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Der Israelit · 1930-07-31 · Heft 31 (31.7.1930) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 31 (31.7.1930)
Date
1930-07-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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31. Juli 1930 Der Israelit Nr. 31. Seite 5 Gegen das Wundlaufen der FUsse und gegen Fußschweiß ist KAISER-BORAX» das zuverlässigste und:, beste antiseptische Heil- und Vorbetr^ungsmittel. Tägliche Fussbädef mit Zusatz von KAISER-BORAX (2—3 Kaffeelöffel auf ca. 3 Liter Wasser) wirken nicht nur reinigend und erfrischend, sondern besonders auch schweissverhindernd, heilend u. kräftigend; sie verhüten das schmerzhafte Wundwerden und Brennen der Füsse und beseitigen den lästigen Schweißgeruch. Bei besonders starkem Fußschweiss empfiehlt es sich, nach, dem Baden die Fußsohlen (nach gutem Trockenreiben) mit KAISER'BORAX-Wundpuder zu bestreuen. Beim Einkauf verlange man ausdrücklich die Marke KAISER-BORAX in den roten Originalpackungen mit ausführlicher Gebrauchsanweisung. — Heinrich Made Nachf.. Ulm a. D. Wenn es daher Aufgabe des Menschen ist, sein Leben und das Lebendige auf eine immer höhere Stufe der Lebensvollkommenheit zu führen, es dem Nur-Lebendigen immer mehr zu nähern, so müssen alle seine Handlungen, alle seine Bewegungen aus dem kollektiven Lebenstrieb, d. h. aus seinem Trieb, geboren sein. Alle seine Handlungen müssen für seinen übergeordneten kollektiven Organismus lebensnotwendig sein und zu -einer neuen Einswerdung mit diesem kollektiven Organismus führen. In dem Aufsatz „Offenbarung" („Jsraelt" Nr. 22) habe ich dargetan, daß die Thora die lebendigen Bewegungen des dem einzelnen Juden übergeordneten kollektiven lebendigen Organismus: „jüdisches Volk" enthält. Solange wir Juden die Mizwaus als die individuelle Gesetzespflicht eines jeden Einzelnen von uns erfüllen und zu diesem Zweck unseren Trieb bezwingen und überwinden zu müssen glauben, solange tun wir das Gegenteil dessen, was das Leben und die Thora von uns verlangen. Wir. vervollkommnen nicht unser Leben, wir vernichten es. In dem Augenblick aber, in dem wir beginnen, jede unserer Mizwaus nur als die lebendige Bewegung des jüdischen Volkes zu erfühlen, Zu erleben und auszuüben, in diesem Augenblick leben wir unserem Triebe gemäß. Wenn auf diese Weise eine Anzahl Juden dem (kollektiven) Triebe gemäß lebt, werden sie eine Ansammlunggesunder Zellen im Volksorganismus. Ihre kollektiv-organischen Bewegungen stellen, bewußt kollektiv-organisch ausgeführt, Atemübun gen des Volksorganismus dar." Wie durch "bewußte Atemübungen, die der Lebensstruktur des Menschen entsprechen, auch die unbewußten Htembewegungen tiefer und kräftiger werden, also offenbar aus einem durch die Hebungen vermehrten Lebenstrieb hervorgehen, dieser daher durch die Atemübungen gestärkt sein muß, so werden auch dier bewußten - tollektw-lebendigen Bewegungen einer gesunden Zellenanhäufung des jüdischen Volkes den kollektiven Lebenstrieb des ganzen Volkes, in thoratreuen und nichtthoratreuen Juden, erneuern und vermehren. I e d e r Jude wird rein triebhaft zur Erfüllung aller Thoravorschriften gedrängt werden; denn der Trieb breitet sich von selbst von den gesunden Zellen her über den ganzen Organismus aus. Es bedarf nur der Abkehr von dem Mißverständnis, die Thora fei bloßes Gesetz; es ist lediglich erforderlich, die Thora als kollektiv-organische-beb endige Bewegung des jüdischen Volkes ausZuüben.. ' Die sittlich freie Tat, die in solcher triebhaften . lebendigen Bewegung . liegt, besteht darin, daß der Handelnde sich, bewußt, der lebendigen Pewegung. hingibt, anstatt im. Egoismus, d. h).In einer aus der. Ueberlegattg mnd dem Willen, geborenen Tat die lebendigen Zusammenhänge des kollektiven Organismus und seiner^elbst mit diesem Organismus zu zerschneiden und dadurch Interesse und Bedürfnisbefriedigung als die angeblich maßgebenden Mächte des Lebens hinzustellen. Das jüdische Volk, das mit der Thora seine lebendigen kollektiv-organischen Bewgeungen genau so kennt wie jeder Mensch seine lebensnotwendigen Atembewegungen, ist daher als einziges-Volk der Erde in der Lage) kollektiv-organische Bewegungsübungen auszuführen und dadurch als einziges Volk der Erde Gewußt den („guten") Trieb zu erneuern unkst zu stärken. Weinen muß man darüber, wie wenig bisher diese ungeheure g'ttliche Gnade verstanden und gebraucht worden ist, wie man im Gegenteil die Freiheit zum Wollen, gleich dem ^Christentum, dem Islam und dem Buddhismus/, zur Triebvernichtung angewandt hat. Laßt uns umkehren? Noch ist es Zeit! Mit der Thora als lebendigorganischer Kollektivbewegung des jüdischen Volkes werden wir so leben, wie es ö$r Ncckur gemäß ist, und nichts Natürlich-Lebendiges wird uns fremd bleiben: Wir können, dürfen und müssen uns "dann ausleben; unser gesund gewordener Trieb wird uns dazu drängen, nur der Thora, der Natur und dem Lebendigen entsprechend zu leben. Dann werden wir, das jüdische Volk, die Menschheit und der Kosmos zu den Höhen des Lebens emporsteigen. Maasser und Armengesetz, ein Moses mit seinem ■jm dt bv Tiöjm «b i'nrr ’nv mit seinen Vorschriften über das gerechte Verhältnis von Kapital und Arbeit nach den Grundsätzen der gütlichen Thora. Moses mit seinem Manna — und die Menschheit wäre erlöst, im jüdischen Kreise wenigstens würde damit das Morgenrot eines neuen Tages aufgehen. - Ähron, der Friedensfürst, müßte kommen, mit seinen Ehrenwolken, die Berg und Tal auszugleichen und Hindernisse *< ags dem Wege zu schaffen vermochten: e r müßte kommen, der mit der Opferpfanne „zwischen den Lebenden und Toten stand, daß der Seuche . Einhalt geboten ward". Zwölf Jahre nach dem blutigsten Kriege, den je die Menschheit in ihrer langen Leidensgeschichte gesehen, spielt man immer noch in gewissen Ländern mit dem Worte Krieg, werden noch schlechte Pläne geschmiedet, Rüstungen ausgeführt und diplomatische Geheimkünste gepflegt, die auftz Massenmorden abzielen. Im Lande, das am meisten und am nötigsten den Frieden hat, in unserem Deutschland, wütet in den Parlamenten und im Partejleben ein K-ckmpf aller gegen alle. Eine Flut ohne Ebbe, und sie macht vor der Schule nicht Halt. Deutschlands akademische Jugend, die Führer von morgen, stellen die Meßjungen und Fahnenträger für diese unheilige Prozession des Menschenhasses. Was soll werden? Die drei Nöte. Zeitgemäßes zum neunten Am. Wir hätten unsere Tränen umspnst geweint und unsere Klagelieder umsonst hinausgesungen, wenn wir nicht die Tränen und Klagelieder um Jerusalem zum Memento der inneren Abrechnung machten, wenn sie nicht zu d>em führten, was unsere Moralphilosophen Vvm ftoirm nannten. Die Lage in der Welt und in Deutschland, die Lage im I u d e n t u m drängen dazu. Seitdem es Mensch- und Volksgemeinschaft auf Erden gibt, waren diese von dreifacher Not geschüttelt: der wirtschaftlichen Not, für ein Volk der Kollektivbegrisf des Brotkampfes des Einzelnen; der politischen Not, durch Parteiung und Unfrieden bedingt, eine Multiplikation des Unfriedens, der im Herzen des Menschen sitzt und im engen Menschenkreise frißt; dersittlichen Not, unter die all das zu rubrizieren ist, was ein Volk an geistigen und ethischen Gütern infolge von Anbetung .hohler Zeltgötzen einbüßt. Israel in der Wüste waren drei 3:ü^rer g-ebert. Vtnv’V on* 1? nasr v'2iv trens ^'„Drei gute Führer waren dem jüdischen Volke erstanden". Moses, der mit dem Himmelsbrot des Manna das w'i r t s ch a f t l i ch e Problem löst, A h to n, der mit den von ihm herabgeleiteten E h r e n - wölken, ein Priester des Friedens und -der Liebe, die politische Not behebt, zuletzt M ir i a m , mit ihrem W u n d e r b r u nn e n; Hüterin mütterlicher Treue, des Quelles, aus dem Reinheit und Glück für das Volk fließt. Mit dem Tode dieser Führer ward Israel nacheinander der Brunnen, das Wolkengeleit und das Manna genommen. _>• ' Solche Führer täten dMt-e öef' Welt, unserem Vaterland ustd dem Judentum, in ihrer dreifachen schweren' Bedrängnis bitter not! J - Unsere wir t sch a s t l i che Not ist - eine Weltnot. Die Krise auf dem Weltmarkt wirkt sich in allen Ländern bis ins letzte Haus aus. Deutschland aber blutet aus tausend,-durch einen verlorenen Krieg geschlagenen Wunden, hat schweren Tribut zu zahlen und hat somit den größten Anteil an dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft. Die I u den.haben, wie immer, in diesem Weltschmerze, ihren eigenen großen Bezirk. Zu den allgemeinen Problemen kommen die spezifistisch jüdischen:, der Sabbat, der Abbau, Untergang des Mittelstandes. Ein M o s e s müßte kommen, der mit dem Manna und mit dem, was dem Mannawunder zu. Grunde liegt, einen Weg durch dieses Meer der Not fveilegt. Ein Moses, mit seinem S ch e m i t o und I o b e l, seinem Daß aber in unserem eigenen jüdischen Kreise gar zu oft die Einheit und Geschlossenheit fehlen, wo man sie auf einer weltanschaulich gleichen Basis hoffen und erwarten müßte, Macht unsere eigene politische Not aus. Wann wird Ahron kommen, der „liebt den Frieden, erstrebt den Frieden, liebt die Menschheit und bringt sie in Thoranähe?" Wie konnte aber bei der äußeren Not des Lebens die innere, die g e i st i.g e und sittliche N o t entstehen, die doch sonst wohl nur Ausfluß und Symptom eines Ueberflusies, einer Uebersättigung und eines Uebermaßes an Glück und Wohlleben ist? Wie konnte Miriams Brunnen zu einer Zeit versiegen und versagen, da die Menschheit in ihrem Jammer seiner am meisten brauchte, nach seinem Wasser lechzt? Die sittliche Not ist die Not aller Nöte, und wir Juden, sagen wir es offen heraus, haben unseren Anteil auch an dieser Not. Miriams Brunnen fehlt der Menschheit. Andere Brunnen öffnen sich überall, denen schlechtes Wasser entströmt. o'-dbü Irma onb oirrnb 0"n o>» npa iov miu -v'NN ib'2' rrb nvrr „Mich haben sie verlassen, den Quell lebendigen Wassers, um sich .zerbrochene Zisternen! zu graben, die das Wasser nicht halten". Es ist nicht Miriams Brunnen, der aus den Strand- und Familienbädern einer - neuen Menschheit entgegenstrahlt. Jener Wander- und Wunderbrunnen ist versiegt, die anderen Brunnen entstehen heute aus jedem Düngerhaufen im letzten Dorfe. Es bedarf dazu keiner Wellen, keines Sandes und keines Strandes, es genügt schon ein Bassin vor einer Wiese, auf der lockerer Sinn und lockere Sitte in der dazu passenden Kleidung ihre Orgien feiern: Daß sittliche Not mit wirtschaftlicher und politischer Hand in Hand gehen, ist kein Novum in der Welt- und in der jüdischen Geschichte. Schon Jesajas schilderte das Leuchten der falschen Lichter, das Rauschen wilder Tänze, den Jubel und das Gelage in der Nacht vor dem Untergänge. Es ist dieses, das haben die Vesten aller Konfessionen längst eingesehen und ausgesprochen, ein verhängnisvoller Rückfall in das Hellenentum, nicht in Hellas' einstige Blütezeit der schönen" Künste, und fcfjöpfcrischen ethischen Kultur, nein, in das Späthellenentum bacchantischer Freuden, und lüsterner Nackttänze vor. und auf dem Olympus, ins Hellenentum vor seinem Untergänge. t Eine Welt sollte sich für einen Ta g auf den Boden setzen und Abrechnung mit sich halten, um sich dann vom Staube in höhere Schichten des Denkens und Lebens zu erheben.

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