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Der Israelit · 1930-06-26 · Heft 26 (26.6.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 26 (26.6.1930)
Date
1930-06-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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26. Juni 1930 Der Israelit Nr. 26. Seite 7 Eingabe gerichtet, worin die Angaben des Berichtes der Jewish Agency über die Zahl der aus der Knefes Israel aus religiösen Gründen ausgeschiedenen palästinensischen Juden berichtigt werden. Es heißt in der Eingabe wie folgt: ß 55 in Kapitel 8 des Memorandums, das dem Generalsekretär des Völkerbundes durch die Jewish Agency über die Entwicklung des jüdischen Nationalheimes im Jahre 1929 für die Mandat-Kommission überreicht worden ist, lautet: In Uebereinstimmung mit den Bestimmungen des Gemeindegesetzes über die Erklärungen derjenigen, die nicht zur Knefes Israel zu gehören wünschen, wurden aus der Liste der Knefes Israel 4657 Namen gestrichen. Die Ausgetretenen bilden also 5,7 Proz. ungefähr der Zahl der registrierten Wähler. Mit Bezug hierauf haben wir zu erklären, daß während des Monats vom 15. Schwat bis 16. Adar, in welchem nach dem Gesetze es möglich war, Erklärungen wegen Streichung der Namen in den Listen der Knese- Israel abzugeben, durch unser Büro dem Waad leumi 16 211 solcher Erklärungen übergeben worden sind und zwar aus Jerusalem 10 913, aus Tiberias 1766, aus Tel-Awiw 1195, aus Safed 824, aus Petach Tikwah 523, aus Haifa 490, aus Hebron 290, aus Bne Brak 102, aus verschiedenen anderen Plätzen 108, im ganzen 16 211. Kopien dieser Erklärungen wurden in Uebereinstimmung mit dem Gesetz den Distriktsgouverneuren übermittelt, deren Empfangsbestätigung in der oben angegebenen Anzahl in unserem Besitze sind. Die Angabe der Jewish Agency dürfte ungefähr der Zahl derjenigen entsprechen, die tatsächlich „gestrichen" worden sind, denn die für die Aufstellung der Listen verantwortlichen Instanzen hatten absichtlich die große Majorität der orthodoxen Juden, von denen sie als sicher voraussetzten, daß sie die Streichung verlangen würden, von vornherein in die Listen gar nicht mehr ausgenommen, denn diese orthodoxe Juden hatten solche Erklärungen schon im Jahre 1928 abgegeben. Durch dieses Verfahren bestand dann kein Bedürfnis, ja sogar keine Möglichkeit, die Namen der Ausgetretenen in den Listen zu „streichen". Trotzdem ist die Angabe der Jewish Agency eine grobe Verletzung der Wahrheit, sobald man,- was die Agency offenbar wünscht, die Ziffer benützt, um das Verhältnis zwischen den aus der Knefes Israel Ausgeschiedenen und den bei ihr registrierten Wählern prozentual festzustellen. Der wirkliche proportionale Prozentsatz zwischen den Ausgetretenen und den der Knefes Israel angehörigen Wählern ist gemäß den obigen Ziffern nicht 5,7 Pro,;., sondern 18 Proz. Es muß auch darauf hingewiesen werden, daß es viele orthodoxe Juden gibt, die mit Rücksicht auf die oben angegebene Tatsache der Auslassung ihrer Namen aus den Listen es nicht mehr für nötig hielten, formelle Deklarationen abzugeben und wenn die Namen dieser Personen hinzugefügt werden, so beträgt der Prozentsatz der Ausgetretenen über 20 Proz. Zu diesen müssen weitere 1066 Erklärungen zugefügt werden, die dem Waad leumi durch uns im Monat Jjar dieses Jahres übergeben worden sind. Damit keine irrige Vorstellung über die Zahl und die verhältnismäßige Stärke der aus religiösen Gründen aus der Waad leumi-Gemeinschaft ausgeschiedenen Juden entsteht, bitten wir diese Bemerkungen dem Memorandum der Jewish Agency hinzuzufügen. GKHSBsasBBs^sassMasaafisasKaBSBassBB Personalien. Frau Betty Ansbacher rry- Köln. 25. Juni. Eine edle, brave und fromme Frau? eine der immer seltener werdenden nvjpnx d»w, ist mit Frau Betty Ansbacher, der Gattin unseres allbeliebten Herrn Gustav Ansbacher ''v aus dem diesseitigen Leben geschieden. Tiefe, aufrichtige Trauer löste die Nachricht von dem Heimgange dieser seltenen Frau in den Kreisen der Synagogengemeinde Adaß Jeschurun aus, die mit ihr eine ihrer besten Frauen verloren hat; aber auch darüber hinaus hat mancher Verehrer des Hauses Ansbacher der Dahingeschiedenen Tränen der Wehmut und des Schmerzes ob des Verlustes einer solch hehren Persönlichkeit nachgeweint. Frau Betty Ansbacher entstammte einem echt jüdischen, bestbekannten Hause in Süddeutschland und lernte in ihrem Elternhause Theorie und Praxis, Geist und Wesen aller jüdischen Pflichten in schönster Weise kennen. Was Wunder, daß sie sich zu einem Mannet=>'“iv sn» stammend, hingezogen fühlte und ein Haus mit ihm gründete, das weit und breit als ein echt jüdisches Haus beispielgebend voranleuchtete. Der Ehe entsprossen 7 Kinder, und es war das heiligste Anliegen der niinn npis,. sie n*vmn.»a*ia by zu wahren Juden und edlen Menschen im Verein mit ihrem gleichgesinnten Gatten '’w zu erziehen. Trotz der Kürze der Zeit, die bis zur nnap verblieb, war die Beteiligung an dem Leichenbegängnis überaus groß. Im Hause ries der tiefgebeugte Gatte der treuen Gefährtin seines Lebens rührende Worte der Dankbarkeit nach, und herzzerreißend war es, wie einer der Söhne an Hand talmudischer Stellen die selbstlose Mutter rühmte und pries. Dann trat Herr Rabbiner Dr. W o 1>f, ein langjähriger Freund des Hauses, an den VnK' und würdigte, oft von Schluchzen unterbrochen, die Persönlichkeit der Heimgegangenen, die er mit der mia» verglich, welche sie, die einem Priesterhause entstammte, entzündete, nVi» nanto rrnns -w, bis die Flamme von selbst emporschlug, und an der sich 7 Arme, ihre 7 Kinder befanden, deren sie, priestergleich, getreulich wartete. In der Halle des ca"nn wa der Adaß Jeschurun, welche die Teilnehmer kaum zu fassen vermochte, hielt der an der Gemeinde, Herr Rabbiner Dr. David Carleb ach, einen isvv. Er verglich die Verblichene, der in den letzten schweren Tagen der Name rrn beigegeben wurde, mit unserer Stammutter mir» von der die Weisen sagen: 'iai nna by iwp'jw ->n nv-'j? m® nwnv w»' -3 Auch Frau Ansbacher zog einen Kreis um ihr Haus, um alles Fremdartige, Wesensfremde, von ihm abzuhalten, aber allem Schönen und Edlen, allem Guten und Wahren, stand ihr Haus weit offen. Gesegnet war das Haus durch das emsige, fleißige Schaffen der Hausfrau und mit echt jüdischem Sabbatgeist erfüllte sie ihr Heiligtum. Während der nyatr wurde noch manch schönes Wort von den edlen Tugenden der Verklärten von den Herren Rabbiner 'Gibermann, Rabb. Jacobovits, Willy Wolf, Leo Munk u. a. gesprochen. maxan- Cannstatt» 18. Juni. Am 12. ds. Mts. starb Frau Karoline Kahn geb. Aufhäuser, Ww. des Veit Kahn. Mit ihr ist eine brave, fromme Frau voll geraden und offenen Sinnes hingegangen. Eine treue und liebende Gattin ihres Mannes und besorgte Mutter und vorzügliche Erzieherin ihrer Kinder, die überall hoch angesehen sind, hat sie auch in den weiteren Kreisen ihrer und ihres Gatten Familie viel Gutes und Ersprießliches zum Teil unter großen Opfern und Anstrengungen geleistet. Ihr und ihres Mannes Haus stand Nahen und Fernen, Reichen und Armen stets offen, und eine liebenswürdige,-großzügige und vornehme Gastfreundschaft, persönliche und werktätige Menschenliebe wurde allezeit in den schönsten Formen geübt. Kein Wunder, daß sie weit über ihren Heimatkreis gewürdigt und verehrt wurde, daß ihr Ehrenämter in der Gemeinde, in der nahe gelegenen Landeshauptstadt anvertraut wurden, daß sie bei verschiedenen Gelegenheiten sowohl mit ihrem Manne als auch als Witwe von Jude und Christ gefeiert wurde und sich höchster Beliebtheit erfreute. Ihrem Gatten und ihr gelang es, großen Kiddusch haschem zu machen und der gesetzestreuen Judenheit innerhalb des großen Kreises anders Gesinnter, in welchem sie lange die einzigen waren, Ansehen und Ehre zu erwerben. Ihr Begräbnis am Freitag Nachmittag gestaltete sich zu einer wahren Kundgebung all der Beliebtheit und Hochschätzung, deren sie sich erfreuen durste. Herr Religions- Oberlehrer Adler in Cannstatt hielt eine ihrer würdige Grabrede und Herr Rabbiner Dr. S. Bamberger-Stuttgart sprach es in seinem kurzen Nachrufe aus, daß einer Frau, die in so hervorragendem Maße wie Frau Karoline Kahn sich als Esches chajil betätigt habe, auch kurz vor Sabbateingang Worte der Würdigung und Verehrung gewidinet werden dürsten. maxan* 3ürich» 15. Juni. Die Israelitische Religionsgesellschaft dahier hat den bewährten langjährigen Lehrer der Talmud-Thora der Agudas Achim, P. Blumenb e r g, als Lehrer an ihre Gemeinde berufen. Mainz» 23. Juni. Am 3. Juli vollendet Frl. Amalie Sommer, verehrt von ihren vielen Freunden und Bekannten, ihr 7 0. Lebensjahr. Seitdem Frl. Sommer vor 42 Jahren ihren Wohnsitz hierher, an die Wirkungsstätte ihres hochangesehenen, edlen Bruders Alfred Sommer ^xr verlegte, wurde sie nicht müde, sich auf allen Gebieten des Wohltuns zu bemühen Ünd sie bewährte sich in hervorragendem Maße als ivn n*>nn, die zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung war. — In der Kriegszeit verstand sie es besonders dort zu helfen, wo man sich nicht an die öffentliche Wohltätigkeit wandte. — Der Allgütige erhalte sie noch viele Jahre ihrem großen Kreis dankbarer Freunde und Verehrer. Vermischtes. Montabaur, 24. Juni. Die Westerwaldstadt Montabaur feierte vom 21. bis 23. Juni das Fest ihres tausendjährigen Bestehens. Stadtverwaltung und Bürger hatten umfangreiche Vorbereitungen getroffen, um diese seltene Stadtfeier in festlicher Weise zu begehen. Am naw Vormittag gedachte der Lehrer der Israelitischen Gemeinde, Herr I. Z e i t i n, in der Predigt der Bedeutung des Tages. — Nachmittags 4.30 Uhr fand im großen Sitzungssaale des 'Rathauses der akademische Festakt statt. Aus Anlaß der Tausendjahrfeier hat die Stadtverwaltung eine umfangreiche Festschrift herausgegeben, in der auch ein Beitrag „Aus der Geschichte der Israelitischen Kultusgemeinde Montabaur" von Lehrer I. Zeitin, enthalten ist, in welchem er nachweist, daß die Israelitische Gemeinde über 600 Jahre besteht. Sprechsaal. Die Stellung der Schochtim. Den Ausführungen des Herrn Neustädter über die Schechitoh in Nr. 25 ds. Bl. kann im großen und ganzen nur zugestimmt werden. Insbesondere sind die Vorwürfe, die gegen die Einschätzung der Schochtim erhoben werden, sehr berechtigt. Herrn N. scheint aber nicht bekannt zu sein, daß anscheinend auch viele seiner Kollegen ihren Beruf nicht so werten, wie man es erwarten sollte. Nimmt man sich z. B. die Mühe, die Adreßbücher der bayerischen Städte durchzusehen, so findet man, daß es in ganz Bayern — einen Schächter gibt (in Nürnberg). Die übrigen Schochtim ziehen es vor, sich als Lehrer, als Kultusbeamte, als Kantor, als Kaufmann usw. zu bezeichnen. Wenn die -Forderung erhoben wird, und zwar mit vollem Recht, daß die Schochtim in jeder Beziehung so gewürdigt werden, wie es der Wichtigkeit und der Heiligkeit ihres Amtes zukommt, so muß auch verlangt werden, daß sie ihren Beruf nicht schamhaft in der Oeffentlichkeit verschweigen. Es wäre eine dankbare Ausgabe des neugegründeten Verbandes deutscher Schochtim, seine Mitglieder dazu zu erziehen, der Oeffentlichkeit gegenüber in jeder Beziehung die Würde des Amtes zur Geltung zu bringen. Es erscheint unwürdig, wenn Schochtim nur dann als Schochtim bewertet werden wollen, wenn es sich um Einreihung in eine entsprechende Gehaltsklasse handelt, sich aber sonst bei jeder Gelegenheit eine andere Berufsbezeichnung zulegen. Die lvoche. Aguoifltslyer ^»yrerinnenrurs Sommer, 1930. Die „Zentrale der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Agudas Jisroel-Mädchengruppen" wird nunmehr in diesem Sommer den schon lange gehegten Plan eines Führer-Ferien- Kursus verwirklichen. Herr Dr. med. Arnold M e r z b a ch, Frankfurt a. M.» hat sich in liebenswürdiger Weise für die Leitung des Kurses zur Verfügung gestellt. Der Kurs bezweckt, die Teilnehmerinnen mit den wichtigsten Fragen der modernen Erziehung und der jüdischen Mädchenbildung im Rahmen des überlieferten Judentums und der Zeitprobleme vertraut zu machen. Gleichzeitig soll der Kurs für die Teilnehmerinnen ein schöner Ferienaufenthalt sein, damit dieselben außer den geistigen auch neue körperliche Kräfte mit nach Hause bringen. Der Kurs findet, s. G. w., vom 5. bis 19. August in Bad Dürrheim im Schwarzwald (Solbad, 700 Meter Meereshöhe) statt. Der geringe Pensionspreis von Mk. 6.— pro Tag wird sicherlich viele veranlassen, an dem Kurs teilzunehmen. Der Kurs ist nur für Damen über 18 Jahre gedacht. Die Zentrale Zürich steht zu jeder Auskunft gern zur Verfügung. Anmeldungen sind möglichst bis zum 5. Juli 1930 an die genannet Zentrale, Adresse: Frl. Esther Wormser, Zürich, Gartenstraße 24, zu richten. Jubliäum des Israel. Frauenheimes in Bad Nauheim. Das Israelitische Frauenheim in Bad Nauheim sieht auf ein 25jähriges Bestehen und, man darf schon sagen, höchst segensvolles Wirken zurück. Der Anlaß wird nächsten Sonntag mit einer Akademischen Feier im Heime begangen werden. Der Akt beginnt 5.30 Uhr nachmittags und besteht in.Gesangsnummern, Ansprache des Vorsitzenden, einer Festrede des Herrn Provinzialrabbiners Dr. Hirschfeld und Begrüßungsansprachen. Die Verwaltung hat aus diesem Anlaß eine Gedenkschrift herausgegeben, über die wir noch Näheres berichten werden. Personalien. Aus dem Veshamidrasch „Tisereth Jisroel", Schützenftraße 2, wird uns geschrieben: Rabbi Salomon R a pp a p 0 r t, der Jahrzehnte im Veshamidrasch lehrend gewirkt und gelegentlich auch rabbinische Funktionen ausgeübt hatte, hat dieser Tage das Veshamidrasch und Frankfurt verlassen, um in Erez Jisroel an den heiligen Stätten seinen Lebensabend zu beschließen. Rabbi Rappaport, gebürtig in Krakau und ein direkter Nachkomme des y'P.i^ya, ist ein bedeutender.Thoragelehrter und zeichnete sich durch eine Uneigennützigkeit und Bescheidenheit aus, die ihm die Herzen aller gewannen. Er ernährte sich in Frankfurt recht und schlecht von seiner Hände Arbeit, ohne für seine Lehrtätigkeit jemals etwas anzunehmen. Die Beter des Beshamidraschs sind einig in dem Wunsche, es möge Rappaport im Lande der Väter noch ein langes Leben in ungetrübter Thorafreude beschieden sein. Jüdischer Turnerbund C. V. Der Jüdische Turnerbund E. V. Frankfurt a. M. macht am 6. Juli ds. Js. eine gemeinsame Taunuswanderung mit dem Jüdischen Iugendbund Höchst am Main. Treffpunkt: pünktlich um 7.25 Uhr am Hauptportal des Hauptbahnhofes. Fahrt nach Königstein. Der Jüdische Jugendbund steigt in Höchst zu. Gäste sind herzlich willkommen. Vorsicht bei Einkauf von Fischslücken» Seelachsfcheiben und dergl. Es ist im Publikum nicht genügend bekannt, daß Stücke von koscheren Fischen nur unter gewissen Voraussetzungen genoffen werden dürfen »anderenfalls ihr Genuß religionsgefetzlich verboten ist. Falls man Fischfleisch, sogar rohes, bei einem Händler kauft, der nicht ein religiös zuverlässiger Jehudi ist, muß auf Verschke-

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