Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1930)
- Date
- 1930-07-24
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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24. Juli 1930 Nr. 11. Seite 3 Der Israelit Blätter Versammlung der Agudas Jisroel hat der nunmehr Heimgegangene Oberrabbiner Dr. Meier L e r n e r den Punkt 2 der Resolution des orthodoxenRabbinerverbandes verwirklicht und hat durch die G r ü ub u n g der „ M o r i a " vor aller Welt dokumentiert, daß ErezJisroelauch in d e r G e g e n w a r l kein Monopol der Zionisten se!i. Die Statuten der Moria sind so bedeutsam, daß ein Auszug hier folgen möge. Sie lauten folgen- , dermaßen^ §1. Zweck der Moria-Organisation ist die Förderung der Kolonisation Palästinas auf religionsgesetzlicher Grundlage. Diese Aufgabe soll der Jugend ein Ideal geben, das in ihr, religiöse Treue zu befestigen geeignet ist, und zugleich die Basis zum Zusammenschluß der religiös-gesinnten jüdischen Kreise aller Länder bilden. 8 2. Die Organisation gliedert sich in Lokal- und Provinziälkomitees und Landesverbände: der Vorsitzende des Landesverbandes ist Mitglied des Zentralkomitees, welches die Gesamtvertretung der religiös-gesinnten Kreise der Judsnhejt aller Länder bildet. 8 3: Mitglied kann jeder erwachsene und unbescholtene Jude beiderlei Geschlechts werden, der im Sinne des jüdischen Gesetzes lebt und demgemäß den Sabbat nicht entweiht. 8 4. Der Mindestbeitrag, ein halber Schekel, in Deutschland ist Mk. 0.50, in Oesterreich-Ungarn Kr. in Rußland % Rubel, in England 1h Schilling usw. wird in der Regel jährlich am 13. Adar eingezogen und von jedem Juden angenommen. . .■ ' In Anbetracht des hochwichtigen Zweckes werden von Einzelnen, Vereinen oder Stiftungen, die sich unserer Organisation anschließen, höhere Beiträge erwartet. 8 6. Zur Besiedlung Palästinas werden nur solche Kolonisten zugelassen, deren gesetzestreue Lebensweise von vertrauenswürdiger Seite bestätigt wird. 8 6. Die Moria-Organisation ist verpflichtet, in Gemäßheit der Grundsätze des überlieferten Judentums, welches das Landesgesetz zum verbindlichen Religionsgesetz erhebt, mit den Behörden der ottomanischen Regierung stets loyale Beziehungen zu unterhaltend Für dieses Programm hatte Herr Oberrabbmer Dr. M. Lerner b":sT eine Reihe hervorragender Gesinnungsgenossen aus Deutschland, aber auch aus dem übrigen Europa und Amerika gewonnen. Die Namen derselben sind in dem hochbedeutsamen hebräischen „Kol Kore" beigefügt, den damals Herr Oberrabbiner Dr. Lerner y'XT veröffentlichte und dessen Wiedergabe wir uns noch Vorbehalten. Es ist jedenfalls sehr bemerkenswert, daß hier eine spätere Tätigkeit der Agudas Jisroel, nämlich diejenige der Palästina- Zentrale, bereits von dem großen Heimgegangenen antizipiert wurde. Als später die Palästina- Zentrale der Agudas Jisroel gegründet war, gestattete Herr Oberrabbiner Dr. Lerner ^**7 die Verschmelzung der „Moria" mit der Palästina- Zentrale. Deren Tätigkeit, besonders auch auf dem Gebiete der Jugenderziehung im. heiligen Lande,, fand.stets seine regste Anteilnahme.und Förderung. Noch in. seinem letzten Lebensjahre hat er ü. a. über dieses Schulwerk anläßlich der Adar-Aktion Worte gesprochen, die heute, nachdem er uns Entrissen ' worden, äst, nochmals hier wiederholt werden sollen: „Die Spende des halben Schekel, zu welcher der erste Ada'r auffordert, erinnert uns an die Halbheit, die alle unsere Leistungen kennzeichnet. Der Psalmist sagt: der eine Bruder kann nicht den anderen auslösen, v» msi ma sb ns, er muß aufhören zu sein für immer Aber, fügt der Psalmist hinzu “w m" „Er wird dennoch leben ewiglich". Der Psalmist will sagen, daß das Irdische vergänglich und der Vergänglichkeit unrettbar anheim fällt, das Geistige aber lebt ewig fort und reift über allen Wandel des Irdischen erhaben zur Ewigkeit hinan. Wer also den halben Schekel für den Dienst des Schulwerkes der Agudas Jisroel in Erez Jisroel spendet, durch das ein Geschlecht herangezogen wird, das trotz aller wechselnden Verhältnisse an den übrekommenen Idealen sesthält, hat ein Ganges gegeben, ein Geistiges, einen ewigen Wert." -NL 2 11 V ' >1 ' 1 Es klingt auch heute wie ein Trost aus diesen Worten. Wenn auch sein irdisch Teil der Vergänglichkeit anheim gefallen ist, sein Geist aber lebt fort und wird durch sein Weiterreifen in den Geistern und Gemütern derjenigen, die sich von ihm beeinflussen lassen, als secher zadik liwrocho sich erweisen. Einem solchen Secher Lezadik will die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel dienen, indem sie noch in dem Trauermonat eine Oberrabbiner Dr. Meier Lerner-Stiftung .inauguriert,; welche z u r Für d e rung des Schulwerkes in Erez Iisro el dienen wird. An geweihter Stätte wird der Name des mit Erez Jisroel verwachsenen Thorafürsten dauerndes Gedächtnis finden. An seinem Jahrzeit soll alljährlich sein Name und sein Wirken den Heranwachsenden, im Thorageiste erzogenen Kindern, als Vorbild genannt werden. Die Schüler und Verehrer des großen Meisters werden gewiß mit Freude die Gelegenheit ergreifen, um hier in feinem Sinn seinen Namen mit Erez Jisroel für ewige Zeiten zu verknüpfen. Nähere Anfragen sind an die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, Frankfurt a. M., Hanauerlandstraße 15, zu richten. Zuwendungen bittet man auf das Postscheckkonto der Patästina-Zentrale der Agüdas Jisroel Frankfurt a. M. 53 900 unter der Bezeichnung „Oberrabbiner Dr. Meier Lerner-Stiflung" zu überweisen. Postscheck - Konto der Laudesorganisatian Landesorganisation der „Agudas Jisroel“ in Deutschland, Hamburg: No. 50 204 Hamburg. Organisationsfragen der Agudo-Zugend. Der O. V. der Jugendorganisation in Frankfurt a. M. schreibt uns: Der Vorstand der Hamburger Jugendgruppe hat den Gruppen ein Schreiben zugehen lassen, das er gleichzeitig in den „Blättern" der Landesorganisation veröffentlicht hat. Der Organisa-! tions-Vorstand hat auf dieses Schreiben folgendes 'zu erklären: | 1. Der O. V. hat sich nach jeder Richtung hin bemüht,, auf Pfingsten eine Delegiertenverfammi lung zustande zu bringen. Er hat mit verschiedenen Gruppen'verhandelt,' ZUm TeiftstuH.MEsen unternommen/^um einen geeigneten Tagungsort ausfindig zu machen. Nachdem die angegangenen Gruppen sämtlich sich ablehnend verhielten, wurde Frankfurt a. M. als Tagungsort bestimmt. Der Delegiertentag ist daran gescheitert, daß von unseren 38 Gruppen lediglich fünf Gruppen und die Frankfurter Gruppe ihre Teilnahme zugesagt haben. Die Leitung des O. V. hat jedoch schon von vorneherein zur Bedingung machen müssen, daß ein D. T. nur dann abgehalten werden könne, wenn mindestens 20 Delegierte ihre Teilnahme an der Tagung in Aussicht stellten. Der O. V. konnte und durfte es nicht zulassen, daß einige wenige Vertteter der Jugendgruppen — noch dazu nur solche von Großstadt-Gruppen — Beschlüsse von so grundlegender Wichtigkeit fassen, wie sie auf dem D. T. zu erörtern gewesen sind. 2. Der von Hamburg aus gestellte Antrag bezweckt nicht mehr oder weniger wie die Auflösung der Jugendorganisation, („Aufhebung des bisherigen Zusammenschlusses in der AJJO.") Ueber einen solchen Antrag kann gemäß § IX des Organisationsstatuts nur eine hierzu eigens einberufene Delegiertentagung entscheiden. Die Auflösung kann überhaupt nur erfolgen, wenn nicht noch drei Gruppen mit mindestens je 50 Mitgliedern oder eine Anzahl kleinerer Gruppen mit zusammen mindestens 150 Mitgliedern dagegen sind. Dem O. V. konnte es daher nicht zugemutet werden, einer Tagung, die nur von ein paar Teilnehmern besucht werden konnte, eine solche Tagesordnung vorzulegen. Es hätte die Statuten verletzt und dem Ansehen der deutschen Aguda schwer geschadet, wenn er anders gehandelt hätte, als er es getan hat. 3. Es geht nicht an, die Leitung dafür verantwortlich zu machen, daß die Mehrheit der Gruppen dem D. T. fern zu bleiben beabsichtigte. Die Gründe liegen anerkanntermaßen zum großen Teil auf finanziellem Gebiete und stehen im Zusammenhang mit der heutigen Wirtschaftslage, die es auch anderen Organisationen unmöglich macht, in diesem Jahre eine Tagung abzuhalten. 4. Der O. V. lehnt es zurzeit ab, einen D. T. zur Beratung des Hamburger Antrages bezügl. Auflösung der I. O. einzuberufen. Sollte der von der Hamburger Gruppe eingeschlagene Weg durch übereinstimmenden Antrag der Gruppen, einen D. T. mit der beabsichtigten Tagesordnung zustande zu bringen, genügende Unterstützung durch 10 Gruppen finden, so wird der O. V. selbstverständlich pflichtgemäß nach 8 V der Statuten eine außerordentliche Tagung einberufen. Es muß jedoch alsdann erwartet werden, daß eine derartige Tagung zumindest von den Gruppen besucht wird, die einen Antrag auf Einberufung unterstützt haben. 5. Unabhängig hiervon hat der O. V. bereits angekündigt, daß er zu Ende des Jahres 1930 einen Bundes- und Delegiertentag einzuberufen gedenkt. Die Verbindung des Delegiertentages mit einem gleichzeitig stattsindenden Bundestage war bisher stets die Regel, und es wird auch wohl in diesem Jahre durchzuführen sein, daß die Tagung ordnungsmäßig beschickt wird. 6. Der O. V. kann trotz aller berechtigten und unberechtigten Angriffe die Leitung nur dann aus der Hand geben, wenn eine maßgebende Mehrheit der jungen Agudisten die Verantwortung dafür übernimmt, daß eine neue Leitung unter den gegenwärtigen Zeitverhältnissen und bei der passiven Haltung der Gruppen fruchtbare Arbeit zu leisten imstande sein wird, oder wenn eine ordnungsmäßige Delegiertentagung durch Wahl eine neue Leitung beruft. 7. Wir erkennen gerne an, daß die Hamburger Gruppe rührige Arbeit leistet und heute eine der tatkräftigsten Gruppen ist. Wir möchten gerne wünschen, daß es ihr gelingen wird,. auf die anderen Gruppen anregend zu wirken. Vielleicht wird sie dann berufen fein, die Agudas Jisroel-Jugendorganisation neuen und besseren Zeiten entgegen zu führen. Geistiger Wettkampf. Eine Anregung. Um die Tätigkeit der Jugendgruppen der Agudas Jisroel zu heben, dürfte es vielleicht nicht unangebracht sein, den Versuch zu machen, den im Sport üblichen Wettkampf auf das jüdisch-geistige Gebiet zu übertragen. Eine Gruppe läßt an eine andere eine Herausforderung ergehen, in einem „Ausscheidungskampf" um den „Gruppen-Bezirks-Provinz- Landesmeistertitel" sich mit ihr zu messen. Die „repräsentativen Elf" der beiden Orte kommen zusammen und legen sich gegenseitig in einer Stunde („Halbzeit") Fragen aus dem vorher vereinbarten und „trainierten" Gebiet vor, das etwa für die Unterstufe ein Kapitel aus -pn» für die Mittelstufe ein für die Oberstufe ein Blatt mm sein könnte. Die in der Beantwortung „nach Punkten" siegreiche Gruppe wird vom