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Der Israelit · 1930-07-17 · Heft 29 (17.7.1930) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 29 (17.7.1930)
Date
1930-07-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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hat? Achad Haam und B i a l i k, seinem Ergüsse nach Edelblüten des alten Jefchiwageistes, werden sich schön bedanken für diese Ehre. Beide, der Denker und der Dichter, konnten nur dadurch, daß sie der Jeschiwa den Rücken kehrten (Achad Haam hat nie eine , solche besucht) Objekte der nationalen Verehrung und. Bewunderung werden. Achad Haam stand und brachte unzählige Jünger der nationalen Haskala an den „Scheideweg". Die Jeschiwa, und gar erst die Weltjefchiwa in Lublin, will den Weg zum Ziele, den Weg zur Thora und Lebensweihe, den einzigen jüdischen Weg zeigen. V i a l i k hat den „Mathmid" in schönen Rhythmen besungen. In Lublin wird man nicht über den Mathmid singen, sondern Hunderte werden das Lied von Hillel und Schammai, Raw und Schemuel, Rowo und Abaje singen, Tag und Nacht, sie werden das tun, was noch in späteren Jahren die Flügel der Bialik'schen Poesie in Schwingung bringt. Die Mitglieder des Pen-Klubs besichtigen die Jeschiwa als eine exotische Pflanze? Dann war es aber wahrlich höchste Zeit, daß uns ein Rabbi Meir Schapiro erstand, der die polnische jüdische Jugend für die Thora zurückrettet. Im übrigen weiß es die „Jüdische Rundschau" und weiß es ihr Warschauer Berichterstatter nicht, was für Blüten die Lubliner Jeschiwa hervorbrmgen ' will? Keine Achad Haams und keine Bialiks und auch keine Mitglieder des Pen- Klubs. Nein, das nicht. Ein n i ch t j ü d i s ch e r Ministerialvertreter hat es in der Stunde der Freude deutlich gesagt: „Möge die Lehranstalt Polen und dem polnischen Judentum Söhne schenken wie Rabbi M e i f e l s und Rabbi Perlmutter!" Was heißt »jüdisch gleichberechtigt"? Eine offene Anfrage an Herrn Rechksanwalk Dr. Alfred Klee in Berlin. Sie haben in einem in verschiedenen Blättern veröffentlichten Aufsatz über „Gemeindearbeit einst und jetzt" u. a. einen verschleierten Appell an die aus religiösen Gründen aus den Einheitsgemeinden ausgeschiedenen Orthodoxen gerichtet, zu diesen Gemeinden zurückzukehren, weil der Austritt unter „historisch anderen, heute nicht mehr geltenden Bedingungen" vorgenommen worden sei. Sie äußern sich dabei wie folgt: „lieber Austritt aus der Gemeinde aus religiösen Motiven brauche ich nicht zu sprechen. Er mag seine historische Bedeutung gehabt haben, als der beigefügten Abbildungen des 722772 und seiner Geräte das Verständnis des Inhaltes ungemein gefördert. Es, wäre recht wünschenswert, daß bald Kij?’i 120 erscheinen würde, welches die Opfergesetzgebung, wie überhaupt ganz a’3n2 nnu, erstere nach und mit klar durchdachter und vorbildlich präzise durchgeführter Disposition, behandelt. Es ist als ein größerer Band gedacht, welcher speziell und vorwiegend als Handbuch für den Lehrer in Frage kommen soll. Eine Festschrift zu Ehren der Lubliner-Zeschiwa. Ein schönes Buch, ca. 400 Seiten stark, gut gebunden, repräsentiert sich als isv/ Fe st buch zur Eröffnung der Lubliner Weltjefchiwa, und ist vom Herausgeber, Samuel Nadler, Leiter des Verlages „Mejforah" in Lodz, dem Schöpfer des Lubliner Thoraunternehmens, Rabbi? Meir Schapiro- Lublin, gewidmet. Es ist eines der besten Sammelwerke, die in letzterer Zeit die neuhebräische Literatur hervorgebracht hat. Neuhebräisch in Form, Aufmachung, Buchschmuck und mit Hinblick auf die ausgezeichnete fließende, von allen geschmacklosen Neubildungen sich fernhaltende und dennoch lebendige Sprache, aber alt- und gut jüdisch im Inhalte; ein Schatzkästlein für Talmudbeflissene, die Thora suchen, wie für Jugend, die schöngeistige Literatur liebt, für den Gelehrten, der wissenschaftlicher Forschung nachgeht, wie für den Laien, der in Stunden der Muße eine Lektüre der Erbauung und Gemütserheiterung vorzieht. Eine kurze Angabe des Inhalts zeigt die bunte Fülle und die glückliche Zusammenstellung. 16 Nummern zählt der h a l a ch i s ch e Teil, davon 5 aus der Feder von erstarkte Liberalismus in intoleranter Einseitigkeit und aus einer vermeintlichen Pflicht zu „erzieherischer Aufklärungsarbeit" heraus, den thoratreuen Juden-die Möglichkeit der Befriedigung ihrer Bedürfnisse nahm. Diese Zeiten sind endgültig vorbei; der sterile Liberalismus vieler Gemeinden, von dem seit Jahrzehnten kein religiös richtunggebendes Wort mehr ausgegangen ist, der mir Assimilation, mit Sonntags-Gottesdienst, mit Bruch der jüdischen.Einheit durch Aufgeben der hebräischen Sprache kokettiert und der die Berliner „Reform" als jüdisch gleichberechtigt ansieht, ist innerlich viel zu morsch, als daß er es wagen könnte, einer geschlossenen, positiv jüdischen Weltanschauung etwas Ernstes entgegen zu setzen. An manchen Orten ist der Einfluß der neuen Strömungen in der Gemeindepolitik heute schon stark genug, um die Gewissensfreiheit der früher Bedrängten restlos und dauernd sicherzustellen. Wir warten auf die Rückkehr der unter historisch anderen Bedingungen einmal von uns Gegangenen, und unser selbstverständliches Ziel ist die Einheitsgemeinde aller bei uns wohnenden Juden." Sie behaupten also, daß in den Großgemeind-en manchen Ortes die positiven Strömungen in der Gemeindepolitik heute stark genug seien, um die „Gewissensfreiheit der früher Bedrängten restlos und dauernd sicher zu stellen". Sie sprechen jedoch in Ihren Ausführungen der „Berliner Reform", d. i. der Johannisstraße, den. Anspruch aus gleichberechtigte Anerkennung aus dem Boden der Jüdischen Gemeinde ab; es scheint also, daß Ihr eigenes Gewissen es als eine unerträgliche Belastung empfinden würde, wenn man ihm etwa zumutete, die „Berliner Reform" mit ihrem Sostntagsgottssdienst, ihrem Bruch der jüdischen Einheit durch Preisgabe der hebräischen Sprache, als „ j ü d i f ch g te id}b er e d)ti Qt" anzuerkennen. Das ist verständlich. Aber können Sie sich dann nicht auch in die Seele anderer, um einen Grad empfindlicherer Menschen, versetzen, für die beispielsweise die feierliche Proklamierung der Leugnung des Messiasgedankens im Gebetbuch oder die Verkündung bibelkritischer Anschauungen von der Kanzel einer Synagoge oder Damenchor und Orgeltöne, als einen ebenso starken „Bruch der jüdischen Einheit" und eine ebenso entschiedene Negation des Judentums überhaupt ist, wie es in Ihren Augen die Abschaffung der. hebräischen Sprache und die Verlegung des Sabbats auf den Sonntag darstellt? Ist es nun nicht bis auf den heutigen Tag sine „Bedrängung der Gewissensfreiheit", wenn man Juden, die so empfinden, zumutet, die von ihnen aus tiefster Seele als illegitim, ja als revolutionär betrachteten Richtungen dennoch auf dem Boden der liberal-orthodoxen Einheitsgemeinde als „jüdisch gleichberechtigt" anzuerkennen? Ist dies aber der Fall, wie können Sie erwarten, daß die Orthodoxie, soweit sie auf diesem eben gekennzeichneten religiösen Standpunkt steht, Oberrabbiner Schapiro. Das Kapitel „Agada und Chakira", erstreckt sich auf 80 Seiten, bringt Artikel und Aufsätze, agadische Erklärungen, Biographien, Worte des Ezortkower Rebben usw. Der belletristische Teil ist mit 40 Nummern ein reiches Buch für sich. Bekannte Namen begegnen uns da, so Dr. Nathan Birnbaum mit' einem Aufsatz ,1220,1, S. Schachnowitz mit einer Novelle „Eine Jeschiwa im ewigen Schnee" (Montreux), Jakob Landau mit einer Abhandlung über Jjob und Koheleth u. v. m. Der dritte Teil ist ganz der Lubliner Weltjefchiwa gewidmet. Ausgezeichnete Bilder illustrieren den Text in anmutiger Weise. Das ganze Buch ist, abgesehen von Anlaß und Zweck, eine ungemein wertvolle Bereicherung der hebräischen Literatur altjüdischen Geistes. Die Herausgeber, die unter schwierigen Umständen eine vitale Ausgabe lösen, indem sie gutjüdische Werke herausgeben. verdienen volle Achtung und Unterstützung in der ganzen jüdischen Welt. (Ein reuiger Antisemit begeht Selbstmord.) Auf dem Broni-Platz vergiftete sich gestern mittels Karbolsäure der 62jährige ehemalige Kommissar der zaristischen Ochrana Sergej M i t u l 0 w; er wurde in hoffnungslosem Zustande nach dem Krankenhaus gebracht. Bor etwa 20 Jahren war Mitulow Chef der zaristischen Ochrana in Warschau und hatte als solcher die jüdische Einwohnerschaft stark verfolgt. Er spielte dann während des Krieges in Rußland eine große Rolle, flüchtete nach der bolschewistischen Revolution nach Warschau, wo er in recht dürftigen Verhältnissen lebte. Vor einigen Tagen wurde er von einem verarmten Warschauer jüdischen Bürger, dem er einst bitteres Unrecht zugefügt hat. auf der Straße erkannt. Der Jude überreichte ihm einen 20 Zlotyschein mit den Worten: „Für das, was du mir in den Schoß von Gemeinden zurückkehrt, die durch ihren ganzen Aufbau bekunden, daß sie die Leugnung jüdischer Grundlehren, wie sie im Gebetbuch und anderen Institutionen des liberalen Kultus zum Ausdruck kommt, als „jüdisch gleichberechtigt" ansehen? U. A. w. g. Die Beziehungen des Judentums zu Proselyten. - Eine Replik von Dr. S. Viatoblocki. (Schluß.) Marmonid.es hat diese Tosefta als Gegensatz zum Sisri aufgefaht und gegen den Sisri inr Sinne der Tosefta entschieden, denn aus dem ausschließlichen Verbot für Jerusalem folgt doch die stillschweigende Erlaubnis für die anderen Städte. (Nebenbei bemerkt wird in Baba Kama 82b unter den zehn Vorzügen Jerusalems das Verbot der Ansiedlung eines Ger-Toschaw nicht erwähnt. Wahrscheinlich entspricht diese Stelle dem Sisri.) Es handelt sich also nicht um einH „Meinungsverschiedenheit zwischen Maimonides und Bialoblocki", wie es Breuer hinzustellen beliebte, sondern zwischen Sisri und Tosefta. Wenn dann Breuer hinzufügt, daß die Voraussetzung, der Ger-Toschaw ist kein Jude, zwar richtig sei, „aber nicht für Bialoblocki, der eine Seite vorher irrtümlich behauptete, daß der Ger-Toschaw wohl Jude fei", so kann es sich angesichts seiner „eingehenden Prüfung" meines Vortrages kaum um ein Versehen handeln. Von einem Ger-Toschaw als Juden war nur bei der Erläuterung der Meinung der Acherim die Rede, während ich ausdrücklich auf Seite 5 meines Vortrages hervorhob, daß die Halacha entsprechend den Chachamim den Ger-Toschaw als Fremden ansieht. Nur von diesem Standpunkte aus ging ich zur Betrachtung des Sisri über. 6. Für den Ausspruch des R. Schimon b. Eliefor in Arachin 29a: „Die Zulassung eines Ger-Tofchaw in die Gemeinschaft geschieht nur zu einer Zeit, zu der man das Jubeljahr einhält," habe ich den oben erwähnten politischen Grund als maßgebend erachtet. Herr Rabb. Dr. Breuer meint aber, es sei ein Versuch, „eine talmudische nw mn mit Hilfe des beiseite zu schieben." Die nw mH' die an für diese Bestimmung angeführt, hat offenbar bereits der indem er einen wirtschaftlichen Grund für die Bestimmung suchte, nicht für ausschlaggebend gehalten. Hält es Breuer für möglich, daß der T'ükI' wenn es sich um eine überlieferte nw N"1N' die angetan hast, hast du genug bezahlt, ich verzeihe dir!" Mitulow berichtete über diese Begegnung seinen Kollegen und fügte hinzu, das Benehmen des armen Juden habe auf ihn stark gewirkt. Bei dem Selbstmörder fand man ein Schreiben folgenden Inhalts: „Das Leben konnte ich bisher nur darum ertragen, weil ich des Glaubens war, das Schicksal hätte mir übel mitgespielt. Nachdem ich mich aber überzeugen konnte, daß das Schicksal gegen mich nur gerecht war, habe ich all meine Lebenshoffnung verloren. Ich weiß nun, das Leben ist mir nichts schuldig -geblieben; ich habe es genossen und dafür teuer bezahlt." (Es gibt keinen Zweiten.) Im Rausche der Lubliner Feierlichkeiten sagte ein Redner, Rabbi Meir Schapiro verdiene den Namen nvn 1^21^72 n*ma. Darauf antwortete R. M. Schapiro schlagfertig: Als maii einem Enkel von Napoleon bei der Krönung den Titel Napoleon II. geben wollte, sagte er, es gäbe keinen zweiten Napoleon. So wurde er Napoleon Hl. genannt. Für mich aber ist auch der Titel „Maharam der dritte" zu viel ... Mockenkalender. v 19. — 26. Juli 1930 ’ v. 23. Tammus b. 1. Ab S680 Samstag 19 23 snnn P212» om’a Sonntag 20 717271 24 Der Mauled ist Donnerst, vorm. 11 Uhr 12 Min. Montag 21 25 vienstag Juli 22 26 Mittwoch 23 27 Donnerstag 24 28 ' ft?j? 1722 27» sreitag 25 28 29 Samstag 26 1 cnn 2781 '2072 71172V

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