Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1930)
- Date
- 1930-08-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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7. August 1930 Der I s r a e l i t Nr. 32. Seite 5 Das Programm des Weltkongresses der Schomre Schabbos. Berlin, 5. August. Das Programm des vom 24. bis 26. August in Merlin stattfindenden Sabbat-Weltkongresses j ist folgendes:'• Am Sonntag, den 24. August 1930, vorm. 10 Uhr, Eröffnung des Kongresses, a) Ansprache des Präsidenten. Dozent Dr: Samuel Grünberg-Berlin, b) Begrüßungen. c) „Der Sabbat als heiligende Kraft in Israel": Chief-Rabbi des Freistaates Irland Dr. I. Herzog, A. V. lit.-Dublin. C. „Wirtschaftspolitik und Wirtschaftspraxis im Dienste des Sabbatschutzes": R-A. Dr. jur. Paul Sulzberger, Vizevorsitzender, des Weltverbandes Schomre Schabbos, Berlin. . 2. Sitzung Sonntag nachm. 16 Uhr. Konstituierung, Wahl der Kommissionen, a) „Sabbat-Idee und i Zeitgeist": Rabb. Dr. Ansbacher-Wiesbaden. b) „Zur Frage der Kalenderreform": 1. Gemeinderabbiner Dr. L. Rofenthal-Köln. 2. Dr. T. Lewenstein-Zürich, Generalsekretär des internationalen jüdischen Komitees betr. Kalenderreform. c) „Organisationstätigkeit der Schomre Schabbos in Holland": E. Ascher, Vorsitzender des Sabbatkomitees in Amsterdam. 3. Sitzung, Montag, den 25. August 1930, vorm. 9 Uhr. a) „Die Fünf-Tage-Arbeitswoche als Lösung des Sabbat-Problems": Referent Dr. Bernhard Drachmann, Newyork, Präsident der Jewish Sabbat Alliance of America. Diskussion, b) „Arbeiten und Aufgaben der . Stellenvermittlung Schomre Schabbos in Deutschland": Jacob Rosenheim-Frankfurt. Diskussion, c) „Sonntagsruhe, Kirchen- oder Sozialpolitik": Stadtrepräsentant Desider Korein - Budapest, Präsident der ungarischen Schomre Schäbbos-Landesorganisation. Diskussion.'(Tagung der Kommissionen). Montag nachmittags 4 Uhr. 4. Sitzung, a) „Medizinische Bedeutung der Fünf-Tage-Arbeitswoche": Dr. med. Henri H. Keller-Newyork. Diskussion, b) „Sabbatnot und Sabbatschutz als Arbeitnehmerproblem". Referent: ein Vertreter der sabbattreuen Arbeitnehmerschaft in Polen. Diskussion, c) „Der Versicherungsgedanke und seine Bedeutung für die Schomre Schabbos-r-rganisation": Direktor Richard Lichtheim-Berlin, d) „Jugend und Sabbat-Probleme": E. A. Genachowsky, Journalist, Antwerpen. Diskussion. (Tagung der Kommissionen.) Dienstag, den 26. August, vorm. 9 Uhr. 5. Sitzung, a) „Die wirtschaftliche Seite des Sabbatproblems in Dänemark" (Oberrabbiner Dr. M. Friediger-Kopenhagen); Frankreich (Rabbiner Dr. S. Langer-Paris); Holland (Fabrikant Henri Guggenheim-Amsterdam. Bericht anderer Länder-Vertreter. Generaldebatte, b) Berichte der Kommissionen. Dienstag, den 26. August nachm. 16 Uhr. 6. Sitzung. Fortsetzung der Generaldebatte. Anträge, Abstimmung, Resolutionen und Wahlen, Schlußansprache. Die kölnische Volkszeitung und die Berufung von Prof. Kelsen. Köln, 18. August. Wegen der in der vorigen Nummer gemeldeten Ablehnung der Kondivatur des Prof. Kelsen durch die Kölnische Volkszeitung, wobei diese als Begründung angegeben hatte, daß die Universität "Köln bereits mit Dozenten jüdischen Bekenntnisses überbesetzt sei, hat sich der Zentralverein, Landesverband Rheinland beschwerdeführende an die Zeitung gewendet. Die Kölnische Volkszeitung hat daraufhin den: Bundesvorstand eine Antwort erteilt, in der ' sie jedes judenfeindliche Motiv energisch ablehnt. Das Blatt schreibt: „Wir bitten Sie, aus dieser Haltung der „Kölnischen Volkszeitung", die sich in einem einzelnen Falle gegen einen der jüdischen Konfession angehörenden Gelehrten richtet, doch nicht, wie es in einigen Zeitungen geschehen.ist, den Schluß auf Antisemitismus und antisemitische Stellung ziehen zu wollen. Der A n t i s e - m i 1 ism u s liegt uns, wie Sie wohl wissen, durchaus fern und wir sind auch.weit davon entfernt, unsere Argumente in einem einzelnen Falle aus dem Antisemitismus und aus antisemitischer Gesinnung zu nehmen ... Daß dabei die Berufung Kelsens, dessen Stellung ja in Wien anders beurteilt wird als hier, mit hineinspielt, war nur Zufall." Die Antwort, der Kölnischen Volkszeitung kann, wenn man ehrlich fein will, nicht ganz befriedigen. Nicht die Ablehnung einer Berufung Kelsens an sich ist es, die -auf jüdische Kreise so verstimmend wirken mußte, sondern die Begründung, die sich auf die angebliche „Ueberbesetzung der Universität Köln mit Professoren jüdischen Bekenntnisses" bezieht. Eine Erklärung hierfür, gibt das Antwortschreiben der Kölnischen Volkszeitung nicht, so daß nach wie vor eine Desavouierung dieser bedauerlichen Entgleisung durch die Partei höchst wünschenswert erscheint. Die Woche. Berlin. Kammergerichtsrat Leo Wolff, der Vorsitzende des „ Preußischen Landesverbandes beging seinen 60. Geburtstag. — In der Nacht zum 1. August kam es zu Schlägereien zwischen einer Gruppe halbwüchsiger Nationalsozialisten und einigen jüdischen Sportlern, Unter den Linden. Ein Sportler, ein Nationalsozialist und ein Unbeteiligter wurden verletzt. Paris. Felix Marburg sagte einem I. T. A.-Vertroter, das Bauprogramm der Agency für die nächste Zeit in Palästina werde Ausgaben im Betrage von annähernd 400.000 Dollar erfordern. — Ruthenberg hat die Leitung des palästinensischen Hilfsfonds niedergelegt. London. ' Der oberste Kronrat (Privy Eouncil) hat sich in der Angelegenheit der Berufung des in Palästina' zum Tode verurteilten Juden Josef Urphali für unzuständig erklärt. Es wird nunmehr ein Gnadengesuch beim High Commissioner eingereicht werden. — Die Palästina-Debatte wird nicht mehr vor den Parlamentsferien stattfinden. Warschau. Der „Hajnt" meldet, das Einreiseverbot gegen Jabotinsky sei bereits zurückgezogen. Jabotinsky werde in Palästina eine neue Zeitschrift unter dem Namen H a s ch a ch a r gründen. Prag. Präsident Masaryk gewährte dem Vertreter! eines spanischen Blattes ein Interview, in dem er sagte, eine Assimilation der nationalen Minderheiten an das Staatsoolk fei mit den modernen Staatstendenzen unvereinbar. Für den Staat genüge es, wenn alle seine Bürger loyal sind. Der Staat sei keine.nationale Einheit, . sondern ein wirtschaftliches Ganzes, in dem die Bürger gemäß ihren Interessen vereinigt werden. Kischinew. Die hiesige jüdische Gemeinde mußte ihr Waisenhaus, in dem 120 jüdische Kinder untergebracht sind, wegen Geldmangels schließen. Jerusalem. Die Klagemauer- Kommission hat sich zunächst nach London begeben. Jedes Mitglied wird zunächst einen Sonderbericht abfassen und man wird später eine Zusammenkunft für die Endredaktion vereinbaren. — Nach den verschiedenen Verhandlungen, die die Besitzer des Doar Hajaum nach dem Verbot des Blattes und dem Redaktionsstreik führten, ist nunmehr eine neue Vereinbarung getroffen worden, aus der hervorgeht, daß das Blatt doch wieder in revisionistischen! Sinne redigiert werden wird. — Die arabische Exekutive erließ einen Aufruf zur Totenfeier für die vor 40 Tagen Hingerichteten drei arabischen Mörder. Der Aufruf stellt die Hingerichteten als Märtyrer dar, die „mit Lächeln und glaubenerfüllten Herzen als Vorkämpfer für Freiheit und Unabhängigkeit und als Opfer des 'Imperialismus und einer räuberischen Politik ohne Schuld m, den Tod gegangen seien." — Die arabische Delegation veröffentlicht den Bericht über ihre Londoner Reise. - Es wird die Errichtung eines ständigen politischen Büros in London gefordert. — Die „Gesellschaft, arabischer Frauen" will nach dem indischen Vorbilds eine Heimspinn-Bewegung als Mittel zur Bekämpfung des europäischen Tertilimports organisieren. Tel Awiw. Die kürzlich gegründete arabische Arbeiterorganisation in Palästina verlangt die Einführung-des Acht-Stunden-Tages. New Port. Eine amerikanische Jüdin, Mirjam -Goldschlag, hat der jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina zur Errichtung einer Kooperative für Arbeiterinnen 25 000.— Dollar vermacht. Washington. Das peruanische Ministerium für > öffentliche Arbeiten dementiert alle Nach- > richten über angebliche Verhandlungen wegen I einer jüdischen Kolonisation in P e r u. I Angarn. Oberrabbiner Jefaia Silberslein V'ST- Wien, 1. August. Innerhalb Jahresfrist hat der orthodoxe Rabbinerstand in Ungarn drei seiner weltberühmten Koryphäen verloren. Nach Oberrabbiner Koppel Reich-Budapest sank Rabbi Simon Grünfeld-Büdzentmihaly ins .Grab und nun ging auch Rabbi Jefaia Silberstein, der Waitzner Gaon, im Älter von 73 Jahren zu seinen Ahnen ein. Zigarren Zeii TeL Hansa 27930 Rabbi Jesaia Silberstein wurde als Sohn des berühmten Rabbi David Löb Silberstein, des Verfassers von „Schewile Dowid", in Senta geboren. Als Kind lebte er mit seinem Vater einige Jahre hindurch in Jerusalem. Wiederum nach Ungarn zurückgekehrt, besuchte er die Jeschiwoth in Munkacs, Beregfzasz und Ungvar. Nach Wahl seines Vaters als Rabbiner der orthodoxen Gemeinde in Waitzen übersiedelte Rabbi Jesaia ebenfalls dorthin und betätigte sich als Kaufmann. Auch als solcher beschäftigte er sich hauptsächlich mit Thoralernen. Die Leitung der immer größer werdenden Jeschiwah übernahm er schon zu Lebzeiten seines Vaters, nach dessen Ableben er im Alter von 27 Jahren als Nachfolger in der Oberrabbinerwürde gewählt wurde. Fortab widmete Rabbi Jesaia Silberstein all seine geistigen Kräfte und seinen vielbewunderten Scharfsinn mit einem Fleiß, der die Nächte zu Tagen machte, dem Thorastudium und bald figurierte er unter den gefeiertsten Talmudgrößen des Landes. Seine tiefe und schlichte Frömmigkeit, sein gerader und aufrechter Charakter, gepaart mit. profundem Thorawissen, machten ihn zur Autorität ersten Ranges, die mit ihrem vollen Gewicht in der Zentralleitung der ungarischen Orthodoxie, wo .Rabbi Jesaia ein entscheidendes Wort hatte, zum Ausdruck kam. - Ein Jahr vor dem Weltkrieg erschienen nach früheren kleineren talmudischen Arbeiten zwei Teile seines großen halachischen Hauptwerkes auf den Rambam, „M a a s a j l e m e l e ch" genannt, ein imposantes Zeugnis seiner überragenden Gelehrsamkeit. Weitere Fortsetzungen find druckreif im Manuskript zurückgeblieben, da der Verfasser, von einen: schweren Leiden befallen, sie nicht mehr dem Druck übergeben konnte. Unter seiner energischen und zielbewußten Leitung errang seine Gemeinde große Bedeutung. Wie fast alle ungarischen orthodoxen Gemeinden, hat auch die Waitzner Gemeinde in den Nachkriegsjahren eine Entwicklung nach chassidischer Richtung hin gemacht. Die Anhänger dieser Richtung haben in Rabbi Jesaia Silberstein nicht nur den großen Gaon, sondern auch den chassidischen Führer verehrt. Die ungeteilte Liebe und Verehrung seiner Gemeinde zeigte sich auch in der Respektierung seines letzten Willens, indem man seinen zweiten Sohn, Rabbi David Löw, der seit einigen Jahren als Dajan in Waitzen gewirkt hat, einstimmig zu seinem Nachfolger wählte. Der älteste Sohn amtiert in einer anderen ungarischen Gemeinde. Die Bestattung fand Dienstag, den 26. Tamus. unter ungeheurer Beteiligung aus nah und fern statt. Mehr als fünfzig - Rabbiner waren anwesend, von denen aber nur ein Teil Hespedim hallen konnte, da mit der einbrechenden Dunkelheit der Erde übergeben werden mußte, was an dein Waitzner Gaon sterblich war. §"n- Schrveiz. Jüdische Jugendtagung in Genf. Genf, 3. August. Heute wurde ein auf Initiative von Aime Paillier durch dessen Weltverband jüdischer Jugend einberufener Jugendkongreß eröffnet, der 4 Tage dauern soll. Beteiligt sind außer dem genannten Paillier'schen Verband einige zionistische Verbände und ein schweizerischer jüdischer Jugendoerband. Verhandlungsgegenstände sind die Probleme der Assimilation, des Antisemitismus, des Nationalismus und der nationalen Heimstätte in Palästina. Frankreich. Traurige Lage der Juden in Marokko. Paris, 4. August. Die über alle Maßen traurige Lage der Juden in Marokko beginnt nun die französische Judenheit zu beschäftigen. Die Juden in Marokko find rechtlos; es ist ihnen nicht erlaubt, die französische oder die marokkanische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Sie stehen unter dem „Schutz" des Sultans von Marokko, was nur bedeutet, daß sie einer mittelalterlichen moslemitischen Jurisdiktion unterworfen sind. Jeder kleine Ortsrichter verhängt Geißelstrafen über Juden. Der soeben von einer Reise nach Marokko zurückgekehrte Präsident der französischen Liga für Menschenrechte, Prof. Victor Basch, Wo f