Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1930)
- Date
- 1930-06-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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19. Juni 1939 Der Israelit 7 Zu bemerken ist, daß der C h o f e z Chajim, der die Konferenz einberusen hat, persönlich anwesend war und zusammen mit Rabbi Chajim Oser Grodzenski das Ehrenpräsidium innehatte. Seine Ansprache bei der Erössnung hinterließ einen unbeschreiblichem Eindruck. Vor und nach der Konferenz hielt er Besprechungen ab, bei denen er mit größter Lebhaftigkeit das Wort führte. Zu den wichtigsten Punkten der Konferenz gehörte die Konsolidierung des W a ad Hajeschiwoth. Dänemark. Eine Schomre Schobbos-Vereinigung in Kopenhagen. Kopenhagen, 15. Juni. Eine beträchtliche Schar von Sabbatfreunden fand sich am 26. Mai in einem großen Versammlungssaal ein, um den Ausführungen des Herrn Rabb. Dr. Winckler über die allweltliche Sabbatbewegung, sowie die projektierte Kalenderreform zu lauschen. Redner wies u. a. darauf hin, daß die Ursache der Preisgabe der Sabbat - idee in weiten Kreisen nicht allein in sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen, sondern auch in der Gleichgültigkeit gegen die Religion zu suchen sei. Wenn r-n® ’^na »'o.riaa in die höchsten Ehrenämter, die eme jüdische Gemeinde oder Gemeinschaft zu vergeben hat, widerspruchslos eingesetzt und berufen werden, die Geschicke jüdischer Institutionen zu leiten, so ist es ganz natürlich, daß diese Bagatellisierung der Sabbatheiligung jedem Unbefestigten die Scham vor na» nehmen muß. — Als zweiter Redner sprach Herr Rabb. Knöpselmacher über „Sabbat im Wirtschaftsleben". Sein Appell an die jüdischen Kausleute und Unternehmer, den jungen Leuten die Sabbatheiligung zu ermöglichen, wurde mit großem Interesse angehört. Alle Anwesenden Unterzeichneten daraus die Petition an den Völkerbund, von der Kalenderreform Abstand zu nehmen, und schlossen sich der neuen "rav nai? Vereinigung" an, die unter Leitung des Herrn Dr .Winckler und Herrn Knöpselmacher eine intensive Tätigkeit zu entfalten verspricht. N. R. Schweiz. Die paliistma-Sesfion der Mandatskommission. Genf, 11. Juni. Ueber die Sitzung der Mandatskommission am 10. Juni"^vird offiziell mitgeteilt: Die Mandatskommission ging nach Beendigung der Prüfung der Ereignisse in Palästina in den Monaten August und September 1929 zur Diskussion des Jahresberichtes der Mandatarmacht für das Gesamtjahr 1929 betr. die Verwaltung in Palästina und Transjordanien über. Seitens der britischen Regierung waxen der Generalsekretär des Oberkommissariats in Palästina, Herr Luke und Herr Clauson vom Colonial Office anwesend. Die Vertreter der Mandatarmacht gaben der Kommission ergänzende Mitteilungen über die Bodenverhältnisse, das Rechtssystem, die gleiche Behandlung in wirtschaftlicher Hinsicht, die Arbeiten am Bau des Hafens in Haifa, die Tote Meer-Konzession, den Handel und die Wirtschaftslage in Palästina und Transjvrdanien, die Verhältnisse im Unterrichtswesen, in der öffentlichen Gesundheit, in den Finanzen, im Handel mit Rauschgiften usw. Die Mandatskommission befaßt sich weiter mit der Palästinafrage. Genf, 12. Juni. Die Mandatskommission des Völkerbundes befaßt sich auch jetzt noch, nach Beendigung der speziellen Palästina Session, mit den Fragen Palästinas. Am 11. Juni begann die Kommission mit der Abfassung des Berichtes für den Völterbundsrat und der Formulierung ihrer Observationen. Ueber den Verlauf dieser Sitzungen erscheinen keine Kommuniques. Der JTA-Vertreter erfährt, daß die Mandatskommission beschlossen hat, daß jedes Mitglied seinen persönlichen Standpunkt schriftlich zu präzisieren hat. Sodann hat die Kommission die Fragen formuliert, zu denen sie demnächst Stellung nehmen wird. Es wurde ein Redaktionskomitee eingesetzt, dem van Rees, Rappard, Orts und Merlin angehören.. Das Redaktionskomitee tagte am 12. Juni den ganzen Tag über. Man spricht davon, daß die Mandatskommission den Text ihres Berichtes über die Palästina-Fragen, den sie jetzt ausarbeitet, noch in einer speziellen Sitzung nach Beendigung der ordentlichen Session endgültig bestätigen wird. Kuratorium der Jeschiwoh EzEhajim in Montreux. Zürich; 12. Juni. Vor kurzem fand im Gemeindefaal der I. R. C. Z. die ordentliche Jahresversammlung des Kuratoriums der Jeschiwoh Montreux statt. Die Versammlung war zahlreich beschickt und von Herrn A. W. Rosenzweig geleitet. Der Jeschiwohleiter, Rabbi Elijahu B o t s ch k o, erstattete den Jahresbericht, dem zu entnehmen war, wie rapid die Jeschiwoh sich entwickelt und daß die Schülerzahl bereits auf 60 angewachsen ist. Er berichtete ferner, daß einige Lehrer aus der Jeschiwoh ausgeschieden sind, die aber durch andere fähige und tüchtige Kräfte ersetzt worden sind. Der Jeschiwohleiter beklage sich, daß neben der schweren geistigen Arbeit auch noch die drückende materielle Last immer noch auf ihm laste und appelliert an die Mitglieder des Kuratoriums eindringlich, ihm kräftig zur Seite zu stehen und ihn von der schweren pekuniären Sorge der Jeschiwoh zu befreien. Der Jeschiwohleiter legte ferner ein Projekt vor, ein guteingerichtetes Hotel mit ca. 50—60 Betten oberhalb Montreux, welches ümstandshalber zu dem sehr vorteilhaften Preis von Fr. 90.000.— mit dem gesamten Mobiliar offeriert wird, für die Jeschiwoh zu erwerben. Ferner sprach er sein lebhaftes Bedauern darüber aus, daß die Ettern, die ihre Kinder auf die Jeschiwoh schicken, nicht genügend ihre Kinder für das Jeschiwohstudium vorbereiten. Der mangelhafte Unterricht der Religionsschulen muß unbedingt ergänzt und erweitert werden. Der Jahres- und Kassenbericht wurde genehmigt und es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Das Kuratorium der Jeschiwoh Ez Chajim Montreux sprach dem Leiter der Jeschiwoh für seine aufopfernde, selbstlose und uneigennützige Arbeit den tiefsten Dank aus. Am Sonntag darauf fand in Anwesenheit zahlreicher Gäste aus dem In- und Auslande die feierliche Eröffnung des Sommersemesters der Jeschiwoh Ez-Chajim statt. Der verdienstvolle Gründer und Leiter der Jeschiwoh, Rabbi Elijahu Botschko, eröffnete die Feier und begrüßte die Gäste, unter denen Herr Rabbiner Dr. Esra Munk- Berlin zu sehen war, die Dozenten sowie die Hörer der Jeschiwoh. Er begrüßte ferner den neuen Dozenten, Herrn Salomon Hamburger aus Berlin. Sodann gab der Jeschiwohleiter einen historischen Rückblick auf die Entwicklung der Jeschiwaus der letzten zwei Jahrtausende, von der Jeschiwoh in Jawneh, über die babylonischen, spanischen, französischen, deutschen bis zu den ungarischen, litauischen Jeschiwaus, die heute die Träger der Thoralehre darstellen. Des weiteren gab er die Ziele der Montreuxer Jeschiwoh kund, die es sich zur vornehmsten Ausgabe gemacht hat, Thorawissen in der Schweiz zu verbreiten und die, nach litauischem System aufgebaut, in dauerndem Konnex mit den litauischen Thoragrößen steht. Die Jeschiwoh zählt trotz ihres erst dreijährigen Bestehens 60 Bachurim, die sich aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, England, Belgien, Oesterreich, Tschechoslowakei, Ungarn und Rumänien rekrutieren. Nachdem der Jeschiwohleiter mit einem Pilpul die ars» «aa naoa eröffnet hatte, begrüßte Herr Rabbiner Dr. Munk- Berlin die Jeschiwoh und wies mit großer Begeisterung auf die hohe Bedeutung der Montreuxer Jeschiwoh als neues Thorazentrurst sowie auf die ungeheuren Verdienste und übermenschliche Aktivität des Jeschiwohleiters, der dieses Institut aus dem Boden gestampft hat, hin. Herr Rabbiner Dr. Esra Munk hielt noch am folgenden Tag einen großangelegten und hochinteressanten Pilpul. Alsdann hielt der Thoragelehrte, Herr P i n e s aus Zürich, einen geistvollen halachischen Vortrag. Herr Pines gab auch seiner Bewunderung über die Jeschiwoh, ihre Erfolge, und ihr hohes Niveau Ausdruck. Mit einer von tiefen Mussarworten begleiteten Rede schloß der Jeschiwohleiter die imposante Feier. H—er. Rutzland. Zur wirtschaftlichen Besserstellung der Einwohnerschaft der jüdischen Städte. Moskau, 11. Juni. Der Rat der Volkskommissare der Sowjetunion teilt offiziell seinen Beschluß betreffend wirtschaftliche Umschichtung der von Juden bewohnten Städte in der Ukraine und in Weißrußland mit. Der Beschluß geht darauf hinaus, die Bewohnerschaft dieser Städte auf gesunde und gesicherte wirtschaftliche Grundlage zu stellen, in der Weise, daß die jüdische Bevölkerung in ihrer Gesamtheit die Möglichkeit erhalten soll, sich in die Produktion einzuschalten. Zur Vorbereitung einer durchgreifender» wirtschaftlichen Umschichtung wird verordnet: 1. Der Steuersatz für Kleinhandwerker und Heimarbeiter wird stark ermäßigt .2. Ist ein Handwerker nicht in der Lage, Steuern zu entrichten, so darf man gegen ihn niemals mit Arrest oder Vermögenseinziehung Vorgehen. 3. Gegen diejenigen Beamten, die solchen Elementen übertrieben hohe Steuern auferlegen oder ihr Vermögen beschlagnahmen, soll mit strengen Strafen vorgegangen werden. 4. Die Produktionsgenossenschafterl dürfen nicht mehr gezwungen werden, sich zu Mammuth- Genosseyschaften (Jnternationalisierung) zusammenzuschließen. 5. Die gesamte arme Bevölkerung der jüdischer« Kleinstädte in der Ukraine und in Weißrußland soll in die Heimarbeiter- und Handwerker-Kooperationen eingeschlossen werden. 6. Im Verlauf von drei Monaten soll ein Programnr ausgearbeitet werden, demgemäß alle Kleinhandwerker und Heimarbeiter zu qualifizierten Arbeitern ausgebildet werden sollen, damit sie sich der Großindustrie anschließne können. 7. Alle verarmten Elemente m den Kleinstädten sollen zu qualifizierten Arbeitern ausgebildet werden. 8. Die Heimarbeiter erhalten dieselben Rechte wie die Fabrikarbeiter, vorausgesetzt, daß sie sich zu Genossenschasten mit mindestens 30 Mitgliedern zusammenschließen oder exportfähige Artikel Herstellen. Dieser offizielle Beschluß des Volkskommissarenrates bedeutet eine wirtschaftliche Erneuerung der jüdischen Kleinstädte in der Ukraine und in Weißrußland, indem die gesamte Bevölkerung dieser Städte der Produktion zugeführt und steuerlich entlastet wird. Der Verband der Heimarbeiter-Genossenschaften in der gesamten Sowjetunion, der als eine halboffizielle Institution angesehen wird, beschloß, alle „Lischenzes" (Wahlrechtslose), die als ehemalige Händler aus den Produktions-Genossenschaften ausgeschlossen, bezw. in solche nicht ausgenommen wurden, in den Verband aufzunehmen. Alle dem Verbände angeschlossenen Genossenschaften wur den angewiesen, Deklassierte als Mitglieder aufzunehmen. Der Zentralverband der Kooperativen, der die Verteilung von Produkten in der ganzen Sowjetunion kontrolliert, hat eine Verordnung erlassen, dergemäß auch Wahlrechtslose als Mitglieder in die staatlichen Lebensmittel-Kooperativen ausgenommen werden. Jedes Mitglied dieser Kooperativen erhält Lebensmittel zu Staatspreisen. Die Wahlrechtslosen werden aber sogenannte Desrziiartikel, z. V. Brot, Butter, Zucker und Seife mit höheren als den Staatspreisen bezahlen müssen. (JTÄ.) England. Luke kehrt nicht nach Palästina zurück. London, 12. Juni. Der Chefsekretär der Palästina-Regierung, H. C. Luke, der im August vorigen Jahres den abwesenden High Commissioner Sir John Chancellor vertrat, während dessen Amtszeit die arabischen Angriffe auf den palästinensischen Jischuw erfolgten, wird nicht auf seinen Posten in Jerusalem zurückkehren. Er ist zum stellver tretenden Gouverneur von Malta befördert worden. — Zuletzt weilte Luke auf Urlaub in Europa und fungierte m der außerordentlichen Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes als einer der Assistenten des Bevollmächtigten Großbritanniens Dr. Drummond Shiels. Palästina. Hebron infolge des Auszuges der Juden ruiniert. Jerusalem, 13. Juni. Eine Abordnung des Waad Leumi begab sich nach Hebron, um die Meldungen über Entweihung der Grab- Neine der jüdischen Opfer der Massakres vom Augutt 152S auf ihre Richtigkeit hin zu prüfen. Bei dieser Gelegenheit wurde der Abordnung seitens der britischen Behörden in Hebron, sowie auch seitens prominenter Araber mitgeteilt, daß die Stadt Hebron infolge des Auszuges der jüdischen Bevölkerung an den Rand des Ruins geraten ist. Die Abordnung selbst konnte feststellen, daß die Mieten für Geschäftsräume und Privatwohnungen um 20 Proz. bis 50 Proz. gefallen sind. Der Handel liegt vollkommen darnieder. Der Auszug der Slobodka-Jeschiwah, deren Zöglinge jährlich ungefähr 25.000 Pfund in Hebron ausgaben, war der größte Verlust für die Stadt. Dre arabische Presse teilt mit, daß Repräsentanten der früherer! jüdischen Einwohnerschaft von Hebron kürzlich erklärt haben, die Juden würden nach Hebron zurück-