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Der Israelit · 1930-06-26 · Heft 26 (26.6.1930) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 26 (26.6.1930)
Date
1930-06-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 2. Nr. 26 sei es anfangs auch nur befriedigte Eitelkeit, die die Iungens an den Omud treibt, so wird aber durch das Gelingen doch nach und nach jüd. Wärme erzeugt werden und jüd. Gefühle wachgerufen. Und wenn nur das eine Ziel erreicht wird, daß sich die Jugend in diesen Lernstunden nicht mit am rav verbotenen Dingen beschäftigt, wäre auch schon viel erreicht. Haben wir doch schon heute auf den: Lande eine ganze Reihe von Gemeinden, in denen die Jugend am nur? Mittag, Zigaretten rauchend, in die benachbarte Stadt fährt, um dort Karten zu spielen, Vergnügungsstätten aller Art zu besuchen etc. Hiervon nbzulenken ist eine verdienstvolle Tat des Lehrers. Aber nicht nur vor 01127 bewahrt, wird durch derartige Lernkurse die Jugend, auch im positiven Sinne wird manches erreicht, wenn nur der Lehrer die richtige Einstellung zur Jugend findet. Er mutz es verstehen, nicht nur Lehrer auch der s ch u l e n t l a s s e n c n Jugend zu bleiben, sondern auch Freund und Berater derselben zu werden, an den sie sich mit allen ihren Nöten mit Vertrauen und Hoffnung wenden. Doch ist es bei aller Liebe und Freundschaft dringend notwendig, die Autorität zu wahren und auch evtl, mal mit Strenge und Zorn zu weitern, wenn die Jugend etwas unternimmt, was dem jüd. Gesetze oder der allgemeinen Sitte widerspricht. Man mutz die Jugend so an sich gewöhnt haben, datz sie auch das von ihrem Lehrer hinnimmt, ohne ihm zu grollen. Wenn dies nun auch die wichtigste Aufgabe des jüd. Lehrers darstellt, so erschöpft sich damit dieselbe keineswegs. Auch den Eemeindemitgliedern gegenüber muh er wissen, datz er Lehrer ist, d. h. religiöses Vorbild in Wort und Tat, den man als unentbehrlichen Führer im Gemeindeleben betrachtet. Es mutz sein eifrigstes Bestreben sein, wahres -Leben,» wie man es früher allenthalben batte, auch heute wieder erblühen zu lassen. Selbstredend stellen sich diesem Bestreben heute viele Hindernisse in den Weg; aber gerade darin zeigt sich die wahre Kunst des Lehrers, über diese Hindernisse hinweg zum erstrebten Ziele zu gelangen. Wenn n"A und nun mmjn die drei Pfeiler der jüd. Wellordnung sind,, so mutz der Lehrer sich als Maurer fühlen, der die stetige Ueberwachung und Ausbesserung dieser Pfeiler vorzunehmen und dort, wo sie fehlen, für die Neuerstellung derselben bedacht zu sein hat. Er mutz cw für Erwachsene einrichten und sei es aüch nur in nvon oder im Anschluß an den Gottesdienst, bei welchen die Besucher zur Mitarbeit angeregt werden, um selbst an den Problemen des Judentums mitzuarbeiten. -Daraus folgt, datz die Vorträge in gründlicher Vorbereitung mit den aktuellen Fragen der Gegenwart in Zusammenhang gebracht werden müssen, um aus der trokkenen Materie ein lebenswermes, lebendiges Bild zu gestalten, das plastisch vor das Auge des Zuhörers tritt und ihn in seinen Bann zieht. Zu besonderen Anlässen oder in regelmäßigen Abständen suche man auch durch Predigten in der Synagoge, bei denen man die ganze Gemeinde vor sich hat, während man bei den o'iiN'v naturgemäß nur einen kleinen Teil der Gemeinde als Zuhörer findet, Einfluß auf seine Gemeinde zu gewinnen. Hier darf man jedoch, wenn man wirklich Erfolg haben will, nicht den liberalen Herrn Rabbinern folgen, die in salbungsvollen Reden und in schwungvollen Phrasen nur rein rethorische Erfolge erzielen wollen, sondern man darf sich nicht scheuen, selbst auf die Gefahr hin, bei dem einen oder anderen Gemeindegewaltigen sich etwas unbeliebt zu machen, auf Verfehlungen und Mißbräuche hinzuweisen, die den rel. Charakter einer jüd. Gemeinde beeinträchtigen und stören und die Abstellung derselben zu fordern. Die Sprache muß energisch, fest und überzeugend sein, darf jedoch nicht verletzend wirken. Es ist dies eine Kunst, die der Lehrer erlernen mutz, bei deren Erlernung er die Psyche seiner Zuhörer, die Mentalität derselben zu Grunde zu legen hat und der Erfolg wird bei ständiger Bearbeitung der Gemeinde nicht ausbleiben, Es würde zu weit führen, im Einzelnen auszuführen, welche Erfolge ich z. B. in meiner Gemeinde dadurch erreichte, aber aus meiner Erfahrung heraus kann ich Ihnen diesen Weg als einen wichtigen Merkstein auf dem Wege zum Erfolge empfehlen. - (Fortsetzung folgt) 4. Tagung der «Ehemaligen Kölner" in Köln am 8.—10. Juni 1930. Lieber Freund Apt! Deinem Rufe, uns zur vierten Tagung der „Ehemaligen Kölner" in der St. Apernftraße zu treffen, hatte eine stattliche Anzahl von Kollegen Folge geleistet. Besonders waren die älteren und jüngeren Jahrgänge vertreten, einige sogar in Begleitung ihrer Ehegefährtinnen. Die mittleren Jahrgänge dagegen glänzten fast vollständig durch Abwesenheit. Uns Aeltere zog es mit unwiderstehlicher Macht wieder einmal hin zu dem Haufe, in dem wir goldene Jugendjahre verbracht und manchmal auch tolle Jugendstreiche geliefert haben. Die Kölner Kollegen taten Ihr Möglichstes, um uns den Aufenthalt in der rheinischen Metropole recht angenehm zu gestalten, und ich will nicht unterlassen, im Namen aller Teilnehmer ihnen ein herzliches coms i'D" zuzurufen. Daß sich in Köln im Laufe der Jahrzehnte mancherlei verändert hat, darf ich hier noch einmal aussprechen, obwohl ich weiß, daß Du orientiert bist. In unserer Zeit befand sich das Seminar noch in sehr primitivem und, wenn ich so sagen darf, embryonalem Zustande. Heute ist ihm eine sechsklassige Uebungsschule angegliedert. Es unterrichten an ihm Lehrkräfte, die in wissenschaftlicher und pädagogischer Beziehung aus der Höhe stehen, womit natürlich nichts gegen unsere Lehrer gesagt sein soll, Der Israelit denn auch sie gaben in ihrer Zeit ihr Bestes her, um die Emporbildung ihrer Schüler in jeder Weife zu fördern. In den Seminarräumen hat auch die Kölner Höhere Jüdische Schule ,,Jawne" ihr Domizil ausgeschlagen. Ustd was für uns Alte ein Novum ist: Heute beherbergt das Seminar auch eine ziemlich starke Anzahl Vertreter des zarten Geschlechts, und es scheint das Zusammenarbeiten der Seminaristen mit ihren weiblichen Kameraden eisten recht wohltuenden Einfluß auszuüben.. Wir gewannen den Eindruck, daß das Seminar, auch wenn die von den Forderungen der Gegenwart als notwendig erkannte Umstellung in der Methode der Lehrerausbildung durchgeführt wird, feine Ausgabe als Lehrerausbildungsstätte in jeder Weise zu erfüllen imstande sein wird. Doch es ist nicht meine Absicht, mich in theoretische Erörterungen zu verlieren, obwohl sie eigentlich zum Thema gehören. Ich will Dir vor allem über den Verlauf unserer Tagung berichten. Der Sonntagabend vereinigte uns in der Seminaraula zu einem-gemütlichen Bierabend. Die Leitung lag in den Händen des Kollegen Dr. Stern-Köln. Er verlas die brieflichen und telegraphischen Grüße, die von einer Anzahl am Erscheinen verhinderter Kollegen eingegangen — viele unserer Mitglieder hatten es, wie das so üblich ist, vorgezogen, sich in Schweigen zu hüllen, — und berichtete über den Stand unserer Vereinigung. Alsdann trat der Humor in feine Rechte. Adler-Osnabrück, Meyer-Köln, Kaufmann-Schotten, Kupfer-Saargebiet von den älteren. Semestern sprachen über das Seminar von einst und zauberten die Jahre unserer Studienzeit vor unsere Augen. Frl. Gibermann, sowie die Kollegen Günzburg-Borken, Herz-Hamburg und Großmann-Köln nahmen sich das Seminar von heute vor und rissen das Haus zu stürmischen Lachsalven hin. Eine große Freude war es für uns, die greise Gattin unseres Heimgegangenen Seminarlehrers Schwarzschild b"i unter uns zu wissen. Sie war gekommen, um sich mit uns, den Schülern ihres seligen Mannes, unseres Zusammenseins zu freuen. Die Veranstaltungen des Montags trugen einen ernsten Charakter. Um 9 Uhr versammelten wir uns in der Aula zur Enthüllung der Gedenktafel zu Ehren unserer im Kriege gefallenen Kollegen. Der Leiter des Seminars, Herr Studienrat Gut, sprach gedenkende Worte und erklärte, daß köstliches Menschengut mit den Opfern des Krieges dahingegangen. Nach diesem, den gefallenen Kollegen gewidmeten ernsten Akt, der mit einem von dem Seminaristen Grabowsky vorgetragenen c=r»m 'x abschloß, unternahmen wir einen Gang von noch höherem Ernste zu den Gräbern unserer Heimgegangenen Lehrer. In Ergriffenheit standen wir an den Ruhestätten von Dr. Plato b^u Dr. Carlebach und Schwarzschild b"n und lauschten den Worten, in denen uns die Herren Rabbiner Dr. Carlebach und Gut die Gestalten unserer Lehrer in ihrer Größe und Bedeutung vor unser Auge stellten. Es war eine Stunde der ernstesten Erinnerung und wir schämten uns nicht der Tränen, die in diesem Momente der Weihe und wehmutsvollen Stimmung in unser Auge trafen. Um 1 Uhr ging es zu Tisch, wieder in der Aula des Seminars. Daß es da neben den kulinarischen Genüssen auch nicht an rednerischen Darbietungen fehlte, die, wie es in den Räumen unsrer alma mater eigentlich selbstverständlich ist, mit trefflichen rinn »nan durchsetzt waren, kannst Du Dir wohl.-denken. Den Reigen eröffnete unser Freund Gut. Ihm folgten der Rabbiner der Adaß Jeschurun, Herr Dr. Carlebach, die Herren Dr. Schlesinger-Köln, Berlinger-Trier und Hirschberg- Frankfurt a. M., der besonders seiner Rede eine humoristische Note zu geben verstand. Als wir um etwa 3 Uhr gebenscht hatten, erhob sich die Frage: Wie füllen wir die Zeit aus bis zu der am Abend um 8.30 Uhr beginnenden akademischen Feier? Doch da gab es nicht langes Besinnen. Wir zogen, los, um wieder einmal einen Gang durch die Stadt zu unternehmen wie einst vor Jahrzehnten. Wenn auch das Braun, oder Schwgrz unseres Haarschopfeswie wir ihn damals trugen,'älß wir, als Schüler in der St. Apernftraße geweilt, sich im Laufe der.Jahrzehnte gebleicht hatte, wir fühlten uns jetzt wieder jung, wir lebten uns in die Illusion hinein, unbeschwert von den Sorgen und Mühen unseres Berufslebens, wieder auf unfern Seminaristenbeinen durch die Straßen unseres lieben, alten Köln zu ziehen. Wir fanden uns bald zurecht, obwohl Köln feit damals feine Physiognomie stark verändert hat. Unsere ältesten Semester zog es nach der Thieboldsgaffe, das Haus zu suchen, in dem zu ihrer Zeit das Seminar feine Stätte aufgeschlagen, an deren Annehmlichkeiten die alten Herren heute noch, wie aus ihrem Munde zu vernehmen war, mit wehmütigen Gefühlen zurückdenken. Am Montagabend hatte sich eine stattliche Anzahl Damen und Herren im Coloniasaal zur akademischen Feier zusammengefunden. Kollege Dr. Stern hatte wiederum das Präsidium in Händen. In feiner Begrüßungsrede erörterte er den Zweck unserer Vereinigung und umschrieb ihre Aufgabe darin, nicht nur die Erinnerung an die gemeinsam verbrachte Studienzeit zu pflegen, sondern auch das Recht in Anspruch zu nehmen, bei der Neu- und Umgestaltung der jüdischen Lehrerbildung in ihrer Ausf Wirkung auf die Form, in welcher unser Seminar weiter bestehen wird, ihr Votum in die Wagschale zu werfen. Dr. Stern gedenkt der Dahingeschiedenen: des Seminardirektors Dr. Carlebach V'xt der Kollegen Schönbach- Holzminden b“i und Baum-Bonn b"i, Die Versammlung weiht ihnen eine Minute stillen Gedenkens. Als erster Redner des Abends erhebt sich das Mitglied des Kuratoriums, Herr Dr. Rosenthal, Rabbiner der Synagogengemeinde Köln. Ich darf wohl sagen, die Rede des 26. Juni 1930 Herrn Dr. Rosenthal bildete in ihrer Formvollendung und noch mehr durch die Wucht der in ihr gebrachten Gedanken in Mrer Beziehung zu, der Zukunft Unseres Seminars deü Höhepunkt aller Veranstaltungen. Herr Dr. Rosenthal spricht über die Frage der jüdischen Lehrerausbildung und ihre Behandlung im Preußischen Landesverbände. Die Angleichung der jüdischen Lehrerblldüng an die allgemeine Lehrerb i l d ü n g i st berechtigt und n 0 t w e n d i.cj.' Redner erklärt sich jedoch gegen die Unif 0 rmierung der jüdischen Lehrerbildung, sondern verlangt Anpassung an die Notwendigkeiten und Bedürfnisse der jüdischen Gemeinden, Gedanken, die wix schon oft, wie Du weißt, in „Erziehung und Lehre" vertreten haben. Es war interessant und bedeutungsvoll, diese Ausführungen aus dem Munde eines prominenten Führers im deutschen Judentum zu hören. Her' Dr. Rosenthal erwähnt noch eine Zuschrift des Provinzialschulkollegiums der Rheinprovinz an die Seminarleitung, in welcher auf Grund der günstigen Prüfungsergebnisse unserem Seminar das Wohlwollen der Schulbehörde in anerkennenden Worten ausgesprochen und auf die Bedeutung der Anstalt für die gesamte preußische Judenheit hingewiesen wurde. Herrn Dr. Rosenthal folgte Herr Dr. Carlebach als Rabbiner der 'Adaß Jeschurun, der sich über die innigen Beziehungen des Seminars zu seiner Gemeinde und ihren Mitgliedern ausließ. Es sprachen noch Herr Direktor Dr. Klibansky im Aufträge der von ihm geleiteten Höheren jüdischen Schule Jawne und ihres Lehrerkollegiums, Kollege Günzburg,Borken im Namen der „Ehemaligen Kölner" und Seminarist Carlebach im Aufträge der gegenwärtigen Schüler des Seminars. Hiermit.waren die Begrüßungsreden beendet und es folgte der Vortrag des Kollegen Hirschberg-Frankfurt über „die jüdische Mutter einst und jetzt". Herr Hirschberg hielt nicht, wie es in der Ankündigung hieß, einen wissenschaftlichen Vortrag, sondern hatte seine Ausführungen in die Form einer Plauderei gegossen. Er stellte uns die Jdealgestalt einer jüdischen Mutter vor Augen, die in glühender Liebe und sürsorgender Arbeit für ihren Gatten und ihre zahlreiche Kinderschar aufgeht, deren Heim ein Tempel ist, in dem altjüdisches Z'nius und unerschütterliches Bitochaun die Genien sind, die ihr wegweisend zur Seite stehen. Reicher Beifall lohnte den Redner, dem noch Herr Rabbiner Dr. Carlebach insbesondere -seinen Dank ausfprach. Mit einem am Dienstag Vormittag in das Siebengebirge unternommenen Ausflug fanden die Veranstaltungen ihren Abschluß. Ich darf zum Schlüsse noch davon sprechen, daß es allenthalben sehr bedauert wurde, „unfern Apt" nicht in unserer Mitte zu wissen. Unser Zusammensein in Köln verlief so angenehm und stimmungsvoll, besonders dank der Bemühungen, deren sich unsre Kölner Freunde unterzogen, daß ich heute schon den Vorschlag zu machen mir gestatte, unsre nächste Zusammenkunft wieder in Köln stattfmden zu lassen. Und dann hoffen wir auch. Dich begrüßen zu können. Dir, lieber Freund Apt, und allen „Ehemaligen Kölnern" treuen Freundes- und Kollegengruß! Dein Kaufmann, Sprendlingen. Bücherbesprechung. Rudolf Alters: Das Werden der sittlichen Person. Freiburg i. Br. 1929. Herder u. Co. Verlagsbuchhandlung. Auf 316 Seiten unternimmt der Verfasser den Versuch, die Grundlagen einer wissenschaftlich begründeten Charakteriologie zu geben. Er ist Arzt und betätigt sich praktisch als Psychotherapeut. Er kommt aus der individualpsychologischen. Schule Alfred Adlers, fstcht aber von seiner katholischen Weltanschauung aus in.Len Wirrwarr der modernen Seelenforschung Klarheit zu bringen. Wegen, der positiven Einstellung des groß angelegten Werkes sei es den Lesern unserer pädagogischen Beilage warm empfohlen, trotzdem ich mir bewußt bin,,,daß die scholastisch-thomistische Methode Allers vielen fremdartig erscheinen wird. Es ist unmöglich, die problemreichen Ausführungen in Kürze systematisch zuskizzieren. Cs seien daher nur die Hauptgliederungspunkte hervorgehoben. Allers behandelt das Wesen des Charakters und die Methoden.der Charakteriologie, die Entstehungsbedingungen des Charakters, er spricht über kindliche Charaktere und Erziehungsschwierigkeiten, über Charakterideal und die Wirkungsweise des Beispiels/ über Charakteriologie der Geschlechter, über die späteren Kinderjahre, Schule, Pubertät, Sexualproblem, über abwegige und neurotische Charaktere, er fügt Bemerkungen an über Selbsterkenntnis und Selbsterziehung. Aus der großen Fülle des Stoffes fei ein Punkt hervorgehoben. Prinzipiell bejaht A. die Frage nach der Wandelbarkeit des Charakters, „und zwar nicht bloß im Sinne quantitativer Steigerung, sondern auch qualitativer Veränderungen." Er weist aber mit Nachdruck auf die ganz entscheidende Bedeutung der ersten Lebensjahre und der Umweltseinflüsse hin, denen in dieser Periode der Mensch ausgesetzt ist. Er erklärt die Erfahrung der ersten sechs Jahre, des vorschulpflichtigen Alters, als grundlegend für die ganze spätere Entwicklung des Charakters. Er unterstreicht mit allem Nachdruck, daß alle spätere, infolge bewußter Bemühung oder durch einen glücklichen Zufall eintretende Korrektur des Charakters stets einen bereits geformten Stoff vorfindet, dessen Beschaffenheit Ausmaß und Resultat alle Besserung wesentlich mitbestimmen wird. K. O.

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