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Der Israelit · 1930-06-19 · Heft 25 (19.6.1930) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 25 (19.6.1930)
Date
1930-06-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 25 seine Rechtsstellung als „Ger Toschaw" einbüßt Ist er doch sonst dazu nicht verpflichtet, denn für den Noachiden besteht doch keine Verpflichtung Jude zu werden. Außerdem scheint die Einschrän kung im Talmud erst später erfolgt zu sein, wäh rend die Ansicht des R. Jochanan aus seinen Worten eindeutig klar hervorgeht." { Warum R. Jochanans Ausspruch, wie ihn der Talmud erklärt, schwierig ist, können wir nicht einsehen. Weil der Ger Toschaw „doch sonst dazu nicht verpflichtet ist"? Ja, ist denn kein Unter schied, ob Jemand eine übernommene VerpfW-. tung nicht einhält oder ob er diese Verpflichtung von vornherein nicht übernommen hat? Im ersten Falle ist er wortbrüchig, im zweiten Falle eben nicht! Und das soll kein Unterschiied sein? „Außerdem scheint die Einschränkung im Talmud erst später erfolgt zu sein!" Es scheint gar nicht! —^ Diese historisch-kritische Art, bei einem vom Talmud erklärten Satz zwischen dem Erklärten und dem Erklärenden! eine geschichtliche Brandmauer aufzurichten und zwar ohne jede sachliche Begründung, nur von der überlegenen Warte einer aus dem Aermel geschüttelten Hypothese aus: das ist sin „wissenschaftlicher" *p2 2i»Vn; der nur Unkundige verblüffen kann. „Meines Erachtens findet sich die Ansicht de« R. Jochanan auch im palästinensischen Talmud nur daß sie dort im Namen des R. Chanino wie dergegeben wird. So heißt es in Jeruschalmi Jebamoth 8: „Zwölf, Monate müht yran sich mit einem „Ger Toschaw" ab; tritt er zurück, ist gut, sonst ist er in jeder Beziehung wie ein '12 zu behandeln." Man hat sich also zwölf Monate lang zu bemühen und ihn zu beeinflussen, daß er sich der Beschneidung unterzieht. Verstreicht die Zeit erfolglos, büßt er seine Rechtsstellung als „Ger Toschaw" ein, ebenso wenn ein Jude einen Sklaven kauft, der nicht ausdrücklich vereinbart, sich der Beschnoidung nicht unterziehen zu wollen. Auch in diesem Falle muß man es mit ihm zwölf Monate versuchen; läßt er sich nach Ablauf diese Zeit nicht beschneiden, so hat der Jude ihn wieder an einen Nichtjuden zu verkaufen. Wenn der Kritiker die Ansicht R. Jochanans mit der des R. Chanino im Jeruschalmi identifiziert, so kommt das daher, weil er die betr Stelle im Jeruschalmi nicht verstanden hat und vor allen Dingen nicht bemüht war, den Ausspruch des R. Ehanmo im Zusammenhang mit dem vorhergehenden Satze zu verstehen. Hätte er diese allerdings sehr schwierige Jeruschalmistelle nicht oberflächlich gelesen, sondern aufmerk sam „gelernt", dann wäre ihm nicht entgangen, daß der Ausspruch R. Jochanans mit dem des R. Chanino gar nichts zu tun hat. Denn während R. Jochanan von einem Ger T o - räer, in brauyer und blauer Tracht mit ihrem Führer und feiner Gästin entgegen. Sie, sind auf ihrem Vorrnittagsspaziergang begriffen, den sie nach dem Waschen Turnery Beten und Kaffeetrinken > in' die Wald- und seereiche Umgegend anzutreten pflegen.: Viele von ihnen kenne ich schon als Vündesbrüder, doch wer ist denn das? Kaum glaublich: eine frühere Lübeckerin aus ganz unreligiösem Hause. Jetzt ist sie durch den Einfluß der Hamburger Schule und Esra zu einer begeisterten Jüdin gereift. Dieses Wiedersehen verstrickt uns in einen Gedankenaustausch, der erst unterbrochen wird, als wir wieder im Heim anlangen. Das Heim wirkt einfach und zweckmäßig, — ebenso die ganze Einrichtung und das Mittagessen, bei dem jeder nach seinem Temperament „zugreift" oder zurückhält. Aber damit der Betrieb geregelt bleibt, gibt es „unfern Präsidenten". Das ist ein kleiner junger Esräer, der die Aemter des Tages: also Tischdecken, Servieren, Vorbenschen, Abtrocknen rc. zu verteilen hat. Alle kommen an die Reihe, und das meiste davon hat „unser Präsident", nämlich die Verantwortung. Nach Tisch wird geruht, d. h. man geht mit einem guten Buch auf „die Wiese", spielt Vall oder. Schach, oder bereitet sich zum Lainen vor. Für den Nachmittag hat sich der Führer zum Q,ersten zur Verfügung gestellt. Eine Gruppe will indessen schwimmen gehen und begleitet mich nach dem nahen Scharbeutz (Ostsee). Um 6 Uhr müssen wir uns verabschieden, denn in einer Stunde haben sie zum Abendbrot zu erscheinen, um sich pünktlich legen zu können. Auf Wiedersehen in Lübeck! E Der Israelit ch a w spricht, der sich bei seiner Aufnahme zur Beschneidung verpflichtet hat, spricht R. Cyastino von emem Sklaven, der in der stillschweigenden Voraussetzung gekauft wurde, daß er sich als Ger/allen jüdischen! Pflichten eines 222 unterordnen werde und der sich nachträglich bloß zu den Pflichten eines Ger Toschaw verstehen will. Hier der Wortlaut des Jeruschalmi: *ny ^>8ivv n '-m '122 «in 'in a^im 22 'Q^iy1? nrä ]'!?2^2Ö 2V1711 22 ,22’jn '22 DW2 ,221.2' 22 ,2'H 22 'in iaV 281 ns' 'in 12 itn 28 V2N 2VV 2'2V ]n»y •222 '122 8in Diese Ätze werden des r"22'2 verständlich. erst durch die Erklärung o^iyV 2tfin 22v d. h.: Tritt ein Sklave von vornherein als Ger Toschaw in den Dienst eines jüdischen Herrn, so kann er in dieser seiiner Ger Toschaw-Eigenschaft immer im Dienste seines Herrn bleiben. 22' d. h.: Ist er von seinem Herrn in der Voraussetzung ge kauft worden, daß er wie ein normaler 22 in den jüdlischen! Pflichten kreis eintreten werde, und es stellt sich nachträglich heraus, 2vini' daß er nur den Pflichten eines Ger Toschaw sich unterordnen will, dann nützt diese nachträgliche Uebernahme vo,n Ger Tofchaw-Pflichten nicht; er wird falls es nicht gelingt, die Voraussetzung zu . erfüllen, unter der er gekauft wurde, 222 bsb '122 betrachtet. Diesem. Jeruschalmi-Satze schließt sich nun sinngemäß der Ausspruch des R. Ehanmo an, der einem atinni 22 (der Buchstabe 2 mir dem das Wort atznm. beginnt, darf nicht über-, sehen werden), der einem als 22 gekauften Sklaven, der nachträglich bloß 2wiri fein will, eine Frist von 12 Monaten gewährt, innerhalb deren er sich entscheiden kann, entweder die Voraussetzung zu-erfüllen, unter der er gekauft wurde, und als Normaler 22 im Dienste seines Herrn zu bleiben, oder als 222 M '122 aus dem Dienste seines Herrn zu scheiden. Als Ger Toschaw kann er im Dienste seines Herrn nur dann verbleiben, wenn er von vornherein ausdrücklich in der Eigenschaft eines Ger Toschaw in den Dienst eingetreten war. So und nicht anders muß diese Jeruschalmi Stelle verstanden werden, und die ganze Hypothese vom Ger Toschaw als eines „Uebergang vom Fremden zum wahren Profelyten", die Herr Bialoblocki in seiner weiteren Ausführung auf Grund der falsch verstandenen Jeruschalmi- Stelle aufbaut, bricht in sich selbst zusammen. 19. Juni 1930 Unter Leitung des Vizepräsidenten der Graßloge für Deutschland U. O. B. B., Rechtsanwalt'Dr. Benno W a lt e r, erfolgte sodann die Wahl des Vorstandes, da die bisherige Verbandsleitung zurückgetreten war und der Vorsitzende Dr. Hahn, der Geschäftsführer Fritz Schwarzschild aus beruflichen Gründen eine WiederwahtMblehnten. Per Akklamation würden die^leitenden^Äemter folgendermaßen besetzt: 1. .Vdrsitzender-KechtsanMlt Herbert , F e l s e n t h a l - Düsseldorf, 2. Vorsitzender Erich A l t mann- Hamborn, 3. Vorsitzender Referendar. Erwin S e e g a l l - Stettin, Redakteur der Verbandszeitschrift Rabbiner Dr. Alfred P h i l i p p - Elberfeld, Schatzmeister Alfred Bonnin --Bielefeld, DWÄient stK soziale Nothilfe! Waldemar Straus - Berlin. Der Delegiertentag wählte sodann den Verbandsbeirat, dem führende Persönlichkeiten des deutschen Judentums angehören. lstttespoinlenrev Nachrichten. :f Deu-fWs Reich. Delegiertentag des Verbandes der jüdischen , Iugendvereine Deutschlands. ■' : ' M ünche n, 10. Jünk. Am 8. und 9. Juni würde in-München, Tonhalle, die achte ordentliche Delegiertentatzung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands abgehälten. Das Motto der Tagung lautete: „Jugend hilft der Jugend". Den Leitvortrag hielt Martin Buber über „Wie kann Gemeinschaft werden?" Einen schönen Ausklang änd der erste Sitzungstag durch die unter Herbert Felenthals Regie stehende Aufführung des „Jeremias" von Stefan Zweig. Die Zuhörerschaft dankte" nach Minuten weihevollen Schweigens den Schauspielern, Verbandsfreunden aus Düsseldorf, durch stürmischen Beifall tmd huldigte dem anwesenden Dichter. In der Nacht tagte eine Reihe von Ausschüssen zur Vorbereitung der Arbeitssitzung. Vor Beginn des zweiten Verhandlungstages erörterten eine Anzahl Arbeitsgemeinschaften Themen des Problemkreises der Berufs-, Bildungs- und Wirtschaftsnot der jüdischen Jugend. Der Verhandlungstag war sodann durch den Geschäftsbericht Dr. Hahns und eine teilweise leidenschaftlich geführte Aussprache ausgefüllt. Die notwendigen Formalien füllten den. Rest des Tages aus: Eine wichtige Satzungsänderung, die die Aktionsfähigkeit des Verbandes erhöht, .wurde angenommen. Neunter ordentlicher Verbandstag des Zentralvecbandes jüdischer Handwerker Deutschlands. Köln, 13..-Juni. Der 9. ordentliche Verbandstag des Zentraloerbandes jüdischer Handwerker Deutschlands, Sitz Berlin,, wurde vom 25. bis 27. Mai 1930 in Köln abgehalten. Von den dem Weltverband jüdischer Handwerker angeschlössenen Landesverbänden waren Delegierte allst: Polen, Rumänien und Belgien anwesend. Die Verbände Tschechoslowakei, Lettland, Litauen und Palästina sandten Sympathieschreiben. Eingeleitet wurde die Tagung durch einen öffentlichen. Festakt, der -außerordentlich stark. besucht. >war und sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für die Ideen des Verbandes gestaltete. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Köln, der Repräsentant Louis Goldberg, begrüßte die Anwesenden. Der Verbandsvorsitzende, Glasermeister Wilhelm Marcus, Berlin, wies in seiner Eröffnungsrede auf die außerordentlich erfolgreiche Tätigkeit der Ortsgruppe Köln hin. Er sagte dann u. a.: „Die jüdische Handwerkerbewegung tritt seit Jahren für die Bessergestaltung der wirtschaftlichen Lage des jüdischen Mittelstandes ein. Wenn ein gewisser, nicht unbedeutender Erfolg durch geeignete Maßnahmen bereits erzielt wurde, so ist dieser nicht zuletzt auf die Initiative und die Tätigkeit des Verbandes und seiner Vereine zurückzuführen. Von Tagung zu Tagung sind, wir etappenweise vorwärtsgekommen und haben die Hoffnung, daß wieder einmal die Zeit kommen wird, in der auch der jüdische- Handwerker und Mittelstündler die Frucht seiner Arbeit in Friede und Ruhe genießen kann." In seiner großangelegten Rede wies der Vorsitzende des Berliner Handwerkervereins, Tapezierermeister Louis Wolfs, auf die Bedeutung eines starken jüdischen Mittelstandes für das gesamte Wirtschaftsleben hin und ging dabei von den grundverschiedenen Bedingungen zwischen den Verbandstagen 1913 und' 1930, die beide in Köln stüttfanden, aus. Die furchtbaren Folgeerscheinungen der Kriegs- und Nachkriegszeit kennzeichnen unser Schicksal, das man mit Nesigüation nicht meistexn kann, sondern Schicksal und Zukunft müsse>n aus dem: tiefen Born von Glauben, und Hoffnung geschöpft werden. In dem. Wirtchafiskamps des jüdischen Mittelstandes.haben die Röligionsgemeinschysten die Pflicht,. dis Kruft. ihres?ethichen Wirkens auch in der Gestaltung!- der/'Grundsätze ist die ^yiixtschaMche Betätigung zur Geltung zu bftstg^N. Nach diesen mit lebhafter Zustimmung; aüfgenommenen Ausführungen nahmen die eingeladendn Vertreter das Wort zu ihren Begrüßungen. Im Mittelpunkt der ich anschließenden Ärbeitssitzungen standen zwei Referate Königsteiv, die Perle: des Taunus, -wird nicht umsonst das deutsche St. Moritz genannt, und so gerne von „Jehudim" als Erholungsort ausgesucht. Königstein ist wegen der' hervorragenden Heilwirkungen seines Klimas, durch feine glückliche Lage im Herzen Deutschlands und durch seine eigenartigen Reize für die Erholung, ^geradezu auserwählt. Dazu kommt, daß; es alle Bequemlichkeiten eines modernen Luftkurortes bietet, ohne allzu große Ansprüche an den Geldbeutel zu stellen. Jn Königtein ist nicht eine Gaststätte, die auch nur den geringsten ontisemitWen.Charakter trägt. Der orthodoxe Jude,' der kn Königstekn eine schone Synagoge vorfinüet, freustsich, an SabbättzN und Feiertagen einen erbauenden Gottesdienst nach-'' streng gesetzestreuem. Muster beiwohnen j zu können. Eine Mikwo, wie sie schöner keine Großstadt aufzurveisemhat, kennzeichnet den. streng orthodoxen Charakter der.Kultusgemeinde,. Im.Hotel Cahn.wird -itne geradezu ideale' Verpflegung und aufmerksame Vepienung geboten.' In den SöMmermonäkest findet täglich allabendlich G'ttesdienst in den Räumen dieses Hotels statt. .

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