Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1930)
- Date
- 1930-07-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit Nr. 29. Seite 5 17. Juli 1930 __ ,_ 2. Die beanstandete Arbeit ist ein Neudruck aus der Iubiläumsschrift der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Sammelband im: Jahre' 1922 erschienen > ist. Es" wurden kurze Zeit nach ihrem Erscheinen''Sonderdrucke der einzelnen fünf Teile, die in ihv Enthalten sind, herausgegeben. Von diesen fünf Terlen sind drei, nämlich: Baneth: „Soziale Motive in der.. rabbinisMen Rechtspflege", I u liu s G ut t - m ä vrnl „Religion->und Wissenschaft im mittelalterlichen und modernen Denken", Elbogen: „Ein Jahrhundert Wissenschaft des Judentums" noch vorhanden. Zwei Teile, darunter Torczyner, sind vergriffen. Um die einzelnen Teile der Festschrift nichts ausgehen zu lassen, ist die Neuauflage der „Bundeslade", der in Kürze auch die Neuauflage des zweiten vergriffenen Teiles: Baeck: „Romantische Religion" folgen wird, vorgenommen worden. Es handelt sich also nicht um eine neue, selbständige Entschließung des Verlages, sondern um die Konsequenz einer seinerzeit im Interesse der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums vorgenommenen gänzlich unparteiischen.Veröffentlichung. Professur Ludwig Stein gestorben. Berlin, 15. Juli. Gestern verstarb in Salzburg nach einer Operation Professor Ludwig Stein im Alter von 71 Jahren. Stein war eine markante Persönlichkeit des europäischen Geisteslebens. Die von ihm herausgegebene Zeitschrift „Nord und Süd" gestaltete er zu einer politischen Monatsschrift ersten Ranges. Die größten Gelehrten auf Den verschiedensten Gebieten, vor allem aber fast alle Staatsmänner der Welt, waren seine Mitarbeiter. Diese internationalen Beziehungen ermöglichten es ihm, auch in Berlin einen gesellschaftlichen Mittelpunkt der politischen Welt zu bilden. In seinem Hause kamen die Berliner Politiker und Diplomaten fast mit jedem hervorragenden Politiker des Auslandes zusammen, der Berlin besuchte. Während des Krieges hatte Stein gemeinsam mit Stresemann die Mittwochgesellschaft gegründet, einen intimen Zirkel, der sich in jeder Woche versammelte, um die Kriegsereignisse vertraulich zu besprechen. In der Mittwochgesellschast haben auch noch nach dem Kriege alle hervorragenden Akteure der deutschem und der ausländischen Politik durch ihre Vorträge Gelegenheit zu angeregten Diskussionen gegeben. Ludwig Stein, auch unter seinem Pseudonym Diplomaticus bekannt, Philosoph und Soziologe, ist im Jahre 1859 in Erdö-Benye in Ungarn geboren. 1881 bis 1883 war er in Berlin als R a b b i n e r tätig, wurde 1886/Privatdozent, 1889 ordentlicher Professor für Philosophie am.Züricher Polytechnikum, 1890 an der Universität Bern und. wirkte von 1911 bis 1924 als Dozent an der- Humboldt-Akademie in Berlin. Im feinenphilosophischen und soziologischen Arbeiten entwickelte Stein eine religiös- und sozial-ethisch fundierte -optimistische Welt- und Lebensanschauung. Seine zahlreichen Werke erstrecken sich auf alle Gebiete der Philosophie und Soziologie: mehrere Schriften behandeln jüdische philosophische und Geschichtsprobleme. Ludwig Stein war besonders in seiner Berner Zeit unzähligen Studenten, auch russischen und ungarischen Bachurim, die zum Studium übergingen, Helfer und väterlicher Freund und Berater. In seiner Berliner Zeit stellte er seine weitausgedehnten Beziehungen auch der Orthodoxie, für deren Kampf um das religiöse Recht er größtes Verständnis zeigte, bereitwillig zur Verfügung. Irick ignoriert den Entscheid des Staatsgerichtshofes. Berlin, 14. Juli. Auf einer Vertreterversammlung des Thüringer Gau lages der Nationalsozialisten erklärte Fr ick zu der Frage der Schulgebete, es sei lächerliche daß solche Kleinigkeiten dem Staatsgerichtshof zur Entscheidung übergeben würden. Trotz der Ablehnung kämen die Gebete freiwillig weit über Thüringen hinaus zur Anwendung. Wie der „Völkische Beobachter" aus Weimar meldet, stehe F r i ck auf dem Standpunkt, daß der Entscheid des Staatsgerichtshofes in Sachen der thüringischen Schulgebete verfassungswidrig sei. Deshalb gedenke Frick nicht, den Vorschlag der Freiheittzgebete amtlich zurückzuziehen, sondern werde sich darauf beschränken, den Entscheid im Gesetzblatt bekannt zu geben. Reichsinnenminister Dr. Wirkst an den Zenkral-Verein. ,l( Berlin, 10. Juli. In der grÄßsN'.Gr's e n a ch e r Kundgebung und in den drei Berliner Kundgebungen des C. V. gegen die Uebergriffedes thüringischen Innenministers Dr. Die Woche.. . Berlin. Der Senat der Berliner TecM / ' nischen Hochschule hat beschlossen, der' >in ational-sozialistischen Sind ente~n gruppe das Schwarze Brett, das sie mehrfach zu aufreizenden Anschlägen benutzt hatten, zu e n t z i e h e n. — Die sozialdemo.-... kratische Landtagsfraktion hat an big__ Staatsregierung eine Große Anfrage gerichtet, worin auf das milde. Vorgehen der Gerichte .gegen den nationalsozialistischen Terror hingewiesen wird. — Der Beschluß des Rates des' P r e u y ßischen Landesverbandes gegen d« Reduzierung des Wahlalters auf',H0 Jahre., hat eine heftige Protestbewegung näter der Jugend hervorgerufen. Besonders lehnt sich die. zionistische Jugend im Misrachi und Hechaluz^ dagegen auf. — Am 11. Juli abends fand im Rheingold eine vom „Arbeitsausschuß zur Verfolgung der Lübecker Kindermorde" vercstcstaltete Versammlung statt. In der den Referaten sich anschließenden Aussprache kam es . zu erregten Szenen, als der sozialdemokratisches Reichstagsabgeordnete Moses festsiellte, daß! der Vorsitzende des Elternausschusses, Dr. S t e i n t a l ein Pamphlet gegen jüdische Aerzte geschrieben hat, in dem der Versuch gemacht wird, die Aufmerksamkeit von den wahren Schuldigen abzulenken und die Schuld jüdischen Aerzten in die Schuhe zu schieben. — In Berlin hat sich eine Arbeitsgemeinschaft aller von Ost-, juden begrün de ten und unterhaltenen Synagogen gebildet. Zweck der Arbeitsgemeinschaft ist die Erhaltung ostjüdischer religiöser Tradition und die Vertretung der religiöskonservativen Wünsche gegenüber der jüdischen Gemeinde. — Das hebräische Theater „Habima" wird hier demnächst unter der Regie von Aler Granowski „Uriel Lakosta" aufsühren. Die Uebersetzung ins Hebräische stammt von Saul Tschernichowsky. Baden-Baden. Entgegen irreführenden Presseberichten teilt die Kurdirektion in Baden-Baden mit, daß die Reichs-, Staats- und Landesregierung und insbesondere die hiesige Stadtverwaltung sowie die weitaus überwiegende Mehrheit der Bevölkerung irgendwelchen Provokationen der National-Sozialistischen Arbeiterpartei durchaus ablehnend gegenüber st ehe n. London. Vom 19. bis zum 22. Juli findet hier die Tagung des Weltverbandes des liberalen Judentums statt. Die größte Delegation stellt Deutschland, in der alle Schattierungen innerhalb des liberalen Judentums, von Dr. Leo Baek bis zum Prediger der Reformgemeinde, Dr. Lehmann, vertreten sind. Moskau. Offiziell wird milgeteilt, daß in meist von Juden bewohnten Distrikten Mosier und Vobruisk, Weißrußland, große Eisenerzlager entdeckt wurden, die jährlich etwa 100 000 Tonnen Eisen liefern könnten und der jüdischen Bevölkerung dieses Gebietes dauernde Beschäftigung geben würden. — Ans Anlaß des 6. Kongresses .der Kommunistischen Partei Rußlands wurde unter anderen von Arbeitern und Bauern gestifteten Aeroplanen auch der von jüdischen A r b e i 1 e rn gestiftete Aeroplan „Biro-Bidschan" feierlich der Regierung übergeben. Der Aeroplan wurde aus Mitteln erbaut, die jüdische Industrie- und Heimarbeiter als Ertrag der Arbeit in den Tagen des Rosch Haschana und Jom Kippur v. I. zur Verfügung gestellt haben. Tel-Aviw. Die langwierigen Streitigkeiten in der Fleischoersorgunq werden nun behoben. Tel- Aviw erhält ein eigenes Schlachthaus, so daß die Fleischer nicht mehr gezwungen sind, im Jaffaer Schlachthause zu schlachten, wogegen sie sich bekanntlich bis jetzt sträubten. Wie». Die Wiener „Arbeiter-Zeitung" stellt fest, daß in den Unteroffiziersschulen der österreichischen - Bundesgendarmerie Geschichtsbücher benutzt werden, die Auszüge aus den Protokollen der Weisen von Zion enthalten. Warschau. Das von Juden bewohnte Städtchen Komarwoka ist bis auf sechs Häuser vollkommen niedergebrannt. Die Bewohner find an den Bettelstab gebracht. Der Rabbiner hat unter eigener Lebensgefahr die Thorarollen aus der brennenden Synagoge gerettet. Frick wurde, wie von uns mitgeteilt, die angenommene Entschließung, dem Wunsche der Versammlungen gemäß, dem Reichspräsidenten und dem Reichsinnenmini st er sofort zugeleitet. Der Reichspräsident hat mitgeteilt, daß er die Beschwerde an den Reichsinnenminister. weitergeleitet habe. Der R e ichs i n n en m i n i st er verwies unter dem 3. Juli 1930 auf die von ihm angerufene Entscheidung des Staa.tsgerichtshofes (der inzwischen gesprochen hat). /Sitzung des G. A. des Hilfsvereins. Berlin, 10. Juli. -:'-Vor ernten Tagen fand eine Sitzung des GeschaftsfüHrhyden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden''unter Vorsitz von Dr. James Simon statt. Vor Eintritt in die Tagesorhstung hielt Dr. James Simon warme Nachrufe auf die-Mhingeschiedenen. Aus den erstatteten Berichten geht hervor, dttß die Arbeit in den letzten Monaten auf den verschiedensten Gebieten erhebliche Fortschritte gemacht hat^ Die Sammlung füb Litauen, die der Kinderfürsorge, - ^bterrt, hat ein sehr günstiges Ergebnis gehabt. Der Geschäftsführende Ausschuß beschloß, angesichts der' fürchterlichen Notlage, die Kinderfürsorgearbeit auch auf Polen auszudehnen unter Zugrundelegung von Vorschlägen-von Herrn Dr. Bernhard Kahn. Die Hilfsarbeit sowohl in Litauen wie in Polen erfolgt im Einvernehmen mit den American Jocht, Distribution Committee. In der Ukraine und in der Mim vyllzieht sich die sanitäre Hilfsarbeit des Hilfsvereins in engstem Zusammenwirken mit der Jewish Colonizätion Association und dem Agro Joint, die bei dem Bau von Ambulatorien,, die der Hilfsverein in den genannten Gebieten errichtet, ihre Mithilfe leihen. Das Kulturwerk des Hilfsvereins in Rumänien wird in umfassendem Maße fortgeführt. Der Produktivierung der jüdischen Jugend, die durch eine ntensive Berufsberatung vorbereitet und gefördert werden soll, wird hierbei besonderes Augenmerk gewdmet. Die Fürsorgetätigkeit für die Auswanderer, für Waisenkinder und für Studierende nimmt ihren Fortgang und beansprucht nach wie vor erhebliche Mittel. Die Organisation des Hilfsvereins hat auch im letzten halben Jahr eine sehr wesentliche Erweiterung erfahren. Die Wahlen zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden. Berlin, 8. Juli. Am 30. November 1930 finden die Wahlen zum Verbandstage des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden statt. Der Verbandstag besteht aus Abgeordneten, welche von den Mitgliedern der zum Verband gehörigen Gemeinden gewählt werden. Wahlberechtigt und wählbar sind alle volljährigen, einer Verbandsgemeinde angehörenden Juden beiderlei Geschlechts, die mindestens 1 Jahr vor Auslegung der Wählerlisten innerhalb einer Verbandsgemeinde ihren Wohnsitz gehabt haben. Leipziger Stadkverordnelenkollegium lehnt einen Schächkverbotsantrag ab. Leipzig, 10. Juli. In der letzten Sitzung des Leipziger Stadtverordneten-Kollegiums stand ein Antrag der Nationalsozialisten zur Beratung, das Schächten im Stadtgebiet Leipzig zu verbieten. Berichterstatter für diesen Antrag war Stadtverordneter Obermeister Robert Schneider von der Wirtschaftspartei. Er wies darauf hin, daß das Schächten bereits vor einer Reihe von Jahren in Leipzig untersaggewesen sei, daß man es aber 1911 aus wirtschaftlichen Gründen in Leipzig wieder eingeführt hat. Ein Verbot könne höchstens seitens des Reiches in Frage kommen, niemals aber seitens eines einzelnen Stadtgebietes. Das Kollegium lehnte dem Antrag des Berichterstatters gemäß das Ersuchen der Nationalsozialisten mit großer Mehrheit ab. Schwierigkeiten aus Hapag-Dampfern nach Amerika. Hamburg, 13. Juli. Der Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser e. V., Hamburg macht hierdurch die jüdischen Fahrgäste der Albert Ballin-Klasse der Hapag darauf aufmerksam, daß die von der Einwanu - rungsbehörde in Newyork vorgeschriebenen Formall-