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Der Israelit · 1930-07-10 · Heft 28 (10.7.1930) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 28 (10.7.1930)
Date
1930-07-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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10. Julr 1930 Der Israelit Nr. 26 Seite 3 Das Lodzer Blatt hat schon ganz richtig gesehen: Der grandiose Jeschiwahbau in Lublin ist ein D enkm al de r-jü d is chen F re ih e it. Oie arabisch-jüdischen Beziehungen. Es erscheint uns Wicht,-auf eine Reihe von Aeußerungen arabischer Zeitungen hinzüweisen, bk als Symptom einer allmählich erwachenden ruhigeren Auffassung der Situation gelten können, und die auf jüdischer Seite ein Echo finden sollten. Der arabische „Felestin" bringt in Anknüpfung an die Aeußerungen des englischen Vertreters, Dr. S h i -e I s in Genf, eine Auseinandersetzung über die palästinenstsche V e r f a s - sungsfrage und macht sich zunächst die Aeußerung Dr. Shiels zu eigen, daß „alles von der Bereitschaft der beiden Völker, der Araber und der Juden, in Palästina abhänge, zusammenzuarbeiten". Die erstrebte gesetzgebende Versammlung müsse als ein Instrument betrachtet werden, die gemeinsame politische Arbeit der beiden Völker zu organisieren. Da beide Teile darin übereinstimmten, daß die Fellachen nicht enteignet werden sollen und da aus zionistischer Seite die Idee eines jüdischen Staates hoffentlich aufrichtig ausgegeben sei, so habe man allen Grund, die Hoffnung auf die Möglichkeit einer Verständigung zu hegen. Die Regierung könne sich gegenüber der gesetzgebenden Versammlung sehr wohl ein weitgehendes Vetorecht Vorbehalten, um die Befürchtungen der Minorität zu zerstreuen. Der Artikel wendet sich alsöannan die Araber mit der Aufforderung, ihren Radikalismus aufzugeben und sich an der Schaffung eiües gesetzgebenden Rates zu beteiligen. Auch die ägyptische Zeitung „Mokatam" meint, wenn man die Einwanderung gemäß der Fassungskraft des Landes regele und den Verkauf von Grundstücken beschränke, werde -ein großer Teil der Konfliktstoffe zwischen Juden und- Arabern beseitigt werden können. Hier kommt es nun allerdings darauf an, festzustellen, was man unter „Beschränkung" von Grundstücksverkäufen versteht. Ganz anders wie die -arabische Hetzpresse hat sich auch der Führer der arabischen Delegation in London, Musa Kasim Pascha, in einem Interview geäußert. Seine Delegation habe zwar gegen die Mission von Sir John Simpson protestiert, aber das sei nur eine „Vorsichtsmaßregel" gewesen. Von Bedeutung für die weitere Entwicklung der Dinge ist die von dem Advokaten Dr. E l l a s ch namens der Juden vor der Klageder Wind es hätte fortzutragen vermocht. Cs entspinnt sich folgendes Gespräch: „Was ist geschehen, kann ich dir Helsen?" „Ich kann nicht nach Hause; ich darf mein Mäppchen nicht tragen, denn heute ist Schabbes!" „Ja, wie bist du denn zur Schule gekommen?" ,,Unser Christenmädchen hat mich hingebracht und dabei das Mäppchen getragen." ,,Wollte nicht einer deiner christlichen Mitschüler dich nach Hause begleiten und das Mäppchen tragen?" „Wir haben heute keine Schule. Der Lehrer hat uns dies gestern mitgeteilt; ich habe aber heute früh nicht mehr daran gedacht." ,,Hast du weit nach Hause?" „Fast eine halbe Stunde." „Was nun?" ,,Unser Mädchen kommt erst um elf Uhr, also in zwei Stunden, wieder her, um mich abzuhelon." „Und so lange willst du an den Eartenzaun lehnen?" „Würden Sie mich, lieber Herr, nicht bis zur nächsten Promenadenbank begleiten und auch das Mäppchen bis dorthin tragen?" „Gewiß will ich dies tun. Am liebsten würde ich dich gleich nach Hause bringen, aber dringliche Besorgungen lassen dies nicht zu. Vielleicht findet sich dann jemand, der sich deiner werter annimmt." Nach mehr als einer Stunde komme ich an der gleichen Bank vorüber. Immer noch sitzt der Judenknabe dort, immer noch mit tränenden Augen. „Mir ist so furchtbar langweilig, wäre ich doch nur zu Hause; niemand nimmt sich meiner an." Ich setze mich einige Minuten zu ihm, länger kann ich nicht verweilen; ich habe mich für eine Konferenz schon stark verspätet. Und kein Mensch in der Nähe, dem ich das Bübchen hätte anempfehlen können. „Nun halte tapfer noch drei Viertelstunden aus, mauer-Kommifsion offen ausgesprochene Anerkennung des materiellen Eigentumsrechtes der Araber an der Klagemauer. Dieses Eigentumsrecht ist zwar von jüdischer Seite nie bestritten worden, aber es dürfte doch zur Entgiftung 'der Atmosphäre beitragen, daß in dieser Hinsicht eine vorbehaltlose offizielle Erklärung abgegeben worden ist. Auf dieser Basis treten die berechtigten Ansprüche der Juden auf freie Ausübung des jüdischen Kultus vor der Klagemauer, wie sie seit Jahrhunderten unangefochten bestanden hat, um so heller ans Licht, und es ist zu hoffen, daß sie die Anerkennung nicht nur der Völkerbundkommifsion, sondern letzten Endes auch der arabischen Politiker finden werden. Für diese war ja der ganze Klagemauerkonflikt nur ein politischer Vorwand, der,seine Bedeutung verliert, wenn es gelingen sollte, in den realen Fragen der Einwanderung, des Vodenverkaufs und der Verfassung eine Verständigung zu finden. Zur Linderung der Nirtschafksuot der sabbattreuen ttaufleuke. Auf Anregung von Unternehmern und älteren Angestellten aus dem Kreise der sabbattreuen Kaufmannschäft fanden am 29. Mai und am 29. Juni in Frankfurt a. M. im engeren Kreise Aussprachen über die Frage statt, ob es angesichts der krisenhaften Entwicklung der Wirtschaftslage, die keinerlei Anzeichen der Besserung aufweist und eine immer größere Anzahl von Existenzen aufs Pflaster wirft, nicht möglich fei, der besonderen Not der sabbathaltenden Kaufleute wenigstens durch zweckmäßige Beratung zu begegnen und darüber hinaus durch gründliche Beobachtung der Wirtschaftstendenzen diejenigen Wege zu erkennen, die von den am Sabbat festhaltenden Unternehmern und Angestellten eingeschlagen werden müssen. Der Vorsitzende legte einleitend dar, daß in den Besprechungen, die während der letzten Monate von verschiedenen jüdischen Verbänden meist in Berlin abgehalten worden sind, die besonderen Komplikationen, die durch die Beobachtung des Sabbats erzeugt werden, naturgemäß nur geringe Beachtung fanden. Bei aller Würdigung der alles Einzelwollen und Planen überrennenden wirtschaftlichen Entwicklung, gegen die man im Grunde ohnmächtig ist, sei die Pflicht nicht zu verkennen, im Rahmen der verfügbaren geistigen und materiellen Kräfte immer wieder den Versuch einer Rettung wenigstens kleiner Gruppen von gefährdeten Existenzen zu unternehmen. bieuer Mädchen vorüberkommt und ziehe aus dem Vorfall die Lehre, daß Vergeßlichkeit viel Leid bereiten kann." Wie ich mich zum Gehen wandte, bricht ein neuer Tränenstrom aus einem jungen Augenpaar. Mich dauert der Knabe! Aber . . .! Ob er nicht einen innerlichen Zwist durchmacht? Auf alle Fälle muß ich den Sinn für Gehorsam des Judenknaben bewundern! Um die jüdische Abstammung . der Habsburger. Bekanntlich hat Präsident Masaryk ineinem Gespräch mit dem Chef-Nedakteur der „Vossischen Zeitung", Prof. Georg Bernhard, die Andeutung gemacht, daß seinerzeit das österreichische Kaiserhaus den größten Teil einer Auflage von Meyers Konservations-Lexikon habe ausiaufen und vernichten lassen, weil darin auf die jüdische Herkunft der Habsburger hingewiesen war. Wiener Familien sind noch im Besitze von Exemplaren der 1887 erschienenen vierten Auslage von Meyers Konseroations- Lexikon, in deren siebentem Bande, Seite 987, es heißt, daß Geschichtsschreiber des Hauses Habsburg im 13. und 14. Jahrhundert die Abstammung der Habsburger von der römischen Familie Pier Leoni herleiten, aus welcher im 12. Jahrhundert auch ein Papst, Anaclet II. hervorging; die Pier Leoni waren unzweifelhaft jüdischer Herkunft. Dieser Hinweis fehlt in weiteren Auslagen von. Meyers Lexikon. Auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen-Agentur beim Bibliographischen Institut in Leipzig, in dessen Verlag Meyers Lexikon erscheint, ob tatsächlich die vierte Auslage des Lexikons auf Veranlassung der Habsburger aus dem Verkehr gezogen worden sei, wurde erwidert: Zu unterscheiden ist unmittelbare beratende und stützende Hilfe von den auf lange Sicht wirksamen Maßnahmen, die sich auf die Jugend beziehen. Schon aus moralischen und religiösen Gründen muß mindestens in jedem Wirtschaftszentrum eine besondere Beratungsstelle für die von der Wirtschaftsnot getroffenen sabbattreuen Kreise vorhanden sein. Aber diese moralische Stütze kann auf die Dauer nichts zu Wege bringen, wenn sie sich nicht auf eine gut fundierte mit vollständigem Material ausgestattete sachliche Wirtschaftsberatung stützen kann. Für die abgebauten Angestellten und Arbeiter komme zunächst eine technisch gut funktionierende Stellenvermittlung in Betracht, mit der man sich in der heutigen Beratung nicht zu beschäftigen brauchte, weil anzunehmen sei, daß durch den Reichsverband der Schomre Schabbos-Stellenvermittlungen das unter den heutigen Verhältnissen Mögliche bereits geschehe. Ebenso muß leider auf den Aufbau der für die sabbattreuen Angestellten lebensnotwendigen Versicherung gegen Stellenlosigkeit aus naheliegenden Gründen in diesem Augenblicke höchster Krise verzichtet werden. Das in dieser Hinsicht schmerzlicherweise Versäumte lasse sich im Moment nicht nachholen. Bei den Arbeitnehmern handelt es sich zunächst um die Frage, inwieweit man sabbattreue junge Menschen in am Sabbat geöffneten oder christlichen Geschäften unterbringen kann und unterzubringen berechtigt ist, dann aber vor allem um die Hauptfrage: um die Beratung brotlos gewordener älterer Angestellten zur Aufrichtung einer neuen selbständigen Existenz, nachdem sie ja eine Stelle doch nicht finden können. Es müßte demnach eine Instanz vorhanden sein, die aus Grund eigener Arbeit und emsig gepflegter Beziehung zu erfahrenen Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens aller Zweige, zu den wirtschaftlichen Beratungsstellen des Staates und den Kommunen, zu den allgemeinen Wirtschaftsverbänden und den jüdischen Verbänden ein möglichst lückenloses Material sammelt, um jede Möglichkeit einer Existenzgründung, fei es als Vertreter, sei es im Handwerk und in der Kleinindustrie, sei es in der Landwirtschaft, erspähen zu können. Redner glaubt, daß auf dem Gebiete der Fabrikation von Spezialartikeln, von Gegenständen, die durch Patent oder Gebrauchsmusterschutz geschützt sind, kurz, auf allen Ge- Für Körper und Füsse nur DIAISN-Puder „In unserem Hause erinnert sich niemand, daß eine Auslage unseres Lexikons aus dem Verkehr gezogen ist . . . Unserem- Haushistoriographen ist bei seinen Studien für die Geschichte des Bibliographischen Instituts, die er 1926 geschrieben hat, nichts begegnet. Auch ist hier niemandem bekannt, warum in der fünften Auflage die betreffende Textstelle nicht wieder gebracht worden ist. Don der Redaktion lebt niemand mehr, auch die in Frage kommenden Autoren sind tot. Dem Bibliographischen Institut, das sich an die Kanzlei des Präsidenten Masaryk mit einer Anfrage gewandt hat, ist von dort die Antwort zugegangen, daß sich Präsident Masaryk in dem betreffenden Gespräche dahm geäußert hat, er habe in Wien gehört, daß einmal eine ganze Auslage von Mayers Lexikon durch Aufkauf dem Verkehr entzogen worden sei, weil darin die jüdische Abkunft des Hauses Habsburg behauptet worden sei. Von wem er diese Behauptung gehört hat, kann er sich nicht mer erinnern." Jedenfalls gibt das Bibliographische Institut zu, daß der in der vierten Auslage des Lexikons enthalten gewesene Hinweis auf die jüdische Abstammung der Habsburger in der fünften Auflage und in den weiteren Auslagen fehlt. „Judentum und Hygiene." Man schreibt uns: Die große Internationale Hygiene-Ausstellung in Dresden lenkt die Aufmerksamkeit wieder einmal auf den ganzen Komplex der volksgesundheitlichen Fragen. Das Judentum hat zu diesen Dingen außerordentlich viel zu sagen, enthält doch das Religioiitzgesetz eine sehr große Anzahl von Bestimmungen, deren Durchführung dem jüdischen Volke Lebenskraft und -Dauer gegeben hat.

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