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Der Israelit · 1930-06-19 · Heft 25 (19.6.1930) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 25 (19.6.1930)
Date
1930-06-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8. Nr. 25 , .. - . - r. kehren, wenn die Araber der Stadt sich vor den Ueberlebcnden wegen der Massakres entschuldigen würden. Inzwischen hat auch eine Abwanderung von Arabern aus Hebron eingesetzt, da als Folge des Auszuges der jüdischen Einwohnerschaft die Arbeitsmöglichkeit auf ein Minimum gesunken ist. Sir Steuart Davis, der Schatzmeister der Palästtnaregierung, kehrt am 29. Juni von seinem Urlaub noch Jerusalem zurück, um den High Commissioner, Sir John Chancellor,'der voraussichtlich am 29. Juni Palästina verläßt und auf Urlaub geht, zu vertreten. Große Aufregung in Jerusalem. (Telegr. Bericht.) Jerusalem, 17. Juni. Der 17. Juni war ein Tag größter Aufregungen in Jerusalem, und man konnte abends froh aufatmen, daß es — wenigstens vorerst — zu keiner elementaren Explosion gekommen ist. Von den vielen zum Tode verurteilten Arabern ist bekanntlich der überaus größte Teil zu Gefängnisstrafen begnadigt worden.. Drei Arabern, die sich besonders bestialische Mordtaten -in mehreren Fällen zuschulden kommen ließen, ist die Begnadigung versagt worden. Dienstag, den 17. wurden die Mörder h i n g e r i ch t e t. Das, Kesseltreiben der Araber gegen die Vollstreckung zeitigte eine. Atmosphäre, die aN die August-Tage stark erinnerte. Fremde Elemente tauchten überall auf, an den Litfassäulen wurden hebräische Plakate heruntergerissen, und auch sonst fehlte es nicht an der Westmauer wie in der Altstadt an Provokationen jeglicher Art. Die Polizei ist in verstärkter Bereitschaft. Bemerkt sei, daß von der jüdischen Presse und der jüdischen Oefsentlichkeit die Vollstreckung der Todesurteile nicht verlangt w u rde, vielmehr chatten sich einige jüdische Stellen, aus prinzipiellen Gründen und aus Gründen der Versöhnung, für eine Aüfh e b u n g d e r T 0 d e s st r a f e eingesetzt. ■ . * . . Der I. T. A. wird ferner berichtet: Heute, den 17. Juni, morgens, wurden die drei im Zusammenhang mit den Unruhen im August 1929 zum Tode verurteilten Araber, die wegen mehrfachen Mordes in den Begnadigungsakt nicht einbezogen waren, in der Zitadelle von Akko hingerichtet. Die Muezzim auf den Minaretts der Moscheen zu Haifa und Akko riefen während der Hinrichtung die Moslems zu Gebete, auch die Glocken der katholischen Kirchen läuteten eine Viertelstunde lang. Der Polizeiinspektor Mavrogordato weilte persönlich in Akko, um den.Hinrichtungsakt zu überwachen, .während Major Saunder's in Haifa die Vorbereitungen - traf, um evtl.. aufkümmende Unruhe im Keime zu ersticken. In Haifa ist es zu einem Zusammenstoß zwischen Demonstranten und Polizei gekommen, in Jaffa hat die Polizei eine Araber-Demonstration gesprengt. Am Damaskustor in Jerusalem versuchten Schulknaben zu demonstrieren, die Polizei zerstreute sie und verhaftete vier Araber, unter ihnen den als Agitator bekannten Lehrer der Saint George-Schule. — Von den Hingerichteten waren zwei Hebron-Araber und einer aus Safed. ' ' Personalien. Rabbi Schachna Awrach Warschau, 11. Juni. Einen seiner Besten verliert.Warschau und das jüdische Polen mit Schachna Awrach, der, 77 Jahre alt, von dannen gegangen ist. Er ' war ein Lamdon und Zaddik von ganz seltener Art. Seine Wohltätigkeit erinnerte schon an die Frommen früherer Zeiten. Bei seinen ausgedehnten Geschäften hatte er doch noch' Zeit, täglich zu lernen und zu lehren und Liebestaten zu üben. Lange Jahre trug.er Abend für Abend das „Gemoroblatt" in der Schaß-Chewra auf Twarda 12 vor einer großen Zuhörerschaft vor, und die Diskussionen zogen sich oft bis in die späte Nacht hinein. Der Agudas Jisroel schloß er sich vom ersten Tage mit ganzem Herzen an. In vielen Agudadelegationen vertrat er als ein Mann von europäischer Bildung und Kenner europäischer Sprachen die polnische Judenheit. Auf der ersten Kenessio Gedaulo war Schachna Awrach einer der Führer, der polnischen Landsmannschaft. Bis zuletzt betätigte er sich trotz Alter und Krankheit im A. C. der polnischen Aguda. Sein Hauptaugenmerk richtete er seit Anbeginn der orthodoxen Frauenbewegung auf die Töchtererziehung und er selber hielt in der orthodoxen Fraüenorganisation „Chawazetech" Vorlesungen. Bezeichnend für den Verstorbenen ist, daß er, als man in Polen überall Protestversammlungen gegen die zwangsweise Sonntagsruhe abhielt, den Vorschlag machte, man sollte als Protest gegen diese Maßnahme je ain Sonn- :: ,y : --,,■.... D 0 k J S k « 8 l f t si. . . .. .. tag in allne Kreisen der - Aguda offen t'l i ch ein Blatt Gemoro lernen.- Der Heimgang Rabbi Schachna Awvachs bedeutet einen unersetzlichen Verlust für die thoratreue Judenheit in Warschau und in Polen. - -rraxan Baltimore, * 5. Juni. Unserer Stadt und besonders unserer Gemeinde mins hat am ws einen großenunersetzlichen Verlust erlitten. Mannes Strauß, langjährige^ Vorstand..unserer Gemeinde, einer jener hervorragenden Wenigen, die noch zu den wahrhaften Jehudim gezählt wurden und auf den das Baltimorer gesetzestreue' Israel mit Stolz als einen, der Ihrigen hinwies, verschied am Freitag an seinem 57. Geburtstag. — . Um den Verewigten trauern nicht nur feine Gattin und die nächsten Familienangehörigen, sondern ganz Israel muß trauern um den Verlust eines Mannes, der eine Säule des .orthodoxen Judentums gewesen, der für unsere heilige Thora gekämpft und gewirkt hat bis zu seinem letzten Atemzuge. Strauß Vxr, obwohl in Baltimore geboren, lernte lange Jahre bei seinem Vater Abraham Strauß V-sr und wurde selbst ein guter n"v. Lange Jahre hielt er wöchentlich d’ww, in denen er nr>i»a und iisp mit den jungen Leuten seiner Gemeinde lernte. Obwohl er keine Kinder hinterließ,' so kann man doch von ihm sagen: p n« inVnn i'i>s n yn n*nn ii'an .. mxm*. Nürnberg, 8, Juni. Die Gemeinde Adaß Israel in Nürnberg hat durch den nach mehrmonatlicher Krankheit erfolgten Heimgang ihres allverehrten langjährigen treuen Mitglieds Albert Ellern einen, schweren Verlust erritlen, uno zahlreich waren die Freunde, die, obwohl die Möglichkeit. der Publikation durch Pfingsten sehr erschwert war, herbeigeeilt waren, um der Bahre des Vervücheue.i zu folger und ihm die letzte Ehre zu erweisen. Als Freunde mußten alle, die mit Albert Ellern bekannt waren, ihn schätzen, denn sein vornehmes und liebenswürdiges Wesen,; seine feine Klugheit sicherten ihm bei Alt und Jung Freundschaft und Änjeljeii und seine tiefe Frömmigkeit, die sich bei seiner langjährigen ausgedehnten Reisetätigkeit bewährte, verschafften ihm die Hochachtung aller, die ihn kannten. Albert Ellern .Irxr war ein Auhev Hatoroh, der so gerne den Thöravorträgen lauschte, die ThoraaNstalten förderte und stützte, und seine Liebe zur Thora drückte sich noch in den Worten aus, die der - Verblichene seinen Lieben hinterließ. Die Innigkeit seines Gebets, sein Neben von Gemilus Chasodim, worin der Verblichene eine, so tatkräftige Unterstützung durch seine Gattin (aus der bekannten Breslauer Familie Falk) fand, werden ihm ein stetes warmes Gedenken sichern Bei der Bestattung trachte Herr Rabbiner Dr. Klein in ergreifenden Werten den Schmerz über den schweren Verlust zum Altsdruck und schilderte dje Vorzüge des Verblichenen; ferner sprachen Worte des Dankes im Namen der Verwandten Herr O b e r n d o e r f e r, Fürth, als Freunde Herr Prof. Dr. Unna und Herr RechtsanwattFeilchenfeld. rraxan- Griesheim b. Darmstadt» 15. Juni. Wie ein Lauffeuer durcheilte die' Schreckenskunde unfern Ort, daß Jonas S t e r n, der noch am 'npna nna nar? den G'ttesdienft in der Synagoge in völliger Gesundheit besuchte, in der Nacht auf Sonntag im erst vollendeten 42. Lebensjahre. infolge eines Herzschlages unverhofft in ein besseres Jenseits abgerufen wurde. Die.Teilnahme an dem schweren Schlage, von dem die Familie, eine junge Witwen mit einem zweijährigen Kinde, sowie die alten Eltern und Geschwister des so früh Dahingegangenen betroffen wurden, ist eine allgemeine, da der Heimgegangene der Haupternährer der Familie war und sich allüberall wegen seines leutseligen Wesens großer Beliebtheit erfreute. Dafür legte das Leichenbegängnis beredtes Zeugnis ab, an dem-sich eine unübersehbare. Menschenmenge beteiligte. An der Bahre hob Herr Rabb. Dr. Merzbach, Darmstadt, u. a. die Eigenschaften und Verdienste hervor, die der Verstorbene als Jehudi und Mensch besessen. Mit seinem Heimgang ist in der Familie sowie auch in der ganzen Gemeinde eine große Lücke gerissen worden, die nicht mehr ausgesüllt werden kann. Möge '"n die junge Gattin, Eltern und Angehörigen in ihrem Schmerz wieder aufrichten und trösten. rrasinvermischtes.. Kopenhagen, 15. Juni. Man schreibt uns aus Kopenhagen: Der neologe Vorstand der dänischen Gemeinde hat sich wieder einen Ehilül Haschern geleistet, der seinesgleichen suchen dürste. Nach 15 Jahren fiel es ihm plötz-: sich ein, haß der o r t h o d o x e R a w der hiesigen Machfike Hadäß-Vereinigung Gemeindekultussteuer zu entrichten habe. Da diese natürlich verweigert wurde, erstens aus rein religiösen Gründen, zweitens weil mit einer solchen Forderung erst nachI15 Jahren aufzutreten, ganz widersinnig und ungerecht-sei/ wurde der Gerichtsvollzieher, ausgefordert, der am letzten Freitag kürz vor n-v in die Wohnung des Raws eindrang undihm den Schab-, bostisch als Pfand wegnahm. Schwäbach, 13. Juni. Die Grabschändungen im Israel litischen Friedhof in L ichtenfels fanden vor dem dortigen Schöffengericht ihre Sühne.' Angeklagt waren drei junge Burschen, von welchen einer dem Jugendgericht zur Aburteilung überwiesen wurde. Die Anklage lautete auf Hausfriedensbruch, Sachbefchäoigüng und Grabschändung. Wegen des letzteren Vergehens könnte Nur der Angeklagte Klarmann überführt werden, der zu 150 Mk. Geldstrafe eventl. 30 Tagen Gefängnis verurteilt.wurde. Der zweite Angeklagte, Zimmermann Weberpals, erhielt lediglich 19; Juni 1930 wegen Hausfriedensbruchs 45 Mk. Geldstrafe eventl. 9 Tage Gefängnis. > Worms, 17. Juni. Wir lesen int „Mainzer Anzeiger": Hier wurde, jetzt das zweite j ü d i f ch e Frau e n b ä d freigelegt. Beim Abbruch von zwei alten Häusern stieß man in der Hinteren- Judengasse, direkt nebender.' alten Synagoge, auf die: Anlage, die. für die Geschichte der.mittelalterlichen: jüdischen Gemeinde von großer Bedeutung ist. Die Badeanlage mißt im Quadrat 1,40X1,60 Meter. Es haben sich' bisher noch keine Anhaltspunkte ergeben, die eine genaue Datierung-des interessanten Baues, ermöglichen.- Die Sole des Bades liegt etwa 10 Meter unter dem Pflaster der Straße. Dieses zweite jüdische Frauenbad ist in der Anlage das - gleiche wie das hinter der Synagoge, nur etwas kleiner. Bemerkenswert dürfte noch sein, daß sich ' in dem abgebrochenen Häufe eine Badeeinrichtung, der jüdischen Gemeinde gehörend, befand. FamMermachrichten.! GeburteN: Ein Sohn, Fritz Hirsch und Frau, Ladenburg. Barmizwo: Bernhard, Sohn des Herrn Kunstmaler Jacob Nußbaum, Paul Ehrlichstr. 41. Synagoge Unterlindau. iinav. Sprechsaal. Das jüdische Leben in Paris. Paris, den 12.. Juni. Sehr geehrte Redaktion! . Als eifriger Lefre Ihrer Zeitung „Der Israelit" habe ich natürlich den Artikel über;,Paris" gelesen und glaube ich gut zu tun, wenn ich denselben hiermit vervollständige, denn die zahrleichen nach Paris kommenden Frankfurter und andere, der französischen Sprache nicht mächtig, werden sich in den folgend verzeichneten Kreisen eher heimisch fühlen. Im vorhergehenden Artikel war die Rede von der kleinen Synagoge in der Rue Cadet No. 10, in welcher man ab und zu bekannte Gesichter antrifft, aber es genügt nicht, wenn man sich aussprechen will. Dagegen gibt es aber eine Synagoge in der Rue St. Jzaure 13 (Montmartreoiertel), eine Minute von der Mairie im 18er Arrondissement entfernt, da kann man eher zu jedermann drauflos deutsch sprechen, jeder versteht die Sprache, wir sind bei Ostjuden. Schabbos ist es ein Vergnügen, den Chafan anzuhören, denn er geht in die Fußtapfen vom bekannten Rosenblatt, zu Mincha ist aber ein Jugendgottesdienst für Kinder eingerichtet. Der Herr Rabbiner (Saks) hat es mit großer Mühe fertiggebracht; für Paris ist es ein Kunststückchen nicht geringer Art, die Kinder, ungefähr 200 an der Zahl, pünktlich beisammen zu haben. Er hält eine Rede über die Thoragebote und sonstige ThemeN, wenn es vor den Feiertagen ist usw. Die Kinder bilden einen Chor, und sie singen synagogaie Lieder beim Gottesdienst, die sie in der Talmud Tauroh- Schule gelernt Haben. Dann wird um 6 Uhr ein, Schiur gelernt bis 7, wo das Minchagebet eigentlich stattfindet (die Kinder sind unterdessen schon weg), denn die Wege sind 'gar weit und man kann nicht genug Nachsicht mit den Kindern haben betreffs Pünktlichkeit, wenn man den großen Autoverkehr berücksichtigt und die Gefahr des UebersahrenwerdeNs, die beständig sogar für Erwachsene besteht, um wieviel mehr für Kinder. Es ist nun auch eine kleine „Kellerstub" unweit der St. Jzaure-Synagoge vorhanden, da wird sieden Abend gelernt, und am Schabbos wird mit Semiros die dritte Mahlzeit und „Melawe Malko" gehalten, bis zum Maariwgebet; es sind dies die zwei einzigen Stellen, welche mit dem Frankfurter Ritus übereinstimmen. Dje Cheryre Schema Israel hat feit einigen Jahren angefängen, eine religiöse Propaganda zu machen, welche schon gute Früchte trägt, wenn man bedenkt, daß in einigen Lyzeums (Hochgymnasium) die hebräische Sprache offiziell gelehrt wird, und. hat .die Schema Israel-Gesellschaft schon über ein Dutzend. Zweigvereine in den größten Städten Frankreichs eröffnet. Wanderrabbiner halten dörtselbst Vorträge über jüdische Wissenschaft, und man kann sagen, daß es der Judenheit Frankreichs zugute kommt, von dem langjährigen Schlafe endlich aufzuwachen. Es wäre wünschenswert, wenn die Frankfurter Judenheit und die hiesige sich die Hände reichen würden, um die schwachen religiösen Funken der hiesigen Welt anzufachen. Im Golus kann man nicht genuq Hilfe gebrauchen. Um zü schließen, möchte ich noch hervorheben, daß zu der künftigen in Vincennes stattfindenden Koloniälausstellung eine oder mehrere jüdische Restaurateure sich jetzt schon um Platz bewerben sollen, da im Ausstellungsviertel keinerlei jüdisches Hotel oder Restaurant bis jetzt vorhanden ist. M. Goldflam 258, K. Marcadet (Paris 18c.) vom 2.2.. bis 29. Juni Vorverkauf bei Lina Schott od. lel.2041 BadHömbvrg Näheres siehe Anschlagsäulen

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