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Der Israelit · 1930-07-24 · Heft 30 (24.7.1930) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 30 (24.7.1930)
Date
1930-07-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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24.J3uU 1930 Nr. 30. Seite 3 a Der Israelit material und Beleuchtung werden ihnen entzogen. Mit der Auferlegung unerschwinglicher Steuern bringt man sie ins Gefängnis. Die Rabbinen in Rußland und in der Ukraine sind Märtyrer einer besonderen grausigen Art. Die Märtyrer der alten Zeiten gaben ihr Leben einmal hin, diese Glaubenshelden bringen Tag für Tag ihr Leben für Gott und seinen Glauben zum Opfer. Was sollen wir in Europa dazu tun? Schreien, protestieren, die Welt in Bewegung setzen, das Gewissen Europas wecken, nicht ruhen und nicht rasten, daß Rußland sieht, wie seine Untaten nicht unbeobachtet bleiben. Man sage nicht, es nütze ja doch nicht. Es nützt ja! Man hat genugsam Beweise dafür. Als die Rabbiner und Vorsteher in Minsk arretiert wurden und als Gegenrevolutionäre zum Tode verurteilt wurden, konnte das russische Judentum selbst für sie nichts tun. Man lief zu den Behörden, und Amtsstellen und fand überall verschlossen!' Türen. Als aber der Sturm der Entrüstung in der Welt einsetzte, wurde man in Rußland aufmerksam. Hätte die Welt damals geschwiegen, d i e 2 2 R a b b i n e r und Vorsteher in Minsk wären ihrem Schicksal ni cht e nt g a n g e n. Die roten Machthaber in Rußland wollen vor der Welt als Hüter der Kultur, als Beschützer von Recht und Freiheit dastehen. Diese Tatsache muß von den Juden in Europa ausgenutzt werden. Zu verlieren wäre durch die Einmischung des Auslandes sowieso nichts mehr. Man wird sich diese Angaben, die den Notschrei von vier Millionen unserer Brüder vermitteln, in der jüdischen Diaspora merken. Die letzte nHemmun gen für eine Protest- und 'Hilfsaktion müssen jetzt w e g f a l l e n. Ein Gebot der Solidarität wäre für uns das Eintreten für die Brüder in Rußland, auch wenn es nutzlos bliebe. Um wieviel mehr, als es, wie wir hören, auch reichen praktischen Nutzen verspricht. Die Protestaktion wird unter diesen Gesichtspunkten zu einer Rettungsaktion! Zur Aguna-Frage. Herr Rabbiner Dr. Unna in Mannheim schreibt uns folgendes: „Zu den Ausführungen über die Frage der Agunot in Nr. 27 des „Israelit" möchte ich mir einige Bemerkungen gestatten. Der Artikel nimmt' auf die Eingabe des Frauenbundes an den rabbinischen Rat der Aguda Bezug und auf die Resolution, die daraufhin auf der Kenessio gedaulo gefaßt wurde. Resolutionensind gewiß sehr wertvoll, denn sie zeigen den guten Willen einer Körperschaft, nur ist in dieser Frage der gute Wille nicht die Hauptsache, sondern die Tat. Daß man dabei nicht aus die Wünsche derer Rücksicht zu nehmen braucht, die verlangen, daß man über den Schulchan Aruch (und die anderen v'pvivjhinausgehen solle, versteht sich von selbst. Die Frage ist nur, ob auf Grund des und der D’jiiPin und ünnns alles geschehen ist, was in dieser eminent wichtigen Frage geschehen mußte. In einem Artikel im „Jeschurun" habe ich auf einige rmnzm von R. Elia Klatzkin --"i dem. früheren Lubliner Raw, hingewiesen, der gewiß nicht verlangt, daß man den w ignoriere, der aber trotzdem auf gewisse Möglichkeiten hinweist, die geeignet sind, weitgehende Perspektiven zu eröffnen, und habe vorgeschlagen, daß man in jedem Lande (die Verhältnisse sind ja verschieden gelagert) eine Kommission von anerkannten rrn bilden möge, die diese Möglichkeiten studieren sollen. — Was den Tarnopoler Fall betrifft, der in jenem Artikel angeführt wird, so ist nicht recht einzusehen, was damit bewiesen werden soll. In diesem Fall waren Zeugen vorhanden, die sogar ihre Aussage beschworen hatten, es war ein T'n von hervorragenden D’asn 'i'vbn und trotzdem kam ein Irrtum vor. Die Folgerung daraus wäre also, daß man überhaupt keiner Aguna mehr die Wiederverheiratung gestatten,, ja, daß man überhaupt kein Gerichtsurteil mehr fällen durfte, weil ja ein Irrtum immer möglich ist. Daß eine solche Folgerung absurd ist, sieht wohl jeder ein. Es gilt eben hier wie überall der Grundsatz: mm x1? rmn •ox5?»*? r-nin* Man muh die Bestimmungen der Thora beachten; aber über diese Bestimmungen hinaus Vorsicht zu-üben, ist in der heutigen Zeit, wo gerade auf diesem Gebiet die schärfsten Angriffe gegen uns gerichtet werden, ebenso gefährlich wie das Gegenteil." Der Tarnopoler Fall ist unsres Erachtens immerhin von größtem Interesse, weil er aufs neue zeigt, welche Möglichkeiten des Irrtums selbst bei strikter Beobachtung aller vorgeschriebenen irnain vorhanden sind. Hat man alle diese nnain beachtet, dann braucht man sich auch im Falle einer dennoch eintretenden Katastrophe der geschilderten Art keine Vorwürfe zu machen. Anders ist es, sobald unter einem Druck von außen künstliche v'N'vm konstruiert werden, die im nicht mit absoluter Sicherheit verankert sind. Vor solchen zu warnen, war die Tendenz unserer Ausführungen. Selbstverständlich wäre es ein ebenso schweres Unrecht, von rel'igionsgesetzlich begründeten ä'Tnvr im Interesse der mr»* aus Mangel an Mut keinen Gebrauch zu machen. jeder Gerüstete von uech über den Jordan zieht vor G' t t . . . Q»p3 an”m ia^n min 'n »33^> psn wann 'i »3ai> nrns!? oaV nsrn nsn nrvm Vmtf’ni and das Land bezwungen wird vor G' t t, danach kehrt zurück und ihr seid rein vor G'tt und Israel und dies Land soll euch zum Besitz sein vor G'tt . . . Dieser wiederholte Hinweis auf den, der allein Israel seine Wege vorzeichnet, der von Aegypten her Israels Schicksal in seinen Händen hält, öffnet ihnen nun die Augen, sie verstehen ihres Lehrers Rede in seinem vollen tiefen Gehalt und besiegeln sie mit ihrem Gelöbnis: 'isa -»ms ivna ivV' -pas deine Knechte wollen tun, so wie Du, unser Herr, es gebietet!" . . . Dieses Kapitel, das wir immer in der Zeit mixan r>a „zwischen den Marken", in den Tagen unserer religiösen Trauer, vernehmen, sollte auch uns daran erinnern, daß wir mehr als um unser Golus klagen und trauern sollten um das Leid und Wehe, das unserem Judentum allenthalben angetan wird, um n.»arm nito, daß die G'ttherrlichkeit von der Erde verbannt wird und die Welt ein Tummelplatz der Leidenschaften und finsteren Mächte ist. Es genügt nicht, wenn wir unsere Einkehr nur erfassen als Erkenntnis unserer Verpflichtung gegen die Gesamtheit. Gewiß, G e m e i n s i n n soll auch die Frucht dieser Trauerzeit werden, — er muß aber wurzlen, um triebkrästig zu werden, in unserer ewigen unbesiegbaren Liebe zu G'tt und zu seiner hl. Lehre. Die Liebe zur ’^in»» noja. zur Mutter Israel und die Begeisterung für Zion »bi' nV»:o, den Inbegriff aller Schönheit und Pracht, muß emporsteigen aus dem Himmelsfeuer des Heiligen und G'ttlichen, das ewig auf dem Altar unseres Herzens lodert. ^Dann werden-wir mit willigem Herzen unb offenen Händen in diesen Tagen spenden, um jüdisches Weh zu lindern und vollends der jüdischen geistigen Not zu steuern. Vfnw» »aa ipm» i»D3R nwa r^nsa rs »a Jeder unter den Stämmen Israels hänge an dem Erbteil seiner Väter . . . Unser dauerndes Erbteil ist unser in G'ttes hl. Lehre verankertes Judentum. Diese Erkenntnis möge immer von neuem uns den Weg vorzeichnen, den wir als G'ttes Volk zu wandeln haben. In Frieden mit den Menschen, voller Liebe zur jüdischen Gesamtheit und zu unserer großen Vergangenheit und getragen von der Sehnsucht nach der Verwirklichung unserer Hoffnungen und Ideale, sollen wir uns immer mehr emporringen zu allem Reinen und Erhabenen, bis wir von neuem gewürdigt werden, Zions. Glanz und Herrlichkeit als Stätte G'ttes zu schauen. kleines Feuilleton. Ein Standardwerk der populären hebräischen Literatur. Die Pirke Owaus, die Sprüche der Väter, die in allen jüdischen Gemeinden das charakteristische Kennzeichen des sommerlichen Sabbat-Nachmittag-G'ttesdienstes bilden und die mit der Fülle ihrer Weisheit und ihres Trostes seit Jahrhunderten das Lebpn des Mannes aus dem Volke wie des Gelehrten, der Jugend und des Alters, verklären, haben von jeher das Interesse der Erklärer ganz besonders wachgerufen. Die Zahl der Kommentare zu den Sprüchen der Väter ist Legion und man hätte nicht glauben sollen, daß es möglich wäre, auf diesem Gebiete noch etwas Neues und Wertvolles hervorzubringen. Trotzdem muß man sagen, daß Rab- Trieb. Von Dr. C E. in A. Also nach Deiner Meinung ist die Thora Gesetz. Ueberlegen wir einmal, was dies bedeutet. ' Gesetz ist Befehl, der befolgt werden muß, ob ich ihm geneigt bin oder nicht. Auch denjenigen Befehl, der mir durchaus despotisch erscheint, muß ich ausführen. Ich muh mir, mindestens gelegentlich, die Befolgung des Gesetzes abringen und aufzwingen. Du meinst, einerseits könne es niemals unsinnige Befehle geben, wenn G'tt befohlen habe; solche Befehle erschienen nur dem beschränkten Verstände als unsinnig. Andererseits zeige sich gerade darin die sittliche Energie eines Menschen, daß er die Ausführung des Guten, des von G'tt Befohlenen, sich abringen müsse. Zum ersten Einwand: Du wirst zugeben, daß es — leider — viele Juden gibt, die behaupten, daß eine Reihe von Vorschriften der Thora vor dem Verstände nicht zu rechtfertigen seien. Obwohl Ihr, Du und Deine Vorfahren, Euch seit Jahrzehnten abmüht, ihnen in Wort und Schrift zu beweisen, daß jedes Gebot vernünftig sei, ist der Erfolg nicht gerade überwältigepd. Kaum einer derjenigen, die die Thora für „überlebt" halten oder gehalten haben, hat durch Deine Beweisführung den Weg zur Thora zurückg-efunden. Deine Beweise haben höchstens auf diejenigen gewirkt, die ohnedies einem thoragemäßen Milieu entstammten. Dies müßte Dir doch eigentlich die Augen darüber öffnen, daß die Ueberzeugung, ob die religiösen Gebote des Judentums vernünftig feien oder nicht, als Anlaß ihrer Befolgung gar keine Rolle spielt. Du kannst jemandem, der die Gebote nicht ausüben will, hunderte Male auseinandersetzen, wie praktisch, wie sinnvoll die Gebote seien, er wird sie doch nicht halten. Seine ablehnende, aber auch Deine freundliche Haltung ist nämlich durch ganz andere Faktoren bestimmt , als durch die Ueberzeugung. Es ist ganz offenbar, daß es die seelische Einstellung ist, die bei dem einen die Ueberzeugung von der unbedingten Verpflichtungskraft und von der absoluten Vernünftigkeit der Thora erzeugt und die dementsprechend das Wollen und die Energie hervorruft, der Thora gemäß zu leben, bei dem anderen aber Abneigung gegen alles, was Thora heißt, erregt. Sokrates lehrte allerdings, daß das Wissen um die Tugend tugendhaft 01AI2N' Puder bewahrt Ihren Liebling vor Wundsein. biner Israel Goldmann in Oradea-Mare mit seinem jetzt vollendeten Pirke Owaus-Kommentar unter dem Titel „ K n e f e s Israel" ein Standardwerk geschaffen hat, das wohl in wenigen Jahren in keiner rabbinischen Bibliothek fehlen wird. In fünf stattlichen Großquartbänden (der erste die beiden ersten Prokim umfassend, alsdann für jeden Perek ein besonderer Band) liegt — in vorzüglicher Ausstattung auf gutem Papier — der Text der Pirke Owaus vor, um den sich auf der einen Seite der altbekannte aber fast vergriffene Vxw» »na mit der Fülle seiner klassischen Erklärungen, auf der anderen Seite der neue Kommentar „Kneses Israel" gruppiert. Es handelt sich, wie der Name schon andeutet, wie beim bww um» um ein Sammelwerk, zu dem der Verfasser zwar auch selber vieles Eigene beigesteuert hat, das aber doch im wesentlichen die populären Auseinandersetzungen der meist chassidischen Volksredner und Kommentatoren der letzten Jahrhunderte enthält. Welche Fülle von Stoff in dem Werke zusammengetragen ist, möge aus der ziffermäßigen Angabe erhellen, daß beispielsweise der 4. Band (5. Perek) 270^-Seiten, der 5. Band (6. Perek) 300 Seiten Großquart enthält. Wir zweifeln nicht daran, daß das Werk die gute Aufnahme in allen jüdischen Kreisen finden wird, die es verdient. Es wird vor allem den Vielen, die aus Beruf oder Neigung Pirke Owaus-Vorträge zu halten haben, eine unentbehrliche Fundgrube wertvoller Anregungen fein. Das Werk ist vom Verfasser. Rabbiner Israel Goldmann in Oradea-Mare (Rumänien) zu beziehen. Verantwortlich für den allaemeinen Teil und das Feuilleton Scbacknorvitz, fkrankfurt a. M.; Inserate 1. V.: S. Sck,«^ nowitz. ebenda. — fsür die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Svrendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag des Israelit und Hernwn K. m. b. Sv, Frankfurt a. M. — Druck: tzermon-Druckerei. irranlfurt a. M.

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