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Der Israelit · 1930-06-26 · Heft 26 (26.6.1930) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 26 (26.6.1930)
Date
1930-06-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2. Nr. 26 Der Israelit 26. Juni 1930 " und Haararbeiten ist Vertrauenssache! EUGEN OCHS Spezialist dafür Moselstr. 16 . Taunus 1593 Unverbindlicher Besuch erbeten schimpfun-gen schweigend hinzunehmen. Allein, wie die Reichsregierung die thüringische Gefahr als deutsche Gefahr erkannt hat, so empfindet die deutsche Judenheit die Vorgänge in Thüringen mit Recht als einen Angriff auf die verbürgtenRechtederdeutschenJud e n h e i t insgesamt, und es entwickelt sich eine starke Abwehraktion. Zur gleichen Zeit, da sich_der Reichstag mit dem Problem Thüringen befaßte, ging im Herrenhause eine von vielen Tausenden besuchte jüdische Protestkundgebung des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" vor sich. Zwei Parallelversammlungen in großen Sälen mußten die Massen aufnehmen, die im Herrenhause keinen Platz mehr fanden. Was in diesen Versammlungen von den Rednern gesagt wurde, kann nicht neu sein-, nicht für uns und nicht für diejenigen, an die -.e Reden gerichtet sind. Um so bedauerlicher, daß es immer und immer wieder gesagt werden muß. Der Abwehrkamps der Juden ist als ein Kampf für das Recht und die Freiheit in Deutschland überhaupt anzu sehen. Die alte Tradition von Weimar und den Geist der Weimarer Nationalversammlung beschwor Dr. B r o d n i tz gegen das heutige Weimar herauf, und alle deutschen Mitbürger rief er auf, uns in unserem Kampfe um die in der Verfassung verankerte Gleichberechtigung aller Deutschen nicht allein zu lassen. Dr. Bruno Weil sagte sehr richtig, mit der Entscheidung des Staatsgerichtshofes in Sachen der Schulgebete sei uns und dem Rechte noch nicht gedient, solange nicht verfassungsmäßig verhindert werde, daß in der Regierung eines Landes ein Exponent der Haßpolitik sitze. Es sei nun höchste Zeit, dem Reichspräsidenten vorzuschlagen, von den Machtmitteln des Reiches Thüringen gegenüber vollen Gebrauch zu machen. Wenn nicht alle Staatsbürger vor dem Gesetze gleich seien, sondern wenn die B l u t s z u g e h ö r i g k e i t erst die Gleichberechtigung bedinge, wie könnten dann die deutschen Staatsangehörigen in der Tschechoslowakei, in Polen, in Italien usw. ihren Anspruch auf Bürgerrecht begründen? Solche Umkehrung aller modernen Staatsbegrisse treffe nicht allein die Juden, fanden alle Kräfte des deutschen Volkes, denen der Staatsgedanke am Herzen liege. Die Judenheit wird der Nationalsozialismus nicht vernichten, eher das mühsam in Morgen! Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. in» n? mp ’aai Korachs Söhne aber waren nicht gestorben. — Dieses in seiner wahren Bedeutung so klaren Satzes hat sich der Volksmund bedient, um ihn umzubiegen und mit ihm den Beweis zu führen, daß der Korachsgeist fortlebt, daß in allen Geschlechtern und zu allen Zeiten Menschen vom Schlage eines Korach vorhanden sind. Was jener Satz erhärten soll, ist sicher Tatsache, wenn auch das Schristwort etwas ganz anderes besagt und in ihm der Geist der ivn nun weht, der Geist der echten, heiligen G'ttesliebe, die es nicht nur von dem Menschen fordert, sondern auch selbst betätigt: irrvna v'« matt hv mm’ ttb miai msa b» matt mm’ ttb iN»i’. „Nicht sollen getötet werden Väter wegen (durch die Schuld) der Kinder und nicht Kinder wegen (durch die Schuld) der Väter. Jeder soll nur durch seine Sünde dem Tode verfallen". Hier ist in klaren, scharf umrissenen Worten die Mahnung niedergelegt, einen jeden Menschen nach seinem persönlichen Werte zu beurteilen und ihn nie für das verantwortlich zu machen, was nicht in seiner Persönlichkeit begründet ist. Derselbe bedeutsame Gedanke leuchtet aus den schlichten Worten hervor: „die Söhne Korachs starben nicht." Sie hatten rechtzeitig Selbstbesinnung geübt und waren dem Schicksal ihres Vaters entronnen. mehr als zehnjähriger Arbeit wieder erkämpfte Ansehen des Deutschen Reiches.- Die gesetzestreue Judenheit kam durch Herrn Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer zu Wort. Indem man unser Recht beugt, schände man das allgemeine Menschenrecht. Aber noch Tieferes wird verletzt: Es wird Spott getrieben mit dem Höchsten, was der Mensch besitzt, mit der Religion. Der G'ttesanruf wird profaniert und dabei die Seele des unmündigen Kindes vergiftet. „Wir als Hüter des Glaubensgedankens legen Verwahrung dagegen ein, daß G'tt gelästert wird, daß G'ttes Geschöpfe zu Haß und somit zu ihrem Unglücke erzogen werden. Bei der Begründung des Schächtverbotes waren die Parteigenossen Fricks die einzigen-, die es klar heraussagten, daß sie nicht von der Liebe zum Tiere, sondern vom Haß gegen die Juden zu ihrer Aktion getrieben seien. Wir werden unsere Glaubensidee trotz Verleumdung, Beschimpfung und Verfolgung durchsetzen." Ein Eingeweihter und Kundiger, legte R.-A. Dr. Julius Blüth, Eisenach, Zeugnis ab für das thüringische Volk, das im Ganzen n i ch t antisemitisch eingestellt sei. Es sei nur Zufall, daß die Nationalsozialisten heute die Akteure des traurigen Theaters sind, über das sich die einen entsetzen und die anderen lachen. Auch er hält den Weg des Gerichtshofes für unsicher und ungenügend, die Reichsexekutivs hätte hier mit eiserner Hand eingreifen müssen. Das Thüringer Beispiel sei eine Mahnung für die Juden in den anderen deutschen Landen, auf der Wacht zu bleiben und sich nicht von den Ereignissen überraschen zu lassen. Ein Bekenntnis zum Deutschtum legte Dr. Alfred Wiener ab. Gäbe es einen Nobelpreis für deutsche Gesinnung, die deutschen Juden würden ihn gewinnen; die zu vielen Dausenden auf allen Schlachtfeldern, wo Deutsche kämpften, gefallenen Juden würden ihn begründen, ferner die Posener Juden, die für ihr Deutschtum ins polnische Konzentrationslager wunderten oder fluchtartig die Heimat verließen, Einstein in der Wissenschaft und Max Liebermann in der Kunst. Der Dank bei einem Teile des deutschen Volkes bestehe in Schimpf und Verleumdung, in 81 geschändeten jüdischen Friedhöfen und einer Anzahl verunreinigter Synagogen. Die 'Entschließung, von vielen Tausenden einstimmig angenommen, wird dem Reichspräsidenten und der Reichsregierung eingereicht werden. Sie hat folgenden Wortlaut: „Die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der deutschen Juden, die sich durch Geschichte, Kultur, seeelische und geistige Gemeinschaft mit dem deutschen Volke un- I Schule hat allerdings Korach gemacht. Seine Methode kann man immer wieder beobachten bei allen denen, die als „Volksbeglücker" auftreten, nur um ihre persönlichen, ehrgeizigen Pläne zu verbergen, die wie Korach es hinausrufen in die betörter,, aufgestachelten Massen: D’trap abo mvn „die ganze Gemeinde, sie alle sind heilig" und mit solcher, scheinbar für Freiheit und Gleichheit sich einsetzenden Rede um den Beifall der urteilslosen Menge buhlen. Dem Korach haben sie es abgelauscht, die ihren maßlosen Ehrgeiz hinter ihrer Verteidigung der Volksrechte klug zu verbergen verstehen, die sich in den gleichen und schönen Mantel der Scheinheiligkeit und Schmeichelei hüllen und den wahnbetörten Massen zu Munde reden, um sie im gegebenen Augenblick als willenloses Werkzeug ihren Plänen und Zielen gefügig zu machen. Wollen die modernen Korachiten, die sich gegen die bestehende Staats- oder gesellschaftliche Ordnung auflehnend dem Volke unerfüllbare Versprechungen machen und glücklichere paradiesische Zeiten vorzaubern, im Grunde genommen nicht ihre eigene Persönlichkeit auf den Schild erheben? Und jene, die die Volksleidenschaften gegen uns und unser Judentum zu entfesseln suchen, immer wieder ihre bewußten Lügen und Verleumdungen gegen die Erhabenheit und Reinheit unserer hl. Lehre marktschreierisch verkünden und mit allen Mitteln demagogischer Wühlarbeit Haß und Zwietracht säen, tuen die es nicht dem Korach nach, der die finsteren Instinkte und Leidenschaften des Volkes zu wecken suchte mit seinem Rufe: 'i b» iK&ann rrn». Warum erhebt ihr euch über die Gemeinde G'ttes? Moses spricht da das erlösende Wort, das für alle Zeiten gilt und allen Geschlechtern ein Quell des Trostes und der Zuversicht sein kann: ib nrr 'i y-pi apa. Der Morgen (kommt), da wird G'tt' kundtun, wer sein ist." npaund nicht in». Es liegt in diesem Worte nicht etwa nur ein Vertrösten auf den kommenden Tag. Das lösbar verbunden fühlen, wird durch die deutsche Reichs- Verfassung verbürgt. Selbstherrliche Willkürakte eines Ministers oder der Regierung eines deutschen Landes werden die jüdischen Deutschen nicht hindern, wie bisher ihrem deutschen Vaterlande opferfreudig und hingebungsvoll zu dienen. Sie legen aber Protest ein gegen die Verfassungs- Verletzung, die sich der thüringische Innenminister Dr. Frick mit seinen Verordnungen, insbesondere der über „Deutsches Schulgebet" hat zuschulden kommen lassen. Wir erwarten von den Hütern der Reichsverfassung, dem Herrn Reichspräsidenten, dem Reichskabinett und dem verantwortlichen Herrn Reichsinnenminister, daß sie. diese Verfassungsverletzung ahnden, dem verfassungsmäßig gesicherten Anspruch der thüringischen und deutschen Juden auf Gleichberechtigung Gewähr leisten und ihn gegenüber der widerstrebenden Länderinstanz durchsetzen." Wir überschätzen ganz gewiß nicht dien Wert solcher Protestkundgebungen. Sie waren in diesem Falle eine Ehrenpflicht der deutschen Judenheit. Aber man (affe es nicht dabei bewenden, glaube nicht, damit dem Wink, der uns mit solchen Schickungen vom Lenker der Welt und der jüdischen Geschicke gegeben ist, verstehlend gefolgt zu fein. Die Auswirkung muß sich im innerjüdischen Leben zeigen, in Einkehr, in erhöhter Treue zum Gesetz, in -gesteigerter Opferfreude bei der Leistung für die Gemeinschaft. Die Protestkundgebungen wenden die Gefahren nicht ab. Sollen sie aber die Hellwirkung, die jede Schickung für das jüdische Volk bezweckt, erreichen, dann wollen wir darüber hinaus in uns schauen und dann zu Ihm hinauf, in der Zuversicht, daß' •1YF5P K1? inhmi 1»V riK m W1V' X*? *5 Wochenrundschau. Glaube und Heimat. Die Pfingfttage sind die Tage der großen Konferenzen. In Dresden kam, wie bereits mitgeteilt, die j ü di f ch - li b er a l e I u g e n d zusammen, um Wünsche zu äußern undaus dem Munde der älteren Führer sich über die Richtlinien des jüdischen Liberalismus und den Anteil der Jugend an der Arbeit belehren zu lassen. Eine Heranziehung der I u g e n d g e m e i n- DIAISN'Puder bewahrt Ihren Liebling vor Wundsein. wohl auch, aber weit mehr noch. Mahnen wollte Moses Korach und seinen Anhang. :rrapn pbn mbm n®a onb nvrr nb’ba m’ aiyb onrr j’bia’ ott mbiya- Moses sprach förmlich zu ihnen, G'tt hat Grenzen gezogen, geschieden zwischen dem Licht und der Finsternis. Könnt ihr diese Scheidegrenze zerstören, daß ihr Tag und Nacht miteinander vermischt? — Gewiß, alle Menschen sind zur Freiheit und Gleichheit vor G'tt berufen, in allen leuchtet das Flammenzeichen des Ewigen und Erhabenen. Damit sie alle aber ihrer Bestimmung sich bewußt bleiben, — bedürfen jedoch die Menschen der Führer und Vorbilder, die wegweisend und ziel- und richtunggebend sind. Wer die Kraft und Fähigkeit hierzu besitzt und den Willen aufbringt und die Hingebung zum Dienen, der' ist ein Berufener und wird gewürdigt, den Dienst am Altar der Menschheit zu versehen. Das ist die Größe und Erhabenheit G'ttes, daß die Mannigfaltigkeit der Wesen nicht die Einheit und Harmonie stört, daß ttdtz der r^iaa, der den einzelnen zugewiesenen Gebiete Uebereinstimmung im Ganzen, im Zusammenklingen aller mannigfaltigen Akkorde herrscht. Wehe, wenn die Menschen von Ehrgeiz und Neid gettieben in diesen Gleichklang gewaltsam eine Disharmonie bringen! Das bewirkt das Unheil für die Verführer und die Verführten. Wer nicht bei dem Heute stehen bleibt, sondern auf den „Morgen" wartet, auf das Lichten und Tagen hofft, der erfährt, wer und was G'ttes ist. In diesem Gedanken möge Israel seinen Weg gehen und voller Zuversicht hoffen auf das Schwinden aller Nebel und Dünste, die den klaren Ausblick hemmen. Der Morgen kommt, das Licht der Wahrheit und Reinheit siegt, — dann blüht auch und trägt Früchte der Stab Israels. D40B

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