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Der Israelit · 1930-06-19 · Heft 25 (19.6.1930) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 25 (19.6.1930)
Date
1930-06-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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10. Juni 1930 Der Israelit Nr. 25. Seite 3 MM Boden sich auslebt unter den g-enau gleichen Voraussetzungen, wie alle anderen Kul-turnationen der Erde. Die geistig Weiterstrebenden im Zionismus, von den Arbeitern -in den Kwuzoth bis zu den Intellektuellen auf dem Skopus, wollen darüber hinaus noch etwas mehr: ein Becken für alle Edelblüten und die reifsten Früchte der europäischen Kultur schaffen, aus dem sich geistiges Leben über die Welt ergießt; nicht geistiges Eigenleben, Bodengewächs aus dem Lande der Propheten und Mischnalehrer, sondern man will den Strom, der aus Europa über das Mittelmeer fließt, kondensiert und kristallisiert an die Welt zurückgeben. Eine Weltmission da und dort. Ob vom Einzelnen in der Zerstreuung im Rahmen fremder Kulturgemeinfchast oder vom Volke mittels einer eigenen nationalen Kulur ausgeübt, sie kommt, diese Weltmission, aus dem Allerweltsdoden und strebt zur Welt; will sie erlösen! unter Außerachtlassung der Grundlagen des wsi nna wie wir sie am Tage der Offenbarung erhalten und sie in 613 Ge- und Verboten betreuen, zu unsrer eigenen Erlösung und der endgültigen Erlösung der Welt „am Ende der Tage". Auf die Orthodoxie übergehend, fürchtet — oder hofft — Kanowitz, daß ihre „Trennung von dm lebendigen Volkskrästen" ihr Austrocknen herbeiführen würde. Er glaubt nicht an ein, Aushalten der nächsten Generation bei dem orthodoxen System. Nun, in dieser Hinsicht können wir Herrn Dr. Kanowitz beruhigen. Die Anzeichen sind für die nächste Generation — und, wie wir hoffen, für viele Generationen — durchaus günstig. Das macht, daß die Orthodoxie, die Herr Kanowitz gar nicht kennt, als Vertreterin der min £p’n eben von b en lebendigen Volkskräften nie abgeschn i t ten war und es nie fein w i rd , sondern diese Volkskräfte über die Jahrtausende und über alle Grenzpfähle hinweg recht eigentlich konzentriert und aktualisiert. Die Orthodoxie hat aber k e i n e M i s s i o n über den Wolken, jedenfalls keine andere, als die von uns vor Jahrtausenden am rauchenden Sinai mit dem ntwtt übernommene. Und darin unterscheidet sie sich sowohl vom Liberalismus wie vom Zionismus, die sich in mehr als einer Beziehung die Hand reichen. Das Bayrische Schächtverbok und seine Lehre«. Lin Alahnrvorl in ernster Stunde von G. Neustädter. Der Kampf um das Schächten in Bayern geht seinem Ende entgegen, und wir sind die Unterlegenen. Ein Verfahren zur Betäubung der Kleines Feuilleton. Bemerkungen und Winke für Kleingemeinden. Von Rabb. Dr. V. Cohen. Wann ist Nacht? Etwa 20—30 Kalender, in denen Nachtzeiten angegeben find, erscheinen jährlich in Deutschland. Für die Orte, an denen keine erscheinen, enthalten sie oftmals — so der Jtzkomskische, — Schlüsselzahlen, durch deren Addition oder Subtraktion auch kleinen Orten ihre Nachtzeiten aus denen der größeren stetig berechnen können sollen. Das ist jedoch ein ganz unoerläßliches Verfahren. Oft hat Ort A. im Winter drei Minuten früher, im Sommer aber 13 (dreizehn) Minuten später Nacht als Ort 23.! Auch das Abwarten der ,,drei Sterne" ist nur selten vollziehbar. Es gibt nur e i n Mittel, um hierin sicher zu gehen: Die Tabellen von Cohn-Straßburg. Man ermittle genaue geographische Breite und Länge des Ortes und berechne Nacht nach Cohn. — Vor allem aber hat auch der Geschäftsmann darauf zu achten, daß er bei Ferngesprächen, die er gleich nach Nacht zu auswärtigen orth. Teilnehmern anmeldet, vorher festgestellt, ob nicht der Ort des Angerufenen erheblich später als der des Anmeldenden Nacht hat. Mancher unnötige und ungewollte Chillul Schabboß kann so durch Cohns Tabellen verhindert werden. Fast anderthalb stunden betrügt der Unterschied zwischen der frühesten und der spätesten örtlichen Nachtzeit Deutschlands im Juni. Schlachttiere vor dem Schächtfchmtt, das im Einklang mit dem Religionsgefetze stände, konnte nicht gefunden werden. So konnten die Tierschutzvereine im Landtag und bei der Regierung ihren Willen durchsetzen. Das Traurigste bei der ganzen Sache ist — wie schon in jüngster Nummer von der Redaktion in der Wochenschau bemerkt wurde, — daß, wie in Thüringen, auch in Bayern sich die Deutschnationalen darauf berufen, daß „von einer großen Mehrheit der jüdischen Bevölkerung längst kein Wert mehr auf die Einhaltung der Speisegesetze gelegt werde." Ist auch dieses Argument im Munde unserer Gegner nur eine Ausrede, ein dünnes Mäntelchen, das ihre Absicht nur schlecht verhüllt, so müssen doch solche Worte eine dringende Mahnung an uns alle sein. Es ist leider nicht zu leugnen, daß sich große Teile unserer Glaubensbrüder gleichgültig gegenüber verbindlichen Vorschriften der Thora verhalten und sich kalt über Gebote hinwegsetzen, die von anderen Teilen der Glaubensgemeinschaft unter größten Anstrengungen und schweren Opfern gehalten und erhalten werden. Müssen nicht all diejenigen, für die das Wort der deutschnationalen Abgeordneten zutrifft, sich auf die Brust schlagen und sich schuldbewußt fragen, ob sie nicht das Verhängnis mitveranlaßt haben, indem sie sich gegen G'tt versündigt und auch gegen den alten jüdischen Grundsatz nm nt bo? Aber auch in anderer Hinsicht sind wir nicht ganz frei von Schuld. Erinnern wir uns doch der abfälligen Worte, die auch in Lehrerkonferenzen -über die Schechita und den Lehrer oder den Schochet, der diese für uns „heilige Arbeit" ausführt, gefallen sind! Ist doch sogar gesagt worden, es sei eine Zurücksetzung des Lehrers, wenn der Schochet bei der Besoldung ihm gleichgestellt werde. Wie paßt diese Einschätzung der Schechita im eigenen Kreis zu dem harten Kampfe, den wir feit Jahren für die Schechita führen? Wie könnten wir von Andersgläubigen erwarten, daß sie das heilige Amt höher bewerten als wir selbst? Es ist leider nicht anzunehmen, daß die Stellungnahme eines Lehrerführers in Bayern gegen die Schochtim der Außenwelt unbekannt geblieben sei. Wie recht hatten doch die Herren Rabbiner Dr. Stein-Schweinfurt und Engel-Würzburg, die auf einer Versammlung des Bayrischen Landesverbandes sagten: „Durch eine entsprechende Besoldung der Schächtbeamten verleihen wir der Schechita auch nach außen hin die ihr gebührende Achtung." Und noch eines: In frühern Zeiten konnte als Schochet nur ein Mann amtieren, der durch seine religiöse Führung, sein jüdisches Wissen und seine Ferdinand Breslau Rappstr. 6 gegr. 1874 Tel. Zepp. 51528 Koks . Kohlen ♦ Briketts ♦ Holz Alleinvertreter W. Stern, Hegelstraße 6 Telefon Carolus 47501 Kostenlose Beratung in allen Heizungsange gründliche Ausbildung dafür geeignet erschien. Man ist im gesteigerten Tempo der Zeit leider davon abgekömmen. Das talmudifche Wort pvniw gilt heute leider in einem andern, in schlechtestem Sinne. Es gibt Leute, die, nachdem sie in allen Berufen Schiffbruch erlitten und nur deswegen, ohne jede Eignung, zur Schechita greifen; und, was noch bedenklicher ist, es finden sich Rabbiner, die solchen Männern ohne Rücksicht auf deren Vergangenheit, ohne nach ihrem religiösen Charakter und einer genügenden Ausbildung zu fragen, die Berechtigung für die Ausübung der Schechita erteilen. Es werden rasch und fabrikmäßig an gewissen Stellen Schochtim herangebikdet und gegen die Gemeinden losgelassen. So wird die rmi?» reduziert, in Mißkredit gebrächt, und man wundere sich daher nicht, wenn, die Achtung vor dem „heiligen Handwerk" auch im außerjüdischen Kreise sinkt. } Mögen die letzten Ereignisse uns Mahnung und Ansporn sein. Der neugegründete V e r - banddeutscherSchochtim wird alles aufbieten, um die Schechita wieder auf das Niveau zu bringen, das ihr nach Recht und Gesetz und alter Gepflogenheit gehört. Ein wissenschaftlicher Kurs für Rabbiner der süddeutschen Landesverbände. Von Rabbiner Dr. Raphael Breuer in Aschaffenburg. (Schluß.) S e i t e 9—10: „Interessant ist, daß, obwohl die Halacha nach der Ansicht der „Chachomim" festgesetzt wurde, wonach also der „Ger Toschaw" ein Fremder, der sich zur Erfüllung der sieben Gebote verpflichtet hat, ist, R. Jochanan die Auffassung vertritt, daß „ein Ger Toschaw, der sich im Laufe von zwölf Monaten nicht beschneiden läßt, als ein Ketzer unter den Völkern anzusehen ist" (Ab. Sara 65a) . . . Zwar schränkt es der Talmud auf den Fall ein, daß der „Ger Toschaw" sich zur Beschneidung verpflichtet hat, aber trotzdem bleibt es doch schwierig, daß er durch die Selbstverpftichi tung zur Beschneidung, der er Nicht nachkommt, legenheiten Wann ist Minjan? Wenn zehn männliche jüdische Personen, über 13 Jahre alt, beisammen sind, nicht wahr? Es herrscht jedoch vielfach Unkenntnis der Bestimmung, daß nicht jeder Dreizehnjährige mitgezählt werden darf, vor allem kein gewohnheitsmäßiger Usbertreter der Thoragesetze, welche es auch sein mögen. Unter welchen besonderen Umständen auch solche Juden mitgezählt werden dürfen, das ist eine die nur einem orthodoxen Gesetzesgelehrten vorgelegt werden kann. Mit allgemeinen Redewendungen läßt sie sich nicht zur Entscheidung bringen. Man glaubt es der Oefsentlichkeit schuldig zu sein oder den Kindern, die nicht ohne Minjan-G'ttesdienst aufwachsen sollen usw. usw. 2lber wichtiger als alle solche Erwägungen ist der Grundsatz: Niemandem wird gesagt, er solle sündigen, damit ein anderer ein religiöses Verdienst erwerbe: — und noch wichtiger das dritte Gebot, das bei einem vermeintlichen Minjan fortwährend übertreten wird: D u soll st den Namen des Ewigen, deines G'ttes, nicht umsonst aussprechen, denn usw. Der Geübtere mag auf den ersten Blättern von Nedarim die Schwere dieses Verbots ermessen lernen. Vielfach wird auch die beaufsichtigte erziehende Wirkung garnicht erreicht. Die Uebcrtreter sind zwar oft, aus 'Anstand und 'Bildung, ruhige Mitbesucher des vermeintlichen Minjan; oft aber handelt es sich um fühllose Jugendliche, die der Andacht, ohne es geradezu zu wollen, mancherlei Störung und Entheiligung bereiten. Also: Sorget für Minjan; wo aber die innere Beteiligung an solchem fehlt, zerret oder bittet niemanden herbei, sondern betet zu Ihm, der sä nnsM auch dann das Gebet erhört, wenn es nur ein einziger Trengebliebener innig vorbringt. — Von der Rafchikapelle in Worms. Unser Bericht im lokalen Teile (Nr. 23) über den Besuch der Frankfurter Aguda bei Raschi hat Beachtung gNch iv wissenschaftlichen Kreisen gefunden. Herr I. Kiefer in Worms schreibt uns u. a.: „Ich habe mit Interesse Ihren Bericht über den Besuch in Worms gelegen. Es trifft zu, daß wir die Traditionen zu wahren wissen. Es ist aber nicht richtig, daß der Stuhl älter als der jetzige Bau ist, oder gar dem alten Bau entstammt. Ferner ist richtigzustellen, daß der Gemeindevorstand aus eigener Entschließung den Bau einer Mikwoh vorgesehen hat. Anträge liegen von keiner Seite aus vor. Äußer der Mikwoh haben wir einen Gang unter dem alten Friedhof aufgefunden, bei dem der Boden aus jüdischen Grabsteinen besteht." Sodann geht uns Nr. 4 der „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" (Philoverlag, Berlin) zu, die mit einem geschichtswissenschaftlichen Aufsatz über die Raschikapelle ausgefüllt ist. Nach gründlicher Untersuchung aller Quellen kommt der Autor, I. Kiefer, zu dem Resultate, daß alle Berichte von Juspho Schames über das stühere Bestehen eines Rasckilehrhauses auf dem Platze der jetzigen Kapelle als zuveAässig anzusehen sind. Die Erneuerung des Baues durch Dawid Oppenheim konnte ihm, von seinem Nimbus als Lehrhaus Raschis nichts nehmen. Zu Besuch auf dem Esra-Heim in Gleschendorf (Holstein). Von Lübeck ist es eine halbe Stunde nach Gleschendorf, ebensoweit der Weg zum Heim. Kurz vor dem Heim kommt mir die Esra, ca. 40 Esräerinnen und Esv| lc V: 1 :i ■;) l

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