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Der Israelit · 1930-08-07 · Heft 32 (7.8.1930) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 32 (7.8.1930)
Date
1930-08-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. Nr. 32 Der Israelit 7. August 1930 erklärte, der kulturelle Standard der marokkanischen Juden sei ungewöhnlich niedrig, Schulen und noch einmal Schulen seien notwendig. Frankreich könne sich aus politischen Gründen da nicht einmischen, es könne den Sultan seiner Vorrechte nicht berauben und auch nicht die Vorrechte seiner Notabeln, die das Volk unterdrücken und die Juden malträtieren, aus der Welt schaffen. England. Das Britische Palästina-Komitee über die Hinausschiebung der Palästinadebatte im Unterhaus. London, 1. August. Eine Kundgebung des aus Parlamentariern aller Parteien bestehenden Britischen Palästina - Komitees nimmt anläßlich des Abschlusses der Parlamentssession am 1. August durch die folgende Erklärung zu der Hinausschiebung der Palästina-Debatte im Unterhaus Stellung: Am 1. August wurde das Parlament geschlossen, ohne daß eine Debatte über Palästina stattgesunden hat; dies obwohl seit den Unruhen fast ein Jahr verflossen ist. Zwar kann die Palästina-Frage noch auf Grund der Appropriation Bill der Geschäftsordnung an einem Crgönzungstag zur Sprache gebracht werden. Das gilt aber in gleicher Weise für jeden anderen Gegenstand, und wdnn in einer Debatte mehrere Fragen angeschnitten werden, liegt es im Belieben des Ministers, zu bestimmen, auf welche Frage er antworten will. Es ist für ihn dann nicht schwer, über einzelne Punkte zu schweigen oder nur Unwesentliches über sie zu sagen. Palästina ist aber nicht ein Punkt, über den ein Minister mit Leichtigkeit hinweggehen darf. Ist das aber nicht der triftigste Grund für das Parlament, sich über diesen Gegenstand in angemessener und gründlicher Weise auszusprechen? Indem wir diese Frage stellen, haben wir nicht die Interessen einer einzelnen Partei im Auge, sondern wir gemahnen die Unterhausmitglieder ohne Unterschied der Partei, an ihre Pflicht, die Handlungen der Regierung zu kritisieren und zu kontrollieren. Schweigt das Parlament, dann herrschen die Beamten, denn die Minister sind bei noch so guten Absichten ohne Hilfe des Parlaments nicht stark genug, um ihrem Willen das Uebergewicht zu verschaffen. Die Regierung Palästinas leidet in diesem Augenblick unter zuviel Verwaltung und zu wenig Inspiration. Das Parlament war Palästina gegenüber hinsichtlich der aufgewandten Zeit nicht sehr großzügig. Es hatte schon seit Jahren nicht einen ganzen Tag für eine Palästina-Debatte übrig; die fragmentarischen Diskussionen, die inzwischen stattgefunden hatten, waren von geringem Nutzen. Aber die Schwierigkeiten, mit denen wir es hier zu tun haben, sind solcher Art, daß sie nur durch eine erschöpfende Parlamentsdebatte beleuchtet werden können. Wir haben es nicht mehr mit dem offenen Frontalangriff gegen das Mandatsprinzip zu tun, und die Forderung, Palästina im Interesse der Wirtschaft zu räumen, erledigt sich durch ihre eigene Absurdität. Die Schwierigkeit beginnt erst, wenn wir uns fragen, was die Palästina-Regierung faktisch geleistet hat, um das Nationalheim für die Juden vorwärts zu bringen. Gerade in der letzten Zeit hat sich die negative Haltung der Regierung, wie wir in dieser Hinsicht beobachten konnren, in eine gegnerische verwandelt. Die Administration scheint es als ihre Aufgabe anzusehen, nicht das Ziel der nationalen Heimstätte für die Juden zu fördern, sondern dieses Ziel so weit zu begrenzen und zu hemmen, bis es nichts mehr zu bedeuten hätte, als was schon unter türkischer Herrschaft faktisch bestand. Das Ansehen Englands leidet. Das nach der Balfour- Deklaration England zugewandte Vertrauen ist nun, infolge des Zauderns der bisherigen Palästina-Verwaltungen, im Schwinden begriffen. Man beschuldigt uns des Vertragsbruches, die Massen in Amerika und Osteuropa, die uns früher zujubelten, klagen uns jetzt an. Haben wir denn so viele andere Freunde in der Welt, daß wir es uns erlauben können, auf diese Freunde zu verzichten? Sind denn die Juden irgend ein obskurer afrikanischer Stamm, daß wir gefahrlos die Erfüllung feierlicher Versprechungen an sie allein davon abhängig machen könnten, was für uns im Augenblick bequem ist? Gibt nicht die Tatsache zu denken, daß England von der Permanenten Mandatskommission in deren letztem Bericht formal gerügt worden ist? Sind wir nun Anhänger der Lehre von dem „Fetzen Papier" geworden, einer Lehre, die wir früher mit dem Preis von Hunderten und Tausenden unserer besten jungen Menschen entrüstet bekämpften? Hätte das Parlament Gelegenheit gehabt, unsere Palästina-Politik systematisch zu beleuchten, dann hätten Fragen wie diese nicht gestellt werden müssen. Polen. Registrierung polnischer Kandidaten mittelständischer Kolonisation in Palästina. Warschau, 30. Juli. Bekanntlich wurde bei der letzten Sitzung des Admimstrative-Eommitee der Jewish Agency ein Projekt mittelständischer Kolonisation genemhigt, demzufolge aus Keren Kajemeth-Böden mit öffentlicher Hilfe in der Pflanzungszone tausend Familien angesiedelt werden sollen, von denen jede über 300 Pfund eigenen Kapitals verfügt. Das Zentralkomitee der zionistischen Organisation in Polen hat nun an alle zionistischen Ortsgruppen und Vereinigungen Polens ein Zirkular erlassen, in dem diesen ausgetragen wird, mit größter Beschleunigung alle diejenigen zu registrieren, die ihre Ansiedlung in Palästina, im Rahmen dieses Projektes erstreben und die notwendigen Voraussetzungen erfüllen. Das Verzeichnis der Ansiedlungsbewerber aus ganz Polen soll mit größter Beschleunigung sertiggestellt werden, damit es der nächsten, in Berlin Ende August stattsindenden Sitzung des Administrative Comitees unterbreitet werden kann. Rutzland. Eine Riefen-Viehzuchtfarm in Biro Bidschan. Moskau, 4. August. Die Zentralverwaltung der Gesellschaft Ozet in Moskau erhielt aus Biro Bidschan die telegraphische Mitteilung, daß man dort bereits an die Errichtung eines Gigant-Sowchos (Riesen-Viehzucht-Farm), die ein Areal von 95.000 Hektar Boden umfaßt, geschritten ist. Weitere Riesen-Viehzucht-Farmen sollen später errichtet werden. Im Zusammenhang mit dieser neuen Aktion zur Belebung der Idee einer jüdischen Massensiedlung in Biro Bidschan veröffentlicht die jiddische kommunistische Zeitung „Eines" einen Appell, immer mehr jüdische Siedlungswillige und Arbeiter nach Biro Bidschan zu bringen. — Der Chef der Neusiedler-Abteilung im Landwirtschaftskommissariat der Sowjet-Union, der in der letzten Zeit Biro Bidschan besucht hat, sicherte die Einrichtung zweier neuer Traktoren-Stationen im jüdischen Siedlungsbezirk von Biro Bidschan zu. Rumänien. Die judenfeindliche Bewegung in Rumänien. Bukarest, 29. Juli. . Sektionsches Labore hat nach Beendigung seiner Sondermission nach der Bucovina dem König Caro! speziell Bericht erstattet. Er bezeichnet die Eiserne Garde und ähnliche Organisationen verantwortlich für die anti-jüdischen Ausschreitungen, die, wenn sie sich weiter entwickeln, zur kommunistischen Anarchie führen müssen. Er empfiehlt die Verhaftung der prominenten politischen Führer der Antisemiten. — Gegen den Kabinettches am Innenministerium Taylearaun, der seiner Stellung enthoben worden ist, wurde ein Verfahren wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt eingeleilet. Der Sonderberichterstatter der I. T. A., Herr Smolar, beschwerte sich beim Innenminister über die Schwierigkeiten, die ihm bei Ausübung seiner Mission von den untergeordneten Behörden bereitet werden. Weitere Attacken auf Juden werden aus B e l tz , sowie aus N i e m e r e n bei Kischinew und aus dem Städtchen O r g i n e w gemeldet. An letzterem Orte ist die Haltung der Polizei nicht einwandfrei. In der Presse wird das Interview des I. T. A.- Vertreters beim Innenminister stark erörtert. Die Aeußerung des Ministers, daß die ausländische Judenschaft am meisten zur Abstellung der wirtschaftlichen Not und Unruhen. beitragen könne, indem sie die Bemühungen Rumäniens um Ausländsanleihen unterstützten, wird stark kritisiert. Eingreifen König Earvls. Bukarest, 4. August. König Carol empfing heute den Ministerpräsidenten und erklärte ihm in aller Form, daß er das Ministerium für alle weiteren Ausschreitungen des Antisemitismus verantwortlich mache. Der Prozeß gegen Cadreanu findet noch in dieser Woche statt. Erklärungen des stellt,. Ministerpräsidenten. Bukarest, 1. August. Dem JTA-Vertreter gegenüber erklärte Unterstaatssekretär Luguzhanu, die gegenwärtige Regierung sek leider nicht imstande, mit einem Schlage die Fehler der früheren Regierung gutzumachen, die den Antisemitismus in der Studentenschaft und der Beamtenschaft geduldet habe. Zur Aenderung dieser Zustände bedürfe es einer Zeit von 2—3 Jahren. Man ist in jüdischen Kreisen von der Aufrichtigkeit der Regierungserklärungen überzeugt, befürchtet aber dennoch, daß nach vorübergehender Beruhigung im Herbst sich sehr leicht die Unruhen wiederholen können. Der Polizei ist es gelungen, die Geheimdruckerei der Eisernen Garde zu entdecken. Die gesamte jüdische Bevölkerung des Städtchens T r u s h e nch ist nach Kischinew geflüchtet, weil sie die Entstehung von Pogromen infolge des Eindringens von 25 antisemitischen Studenten befürchtet. Palästina. Harry Snell und der Brich Schalom. Jerusalem, 30. Juli. Harry Snell, das bekannte Mitglied der Shaw- Kommission, das den pro-jüdischen Minderheitsbericht erstattete, hat an den Brith Shalom die Aufforderung: gerichtet, dafür tätig zu sein, daß in jedem Dorfe und in jeder Stadt Palästinas arabischjüdische Komite es errichtet werden, die sich zunächst mit lokalen Aufgaben, wie Straßenreinigung, Wasserversorgung, Kinderhygiene, Krankenhausdienst, sanitären Angelegenheiten befassen sollen. Von da aus könnten die Komitees dazu übergehen, sich mit landwirtschaftlichen Fragen zu befassen. Diese Komitees sollen eine ungetrübte Quelle guten Willens zwischen den beiden aus Nachbarschaft und Verständigung angewiesenen Völkern werden. Der Brith Shalom hat die Bemerkungen Snells bei einem Memorandum berücksichtigt, das er an die verschiedenen jüdischen Instanzen wegen Verbesserung der gespannten jüdischen Lage richtete. Verhaftung und Verbannung von Kommunisten in Palästina. Jerusalem, 3. August. In der letzten Zeit entfalten die russischen Kommunisten eine verstärkte agitatorische Tätigkeit. Eine ganze Anzahl von Propagandisten sind verhaftet, zu Gefängnisstrafen verurteilt und des Landes verwiesen worden. Der Verlauf des Tifcha b'Aw in Jerusalem. — Stiller Gottesdienst im Dunkeln an der klagemauer. Jerusalem, 4. August. Am Vorabend des Tifcha b'Aw nach Sonnenuntergang strömten aus verschiedenen Teilen Jerusalems jüdische Einwohner in großen Scharen zur Klagemauer, um in traditioneller Weise die „Kinoth" (Klagegebetet herzusagen. Gemäß der Verordnung des Distriktskommissars Keith-Roach waren Kerzen und Lampen jeder Art aus dem Gebiete der Klagemauer entfernt worden, o daß tiefe Dunkelheit herrschte. Bloß auf dem Pulte des Vorlesers der Klagegebete brannte ein Oellämpchen. Da auch das Mitbringen von Matten zum Sitzen verboten war, saß die Menge unbeschuht und in Strümpen auf den bloßen Steinen und lauschte — da sie inolge der Dunkelheit nicht selbst in den Kinoth-Büchern lesen konnte — schweigend den gedämpften Lauten des Vorlesers, der die Klagegebete über die Zerstörung des Tempels sprach. Es herrschte vollkommene Ordnung, die

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