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Der Israelit · 1930-07-03 · Heft 27 (3.7.1930) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 27 (3.7.1930)
Date
1930-07-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. Nr. 27. Der Israelit Umgebung teils in Privatpflege und Anstalten, teils zu Angehörigen zurück. 26 Kinder wurden durch die ';,Nachgehende Fürsorge", (Frau Martha I s a c s o n > Barmen), betreut. Die Berichte, die von DertrauensleuLeU Behörde^ und Pflegeeltern veMmäßig erügezogenwerden, Sergen eine gute Betreuung der Kinder, aber'auch bei Einzelnen die für chre Entmicklung weitere notwendige fürsorgerische Beobachtung. Hier machen sich in der Beschaffung des Geldes für Kuren ufw. wieder Schwisrigkeitenl bemerkbar. Ays dem Kassenbericht Ftzaü Clara Iss c s o n s, Barmen, ging hervor, daß der Wegegeldzuschuß im Berichtsjahr Mk. 2895,91 betrug,'davon konnten Mk. 1272.— von Zahlungspflichtigen Stellen wieder hereingeholt werden. Im A d o p t i o n s wesen, Leiterin Frau Else M e h e r, Elberfeld, lagen 19 Adoptivetternmeldungen gegen 40 im Vorjahr vor. 21 Kinder wurden zur Annahme gemeldet. Vermittelt, wurden 40. Kinder, davon 1 Kind durch die Hertrauensstelle Breslau, 1 Kind durch Bremen.' 3 Adoptionsverträge sind davon gerichtlich abgeschlossen. Bei schwierigen Fällen steht der Zentrale das Deutsche Archiv für BerussvörMünder m.. Frankfurt g. M. in dankenswerter Weste zur Seite. In 7 örtlichen ÄrbeitsausschuhsiZungen wurde, außer der laufenden Arbeit, zur Familien- oder A n - st a l t.s p,f le g e, zum' Regierungs- sowie GegenentwÜrf zum HpeHelifynrecht und zur A n n a h m e a n K i n d e s st a t t Stellung genommen sowie Pflegegeldzuschüsse, Erziehungsbeihil'sen, auf Anregung von Anstaltsseite die Wegesätze der BehördeNl für FanMienpflege und Versicherung der Pflegekinder' besprochen. Es konnten von der Zentrale im Berichtsjahr 4 Versicherungen eingeleitet werden, wovon eine mehrere Mitglieder der Ortsgruppe Barmen übernommen hat. Im Juni veranstaltete die Zentrale im Anschluß an Ne Jubiläumstagung des Jüdischen Frauenbundes eine Fa ch f i tz u n g, über deren Verlauf in der Presse berichtet wurde, außerdem nahmen Borstandsmitglieder sowie Geschäftsführerin an Konferenzen in Frankfurt und Hagen teil. Im Berichtsjahr wurden neue Richtlinien, Fragebogen für eine Erhebung über jüdisches Pflegewesen in Deutschland sowie Kartothekkarten für die nachgehende Fürsorge bearbeitet. Eine neue Vertrauensstelle entstand in Prag. Dem Vorstand trat als ärztlicher Beirat Frl. Prof. Dr. med. Selma Meyer-Düsseldorf bei, die jederzeit der Zentrale mit ihrem Rat zur Seite stand. Die finanzielle Lage war einigermaßen gesichert durch Beiträge und Spenden sowie einen Teilzufchuß aus Reichsmitteln!, der durch die Zentralwohlfahrtsstelle zugeführt wurde. Der Dank der Vorsitzende galt allen Mitarbeitern, den Vermittlungs- und Verträuensstellen, sowie den Verbänden, Gemeinden, Ortsgruppen, Vereinen, Logen und Schwesternlogen für ihre Mitarbeit und. finanzielle Unterstützung,, insbesondere auch der Synagogengemeinde Elberfeld,, die der Zentrale Unterkunft gewährt. Rach. Besprechung des. Jahresberichtes. trat man in die Besprechung der Tagesordnung ein. Es wurde folgendes beschlossen: Gönner, auch Ortsgruppen und Frauenvereine für die Versicherung von Pflegekindern zu gewinnen, um die Möglichkeit eines Kostenzufchuffes für die spätere Berufsausbildung' oder Ausstattung. zu haben. Ferner sollen die der Fürsorge der Zentrale unterstehenden. Kinder für Krankheitsfälle versichert werden. Der Antrag W e i ß k o p f, Ortsgruppen und Frauenvereine, namentlich auf kleineren Plätzen, möchten die Sorge für einen Pflegling übernehmen, wie es die Ortsgruppe Barmen getan hat, wurde an den Frauenbund weitergelieitet. Die von der Zentrale ausgearbeiteten „Vorschläge" zur Zusammenarbeit mit dem Berliner jüdischen Wohlfahrtsamt wurden nach einigen Aenderungen angenommen, ferner statt des eingehenderen Fragebogens der Zentrale der von Herrn Direktor Plato vorgelegte knappe Entwurf für eine Umfrage über j ü d i s ch e s P f l e g e w e s e n in Deutschland. Herr Dr. Berget bat, darauf hinzuwirken, daß Adoptiveltern bei Annahme von Kindern, die Namensgebung erst nach! abgeschlossenem Adoptionsvertrag vollziehen, da sich sonst leicht UrtzuträglichWten, besonders für das Kmd, ergebest. Besondere Beachtung fand ein Bericht der Leiterin der AdoptionsabteiluM Frau Meyer, über ' "/wilde" ' Adoptionen. Dre'"Anwesenden waren sich darin einig, daß Adoptionsvermitt-- lungen, welche durch Privatpersonen zustande kommen, die ohne Bindung an eine Organisation arbeiten, große Gefahren für Eltern wie für das zu vermittelnde Kind in sich berMn.' Die große Verantwortung, beiden Teilen gerecht zu werden, führte die Anwesenden i zu dem Beschluß, die Adoptionstätigkeit durch Privatpersonen mög lichst zu verhindern. Der Antrag Dr. Bergels, die jüdischen Jugendämter bezw. Vormünder von jeder eingeleiteten Adoption sofort in Kenntnis zu setzen, wurde angenommen. Großes Interesse erregte ein Antrag von Frl. Bertha Papperih e i m an den Frauenbund, den Frl. Karwinski vorbrachte, die kinderlosen Ehefrauen zu einem losen Bund zufammenzufassen und ihnen die Sorge, für ein fremdes Kind zu übertragen. Die eingehenden Gelder sollen Erziehungs- und Ausbildungszwecken dienen, die Leistungen sollen ein absolutes Plus gegenüber der Wohlfahrtspflege darstellen und keine Stelle entlasten. Frl. Pappenheim dachte dabei auch an Schützlinge der Zentrcile, für die keine verantwortliche Organisation zeichnet. Auch die Zentrale erbittet an'dieser Stelle für diese ärmsten Kinder das Interesse der jüdischen Oefsentlichkeit, sie hofft, daß es ihr durch tatkräftige Unterstützung aller jüdischen Kreise ermöglicht wird, die Zukunft dieser Kinder sowie derjenigen, die aus Geldmangel nicht aus andersgläubiger Umgebung herausgenommen werden können, günstiger zu gestalten. Nachbemerkung der Redaktion: Es wird leider im Berichte nicht gesagt, ob und wie die Zentrale für Adoptionswesen Gewähr für jüdische Erziehung der von ihr versorgten Kinder leistet. Handelt es sich insbesondere um Kinder aus gesetzestreuen Häusern, so wäre es doch Gewissenssache für die Zentrale, die Unterbringung so zu gestalten, daß neben dem Körper auch die j ü - dische Seele des Kindes gerettet wird. Wir haben keine Beweise dafür, daß es nicht geschieht, aber es wirkt beunruhigend, daß in dem Berichte diesem Punkte geflissentlich aus dem Wege gegangen wird. — Die Inquisition in Rußland. Die russische antisemitische Presse im Auslande wird fest dem ersten Tage der Umwälzung in Nußland nicht müde, zu berichten, daß . die Jud en die wahren Alleinherrscher 'Rußlands feien! und' auch der Münchener „Völkische Beobachter" erzählt seinen Lesern fast injeder HuNÄne^,. wie! „die jüdischen Machtha-beb irr Rußland die christ-! liehe Religiön verfolgen." '; . . - ' J'ü Wrklichkeit wird die jüdische Religion in Sowjetrußland so rücksichtslos, verfoM. daß' man schon von einer Inquisition in Rußland sprechen.kann, wobei festgestellt werden muß, daß die Schuld viel weniger die Sowjetregierung, als die jüdischen Kommunisten trifft. Bor mir liegen zwei Nummern der in Minsk erscheinenden jüdischen kommunistischen Zeitung „Oktober". . ' : In der Nummer vom 27. März lesend wir unter „Korrespondenz aus Sluzk": „Die Synagoge von Sluzk ist ein kontrerevolutionäres Nest, von wo aus verschiedene Verleumdungen. über die S orvjetregierung verbreitet werden. Und in derselben Zeit haben wir keine passenden Räumlichkeiten für kulturelle Anstalten. Deshalb, verlangt das Mische Proletariat von Sluzk, daß die Synagoge in einen Arbeiterklub verwandelt werden soll."!, Wir lesen in derselben Nummer, des „Oktober": „Das jüdische Proletariat der Stadt Jurewitschi, Gouv. Minsk, verlangt, daß der städtische Apotheker Gurewitfch von seinem Amt entfernt 3. Juli 1930 :\ werden sdlt/ da erkoscheresFleisch ißt und WM! Mazzoth bestellte." i S ch e cht t uist in Sowjetrußland-osfü ziell nicht, verboten^ Die Schockstim Mnd aber anerkannte „KontrepevolütioMre" und wenn ein, jüdischer Beamte koscheres Fleisch ißt, -wird er* sofort von den jüdischen Kommunisten denunziert und muh schließlich seine Regierungsstelle verlassen. * ,Jn derselben Nummer des „Oktober" finden wir auch einen sehr interessanten Leitartikel. Dort lesen wir wörtlich: ...... j : „In Warschau unterstützen die christliche Priester und die jüdischen Habbiner gemeiysaM die Mrgerlich-faschisiische Regierung. / In WM wg.f aus einem H.Hesdienst für die gefqllen^n M dischen Soldatenauch der BundeskaMer und! Oberfaschist Schober zugegen in der Synagoge. Es sind nämlich treue Verbündete. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika ->!!- organisiertM /jüdische -.Arbeiter, ProMtver^ sammlungen gegen?'die OrchoÄxw, aber.snlt Hllfe von Polizei und Gendarmen erstickten die Rabbiner die Stimme. des jüdischen Proletariats". Mit solchen plumpen Methoden suchen die jüdischen Kommunisten Stimmung gegen die jüdische Religion und ihre Vertreter zu schassen. Im „Oktober" vom 21. März lesen wir: „Unser Kampf gegen den Klerikalismus ist erfolgreich. Viele jüdische Arbeiterkollektiven haben beschlossen, am Sonnabend zu arbeiten. Fast überall verlangen die jüdischen Proletariermassen, daß die Synagogen in Arbeiterklubs verwandelt werden sollen. Die Klerikalen werden von der ausländischen Bourgeoisie unterstützt und zwar nicht nur mit Geld', sondern auch mit kontrerevolutionärer Literatur. Solche Fälle erlebten wir in den Städten Turow und' Jurewitschi. Wir haben die Maske des jüdischen Chauvinismus und Klerikalismus heruntergerifsen. Der Klerikalismus ist unser offener Klassenfeind'. Wir nehmen den Kampf aus, bis wir unseren Feind vernichtet haben." Die religiösen Juden sind also gefährliche -Kontrerevolutionäre, die man mit allen Mitteln zu vernichten sucht. Seit den Zeiten -des Mittelalters hatten die Juden für ihren Glauben nicht so viel zu leiden, wie unter der Diktatur von Stalin in Sowjetrußland. Nicht alle religiösen Juden können diese Qualen erwägen und sL erleben .wir reine .Erscheinung, die^an die spanische Inquisition erinnert. Viele Juden mußten - damals' dem Judentum untreu werden, um niWauftdem Scheiterhaufen ^zu,Werben. In Sowjetruhland herrscht bekanntlichReligionsfreiheit aber.' die religiösen. Juden verlieren ihre bürgerlichen Rechte,. bekommen keine Lebensmittel und sterben den langsamen Tod. Wir erleben, daß Rabbiner und Schochtim, um dem sicheren Tod zu . entgehen, öffentlich der jüdischen Religionsgenieinschaft den Rücken kehren. Die jüdische kommunistische Presse, der Moskauer „Emes ", der Charkow er „Stren" unh der Minfker „Oktober" veröffentlichen oft „Briefe" von Rabbinern' und Schochtim. So lesen wir im Moskauer „Emes" vom 18. März folgenden Brief eines „Rabbiners" der Stadt Semjonowka: „Ich, Maische Nasimow, Rabbiner von Semjonowka, Kreis Gluchow, teile öffentlich mit, daß ich eingesehen habe, daß Religion nur ein Nebel für das-Volk ist. Ich verzichte auf meinen Rabbmerposten und trete in den Kollektiv „Kraßny Pachar" als Arbeiter ein." - Armer Rabbi von Semjonowkal Du hast wahrscheinlich schon dem Hungertod' in die Augen geschaut, bis Du soweit kamst, diesen Brief zu Frankfurts größt es 8 pMi i ä I h a us.b i etet „Beste Qualität zu billigsten Preisen“. Uhren aller Arf -Gold . Silber— — Juwelen kr fÜBtslecke i?I Trau ring Nur Ze u n DfSeHntiäg/25-2^ tt , iSu.Tong

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