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Der Israelit · 1930-07-24 · Heft 30 (24.7.1930) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 30 (24.7.1930)
Date
1930-07-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 2. Nr. 11 Der Israelit Blätter 24. Juli 1930 der Sabbat als Arbeitstag ausfällt. Kommt nun die erzwungene Sonntagsruhe hinzu, so dürste das Schicksal jener Betriebe in den meisten Fällen damit besiegelt sein. Aber nicht das Geschick jener Unternehmer ist es, das die Veranlassung zu dieser Hingabe, bildet. Gewiß verdienen auch sie die Sympathie aller redlich Denkenden, aber ihnen wird es in den meisten Fällen möglich sein, gestützt auf ihre Kapitalien, als Kommanditisten, Grundbesitzer oder sonstwie ein neues Feld der Tätigkeit zu finden. Unvergleichlich schlimmer ist das Los der Angestellten und Arbeiter, die aus Ueberzeugung und Tradition den Sabbat heiligen, falls die Unternehmungen, in denen sie beschäftigt sind, unter dein Drucke der Sonntagsruhe eingehen oder in andere Hände gelangen und am Sabbat den Betrieb nicht mehr ruhen lasten. Auf den Ertrag der Arbeit ihrer Hände angewiesen, stehen sie vor der entsetzlichen Wahl, ihre religiöse Ueberzeugung preiszugeben und damit alles, was sie in einer Welt der Not und Sorge aufrecht erhielt — oder aber auf Monate und Jahre hinaus selber — und mit ihnen ihre Frauen und Kinder — dem Elend anheim zu fallen. Der Ausdehnung des wöchentlichen Ruhetages auf alle arbeitenden Menschen und einer möglichst ausnahmslosen Sicherung dieses Ruhetages stehen wir gesetzestreuen Juden, die wir.felbsb uns dieser Wohltat seit Generationen erfreuen^ mit wärmster Sympathie gegenüber. Was wib erbitten und fordern, ist nur, daß es uns, den ältesten Verfechtern jenes erhabenen Gedankens, nicht unmöglich gemacht werde, unfern eigenen Ruhetag, das teuerste Erbgut unserer Ahnen, unsren Kindern und Enkeln zu erhalten. (Schluß folgt.) Ein bedeutsamer Erfolg der „Agudas Jisroel" in Sachen der Kalenderreform. Warschau, 20. Juli. Der stellvertretende Außenminister Polens, Dr. W y s o ck i, empfing eine Delegation der polnischen Landesorganisation der Agudas I i s r o e l, die von dem Präsidenten des Zentralrates, Oberrabbiner L e w in-Rzeszow, geführt wurde. Oberrabbiner Lewin stellte eingehend die schweren Gefahren dar, die nach der Ueberzeugung der orthodoxen Judenheit nicht nur dieser, sondern für alle religiös-gesinnten Kreise, die auf biblischem Standpunkt stehen, aus der geplanten Kalenderreform mit Blankotagen erwachsen würden. Der Minister gab die Erklärung ab, daß der polnische Delegierte beim Völkerbund, S o k a l, d e n S ta n d p u n k t d e r orthodoxen Juden gegen di e K a l e nd e r r e f o r.m v e r t r e t e n wer d e . Polen und Amerika. Ein Interview mit Rabbi 3. M. Lewin. Kurz nach seiner Heimkehr aus Amerika gewährte der bekannte agudistische Führer, Herr I. M. L ew in in Warschau, einem Redakteur des „Jüdischen Tageblattes", ein Interview, in dem er der Oeffentlichkeit eine Aufklärung über den Zweck und die Erfolge seiner Amerika-Reise gab. „Was -war der Hauptzweck Ihrer Reste?" fragte der Redakteur. „Zunächst hatte ich im Auge, mit Vertretern des Joint und der I. C. A. wegen der konstruktiven Hilfe für die polnische Judenheit zu konferieren. Es muß dabei wiederholt betont werden, daß die Schaffung eines eigenen Verbandes der orthodoxen Cooperativgenossen schäften nicht auf separatistische Eigenbrödelei zurückzuführen ist. Die Entwicklung der Dinge in, den letzten Jahren hat nachgerade dazu g e z w u n g e n. Wurde doch von den Machthabern des zionistischen Zentralverbandes ein systematischer Kamps gegen jeden religiösen Einfluß geführt. In den leitenden Körperschaften des Verbandes hatte, kein einziger orthodoxer Jude Sitz.; .Viele Institutionen wurden nur aus dem Grunde in den Verband nicht ausgenommen, weil sie von orthodoxen Männern geleitet werden. Man hat überdies in der Cooperative stets die Kaufleute auf Kosten der Handwerker benachteiligt. So ergab sich die'Notwendigkeit, einen eigenen Verband der orthodoxen Kaufleute ins Leben zu rufen. In meinen Konferenzen mit dem Joint-Führer, Felix Marburg in Newyork, gelang es mir, die Existenznotwendigkeit des Verbandes und seine in der kurzen Zeit gezeitigten Erfolge überzeugend nachzuweisen. Die Zentral- B a n k in Warschau ist eine Schöpfung des Verbandes. Von der Gegenseite wurde keine Mühe gespart, in Amerika den Eindruck zu erwecken, als wollten wir mit unserer Gründung nur die Einheit des polnischen Judentums stören. Als Erfolg meiner Reise und mündlichen Aussprache darf verzeichnet werden, daß die maßgebenden Faktoren in Amerika doch nun anfangen, mehr Verständnis für unsere Gründung zu zeigen und auch schon Kredite bewilligen. Veranstaltungen der Palästina-Zentrale in den Kurorten in der Zeit vom 27. 3uli bis 13. August. 2. Am bis 19. Am. 27. Juli: Bad Homburg, Hotel Braunschweig 2. Aw 30. Juli: Bad Nauheim, Vortragssaal d. Syn. 5. Aw 4. August: Jugenheim, Hotel Sandmühle 10. Aw 7. August: Herrenalb, Schwarzwald^-Hotel 13. Aw 10. August: Baden-Baden, Hotel Tannhäuser 16. Aw 13. August: Badenweiler, Hotel Bellevue 19. Aw Die Veranstaltungen beginnen abends 20.15 Uhr. Interessenten sind sreundlichst eingeladen. Palästina-Zentrale der Agudas 3 isrotzk □□□□□□□□□□□□□□□□□ „Was versprechen Sie sich von der jetzt stattgehabten Konferenz der Joint-Foundation in Berlin?" „Gerade dort zeigte sich ein erstes Ergebnis unserer Aufklärungsarbeit. Wurde doch dort beschlossen, jede einzelne jüdische Cooperative in Polen zu unterstützen. Das bedeutet im Prinzip die Aufhebung der bisherigen Monopolstellung des Zentral-Verbandes in Bezug auf Kreditgewährung, wenn auch leider noch nicht unsre gleichberechtigte Anerkennung als Verband. Die Arbeit der Orthodoxie kommt damit auch allen anderen Institutionen zugute, die mit Orthodoxie nichts zu tun haben, die aber ebenso wie wir unter der Abhängigkeit von der sogenannten „Zentrale" mit ihren parteiischen Tendenzen schwer zu leiden hatten. Sind also noch lange nicht all unsere berechtigten Wünsche erfüllt, so werden wir aber mit allen gebotenen, ruhigen und friedlichen Mitteln kämpfen und dahin arbeiten, daß die letzte Ungerechtigkeit gegen die Orthodoxie aufhört. Uebrigens war es grade der orthodoxe Verband, der an den Zentralverband mit einem Ersuchen heranging, einen Kontakt zwischen den verschiedenen Verbänden und Institutionen zu schaffen; ein Beweis, wie gerade d i'e Orth o d o x i e a u f den Frieden hinar - beit e t. Herr Lewin schildert die Lage auf dem «Gebiete der Erziehung in Polen als katastrophal. Seine Bemühungen in Amerika ' waren daraus gerichtet, daß man dort der Gefahr sich deutlicher bewußt werde, und es ist zu hoffen, daß größere Unterstützungssummen für die religiöse Erziehung bewilligt werden. Dazu wäre aber unabweislich erforderlich, daß die religiösen Führer in Polen endlich den Beschluß der zweiten K e n e s s i o G e - daulo zur Ausführung bringen — bezüglich der Gründu n g von Fachschul e n für d i e ö k o n o m i f ch r u i n i e r - t e n jüdischen Massen a u s de r religiösen Schicht. Für diese Schulen ist das größte Interesse und weitgehendste Unterstützung in Amerika zu erwarten. Sobald von uns der erste Schritt dahin getan wird, ist die weitere Entwicklung dieser Schulen vollkommen gesichert. Herr Lew in teilt noch zuletzt einiges aus dem jüdischen Leben in Amerika mit. 7Die amerikanische Judenheit durchlebe zur Zeit eine schwere wirtschaftliche Krisis. Zur Erinnerung an Oberrabbiner Dr. Meier Lerner V'XT. Zu den vielen mehr oder minder bewußten Jrrtümern über das Wesen der Orthodoxie in Deutschland gehört der Glaube, als ob die Orthodoxie kein eigentliches Interesse am Aufbau Erez Jisroels habe, und daß die Betätigung auf diesem Gebiete teilweise aus einer „Konkurrenzangst" gegenüber der zionistischen Organisation entspränge und andererseits, daß die Agudas Jisroel nur durch das «Schwergewicht der östlichen Massen mit ihrer Erez Jisroeleinstellung den Westen widerwillig teilweise mit sich gerissen habe. Dieser.Glaube ist bis weit in die Reihen der Agudas Jisroel selber verbreitet und es ist deshalb von größtem Interesse, historisch nachzuprüfen, wie ragende Führerpersönlichkeiten der deutschen Orthodoxie sich zur Erez Jisroel-Arbeit zu einer Zeit gestellt haben, als von „Agudas Jisroel" noch nicht die Rede war. Als i m I a h r e 1 8 9 8/5658 die bekannte Erklärung der Protestrabbiner erschien, welche erklärte, daß der Zionismus mit dem religiösen Judentum in'Widerspruch stehe, veröffentlichte Rabbiner Dr. S ä l o m o n B r e u e r gemeinsam mit dem Vorstand d e 0 r t h o d ü x e n Rabbinerverbandes folgende Resolution: 1. „Die Erklärung der Protestrabbiner beruht aus einem Irrtum. Die offen vorliegenden Theorien des Zionismus kollidieren keineswegs mit den religiösen Dogmen, dagegen kann es den Prinzipien der deutschen Orthodoxie nicht entsprechen, einer Leitung Folge zu leisten, die anderen Prinzipien huldigt. 2. Es ist Pflicht der Orthodoxie, zu der religiösen Angelegenheit ersten Ranges, der Kolonisation Palästinas, tatkräftig Stellung zu nehmen und in dieser Beziehung selbständig durch eine Parallelaktion vorzugehen, und dieselbe durch Unterstützung der heimischen Bevölkerung bei Koloniengründung zu betätigen. ' - 3. Diese Frage hat mit den religiösen Hoffnungen der messianischen Erlösung der Nation gar nichts zu t u n. Wie halten uns dabei ohne jede Neuerung an unsere alte Tradition. 4. Das Projekt der Staalenbildung bleibt wie jede politische Institution in dieser Beziehung vollständig außer Programm."^ Elf Jahre später, i m D e z e m Be r 19 0 9 (Zem es 5 6 9 6), ein halbes Jahr nach der grundlegenden Homburger Konferenz, aber noch ca. 2% Jahre vor der Kattowitzer Gründungs--

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