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Der Israelit · 1930-07-10 · Heft 28 (10.7.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 28 (10.7.1930)
Date
1930-07-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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10. Jul« 1930 Der Israelit Nr. 28 .Seite 7 Würzburger" zur lebendigen Wahrheit werden zu lassen? Es wird, es muß sich gelegentlich der Jubiläums-Festtage Zeit finden lassen, eine feste Organisation zu begründen, der Zusammenschluß muß sich vollziehen. Zustimmungserklärungen und sachliche Anregungen werden von ben Unterzeichneten dringend erbeten, ohne daß mit der Zeichnung dieser Namen etwa eine Festlegung für die endgültige Gestaltung von Organisation und Leitung vorweggenommen werden will. Die Zeit von 8—10 Uhr vorm, am Montag, August, ist anderweitig mcyt belegt. Wir halten deshalb diese Vormittagsstunden für geeignet zu einer konstituierenden Versammlung einer „Vereinigung ehemaliger Würzburger" und laden hierzu alle früheren Schüler der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg herzlichst ein. Es folgen Unterschriften bekannter Persönlichkeiten. Rumänien. Was in Balti gesÄMh. Czernowitz, 29. Juni. Das „Czernowitzer Morgenblatt" entsandte einen seiner Mitarbeiter nach Balti zur Untersuchung der unaufhörlichen antisemitischen Exzesse in dieser Stadt. Der Mitarbeiter schildert in einer Serie von Artikeln die verschiedentlichen Exzesse. Er stellte fest, daß bis jetzt 70 Juden mißhandelt wurden,'von denen 50 Verletzungen erhielten. Die 70jährige Malta Windwehr brach unter den Mißhandlungen ohnmächtig zusammen und liegt noch heute im jüdischen Hospital schwer darnieder. Die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft blieb unerledigt. Auch andere jüdische Frauen, die vom Markte kamen, wurden von Cuzisten überfallen und verletzt. Der jüdische Bürger Rosenthal wurde so schwer mißhandelt, daß er ohnmächtig in das Hospital gebracht wurde. Die Kette der einzelnen Ueberfälle zieht sich vom 10. Mai bis zum 16. Juni. Am 16. Juni wurden auf dem Platze Tiganimii ^mehrere Juden mißhandelt. Die Polizei wurde avisiert, auch der Erste Staatsanwalt von Balti, Pascuraru, kam an den Schauplatz der Exzesse. Er gab den Auftrag, die Juden, die sich in der Gasse ansammelten, zu schlagen. Der Angriff an diesem Platze wurde von den Cuzisten nur deshalb inszeniert, um einer anderen Bande von 50 Cuzisten die Möglichkeit zu geben, das jüdische Viertel in der Strada Bratianu anzugreifen. Dort drangen die Cuzisten in die jüdischen Wohnungen ein, demolierten diese und zerstörten Fensterscheiben und Enigangstüren. Der 60jährige Eli Kiselew wurde schwer verletzt, ebenso ein junges Mädchen, Sonja Abrahamowicz. Lebensgefährlich verletzt wurde der jugendliche Jtzig Liepfon, der zu einer Operation nach Kischinew gebracht wurde. Schwer verletzt wurden ferner Joseph Gabor. Gersch Stuhl und Benja Hawies. Die Zahl der Leicht, verletzten ist ziemlich groß. B u k a r e st, 5. Juli. Die ununterbrochene Reihe terroristischer Akte, die die Anhänger des antisemitischen Abgeordneten Cuza in allen Teilen Alt- und Neu-Rumäniens feit mehreren Wochen gegen die jüdische Bevölkerung verüben, wurde in der Nacht zum 5. Juli durch eine grauenvolle Tat übergipfelt. Eine Gruppe Cuzisten drang in das transfylvanische Städtchen Barsche, das bereits vor einigen Wochen Schauplatz terroristischer Pogromversuchc rvar, die aber durch die jüdische Einwohnerschaft abgewehrt wurden, ein, und legte an mehreren Stellen Feuer an. Bei der herrschenden Hitze und Trockenheit griff das Feuer rasch um sich, so daß nach wenigen Stunden fast das ganze Städtchen ein einziges Flammenmeer bildete. 128 ausschließlich von jüdischen Familien bewohnte Häuser brannten bis auf den Grund nieder, mehr als 2000 jüdische Seelen sind obdachlos mnd der äußersten Not preisgegeben, da aus den Wohnungen und den Läden nichts in Sicherheit gebracht werden konnte. Das Elend und die Panik unter oer jüdischen Bevölkerung von Borscha sind unbeschreiblich. In Marmaros Sziget bildete sich sofort ein Hilfskomitee, welches sich telegraphisch an. das euroxm.,--e Büro des American Joint Distribution Committee in Berlin, sowie an das Berliner Büro der America « Joint Reconstruction Foundation mit der Bitte wandte, sofort einen Betrag zur Linderung der dringendsten 'Not zur Verfügung zu stellen. Das Innenministerium ordnete strenge Maßnahmen -gegen alle an, die die antisemitischen Demonstrationen und Exzesse in Wama und Kimpolung verschuldet haben. Das Innenministerium teilt mit, daß ein Teil der antisemitischen Agitatoren in Wama und Kimpolung bereits verhaftet wurde, es wüdren die strengsten Maßnahmen gegen die Schuldigen ergriffen. (ITA.) Polen. Der neue Lubliner Raw in seiner Gemeinde. Lublin, 1. Juli. Eine natürliche Fortsetzung 'der Einweihungsfeierlichkeiten bedeutete der erste Sabbat mit Rabbi Maier Schapiro als neuem Oberrabbiner. Es war ein Fest im Feste, das historische Bedeutung erhält. Die alte Maharschal-Schul war am Freitagabend und am Sabbat vollgefüllt. Tausende mutzten draußen bleiben, da sie keinen Einlatz nrehr fanden. Auf dem alten Rabbinersitz drinnen thronte der neue Obarrabbiner, neben ihm sein greiser Vater und Ratmänner aus der Verwaltung. Vor dem Ausheben hielt der neue Rabbiner seine Antrittsrede. Das talmudische Wort oipva “nnwi Vy übersetzt er in dem Sinne, datz man auf einem Posten, auf dem grotze Männer gewirkt haben, kein i-V sein, nicht stillftehen darf, sonder«« man mutz von Etappe zu Etappe weiter streben. Das wollte er tun, allen Störungen mrd Hemmungen zum Trotze. Wie Abraham auf dem Wege zum Moriah Satan in der Form von Wasser und Berg überwandt, so wollte auch er alle Hindernisse auf dem Wege zu seinem Ziele überwinden. Nach dem Gottesdienste fand ein Frühstück für viele Hunderte statt. Die „dritte Mahlzeit" mit dem neuen Rabbi an der Spitze a«n Nachmittag zog sich unter ungeheueren« Jubel bis in die späte Nachtstunde hinein. Litauen. Der litauische Außenminister sür die Stabilität des Sabbat. K o w n o , 1. Juli. Eurer 'bei ihm erschienene«« Delegation des litauischen Rabbinerverbandes versprach Außenminister Dr. Zainius, innerhalb des Völkerbundes dahin zu wirken, daß bei einer eventuellen Kalenderreform die Stabilität des Sabbat innerhalb der Woche nicht angetastet werde. Dänemark. Aus der Tätigkeit der dänischen Schomre Schabbos-Landesorganisation. Kopenhagen, 1. Juli. Es ist nunmehr ein Jahr verstrichen, seit die Landesorganisation des Weltverbandes Schomre Schabbos für Dänemark ins Leben gerufen wurde. Es gelang in dieser Zeit, die verschiedensten Kreise für die Sache der Sabbatbewegung zu gewinne,«. Die Ortsgruppe in Kopenhagen allein zählt ca. 100 Mitglieder und wird vor« der Gemeindeverwaltung in verständnisvoller Weise unterstützt. Unter der verdienstvollen Leitung des Herrn Oberrabbiner Dr. Friediger sind manche erfreulichen Ekfolge zu verzeichnen gewesen. In einer ganzen Reihe von Fällen wurden sabbatfreie Stellen vermittelt. Ferner gelang der Intervention des Oberrabbiners die Befreiung jüdischer Soldaten vom Dienste und die Dispensierung jüdischer Schüler vorn Unterricht am Sabbat. So ist diesen beiden Kategorien die Möglichkeit einer wirklichen Sabbatheiligung gegeben. Die dänische Landesorganisation «md ihr bewährter Leiter planen weitere großzügige Maßnahmen zur Erleichterung der ökonomischen Lage der Sabbattreuen. 'fbotinqaL Brief aus Lissabon. Lissabon, 2. Juli. ^Die Lissaboner Kehila ist etwa-100 Jahre alt und von Sesardim gegründet. Die Nachkommen der alten Gründer, insbesondere die ungeheuer reiche Familie Ben Saude, sind jedoch heute dem Judentum vollkommen entfremdet, sie sind infolge der bei der Gründung verabsäumten Umstellung eines Rabbiners oder jüdischen Gelehrten in vollkommener Unkenntnis aufgewachsen, und die Mischehen mit Katholiken sind bei ihnen an der Tagesordnung. Vasco Ben Saude, der heutige Chef des Welthauses, unterhält aus seiner Tasche fast allein das Hospital der „Matridade", ein städtisches oder besser gesagt, katholisches Hospital, er ist aber.von ihm, obwohl er noch Jude und Mitglied der Gemeinde ist, kaum etwas für das jüdische Hospital zu bekommen. Der an der Erhaltung der Kehila und dem jüdischen Leben interessierte Teil der sesardischen Juden befindet sich in einer schrecklichen finanziellen Krise, und der Existenzkampf läßt bei diesen keinen Raum für irgendwelche Betätigung bei der Gemeinde. Die Zukunft der Kehila ist, das geben selbst die einsichtigen Sefardim zu, bedingt von der aschkenafischen Einwanderung. Die Kolonie ist noch jung, alles befindet sich im Aufbau, noch weiß man nicht, ob die Niederlassung etwas endgültiges ist, ob es mancher schnell zu einer finanziellen Basis bringt und ob schließlich ein gewisser Wohlstand den Grund zu einer energischen Einflußnahme dieser Kreise in der Gemeinde schafft. Die neuen Wahlen haben der veränderten Konstellation insofern Rechnung getragen, als statt zwei, vier Afchkenasim in den Vorstand gewählt wurden, darunter der als sehr energisch bekannte Ingenieur Samuel Schwarz, allbekannt durch seine verdienstvollen Arbeiten über die Marannen in Portugal, die er entdeckt und teilweise dem Judentum wieder zugeführt hat. Für gestern Abend war in der Bibliothek der Synagoge eine Protest-Versammlung gegen die Sperrung der jüdischen Einwanderung in Palästina einberufen. Die Versammlung konnte aber nicht stattfi^den, da sie von der Polizei inhibiert wurde. Man hofft, daß sie in der nächsten Woche stattfinden kann. Vergangenen Sonntag fand in der Israelitischen Volksküche die Generalversammlung der Gemeind- S ch a a r e T i k w a h, d. HI der Kehila, statt. Es waren 46 Leute anwesend, die die erforderliche Mehrheit präsentieren. Von den 46 Anwesenden waren etwa 18 Asch - k e n a s i m, d. h. die Afchkenasim erschienen ziemlich vollzählig, von den Sefardim blieb ein großer Prozentsatz fern. Selbst die Tatsache, daß hier die Generalversammlung und die Wahlen nur alle vier Jahre ein- «nal stattfinden, konnte diese Gleichgültigen nicht zu einem Verzicht auf die üblichen Sonntagsoergnügungen bewegen. Wie in allen jüdischen Generalversammlungen der Welt, gibt es auch hier einige Schreier, die bei dem südlichen Temperament noch lauter schreien, aber im Grunde sich als recht harmlos erwiesen. Der übliche Rechenschaftsbericht wuxde entgegengenommen und dem alten Vorstand Absolution erteilt. Die Kritik richtete sich vor allem gegen die Schechitokornmission, die im Verhältnis zum Trefefleifch viel zu hohe Fleischpreise zulasse. Dann ging es gegen die mangelnde Aktivität des alten Vorstandes, der es nicht verstanden habe, das Interesse der Gleichgültigen an dem jüdischen Leben hier wachzurufen. Erwidert wurde von Vorstandsseite, daß sich infolge inangelnder Opferwilligkeit die finanzielle Lage der Gemeinde dauernd in ernstester Gefahr befinde. Für die jüdische Schule, die seit Jahren hier von dem Direktor Ben Arus unter größten Opfern geleitet wird, ist kein Geld mehr vorhanden, und was noch schlimmer ist, in den allernächsten Tagen müsse das jüdische Spital schließen, weil es ohne jede Mittel dastehe. Die hochherzige Gönnerin des Spitals, Frau Elena Abecaffis, die schon wiederholt Beträge in namhafter Höhe gespendet hat, lehnte es dieses Mal ab, weiter allein das Spital zu unterhalten, wenn von anderer Seite nicht auch etwas geschieht. Das Vorkommnis beleuchtet die finanzielle Lage der Kehila besser als bloße Worte. Mehr als die «nangelnde finanzielle Unterstützung rügt der alte Vorstand jedoch noch das Fehlen von Leuten, die im Interesse der Gemeinde arbeiten wollten. Lettland. Eine neue Verratslegende. Riga, 5. Juli. Vor kurzern konnte man in den lettländifchen, auch in polnisch-jüdischen Zeitungen die Hör lesen, der zionistische-misrachistische Abgeordnete N u r o ck sei für einen M i n i st e r p o st e n ausersehen worden, der Aguda-Deputierte, Herr D u b i n, hätte aber den Eintritt Nurocks in das Ministerium hintertrieben. Die Hetze, die sich daran in der nationalen Presse gegen Dubin und die Aguda knüpfte, läßt sich vorstellen. Es wurde sogar behauptet, Dubin hätte ein Doppelspiel geführt, indem er sich dem Misrachi gegenüber mit dem Eintritt Nurocks in die Koalition einverstanden erklärt, während er hinterher gegen ihn gewühlt hätte. Daß all diese Behauptungen aus der Luft gegriffen

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