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Der Israelit · 1930-08-07 · Heft 32 (7.8.1930) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 32 (7.8.1930)
Date
1930-08-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. Nr. 32 Der Israelit 7. August 1930 Frankfurts größtes Spezialhaus bietet „Beste Qualität zu fllfe b i 11 i gsten Pr eisen“. Uhren aller Art Gold . Silber - BIG " Juwelen _ Bestecke W unD sonn Trauringe NurZeil 95 u.Töngesg. 25-27 lefzfdi Die „Israelitische Religionsgemeinschaft Ba dens" ist insofern ei-n Zwangsverband, als ein Austritt aus der Gemeinde gleichzeitig Austritt aus der „Religionsgememschaft" als der „Lan deskirche" bedeutet. Selbstverständlich kann st a a t s r e chtlich niemandem versagt werden aus der „Religionsgemeinschaft" auszutreten und trotzdem als „Israelit" sich zu bezeichnen Mitglieder der „Israelitischen Religionsgesell schuft" in Karlsruhe find aus der „Religionsge moinschaft" ausgetreten, haben sich zu einer be sonderen Religronsgesellschafi zusammengeschlvs sen und als solche entsprechend Art. 137 der Reichsverfassung die Anerkennung als Körperschaft öffentlichen Rechtes erhalten. Fijr solche Gemeinden, deren Mitglieder aus der „Rest gionsgemeinschaft" nicht Ausgetreten sind, die also der „Landeskirche" angehören, ist der Beschluß der Synode hinsichtlich des Frauenwahlrechts staatsrechtlich bindend. Auch orthodoxe Gemein den mit mehr als 600 Seelen müsse n das Frauenwahlrecht einführen. Wiewohl von zu ständiger rabbinischer Seite ausdrücklich erklärt wurde, diaß die Zulassung des passiven Frauenwahlrechts zweifelhaft bezw. nicht statthaft fei hat die Synode in anderem Sinne beschlossen und der, Beschluß der Synode ist gemäß der staatlich geschützten' Verfassung der „Israelitischen Religionsgemeinschaft Badens" für alle Mitglredsgeme-ind^n maßgeblich. Es wird somit - auf dem Wege der „Landeskirche" a u ch i n orthodoxen Gemeinden ei n W ahl m o du s e in g e f ü h r t, der nach Meinung der Gesetzestreuen dem Religionsgesetz widers p r i ch.t. Man wird sich vergeblich fragen, wo bei einer solchen Ordnung des jüdischen Gemeindelebens die Gewissensfreiheit bleibt. Staatsrechtlich wird die Antwort auf der Hand liegen, daß ja niemand gezwungen sei, der „Landeskirche" anzugehören. Aber wozu dient dann die „Landeskirche"? Außerdem wird die Gelegenheit zum Austritt aus der „Landeskirche" nur da gegeben sein, wo die Gesetzestreuen genügend! stark sind, um sämtliche für eine Gemeinde notwendigen Institutionen aus eigener Kraft zu halten. erstaunlich sicher. Auch an ihren, FeMagen hättest'die Juden keinen Anlaß gefunden, ihr Stgdtoiextel abzuschließen; sonderndes bleibe, jedem '.'zugänglich/ Der Chacham Baschi habe die strenge Gerechtigkeit'des. Imam lobend ermahnt. y': .. " Über Hst! Sluswanderüngsstage hat der Berichterstatter keine besonderem BeoLächhlngen'aygestellt Doch bestehe das Bestreben, Kapitalflucht zu hindern. (Wir halten diesen Bericht für reichlich „offiziös". Dafür können Tausende von yemenitischen Juden in Palästina Zeugnis oblegen Red.) Berantwortlich für den allgemeinen Teil uttd das Feuilleton <5. Sch achnowttz, Frankfurt a. M.; Inserate, t. B.: S. Schachnowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag des Israelit und Hermon G. m. b. H., .Frankfurt a. M. — Druck: Hermon-Druckerei, Frankfurt a. M. Wocheükalender. v. 8. — 16. August 1830 ' v. 18. — 22. Ab 8688 Samstag 9 15 Sonntag 10 16 Montag 11 17 Dienstag J? CO 12 3K 18 Mittwoch e- 13 19 Donnerstag 14 20 Freitag 15 21 Samstag 16 22 1V5 nvan N2V pnnni Ist dies nicht der Fall, so versagt die „Landes kirche" ,chen betreffenden Juden durch solche Beschlüsse die Möglichkeit, na ch i h re m,G e w i s - s e n>i hre Religion a u's zu üben. Das sind die Wirkungen eines Zwangsverbandes, bei dem ^programmatisch alle „Richtungen" bes Judentums zu ihrem Recht kommen sollen. Auch der Preußische L a n d e s v e r - b anhij üdischer G emes,Nd en hat inseinem Entwurf zum preußisch e n Judengesetz die zwangsweise Zugehörigkeit zu einem Landesverband und di zwangsweise Einführung des F r a u e n wähl r echts verankert. Mögen die Gesetzes t r e u e n, w e l ch e d u r ch d i e Zugehörigkeit zu diefem Landes - verbau d m i t ihrem Namen diese n d >e r Preußischen Regierung einger e i ch t e n E n t w u r f decken, a n d e m badisch -e n Vorbild -ermessen, welche Verantwortung sie für die Zukunft des deutschen.Judentums tragen. WmponSenre« » Nachrichten. Aeukfches Reich. Dr. Ludwig Haas f. A. Frankfurt a. M., 4. August. Der bekannte demokratische Reichstagsabgeordnete und ehemalige badische Staatsminister, Dr. Ludwig Haas, ist, wie die Tagesblätter melden, fünfundfünfzigjährig, in Karlsruhe nach längerem Leiden gestorben. Die orthodoxe Judenheit hat besonderen Anlaß, dieser Persönlichkeit, die, ob. auch von Jugend aus in gänzlich entfremdetem liberal-jüdischem Milieu erzogen, doch allmählich starkes jüdisches Interesse sich aneignete, ein Woart dankbaren Gedenkens zu widmen. Dr. Ludwig Haas wurde kurz nach der Eroberung Warschaus durch die deutsche Armee vom Generalgouvernement in Warschau als Leiter der deutschen Schul- und Kirchenabteilung nach Polen berufen, und in seine Hand war demnach in jenen schicksalsschweren Zeiten das Los des religiösen polnischen Judentums gelegt. Dr. Haas, das darf heute um der historischen Wahrheit willen ausgesprochen werden, stand zunächst der neuen Welt, die sich ihm dort erschloß, gänzlich fassungslos ge genüber..Er wollte um der physischen Zukunft der jüdischen Jugend willen das Cheder und mit ihm das ganze religiöse Unterrichtswesen mit einem Schlage beseitigen, ohne eine Ahnung von den Konsequenzen dieses Schritts zu besitzen. Eine glückliche Fügung wollte, daß ihm von Seiten' der deutschen Orthodoxie damals dieRabbinen Dr. Pinchas Ko.hn und rterj» Dr. Emanuel <^!ä r l eb'a ch als Ratgeber zur Seite gestellt wurden. Namentlich der erstere erwarb sich allmählich die Freundchaft und die Verehrung von Dr. Haas in so hohem Maße, daß dieser nicht nur in seiner Kulturpolitik fast gänzlich den Ratschlägen Dr. Kohns folgte und daß hierdurch vor allen Dingen das Cheder gerettet war, sondern daß Haas auch weit darüber hinaus bis an sein Lebensende in rührender Verehrung und Liebe seinem rabbinischen Freunde zugetan blieb. Seinen weisen Rat haf er später oft in allgemein-politischen Angelegenheiten eistgeholt, und Freunden gegenüber sprach er aus, daß er die in Polen erworbenen Beziehungen zu der ihm bis dahin gänzlich fremden Welt des orthodoxen Judentums in Deutschland als eine der kostbarsten Crrungenchaften seines Lebens betrachte. Die Rückwirkungen auf seine eigene religiöse Innerlichkeit blieben nicht aus. Eine ideal gesinnte, von tiefer Vaterlandsliebe und starkem menschlichen Wollen beseelte Persönlichkeit ist mit Dr. Haas dahin gegangen, an dessen Bahre die ganze deutsche Judenheit trauern darf. Die Deutsche Staatspartei und der Antisemitismus. Berlin, 31. Juli. Die in diesen Tagen neugegründete Deutsche Staats- , , Partei, in der sich bekanntlich die Demokratische Partei und die Mit dein JungdeütschM Orden M'erbundenW - Volksnationale Vereinigung mit einigen anderen Gruppen zusammengeschlossen haben, rief wegen der Verein- ■ düng mit der Volksnationalen Vereinigung in einem Teil der Demokratischen Partei eine unklare und' mit Zweifeln beladene Vorstellung in Bezug crüf dTeiungdeutsche Mythologie in Rassefragen hervor. In der Abstitnmungsaussprache des Demokratischen Parteiausschusses forderte der stellvertretende Vorsitzende des Zentral- Vereins, Dr. Bruno Weil, ein klares Bekenntnis, daß der Antisemitismus in der neuen Partei keinen Raum habe. Anläßlich der Vorgänge im Demokratischen Parteiausschuß über die neue Staatspartei und ihre Stellung zum Antisemitismus befragt, teilt Dr. Bruno Weil der- ITA mit: - - - Diese neue Partei ist aus der Vereinigung der alten Demokratischen Partei mit der vor etwas mehrmals Iahresfrist gegründeten Volksnationalen Vereinigung, einer Anzahl christlicher Gewerkschaftler und junger Volkspar- ' teiler hervorgegangen. Bei der gestern stattgehabten Beratung des Demokratischen Parteiausschusses ist die Frage nach der Stellung der neuen Partei zur Judenfrage mehrfach aufgeworfen worden. Die Volksnationale Vereinigung 'nimmt an sich Mitglieder ohne Unterschied de? religiösen Bekenntnisses auf, steht aber ini personalen Zusammenhang mit dem Jungdeutschen Orden, in dessen Bestimmung der Arierparagraph enthalten ist. In seinem Referat wies der frühere Minister Erich Koch-Weser darauf hin, daß der Vorsitzende der Volksnationalen Vereinigung es als Verleumdung erklärt habe, wenn man ihn des Antisemitismus beschuldige. Er selbst, Koch, werde unter keinen Umständen in einer Organisation Mitwirken, die irgendwie judenfeindlich sei. In der Diskussion habe ich dann nochmals auf die Bedenken hingewiesen, aber gleichzeitig erklärt, daß, wenn in der Geinnung der Volksnationalen Vereinigung eine Wandlung eingetreten sei, dies vom allgemeinen und jüdischen Standpunkte aus begrüßt werden soll. Die jüdischen Demokraten schloffen sich der neuen Partei in der Hoffnung an, daß auch die aus anderen Lagern kommenden P'eronen sich von jedem Vorurteil gegen Juden frei fühlen und in der sicheren Erwartung völliger Gleichberechtigung. Im weiteren Verlaus der Diskussion nahm eine ganze Reihe nichtjüdischer Redner, darunter die Reichstagsabgeordnete Frau Bäumer und der Landtagsabgeordnete Grzimek, in gleichem Sinne Stellung. Die deutschen Juden werden es begrüßen, .wenn in der Tat ein nicht unwichtiger Teil des deutschen Volkes sich vom Antisemitismus abwendet. Sie arbeiten an der neuen Partei vertrauensvoll mit, in der Erwartung, daß die.'gui.e Tradition der Demokratischen Partei hier fortgesetzt witdl .Es ist im übrigen noch zu bemerken/ daß der Jüngdeutsche' ' Orden schon seit geraumer Z»eit in heftigem Känchf hegest Hitler" und seine Scharen' Pöht und /düst hie neue' ''; Partei die ^Führung des Kampfes gegen/die Nationalsozialistische Bewegung üdernommÄr hat.! J! I,!!' : .!v ■'!!!;> Ein Schreiben der Staatspartei an den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Berlin, 1. August. Die, Deutsche Staatspartei richtete an; den Zentral- Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens das folgende Schreiben: „Die Deutsche Staatspartei hat von vornherein in ihrem Aufruf und in den Darlegungen " ihrer Führer erklärt, daß sie ohne politische und konfessionelle Engherzigkeit und ohne Klassengebundenheit ihre Tore weit geöffnet hält. Das bezieht sich nicht nur auf die- Mitgliedschaft, sondern auch auf die führenden Stellungen in der Partei und in der künftigen Fraktion. Einig ist man sich nur darüber, daß den jungen Kräften aller Schichten eine weitgehende Mitwirkung an der Führung eingeräumt und daß die Deutsche Staats- -partei ihren Willen entschlossen für die Verwirklichung der notwendigen großen Reformen einsetzen wird." gez. Koch-Weser gez. Dr. Winschüh.

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