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Der Israelit · 1930-08-07 · Heft 32 (7.8.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 32 (7.8.1930)
Date
1930-08-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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7. August 1930 Der Israelit Nr. 32. Seite 7 in dem Gebiet der Mauer postiert gewesenen britischen Polizisten hatten keine Gelegenheit, einzuschreiten. Das jüdische Viertel in der Altstadt Jerusalems war ebenfalls in Dunkel gehüllt, da alle Läden geschlossen waren. Das Programm des Großmufii: Eine arabischchristliche Allianz gegen die Inden. Jerusalem, 4. August. Auf der letzten Tagung der arabischen Exekutive hat der Großmufti von Jerusalem, Haj Amin el Husseini, sein Programm entwickelt, das in den Worten gipfelte: Engere Zusammenarbeit mit den übrigen islamischen Ländern auf pan-islamischen Linien, ferner ein Pakt mit den christlichen Nationen gegen die Juden. Aus arabischen Quellen verlaute^ daß der Großmuft'. in dieser Sitzung die Versicherung abgab, daß er die Hälfte der Aktien der geplanten arabischen Vodenerwerbsgesellschaft erwerben werde. „Fragt mich nicht," ries der Mufti der Versammlung zu, „wo ich das Geld hernehme!" Aus der gleichen Quelle verlautet, daß der nationalistische arabische Führer, Moghanan Elias Effendi Moghanan, nach der Rede des Mufti seiner tiefsten Unzufriedenheit darüber Ausdruck gegeben hat, daß statt den Plan der Bodenerwerbsgesellschaft zu fördern, der Plan einer islamisch-christlichen Allianz gegen die Juden erwogen werde. In äußerstem Zorn verließ Moghanan die Sitzung. Arabischer Friedensappell. Jerusalem, 4. August. In der arabischen Zeitung „El Salaam" schreibt Nasser el Taher, ein bekannter Araber aus Nablus: Jetzt ist es Zeit, die Glocken des Friedens zu läuten; es ist Pflicht beider Völker, der Juden sowohl wie der Araber, zu einer gemeinsamen Beratung zusammen zu treten, um politische und religiöse Fragen gemäß den Lehren von Moses und von Mohammed in friedlicher Weise zu lösen. Machet ein Ende dem Blutvergießen, schließt Taher, zu welchem Leute aufreizen, die sich als Führer des Volkes ausgeben, aber nur ihr selbstsüchtiges Interesse im Auge haben. Personalien. Halberstadl, 4. August. Am a« vnn vni hat ein ganz großer Kreis den Heimgang von Frau Hanna Tannenberg geb. Nußbaum beweint. Eine edle, brave und fromme Frau, eine der immer seltener werdenden rvrapx ist mit der Gattin unseres frommen und sehr verehrten Herrn Abraham Tannenberg aus dem diesseitigen Leben geschieden. Die Schlichtheit ihres Wesens" gebot der teuren Dahingeschiedenen große Zurückhaltung und das Meiden der größeren Oeffentlichteit. Pflicht ist es jedoch, ihre Charaktereigenschaften, die sich im geheimen so schön zeigten, wenigstens in Kürze zu skizzieren, damit naiai» p’“TX *dt das Andenken dieser Frommen «und ihre Taten für alle Zeiten als Vorbild wirken mögen. Die teure Hingeschiedene hat viel Gutes getan für die Armen und Bedürftigen, die ihr Haus betreten haben. Darüber hinaus suchte sie die Menschen aus, wo sie vermutete, daß sie der Hilfe bedürfen. Ihr Haus war geöffnet für alle die schweren Herzens waren, sie fanden da gute und schöne Aufnahme. Frau Hanna Tannenberg entstammte einem echt jüdischen wohlbekannten Hause der frommen nbmp Burghaun. - Sie lernte in ihrem Elternhause Theorie und Praris, Geist und Wesen aller jüdischen Pflichten in schönster Weise kennen. Sie gründete mit ihrem frommen Manne ein Haus, das weit und breit beispielgebend voranleuchtete. Ihr Begräbnis gestaltete sich zu einer wahren Kundgebung all der Beliebtheit und Verehrung deren sie sich erfreuen durfte. Ties ergriffen schilderte Herr Rabbiner Dr. Auerbach die edlem Eigenschaften der Entschlafenen, die durch den Geist, mit dem sie das Haus erfüllte, weit über dessen Mauern hinauswirkten. Während der nsav sprach Herr Rabbiner Dr. Neuw i r t h im Trauerhause. Er wies in seiner Rede darauf hin, wie Frau Tannenberg die Lomde-Thauro besonders geehrt hat und wie sie ihr ganzes Vertrauen auf die Thauro ausgebaut hat. Sie gehörte zu den seltenen Personen. die in der Not ihre Zuflucht zu den Hallen der Thauro nehmen. n"axan. Heilbronn a. N., 31. Juli. Am n»n "> traf unsere Religionsgesellschaft ein hartes Geschick. Nach langem, schwerem Leiden atmete unser braver Baruch Reis seine reine Seele aus, kaum 63-jährig. Er gehörte noch zu der immer seltener werdenden alten, guten Art Baale'battim, die auch durch schwere und schwerste erwerbliche Arbeit sich nicht von ihrer Liebe zum Hause» G'ttes abbringen ließen. Altväterliche Weise erklang aus seinem Munde, wenn er ehrfurchtvoll und begeistert an den Sabbaten und Festen zum Amud trat, und mit reger Teilnahme verfolgte er jedes Wort einer Predigt und eines Lehrvortrages. In schwerer Zeit folgte er seinem auch vorzeitig dahingerafften Bruder im Amte des Vorstandes seiner Adas Jeschurun, aus Pflichteifer, ohne jeden Ehrgeiz. Auch seinem friedlichen, vorbildlichen und innigen Familienleben konntet seine fleißige geschäftliche Arbeit nicht Abbruch tun. Er fehlt nun vorzeitig seiner schwergeprüften Witwe, seinen Kindern und seiner Gemeinde, die er aufblühen sah und an deren Gedeihen er unsterbliches Mitverdienst sich erworben hat. fraxan- Amsterdam, 29. Juli. More I. Vredenburg in Amsterdam, Sohn des bekannten Oberrabbiners A. Vredenburg, in Arnheim, und einer der Führer der agudistischen Jugendbewegung in Holland, hat dieser Tage eine Probspredigt abgehalten in der Synagoge der orthodoxen Adas Jisroelgemeinde in London. Wir vernehmen jetzt, daß More Vredenburg ersucht worden ist. die rabbinischen Funktionen in dieser Gemeinde zu übernehmen, als Nachfolger des vor einiger Zeit verstorbenen Rabbiners Dr. Victor Schönfeld ^"X». Vermischtes. Düsseldorf, 3. August. Seit dem 1. August wird Erich Mogendorfs, Düsseldorf, Zietenstr. 8, vermißt. Die Eltern bitten herzlich, jeden, der über den Verbleib Angaben machen kann, ihnen davon Nachricht zu geben. Signalement: 19 Jahre alt, 1.72 Meter groß, schlank, braunes Haar, braune Augen, schmales Gesicht. Besonderes Kennzeichen: Ein 3 Markstück große Narbe am Gesäß. Bekleidung: Dunkelblauer Anzug, braun karrierter Regenmantel, Stehumlegekragen, braun in sich gestreifte Kravatte, schwarze Halbschuhe. Berlin, 27. Juli. Das vor kurzem erschienene „Korrespondenzblatt über Ausrvanderungs- und Siedlungswesen" des Hilfsvereins der Deutschen Juden, Mai 1930, bietet eine Fülle interessanten Stoffes. In der Einleitung wird eine kurze Darstellung über die weitgehende Einwanderungsrestriktionspolitik einer Reihe von Staaten gegeben, aus der hervorgeht, welche engen Grenzen der Einwanderung aus Osteuropa jetzt gezogen sind. Aus dem Inhalt des Korrespondenzblattes führen wir folgendes an: Es werden Mitteilungen gemacht über den Stand der allgemeinen Auswanderung aus Deutschland und die umfassende Fürsorgearbeit des Hilfsvereins der Deutschen Juden innerhalb Deutschlands, Auswanderung und Einwanderung in Sowjet-Union, Türkei, Rumänien, Frankreich, Belgien, Holland, Luxemburg und Spanien. — Es folgen interessante Schilderungen über Kanada als Einwanderungsland und die geplante neue kanadische Einwanderungspolitik: Statistik über Ein- und Auswanderung, Tendenzen der Einwanderungspolitik und wirtschaftliche Verhältnisse in den Vereinigten Staaten: Einwanderungsrestriktionen und Einreisebestimmungen für Mexiko, Kuba, Guatemala und Salvador: Entwicklung der Einwanderung nach Argentinien, wirtschaftliche. Lage, Lebens- und Lohnverhältnisse in Buenos Aires; Einwanderung nach Brasilien. Angaben über den Arbeitsmarkt, Lebenshaltung und Löhne in Sao Paulo und Rio de Janeiro; Aussichten für Einwanderer in Uruguay und Chile, statistische Angaben über Peru und Einreisebestimmungen. Von afrikanischen Ländern sind Abessinien und Südafrika behandelt. Ausführlich wird das neue, höchst restriktive südafrikanische Einwanderungsgesetz vom 1. Mai 1930 berücksichtigt. Zum Schluß wird berichtet über Palästina, China und Australien, und eine Uebersicht über die Organisation des Hilfsvereins in Deutschland und die Organisation der Gesellschaft Hias-Jca-Emigdirect und andere große ausländische Organisationen gegeben, mit denen der Hilfsverein in Arbeitsverbindung steht. Das Korrespondenzblatt des Hilfsvereins zeigt, wie groß und mannigfach die Emigrationsprobleme sind, und von welcher Bedeutung die Emigrationsfürsorge innerhalb der einzelnen Länder ist. Das Blatt wird an einzelne Auswanderungswillige, an Organisationen und Behörden des In- und Auslandes, Konsulate in Deutschland, ferner an deutsche Gemeinden sowie die Lokalkomitees und Vertrauensleute des Hilfsvereins versandt. Besondere Anerkennung hat das Korrespondenzblatt auch bei dem deutschen Auswärtigen Amt und dem Völkerbund in Genf gefunden. Weide« i. Pf., 3. August-. Herr Hauptlehrer Eiuanuel Strauß, Lehrer an der hiesigen jüdischen Volksschule, wurde von der Regierung der Oberpsalz ab 1. August zum Oberlehrer etatsmäßig befördert. Borken i. Westf., 1. August. Innerhalb des Bezirksrabbinates Borken wurde eine gemeinsame Abwehraktion beschlossen, um gegen die auch auf dem Landüberhand nehmenden Gefahren der nationalsozialistischen Arbeiterpartei, und der antisemitischen Flut vorzugehen. Eine hier statte gefundene Versammlung der Bezirksgemerndeu, zu der auch Vertreter des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erschienen waren, fand unter Leitung des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Köhler am 31. Juli statt. Vor einer zahlreich erschienenen Höhrerschaft sprach Herr Rabbiner Dr. N e u h a u s , Mühlheim-Ruhr, über die nationalistische Gefahr und entwarf aus seiner reichen politischen Erfahrung ein Bild der gesamten Bewegung, ihrer Methoden und ihrer Bekämpfung. Der Redner hatte durch seine große Sachkenntnis und durch seine besondere Rednerkunst eine gewaltige Wirkung aus seine Zuhörerschaft erzielt, sodaß nach einer längeren Diskussion alle Parteien und Richtungen sich zusammenfanden, um einen gemeinsamen Aktionsausschuß zu gründen, dessen Aufgabe darin besteht, die nötigen Schritte bei jeder Gefahr zu ergreifen. Man will hier nicht besonders als Juden austreten, sondern stets mit den bestehenden staatstreuen Pareien gegen den gemeinsamen Feind vorgehen. Unter der Parole „Juden in Not — Wahlfond 1930“, wurde ein größerer Betrag bereits an diesem Abend gezeichnet, der von dem gewählten Aktionsausschuß in neutraler Weise verwaltet werden soll. Als Leiter des Aktionsausschusses wurden die Herren Moritz Gans und Fritz Frenkel aus Borken gewählt. Uzhoroo, 1. August. Wie neuerlich gemeldet wird, wurde in der Repräsentanzsitzung der Uzhoroder orthodoxen Gemeinde vom 27. Juli dieses Jahres offiziell die Mitteilung gemacht, daß der Minister für Unterrichtswesen und Volksausklärung Dr. Derer den Bescheid des podkarpatskorussischen Landesamtes, der die Wahl des Herrn Oberrabbiners Josef K o h n aus Deutfchkreuz zum Oberrabbiner von Uzhorod als ungültig erklärte, wieder umgestoßen und die Wahl bestätigt hat. Nach dieser zweitinstanzlichen Entscheid düng beschäftigt sich die Gemeindeleitung nunmehr mit der Vorbereitung der Installation des neugewählten Oberrabbiners in sein Amt, zumal — wie ebenfalls berichtet wird - bas Innenministerium Herrn Oberrabbiner Kohn gleichzeitig das Staatsbürgerrecht verliehen hat. Anderseits ist eine Bewegung im Zuge, um dem Sohne des verstorbenen Oberrabbiners V-’xr Herrn Rabbiner Josua E r ü n w a l d , zu dessen Gunsten gegen die Wahl Protest erhoben wurde, jetzt wenigstens eine Dajanstelle bei der Gemeinde zu erwirken. Zümiliennachrichken. Geburtstag: Am 10. August wird Frau Kela Metzger Wwe. geb. Kaufmann, in Berlichingen s. G. w. 80 Jahre alt. Herr Salomon Goldbach und Frau in Unterriedenberg begehen am 10. August in körperlicher und geistiger Frische das Fest der goldenen Hochzeit. Briefkasten. I. Müller, Strasbourg. Betrag eingegangen und richtig verbucht. S. Keller, Leer/Hstfrsl. Am 23. 7. 1930, Mk. 5.— ohne Bestimmungsangabe eingegangen. Wir bitten, uns mitzuteilen für welchen Zweck diese bestimmt sind. Die lvoche. „Hasomir". Der hiesige Jüdische Mannergesangverein „Hasomir" nimmt am Samstag abend, dem 16. August, seine durch die Sommerferien unterbrochenen Proben im Vereinslokal Zeil 44 (Restaurant Rosiner) wieder auf. Zur Vermeidung von Jrrtümern machen wir wiederholt darauf aufmerksam, daß der „Hasomir“ kein ausschließlich ostjüdischer Verein ist. Anmeldungen stimmbegabter, inusikalisch interessierter Herren erbitten wir an den Dirigenten, Herrn Leo Rosenblüth, Frankfurt a. M., Merian-- straße 33, II. Jüdischer Turnerbund E. B. Der Jüdische Turnerbund E. V. unternimmt in der Nacht von Samstag, den 16. auf Sonntag, den 17. August dieses Jahres eine Nachtmit anschließender Tageswanderung auf den Melibokus (Bergstraße). Treffpunkt: um 10.15 Uhr präzise am Hauptportal des Hauptbahnhofs. Fahrpreisermäßigung! Gäste und Freunde des Jüdischen Turnerbundes sind herzlichst zu dieser Fahrt eingeladen. Der Jüdische Turnerbund E. V. weist heute schon darauf hin, daß der Wiederbeginn sämtlicher Kurse am 18. August dieses Jahres stattfindet. Das neue Programm, — das gegenüber dem bisherigen verschiedene Abänderungen aufweist — wird den einzelnen Mitgliedern rechtzeitig zugesandt. httler ln Frankfurt. In der großen Festhalle sprach am Sonntag Abend Hitler vor etwa 15 000 Menschen. Obgleich die Rede wie gewöhnlich nichts weiter als leere Phrasen enthielt, darf man sich über den Eindruck dieser Phrasen auf die zum großen Teil bürgerliche Masse der Zuhörer doch keinen Illusionen hingeben. Die Polizei hatte umfassende Vorsichtsmaßregeln getroffen, so daß alles friedlich ablief.

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