Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1930)
- Date
- 1930-06-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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26. Juni 1930 Der Israelit Nr. 26. Seite 3 Mnzponileiire« * nacbricblen. Deutsches Reich. Zur Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. München, 23. Juni. Am 29. und 30. Juni findet in München die Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden''statt. Es sind nun 10 Jahre seit der Gründung des Verbandes verflossen, so daß die diesjährige Tagung gewissermaßen als eine Jubiläumstagung bezeichnet werden kann. Da ist es doppelt bedauerlich, daß das seitherige so gute Zusammenarbeiten der verschiedenen Richtungen einer schweren Belastungsprobe unterworfen wird. Der Tagung liegt u. a. der Entwurf einer Äezirks- Rabbinatsordnung vor. In diese wurde von liberaler Seite in die Bestimmung für die Rabbinerwahl das Frauenwahlrecht hineininterpretiert. Für die Orthodoxie wird dadurch der Gesetzentwurf unannehmbar. Abgesehen von der religiösen Unzulässigkeit der Beteiligung von Frauen an der Rabbinerwahl, würde ein vollständige Entrechtung der Kleingemeinden, die durchgehends Las Frauenwahlrecht verwerfen, eintreten. Da wohl kaum damit zu rechnen ist, daß die Liberalen einlenken, und die Orthodoxie sich wohl auf kein Kompromiß einläßt, ist nicht abzusehen, in welcher Weise diese Frage gelöst werden soll. Ist der Thüringer Fremdenverkehr gefährdet? Oberhof (Thüringen), 23. Juni. Vom Verein jüdischer Hotelbesitzer und Restaurateure wird der ITA. mitgeteilt: Durch die Presse gingen dieser Tage Mitteilungen, wonach der Thüringer Fremdenverkehr in diesem Jahre durch die politischen Verhältnisse in Thüringen schwer bedroht sei, weil gegen politisch und konfessionell Andersdenkende von nationalsozialistischer Seite Terror verübt wurde. Diesen Mitteilungen gegenüber ist rein sachlich festzustellen, daß von irgendwelchen Terrormaßnahmen bisher in Thüringen nicht die Rede sein kann. Neuerdings haben sich Die Verbände des Fremdenverkehrsgewerbes, der Thüringer Verkehrsverband, der Thüringer Hotelbesitzerverband, der^ Thüringische Gastwirteverband, der Verband Thüringer Fremdenheime, sowie der Landesverband der Thüringer Haus- und Grundbesitzer-Vereine mit der Angelegenheit eingehend beschäftigt. Auf Grund übereinstimmender Berichte aus dem ganzen Lande, die weder von irgendwelchen Belästigungen der in Thüringen zur Kur weilenden Fremden, noch von Zurückweisungen Erholungsuchender aus konfessionellen Gründen etwas feststellen konnten, haben die vorgenannten Verbände sich entschlossen, mit allen Mitteln gegen irreführende Äeußevungen über den Thüringer Fremdenverkehr!'' vorzugehen. 1 Schweiz Die Internationale Arbeitskonferenz und die jüdischen Interessen. Genf, 19. Juni. Die seit dem 10. ds. Mts. hier tagende Internationale Arbeitskonferenz beschäftigt sich in erster Reihe mit dem vom Arbeitsamt vorgelegten 'Entwurf eines Internationalen Uebereinkommens betr. die 48 Stunden-Woche im Handelsgewerbe und in den Büros. An der Annahme des Entwurfes im Ganzen ist nicht zu zweifeln. Seitens der Weltorganisation „Agudas Fisroel" und der ihr angeschlossenen Arbeitnehm e r v e r bände lag bereits seit längerer Zeit dem Arbeitsamt ein Memorandum vor, das die schutzbedürftigen Interessen der sabbattreuen Angestellten und Arbeiter ausführlich erörtert und das in einer Reihe konkreter Anträge, gipfelt. Zur Vertretung dieser Interessen nehmen die Herren Konsul Sally Guggenheim- Basel und Jacob Ro senh eim- Frankfurt a. M. an der, Konferenz teil. Es ist nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen zu hoffen, daß die Konvention die Verteilung der 48 Stunden-Maximalarbeit auf fünf Wöchentage zulassen wird, so daß Betriebe, die am Samstag geschloffen haben, an 4 Tagen je 10 Stunden und an, einem Tage noch 8 Stunden arbeiten können. Eine Resolution, die sich im Prinzips für eine Berücksichtigung der jüdisch-religiösen Interessen bei der S o n ntagsruhe - Gesetzgebung ausspricht, begegnet starker Sympathie bei mehreren^ einflußreichen Delegationen, wird aber wohl erst bei .einer Sonderkonvention betr. Sonntagsruhe praktisch werden können. Die Konferenz dürste bis Ende Juni dauern. (ITA.) Di« Noch«. Berlin. Wie der „Amtliche Preußische Pressedienst" mitteilt, ist Professor Dr. Max Liebermann auch für die Zeit vom 1. Oktober 1930 bis Ende September 1931 zum Präsidenten der Preußtschen A kaff ernte der Künste gewählt worden. Das Statut der Akademie, das vorschreibt, daß ein und dieselbe Persönlichkeit nicht zweimal zum Präsidenten gewählt werden könne, wurde für die Person Liebermanns umgeändert, fo daß; er seit einer längeren Reihe von Jahren als! Akademie-Präsident fungieren kann. Der Polizeipräsident weist in einer gestern erlassenen Verfügung darauf hin, daß den Angehörigen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei das Tragen des Hakenkreuzes verboten ist. Die Nationalsozialisten hatten nämlich das. Uniformverbot dadurch umgangen, daß sie gleichmäßig weißes Hemd und dunkle Hosen und auf der Brust das Hakenkreuz trugen. Hierin erblickte der Polizeipräsident gleichfalls eine verschleierte Uniformierung und verbot deshalb kurzerhand das Tragen des Hakenkreuzes. Eisenach. Wie R.-A. Dr Blueth, Eisenach, auf der Kundgebung des Zentral-Vereins deutscher Staatsangehöriger jüdischen Glaubens mitteilte, ist die Anstellung Dr. Günthers als Professor für Raffenkunde an der Universität Jena erfolgt. Dr. Frick hat in Verhandlungen mit den Vertretern der in ihrer großen Mehrheit rechtsgerichteten Dozentenschaft eine Einigung hierüber erzielt. Erfurt. Die Enthüllungen über die nationalsozialistische Betätigung des K o - burger Herzogshauses überraschen hier nicht. Weiß man doch hier, daß die Erfurter Friedhofsschänder dem „Wikking-Bund angehörten, der unter dem Protektorat des Herzogs von Koburg stand, somit war der Herzog indirekt Protektor der Erfurter Friedhofsschändung. Jerusalem. In Pe t a ch Ti k w a wurde die neue I e s ch i - wa des Misrachi feierlich eingeweiht. — Am 17. Juni wurde, wie bereits berichtet, ein Attentat gegen den englischen Polizeiinspektor Scott verübt, bei dem der Polizeiinspektor verwundet wurde. Ein entlassener arabischer Polizfft in Jaffa wurde nun unter dem dringenden Verdachte, das Attentat begangen zu haben, verhaftet. Er benutzte für seine Tat den Anlaß einer jüdischen Demonstration, umso den Verdacht auf die Juden zu lenken. — Wie hier verlautet, wurde die Anfrage des Kolonialamtes in'London an den High Commisfioner, wie er sich zu der Erlaubnis der Rückreise Jabotinskis nach Palästina verhalte, von diesem negativ beantwortet. „Dawar" und andere palästinensische Zeitungen erklären es als ungeheuerlich, einem Manne, der seinen ständigen Wohnsitz in Palästina hat, das auch für die Rückreise bereits gegebene Visum rückgängig zu machen. — Heute wurde mit einer würdigen Feier der Grundstein zu einem Archäologischen Museum gelegt. Das Gebäude, das sehr imposant zu werden verspricht, ist eine Stiftung des amerikanischen Millionärs Rockefeller. Delegiertenversammlung des schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes. Genf, 20. Juni. Am 15. Juni hielt der Schweizerische Israelitische Gemeindebund hier seine ordentliche Delegiertenversammlung ab, zu der über 80 Vertreter aus der ganzen Schweiz erschienen waren. Den Vorsitz führte I. Dreysus-Brodsky aus Basel, während der Jahresbericht durch den Aktuar, Gemeinderat Sally Mayer erstattet wurde. Längere Erörterungen waren der Koscher-Fleisch- Versorgung gewidmet, die bekanntlich durch den Gemeindebund organisiert ist. Von orthodoxer Seite wurde dabei, wenn auch nicht offen in der Diskussion, so doch hinter den Kulissen daraus hingewiesen, wie beschämend es sei, daß der größte Teil der führenden Persönlichkeiten kragen 3ie „die gute... -Kleidung“ Auf Wunsch *^12)3 Verarbeitung des Gemeindebundes sich auch dort, wo es keinerlei Opfer verlangt, nicht verpflichtet fühle, die Speisegesetze zu beobachten. Diese Männer sollten doch einsehen, daß sie die von ihnen in dankenswerter Weise übernommene Vertretung jüdischer Rechte den Nichtjuden gegenüber in ganz anderer Weise durchführen könnten, wenn sie selber sich ihrer religiösen Solidarität mit ihren Brüdern und mehr noch mit ihren frommen Ahnen bewußt wären. Dem Friedhofs kn Daoos wurde eine Subvention von fs. 5000.—, dem Keren Hajeffod fs. 2000.— und dem Keren Hajischuw fs. 500.— (nicht ohne zionistische Opposition) bewilligt. Ein Gesuch der Jeschiwah in Montreux wurde zurückgestellt, bis die Herren Nationalrat Dr. Farbstein und Dr. Braunschweig einen Bericht erstattet haben. Polen. Vor der Eröffnung der Lubliner Iefchiwa. Lublin, 23. Juni. Die Vorbereitungen für die Eröffnungsfeierlichkeiten sind in! volle,: Gange und dem Abschluß nahe. Jetzt schon hat eine wahre Pilgerfahrt nach Lublin eingesetzt. Die angesehenen Rabbinen und Rebbes von Polen und .Galizien werden wohl alle vertreten sein. Aus Wien sind die Rabbiner Dr. P. Lohn, Präsident der Aguda- Welt-Erekutive und Dr. S. D e u t s ch l ä n d e r, Direktor der Keren Hatora-Centrale eingetrosfen. Die Feier wird mit einem Gesänge des war, w gesungen von einem berühmten Ehassidimchor eingeleitc^ werden. Das weitere Programm ist in allen Teilen sestgelegt. Am Dienstag, 24. Juni, ist die öffentliche Feier auf dem Jeschiwaplatze,. Mittwoch die interne Feier in der Iefchiwa selbst, womit auch schon die Lernkurse beginnen. Die Jünger, die die Prüfung bestanden haben, darunter auch viele aus Deutschland, Oesterreich, Tschechoslowakei und Rumänien, haben die Weisung erhalten, Mittwoch in Lublin zu sein. Aus dem riesigen Platze vor der Iefchiwa ist für 13 000 Sitze gesorgt. In Lublin herrscht fieberhafte Aufregung. Aus einen Aufruf haben die Lubliner ihre Wohnungen, teils unentgeltlich teils gegen geringe Vergütung, für die Gäste zur Verfügung gestellt. Die Lubliner Iefchiwa eröffnet. (Telegr.) Lublin, 25. Juni. Unter Beteiligung von etwa 100 000 jüdischen Gästen ist die Lubliner Jeschiwo soeben feierlich eröffnet worden. Der Czortkower Rabbi schlug die Mesusso am Haupteingang an, worauf die Tore mit einem goldenen Schlüssel geöffnet wurden. Rabbi Meir Schapiro mit sämtlichen Talmidim stieg die marmovene fyaupitveppe hinauf und hielt Ansprachen in Hebräisch, Polnisch und Jiddisch vom Balkon herab. Zahlreiche Vertreter der Regierung und der Kommune ergriffen das Wort. Ausführlicher Bericht folgt. Jugoslawien. Konferenz der orthodoxen Gemeinden Iugoslaviens. S u b o t i c a , 18. Juni. Am Sonntag fand die alle drei Jahre einzuberusende Vollversammlung des Verbandes der orthodoxen Kultusgemeinden von Jugoslav i e n statt; es war die erste Zusammenkunft nach dem Inkrafttreten des neuen jugoflaoifchen Judengefetzes, das die gesetzliche Grundlage für ven orthodoxen Gemeindeverband bildet. Zu der Konferenz, die von dem Präsidenten des- Verbandes, Oberrabbiner Moses Deutsch in Subotica geleitet wurde, war auch der Landesrabbiner Dr. A l k a l a y erschienen, um dem Sekretär des Ver-