesundheit befinde. Er bat, sie möchten ihm die z Sabbatkleider schicken, da kein Grund vorliege, 'im Gefängnis am Sabbat Wochentagskleider zu tragen, wenn man nicht gerade dazu gezwungen sei. Schon am nächsten Freitagabend hatte der Rabbi sein Atlasgewand mit dem breiten Gürtel an und sang sein „Lecho dau-di" mit dem- Lubawitscher Nigun so laut und so herzenswärm, daß Arrestanten unstWärt-er aufmerksam.aushore^en. : ^.Ach 20!-Mwän'höär dgs zw-este Verhör. Sepie bMest MMer.Wrgn JudM, N ächm g n f o h, st MoM un o.f.^Pachistanfohn rpstr jcWa.üKHing, füno-.' fo,' dr^stg . bei ihfnhfi -,üllgr '^stDe....^M^Mvor.döm 'großen'.Mansie -MM ustd stiächte sich'ist Ton und Spräche gellend. Lunof dagegen, ein unerbittlicher Despot und rücksichtsloser Kommunist, suchte diese freundlichere Behandlung durch ausgesuchte Strenge Md Grobheit wieder piett M machM. ,Mr schrie, best R^bbi wiederholt an und behaup^tedör^vpnihst, geführte Chässtdismus,.sei nichts anderes als Gegenrevolution.. .Bei hem zweiten,. Verhör konnte man den Eindruck, gewinnen, daß! die Drohung rst.it der Wchießung.nur eine Schikane Lustdfs.war. Wohl.spielte Wgn in der Tfcheka mit diesem Gedästkest und man war -auch nicht sicher, ob nicht einige Ueberesfinge von dest^Art Lunofs, nach bekanntem rstssifchem, .Muster, stuf diese stille Heise die Mffäbe-.rasch erledigen wurden'. Das komtnumstsiche Herrchi als Mches ,wosite sich stber noch etwüLZestMffem , - .Inzwischen drang,jdie Sache doch über!'die Grenze-- so sehr manres nermieddas Ausländ in Anspruch zu nehmen. In Berlin rafften sich einflußreiche Männer -auf. Dr. M. H i l d e s h e imer begab sich zusammen mit Rabb. Dr. B a e ck zu Dr. Oskar K'b h n, der därnals voll großem Einflüsse aus den linken Flügel der Sozialbernokra-tie war. Man interessierte auch Dr. S t r e s em a n n und den Staatssekretär W e i ß M a n n, der zu den besten Freunden des russischen Gesandten in Berlin zählte. Letzterer, K r e st in s k i, versprach, alles in der Sache zu tun, was im Bereich seiner Möglichkeit, liege, um so mehr, als er überzeugt sei, daß die verantwortlichen Männer in. Moskau nicht das geringste Interesse an einer Hinrichtung des Rabbi hätten, d-aß das Ganze nur -ein Racheakt der jüdischen Sektion sei. Nach dieser Richtung setzte sich der Gesandte, unterstützt von den genannten Männern in Berlin, in Aktion. Bezeichnend ist, daß alle Anfragen von Berlin und anderen Städten Estropas in Mosrau von dem dortigen jüdischen, Komitee unbeantwortet blieben. Man getraute sich nicht,- durch Briefe und Telegramme den Verdacht, einer Verbindung mit dem Auslande auf sich zu lenken. In Rußland selbst aber wurde ununterbrochen gearbeitet. Auch viele Christen, sogar einige anständige Kommunisten, arbeiteten mit,, an ihrer Spitze die bereits genannte Mm-e. P -e s chk o w a. Nach langem Hin und Her zeigte sich der erste Erfolg. Die Todesstrafe gegen -den Rabbi wurde annulliert. Dagegen wurde er zu einer V e r - b a n nung von fünf Jahren auf die Insel S o - l o w e tz k a verurteilt.; Man atmete zunächst auf. Aber bald daraus sah man doch ein, daß diese Verbannung einer langsamen Tötung gleichkomme undman ftng von Neuem an zu arbeiten. Am MMwoch, den 29. Siwan, genau zwei Wochen nach seiner Verhaftung, sollte die Verschickung h-es Rabbi zur Ausführung kommen. Der Rabbi ließ seine Familie herbitten um sich vonihr zu verabschieden. Sie war zur festgesetzten Stunde da, mit ihr aber eine jüdische Menge, die alle Straßen um das Gefängnis herum füllte. Keiner wußte genau, wann unddurch welches Tor der Rabbi hmausgeführt werde. Auf Fragen gaben die Beamten keine Antwort und drohten-, all -diejenigen, die sich vorwagen sollten, kurzerhand zu erschießen. Die guten Leute in Leningrad konnten auch nicht wissen, was inzwifchen die seltene Frau Pefchkowa in Moskau alles getan und erreicht httte. Vor einer Stunde war vonihr eine Depesche in die Gefängniskanzl-ei zu Leningrad eingelangt, wonach..sie mit Menfchiüski, dem obersten- Leiter der Regierung in Moskau, .gesprochen und bei ihm bewirkt hätte, düß-die V^tbannung 'v e r s ch o best werde. Neue 'Instruktionen aus Moskau--seien unterwegs. '; .Am Abend konnte Mme. ' P?schküwk--derst ^Moskauer Komitee lmittellen, -dckß auch ' das - teil!der!!Bsrbannung! ä stf ge h o-V'e n -sieV."Eine neux Untersuchung Müßte eröffnt werdM - '' - An dem Abend, da die Verschickung vor sich gehen sollte, wurde der Rabbi in- Leningrad einem neuen Verhör unterzogen. Lunof tobte. Aber es war der Zorn der Machtlosigkeit. Um noch seine letzte F'reud-e an der Peinigung des Gefangenen auszukosten, zeigte er ihm das Dekret, darauf oben die zwei Worte standen: „Ra rofchod" (erschießen!). ' Dann aber faltete er das Papier auf. Etwas werter unten stand ein. Vermerk: „Me Todes» strafe in fünf Jahre Verbannung nach Sölowetzko umgewandelt." . Roch weiter unten stand aber,: „Umgewandelt : in drei Jahve Verbannung nach Kaftrama." Dämonisch sagte dann Lunof: „Eure Verschickung ist einer Todesstrafe ganz ähnli-ck)-. Ihr werdet im unwirtlichen Kaftvama keine drei Jahre aushalten. Aber es gibt ein Mittel für euch, dieser Pein zu entgehen. Unterschreibet, daß ihr m i t a l l e n a n t i r e l i g i ö - sen Maßnahmen der Ko m m u n i st e n

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