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Der Israelit · 1930-07-24 · Heft 30 (24.7.1930) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 30 (24.7.1930)
Date
1930-07-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10. Nr. 30 Der Israelit 24. Juli 1930' / vid diesen Worten. Ist es nicht Hohn, G'tt für so viel Elend und Not noch zu danken? Beim Verlassen des Bethauses schaut David seinen Freund besorgt an. „Was hast Du, David? Weshalb siehst Du mich so sonderbar an?" fragt Josef. David antwortet nicht. „Sprich doch, David, Dein Schweigen beunruhigt mich." „Josef," beginnt David, „wer kennt Dich und Deine Verhältnisse so^ gut wie ich. Seit zehn Jahren wohnen wir Wand an Wand. Tag für Tag kommen unsere Familien zusammen. Einer kennt die Not des anderen. Du hast doch wirklich keinen Grund für den Kummer und die ewigen Sorgen, G'tt dankbar zu sein. Und wenn Du es doch tust, wie heute beim G'ttesdienst, so ist es in meinen Augen eine Heuchelei, die zu Deiner sonstigen Wesensart nicht paßt." Josef sieht gedankenvoll vor sich hin, und um seinen Mund legt sich ein trauriges Lächeln. „David, wie verkennst Du mich," sagt er. „Ich heuchle nicht. Sieh, G'tt, der Allmächtige, sendet mir schwere Prüfungen, weil Er weiß, daß dadurch mein Herz geläutert wird. G'tt ist gerecht. Und Er gibt mir die Kraft, an diese seine Gerechtigkeit unerschütterlich zu glauben. Das ist, was ich brauche. Und dafür danke ich Ihm täglich im Gebet. Ich weiß, Er wird auch mir einmal Erlösung bringen. Ich muß nur noch Geduld haben. G'tt erhält in mir die reinen Gefühle und die Hoffnung'. Ohne sie wäre das Leben für mich wirklich unerträglich." Die Freunde trennten sich mit festem Händedruck, um an die Arbeit zu gehen. David bewunderte den armen Flickschneider, aber verstehen konnte er ihn nicht. Lehrend Lehmann oder R. Bermann aus Halberstadt. Bon Rabbiner Dr. M. Arankl in Halberstadt. Am 24. Tammus ds. Js. sind es 200 Jahre, seitdem R. Bermann, auch Behrend Lehmann, der polnische Resident genannt, von dannen gegangen ist. R. Bermann ist eine der markantesten jüdischen Persönlichkeiten seiner Zeit gewesen, deren Bedeutung nicht nur über das Weichbild seiner Heimatgemeinde, sondern auch über die Grenzen Deutschlands hinausging. Die Lage der Judenheit in jener Zeit erforderte Männer, die den Mut und die Fähigkeiten besaßen, vor Königen und Fürsten für ihre bedrängten Brüder einzustehen. Es ist die Zeit der gewesen, zu deren bedeutendsten Bermann gehört hat. Seine ausgedehnten Geschäfte haben ihn mit den Herrschern von Dessau und Braunschweig, besonders aber mit dem Hofe des Kurfürsten Friedrich August d. Stgxken, als König von Polen August II. in Verbindung gebracht. Als dieser den polnischen Königsthron für sich zu gewinnen suchte, da ist es Behrend Lehmann gewesen, der es verstanden hat, die Geldmittel zu beschaffen, die zur Erreichung und Erhaltung dieser Würde nötig gewesen sind, und der ihm auch sonstige wertvolle Dienste zu erweisen vermochte. Aus diesem Wege kam er auch persönlich nach Polen. Dort kam er in Berührung mit der polnischen Judenheit und dort fand er auch reichlich Gelegenheit, für sie beim neuen Herrscher und beim Hochadel mit Erfolg einzutreten. Durch seine Beziehungen zu Polen und seine Bekanntschaft mit vielen der dortigen Thoragrößen war es ihm gegeben, den verwaisten Rabbinatssitz seiner Heimatgemeinde Halberstadt mit einer Persönlichkeit zu besetzen, die zu den hervorragendsten Männern jener Zeit, die an Thoragrößen wahrlich nicht arm gewesen ist, zu besetzen. Es wirkten in jener Zeit in beinahe allen namhaften Gemeinden Deutschlands Männer aus dem weiten polnischen Reich. Dort in Polen ward das Thorastudium mit einer noch nie dagewesenen Intensität gepflegt. Die Früchte dieser restlosen Hingabe an das Lernen sind denn auch nicht ausgeblieben. Bald zog sich ein dichtes Netz von kleineren und größeren nii-'v' über das Land. Tausende von Schülern oblagen da dem hingebungsvollsten Studium der mm. und aus diesem bildete sich eine Auslese von hervorragenden Gelehrten. Ihr Name drang auch nach dem benachbarten Deutschland, und viele Gemeinden holten sich nun ihre Rabbinen aus diesem Landf der nun. Die vormals günstigere Lage der Juden von Polen hatte sich durch dsn Unglückseligen Chmelnicki-Aufstand vom Jahre 1648 und der folgenden Jahre sehr verschlimmert und so manche verließen jetzt ihre Heimat, die es unter normalen Verhältnissen sicher nicht getan haben würden. Zu diesen gehörte auch R. Hirsch Biale, auch R. Hirsch Charif genannt, der durch R. Bermann berufen, im Jahre 1717 nach Halberstadt kam. Hier hat er mehrere Jahrzehnte hindurch segensreich gewirkt und nicht nur in hervorragender Weife seines Amtes gewaltet, sondern auch eine sehr bedeutende rm?' unterhalten, aus welcher eine Reihe von sehr namhaften Gelehrten heroorgegangen ist. (In der Chronik der Gemeinde von Halberstadt von Rabb. Dr. H. B.' Auerbach mxi S. 71 ff., werden einige der Schüler des R. Hirsch Halberstadt angeführt.) Von einem ungewöhnlichen Blick für die Notwendigkeiten der Zeit und gleichfalls von der Großzügigkeit R. Vermanns zeugt-sein Mäccuatentum für viele Ge-' lehrte und für die Herausgabe ihrer Werke. Abgesehen davon, daß er die Drucklegung einer großen Anzahl von Merken durch seine Munifizenz ermöglicht hat, unternahm er es als Erster, in wahrhaft großzügiger Weise, dem großen Mangel an srnsv, besonders an "vn mso dadurch zu steuern, daß er im Jahre 1696 in Frankfurt a. Oder eine neue Talmudausgabe auf eigene Kosten Herstellen ließen und den größeren Teil der 5000 Exemplar starken Ausgabe an amm und a-nim verschenkt hat. Wie andere große Männer seiner Zeit war auch R. Bermann bestrebt, den rnrnn na’V besonders in seiner Heimatgemeinde zu fördern. Es war die Zeit, in welcher nach polnischem Muster auch in deutschen Landen a'sm», auch Klausen genannt, eingerichtet worden sind. Es seien hier nur die Gründungen von Behrend Kohen in Hamburg, R. Samson Wertheimer in Frankfurt am Main, R. David Oppenheim in Nikolsburg und Lemle Reinganum in Mannhem erwähnt. Auch R. Bermann verewigte seinen Namen durch die Begründung einer „Klaus" in Halberstadt, in welcher zuerst drei, später zwei Gelehrte dem Studium und der Verbreitung der Thora oblagen und welche heute noch ihrer ursprünglichen Bestimmung zu entsprechen sucht. Auch in politischer Hinsicht ist R. Bermann ein Wohltäter seiner Heimatgemeinde gewesen. Auf seine Beziehungen zu regierenden deutschen Höfen ist es zurückzuführen, daß die Gemeinde Halberstadt zu seiner Zeit einen großen Aufschwung genommen hat. Sein Einfluß beim Kurfürsten und nachmaligen König Friedrich l. von Preußen bewirkte es, daß viele Familien hier das Recht der Niederlassung erwerben konnten, bezw. geduldet worden sind. Es ist über die Bedeutung dieses hervorragenden Mannes schon vielfach geschrieben worden, so in der Chronik der Gemeinde Halberstadt von Rabb. Dr. B. H. Auerbach, ferner in einre Monograpbie von R. Bermanns Urenkel Emil Lehmann unter dem Titel: „Der polnische, Resident Behrend Lehmann." Und wie es bei Persönlichkeiten von Bedeutung häufig der Fall ist, hat sich auch die Legende seiner bemächtigt. Es kursierten über ihn wunderbare Geschichten, die das beste Zeichen dessen slnü, daß er schon von seinen Zeitgenossen hoch erngeschätzt. worden ist. Hier sollte nur in ganz kurzen Strichen eines Mannes Gedächtnis wieder in Erinnerung gebracht werden,.der nicht nur für feine Gemeinde, sondern darüber hinaus für die jüdische Allgemeinheit Unvergängliches geleistet hat. (Der deutsche Kizzur.) Von Kizzur Schulchan Aruch mit punktiertem Texte und deutscher Uebersetzung von Rabbiner Dr. Vamberger ist im Verlage A. I. H o f m a n n die 24. Lieferung erschienen. Sie enthält eine Fortsetzung der Vorschriften für Rosch haschana und Jom-Kippur. Mit dieser Lieferung hat sich ein zweiter Band gerundet und wird sich dem ersten, der vor kurzem erschienen ist, würdig anreihen. Preis der Einzellieferung ist Mk. 1.50, und danach bemessen alle 24 Lieferungen der zwei Bände. Zu beziehen ist das vielen gesetzestreuen Kreisen unentbehrliche Buch bei nur?"Dandlung A. I. H o f m a n n, Frankfurt a. M., Allerheilkgenstraße. (Eine 200 Jahre alte Ehronik der Jüdischen Gemeinde Wilna entdeckt.) Bei Nachforschungen in Archiven fand ein lettländischer Rabbiner einen op2's (Gemeinde- Chronik) der jüdischen Gemeinde Wilna, der 200 Jahre alt ist. Nachprüfungen haben ergeben, daß der opim große historische Bedeutung hat und wichtiges Material enthält. Er enthält die Statuten der damaligen jüdischen Gemeinde Wilna, die Gerichtsentscheidungen des dortigen Beth Din und Mitteilungen über jüdische Größen der damaligen Zeit auch außerhalb Wilnas. Die jüdische Gemeinde in Wilna hat einen besonderen Bevollmächtigten nach Lettland geschickt, um die wertvolle Handschrift in Empfang zu nehmen und sie nach Wilna zu bringen. Ainderecke. Der „Israelit" Und die Messiaszeit. Man schreibt uns: Am Schiwoh Ossor Betamus, wie in den drei Wochen überhaupt, spricht man mit seinen Kindern von unserem nationalen Unglück, vom Golus und. seiner Mühsal, aber schon ehe man selbst den unverlierbaren Strahl der Hoffnung hineinleuchten läßt, hat ihn die Jugend, die lichtstrebende, eingefangen. Die Rede von und die Fragen nach Moschiachs Zeit drängen alles Andere in den Hintergrund. — Auf einmal wird mein Siebenjähriger sehr fachlich: „Sag' mal,' Vati, aber wenn wir nach Jerufcholajim gehen sollen, wie wissen wir das denn und alle Leute in der ganzen Welt?" — Ich überlege gerade, ob ich von dem Schaufor Godaul, oder mit dem kleinen Praktiker auch von Telegraphen und Telefunken sprechen soll, die sich dann kräftig im Dienst des Heiligen bewähren kömren. — Aber er hat es bereits, braucht meine Antwort wicht: „Vati, ich weiß schon, e s ft e h t i m „ I s r a e l i t.!! " W. Das Leiden des Rabbi Rachum „Jsch Gamsu". Aus öem Talmud von Prof. Dr. Lal. Levi in Mannheim. Rabbi Nachum, der Amora, Den sie auch „Jsch Gamsu" nennen —' . Kennst Du Israels Gelehrte, Mußt Du auch „Jsch Gamsu" kennen. Zählst Du auf die Talmudsürsten, Die ein großes Herz besessen, Herzen, diefür andere schlugen, Darfst Du „Gamsu" nicht vergessen. Also „Gamsu" mit dem großen Geiste und dem großen Herzen Lag vorm Tore seines Hauses, Rabbi Nachum lag in Schmerzen. Und der Sonne Feuerscheibe Schoß die Glut der heißen Strahlen Aus des Rabbis milde Züge, Auf des Rabbis wilde Qualen. Keuchend nähern sich zwei Männer Jetzt des Rabbis kleiner Hütte, Vor des Meisters Krankenlager Hemmen sie die trägen Schritte. Und sie grüßten — „Dich zu schauen", Sprachen sie, „war unser Sehnen" —. Und sie schwiegen. — Es umflorte Sie der Schleier heißer Tränen. Faßten sich und sprachen weiter: „Von der Ferne, wo da fließen Unseres Jordans heil'ge Fluten, Kamen wir, um Dich zu grüßen, Kamen, um es selbst zu sehen, Wie ein Mann, wie „Gamsu" duldet, Wie die Großen Leiden tragen, Leiden, die sie nicht verschuldet." Doch der Rabbi schwieg. — Ein Seufzer . Rang sich aus des Herzens Tiefen. War's nicht, als ob größ're Qualen In der Brust „Jsch Gamsus" schliefen? Staunend hören es die Wandrer — Auf der Erde lag ein Flimmer Heißen Dunsts der Mittagshitze — Und der Rabbi schwieg noch immer. Endlich sprachen jetzt die Wanderer: „Rabbi, Zeit ist jetzt zu scheiden, Nun genug, daß wir's gesehen, Auch Gerechte müssen leiden." „Bleibet," rief der Rabbi plötzlich. Scheidet nicht im wilden Grollen Ueber meines Schicksals Schwere: Denn ich Hab' es selber wollen. Lange ist's — ich wandert einsam Einen Pfad am Wüstensaume, Und mein schwer bepacktes Maultier Führte ich am losen Zaume. Plötzlich sah ich einen Pilger, Fast ein körperloser Schatten, „Bruder"! rief er, „ich verschmachte Rette mich, den Todesmatten!" „Gerne," sagt ich, „will ich helfen. Laß' mich nur mein Tier entlasten, Kannst, derweil ich Nahrung bringe, Dort an jenem Steine rasten." Und ich band die schweren Säcke Rasch von meines Maultiers Rücken, Holt das Beste meiner Habe, Um den Armen zu erquicken. Und ich eilte mit der Labung — Doch, was war mit ihm geworden? Mit gebroch'nem Auge lag er — Ach, mein Zögern war ein Morden. Weinend beugte ich mein Antlitz Auf des Toten starre Glieder, Und mit gramzerrissener Seele Kniete ich zur Erde nieder. Und ich rief: „Ich Hab' gesündigt. Wolle nicht den Sünder meiden Herr, erbarme Dich des Frevlers, Sende mir die schweren Leiden. Daß die Wucht der grausen Untat Nicht für's „Einst" bewahrt mir bleibe, Laß' auf dieser Welt es sühnen! Schicke Siechtum meinem Leibe! G'tt erhörte mir mein Flehen Und ich ward, wie Jhr's gesehen. „Nun verkündet's!" — Und es wandten Still die Gäste sich zum Gehen. Lösung der Rüksel in No. 27. (Mütter der Bibel). 1. Sara, Rebekka, Rahel, Manoachs Weib, Hanna, die Sunamitin. 1 2. Neami, die Schwiegermutter von Ruth. 3. Rahels Grab bei Bethlehem. 4. Jerobeams Weib (siehe Kön. I., 14). 5. Die Sunamitin, der der Prophet das Kind zum Leben weckte. 6. Batschewä, die Mutter Salomos. 7. Die Provhetenwitwe (siehe Kön. II., 4). Richtige Lösungen sandten ein: Martha Lettner, Marienbad: Dowkd Kölner, Berlin: Jonas Bär, Mannheim.

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