Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1930)
- Date
- 1930-06-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Nr. 26 Der Israelit Landes, Oberrabbiner Grün und dem geschäftsführenden Vorsitzenden, Hermann Deutsch hohe Ordensauszeichnungen in: Aufträge der Regierung zu überreichen. Der Vorsitzende gab in einer Eröffnungsrede einen Ileberblick über die Kämpfe, die die Orthodoxie in den letzten 12 Jahren zu bestehen hatte und aus der sie unter Wahrung ihrer Selbständigkeit gegenüber der zahlenmäßig stärkeren Neologie siegreich hervorging. Der gesetzlich anerkannte Eemeindeverband mit der Rabbinersynode an der Spitze ist nun in allen orthodox-jüdischen Angelegenheiten das maßgebende Forum, dessen Beschlüsse und Verfügungen gesetzliche Kraft besitzen. Redner dankt dem anwesenden Landesrabbiner für sein besonderes Wohlwollen, das er bei der Schaffung des Gesetzes der Orthodoxie bekundet habe und beantragt Huldigungstelegramme an den König und den Justizminister, welchem Anträge einmütig entsprochen wurde. Landesrabbiner Dr. A l k a I a y dankt für den Ausdruck des Vertrauens und hebt hervor, welche Anerkennung die Orthodoxie verdiene für ihren selbstlosen und opfermutigen Kamps in schwersten Lagen. Die Rede des Landesrabbiners wurde mit begeisterten Jechi-Rufen ausgenommen. Rach Dankesworten des Eemeindepräses 'Herschkowitz von Agram an den verdienstvollen Präsidenten Oberrabbiner Deutsch, schritt man zur Wahl, die folgendes Ergebnis hatte: Präses: Oberrabbiner Moses Deutsch-Subotica; Geschäftsführender Präses: Hermann Deutsch-Subotica; Vicepräses: Sandor Pollak, Senta; Wirtschaftsrat: Mavro Vilim Fried, Jlok; Generalsekretär: Oberrabbiner Josef Grün, Mol; Verwaltungsrat: Wilhelm Glied und Jsak Engländer, Subotica, L. Ungaer und A. Kohn, Senta, Sandor Stern, Jlok, David Hubert, Ada, Isidor Fischer-Petrovoselo, B. Menezer-Stara, Kanjiza; Rabbiner-Synode: Oberrabbiner Moses Deutsch, Subotica und die Oberrabbiner Grün-Mol, Rabbiner I. Lebowitsch, Senta. Mit einer in gehobener Stimmung ausgenommenen Schlußrede des Präsidenten, Oberrabbiner Deutsch endete die denkwürdige Konferenz. Holland. Eine'»große Versammlung gegen die Kalenderreform in Holland. A m st e r d a m, 23. Juni. Cs sah aus, als wäre letzten Samstag die gesamte holländische Judenheit auf den Beinen, um in einer Massenversammlung im Gebäude des Kolonialministeriums gegen die Kalenderreform zu protestieren. Von auswärts waren fast sämtliche holländischen Rabbinen und Gemeindevorsteher erschienen. Die Eröffnungsrede hielt der bekannte Politiker Dr. As ch e r, der mit flammenden Worten auf die Heiligkeit des siebenten Tages und dessen unwandelbare Bedeutung hinwies. Gewaltigen Eindruck machten die Gesangsvorträge des Oberkantor, I. E. Maroka und seines Chores aus Bibel- und Eebetsstellen, die von der Heiligkeit des Sabbats handeln. Das erste Referat hält Herr Rabb. Vredenb u r g aus Arnheim. Im Mittelpunkte seiner Worte steht die These: ^Der Sabbat ist die Seele des Judentums, die Seele des wahren sozialen Lebens. Befestigen wir die bedrohte Burg des Sabbat!" Es spricht daraus Rabb. Dr. Le w e n st e i n aus Jürich. Er berichtet von den Arbeiten und Erfolgen der Delegation gegen die Kalenderreform in Genf. Alle Welt stehe heute in dieser Sache in Verbindung mit dem Züricher Büro. Es kommen Briese aus Palästina, Amerika, allen Ländern Europas, aus Marokko und Kairo, aus Australien und Argentinien usw. Es ist keine Aktion von Rabbinern, sondern eine Protestaktion des gesamten jüdischen Volkes gegen den sogenannten Blankotag. Es spricht daraus Pros. Dr. F a l I a s ch, Sohn des verstorbenen Ehacham der Amsterdamer Portugiesengemeinde. Seine Worte hinterlassen tiefsten Eindruck. Auf Tausende von Juden hat dieses Massenmeeting, abgesehen von seinen politischen Auswirkungen in Genf, ungeheuren erzieherischen Eindruck gemacht. Unzählige sind mit einem festen Treugelöbnis zum Sabbat von dannen gegangen. England. Londoner Brief. Home-Office und Lolonial-Office zu jüdischen Beschwerden. —Schomre Schabbos-üongreß. — Wohlfahrlszentrum. — Religiöser Riedergang. — Die Spesen des Palästina- Hilfsfonds. — Palästina-Zertifikate. London, 22. Juni. Die abgelaufene Woche hat — wohl zum letzten Male vor der nun bald einsetzenden sommerlichen Auswanderung aus der Hauptstadt — eine ganze Reihe von mehr oder minder bedeutungsvollen Zusammenkünften der jüdischen Organisationen und ihrer Verwaltungskörprefchaften gebracht. Im Board of Deputies hatte man sich über die Labour-Regierung stärk zu beklagen. Der Minister des Innern, Mr. Clynes, mit dem der Board seit längerer Zeit in Korrespondenz wegen der rigorosen Ausländerpolitik des Home-Offices steht, hat schließlich in ziemlich allgemeinen Redewendungen aus alle Beschwerden ausweichend geantwortet, so daß keine Möglichkeit besteht, die Verhandlungen fortzufetzen. Noch mehr Befremden erregte die Weigerung Lord Paßfields, des Colonialministers, eine Deputation der jüdisch-englischen Gesamtoertretung wegen der Zurückziehung der palästinensischen Visa zu empfangen. Lord Paßfield bemerkt in seinem Antwortschreiben, daß es sich überhaupt nicht um ein Einwanderungsverbot handele, sondern lediglich um einen Aufschub. Der Board antwortete auf diese nicht sehr höfliche Abfertigung durch eine ziemlich scharfe Resolution, worin die Einwanderungssperre als eine Ermutigung der Araber zu weiteren Pogromen gekennzeichnet und die Regierung aufgefordert wird, die Zertifikate so rasch wie möglich in Wirksamkeit treten zu lassen. Mr. D ' Avigdor Goldsmid sagt in seiner Rede, es sei schmerzlich, daß das Vertrauen zu der britischen Regierung durch diese Vorgänge im ganzen Auslande schwer erschüttert worden sei. Eine Einladung aus Berlin, zu dem S ch o m r e Schabbos-Weltkongreß Delegierte zu entsenden, wurde abgelehnt, dagegen soll dem Kongreß ein Memorandum über die Lage der Sabbattreuen in England und über die Hilfsmaßnahmen des Board of Deputies gesandt werden. Der Rest der Sitzung war mit Verhandlungen über die Schechitosragen und den Weinberg'schen Niederlegungsappar a t ausgefüllt. Im Verwaltungsrat der United Synag o g u e gab Leonard Montefiore bekannt, daß er ein ihm gehöriges großes Gebäude, das bisher von einem Jugend-Klub benutzt wurde, der United Synagogue als Zentrum für Wohlfahrtsarbeit zur Verfügung stelle. Ein leider sehr schmerzliches, aber charakteristisches Symptom für die Lage in London war die Mitteilung, daß ein für Jugendliche eingerichteter P e s a ch - G'ttesdienst im Tastend fast keinen Besucher aufwies, weil die jungen Leute fast alle am Pefach in den Geschäften steckten. Der Referent wies insbesondere auf die beschämende Tatsache hin, daß jüdische Arbeitgeber unter einem Gesetze, das ihnen ausdrücklich gestattet, ihre Fabriken am Sonntag zu betreiben, dennoch den Sabbat entweihen, dessen Beobachtung ihnen nicht das mindeste Opfer verursachen würde. Der vor kurzem von Mr. Japhet angeregte Gedanke eines Neubaues für jüdische Gemeinschaftszwecke, in dem auch Jero's College untergebracht werden sollte, hat weitere Fortschritte gemacht. Der jüdische Kriegserinnerungsfond, der trotz aller Kritik immer noch feinen alten häßlichen Namen trägt, will die Sache in die Hand nehmen und sie dadurch der Verwirklichung näher führen. „Jewifh Chronicle" setzt seine Kritik an der bemerkenswerten Tatsache fort, daß der palästinensische Hilfsfondnichtwenigerals Lst. 50.000 (1 Million Mark) für Honorare der Anwälte und ähnliche Dinge zur Vertretung der jüdischen Interessen vor der Shaw-Kommission ausgegeben hat! Das Blatt behauptet, es hätten vorher vermögende Privatpersonen zugesagt, der zionistischen Organisation die aus der Vertretung erwachsenden Spesen zu ersetzen und nur der Bruch dieses Versprechens sei daran schuld, daß die ungeheure Summe schließlich den für die armen Pogromopfer gespendeten Geldern entnommen werden mußten. Wir müssen dem Blatt die Verantwortlichkeit für die Richtigkeit seiner Behauptung überlassen. 26. Juni 1930 Wie man hört, finden im Kabinett Erörterungen statt über die Bewilligung der zurückgestellten P a l ä st i n a z e r t i f i k a t e. Man darf annehmen, daß diese Bewilligung trotz'des Widerstandes einiger Minister in Kürze erfolgen wird. Palästina. Vandalenakt an der klagemauer. Jerusalem, 17. Juni. Unbekannte Täter begingen zu nächtlicher Stunde Dandalenakte an der Klagemauer zu Jerusalem. An 24 Stellen wurden jüdische Inschriften aus Monolithen und Steinen der Klagemauer verwischt und . weggemeißelt. Die Polizei leitete eine Untersuchung ein. Es steht nicht fest, ob es sich um einen gewöhnlichen Akt von Vandalismus seitens der Araber oder um den Versuch händelt, Generationen alte jüdische Symbole vor Ankunft der Klagemauerkommission zu entfernen. Die Meldung ausländischer Zeitungen, daß diese vandalischen Akte als Racheakte für die Hinrichtungen anzusehen sind, trifft nicht zu, da diese Akte noch vor den Hinrichtungen geschehen sind. Die Klagemauer-Kommission weilt bereits in Jerusalem. Jerusalem, 20. Juni. Die aus den Herren Eliel Loefgren, Charles Barde und Van Kämpen bestehende Klagemauer-Kommission weilt bereits in Jerusalem. Sie wurde auf dem Bahnhof von dem Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive Palästinas Colonel Frederick Kisch im Namen der Jewish Agency for Palestine, von Rabbi U z i e l im Namen des Rabbinats, sowie von David Pellin, Eliash und Mosche Blau, die die jüdische Sache vor der Kommission im Namen der Rabbinen Sonnenfeld, K u k u. M e i r offiziell vertreten werden, begrüßt. Araber waren bei der Ankunft der Kommission aus dem Bahnhof nicht anwesend. Die Juden werden vor der Kommission einheitlich vertreten sein. Es besteht auch ein Kontakt mit dem vom französischen Oberrabbiner Israel Levi geleiteten Kothel- Comitee. Die Rabbiner-Verbände in der ganzen Welt wurden ersucht, sich vor der Kommission vertreten zu lassen. David Pellin wird, wie schon mitgeteilt, die Knesset!) Israel, Rabbi Mosche Blau die Agudas Jisroel vertreten. Herr Eliash wird das jüdische Beweismateriak präsentieren. Dr. Magnes, der an Stelle des erkrankten Dr. Cyrus Adler das jüdische Beweismaterial hätte präsentieren sollen, wird vor der Kommission nicht erscheinen, da sich der Waad Leumi kategorisch gegen die Betrauung von Magnes erklärt hat. Die erste Sitzung der Kommission, zu der schon arabische und jüdische Vertreter zugelassen werden, wird am Montag, dem 23. Juni, stattfinden und vertraulich, sein. Als Sekretär der Kommission fungiert Herr Sachlan vom schwedischen diplomatischen Dienst. Die Presse wird zu den öffentlichen Sitzungen zugelassen werden, aber der Umfang der öffentlichen Verhandlung ist noch nicht festgesetzt. Aehnlich wie bei der Shaw-Kommission werden je ein Vertreter der arabischen, der jüdischen, der englischen und der ausländischen Presse zugelassen werden. Der Sekretär des indischen Moslemitischen Rates teilte der arabischen Exekutive in Jerusalem telegrafisch mit, daß der Rat eine Anzahl Delegierter aus Indien zu den Sitzungen der internationalen Klagemauer-Kommission nach Jerusalem entsenden wird, die die Wünsche der 70 Millionen Moslems in Indien aussprechen werden; die Klagemauer-Frage bewege die Gemüter der gesamten Islam-Welt. Beginn der Verhandlungen der kokhel Maarowi- Kommission. (Telegr.) Jerusalem, 25. Juni. Die Verhandlungen der ersten Arbeitssitzung haben mit einer wunderbaren, von echt jüdischem Geiste durchdrungenen Rede des Dr. E l i a s ch ihren Anfang genommen. Irreführende Mitteilungen in dem Berichte der Jewish Agency an die Mandat-Kommission über die religiöse Austritlsbewegung in Erez Jisroel. Wien, 22. Juni. Die palästinensische Agudas Jisroel-Zentrale hat unterm 15. Juni an die Mandat-Kommission des Völkerbundes in Genf eine