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Der Israelit · 1930-06-12 · Heft 24 (12.6.1930) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 24 (12.6.1930)
Date
1930-06-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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12. Juni 1930 Nr. 24. Seite 5 Toschaw stillschwoigend im Lande geduldet. Wohnrecht im heiligen Lande konnte ein Ger Toschaw auch p72 rrvw erlangen. Dagegen: ^21'NV p72 K*?K 2VN1 f’Vlj?» fS evr.!e of fizielte Aufnahme durch das I'i ' mit ihren sozialwirtschaftlichen Folgen der lnterstützung und Lebenserhaltung war nur zur Zeit des Jobels möglich. Hatten sich demnach in den Tagen R. Meirs Ser Dofchaw-Kündidaten, nachdem sie v'ian 'isa vom Heidentum sich losgesagt, im Lande niedergelassen — worübtzx freilich, wie wir oben ausführten, der AussPEch R. Meirs nicht das geriinWe besagt — so widersprach diese AnsiedlungskonZefsion keineswegs dek von Maimonides kodifizierten Halacha:f'^2j?» bavriw pn k*?k anno Den Zweifel an der Berechtigung der Halacha des Maimonides begründet der Kritiker auch mit einem „historischen Anhaltspunkt". Aus dem Berichte des Jofephus von den zwei trachanitischen Fürsten, die von den Juden gezwungen wurden, die Beschneidung anzunehmen, glaubt er „vielleicht" folgern zu dürfen, daß man zu dieser Zeit den Ger Toschaw entsprechend der Ansicht der „Acherim" behandelte, wonach sie mit Ausnahme des Newela-Berbotes allen Gesetzen der Thora unterliegen, also auch dem Gebote der Beschneidung. Ja, sah und fühlte der Kritiker nicht, welch ein verkehrtes Unternehmen es ist, aus dem Beispiel einer gewaltsamen Bekehrung — wie sie auch zur Zeit der Makkabäerfürsten Johann Hyrkan, Aristobul I. und Alexander Jannai vorkam — also aus dem Beispiel einer normwidrig e n Tatsache aus der Zeit des Jofephus einen Schluß zu ziehen auf das normale, dem Gesetz entsprechende Verhalten gegenüber dem Ger Toschaw zur Zeit, als die Jobelinstitution nicht mehr bestand? Aus derselben Stelle zitiert ja der Kritiker selber den Satz, aus .dem erhellt, daß ' es zeitweilig Jofephus gelang, die Juden von der Gesetzwidrigkeit ihres Vorhabens zu überzeugen. Wie kann aus einer Gesetzwidrigkeit auf das dem. Gesetz Entsprechende gefolgert werden? (Schluß folgt.) ’Jr \s£-___—-m ^58 Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsches Reich. Ablehnung des WjShrigen Wahlalkers. .'! Berlin, 5. Juni, j: Die letzte - Sitzung des Großen!! Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden beschäftigte sich mit dem von der Landesversammlüng in der letzten Session aus Abtrag der Jüdischen Volks- Partei angenommenen Beschluß, das aktive Mählichster von 21 auf 20 Jahre herabzufehe n. Mchdem bereits vor einigen Tagen der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde einen gleichlautenden Antrag gegen die drei Stimmen der Volkspartei abgelehnt hatte, hat nunmehr auch der Rat des Landesverbandes seine Zustimmung zur Herabsetzung verweigert. Für den Beschluß stimmten die Delegiertes der Volkspartei. Dagegen stimmte die Mehrheit der liberalen Delegierten, sodaß der Beschluß nicht die erforderliche qualifizierte Mehrheit fand. Aus der Sitzung der Repräsentantenversammlung. r * . Verlin, 6. Juni. Der Gemeindevorstand teilte in der Repräfentantensitzung vom 5. Juni mit, daß die Verhandlungen wegen der Errichtung des Lehrstuhls der Berliner Gemeinde an der Universität Jerusalem noch zu keinem Ergebnis geführt hätten und schlägt vor, von den hierdurch frei werdenden 15.OOO Mk. aus dem Etatjahr 1929 6O0O Mk. der Habimah in Palästina in Anerkennung ihrer kulturellen Leistungen zuzuweisen. R.-A. Dr. Klee und Prof. Loewe unterstützten den Antrag. R.-A. Stern sagt, der Universitätsbetrag fei für einen bestimmten Zweck festgelegt und mangels Erreichung des Zweckes als nicht Der Israelit__ aüsgegeben eingespart. Zur Vorbereitung einhelliger Beschlußfassung wird die Entscheidung vertagt. Eine längere Debatte knüpft sich an den Vorschlag des GenteiNdevorftandes, eine gemischte Deputation zur Vorberatung eines endgültigen Projektes für die Errichtung einer konservatiö^en Synagoge im Nordw e sie n Berlins zu bilden. Der Vorstand wünscht in der Ägrsiolastraße zu bauen, zwecks Kostenerfparung und Verötstdusttz dieses Projektes, mit dem Ledigenheim. Aeußerstenfalls ist an die Verlegung der Orgel von der Syna- Die Woche. Aachen. Der Rheinische Verein für Denkmalspflege und Heimatschutz teilt in seiner Jahresversammlung mit, daß noch in diesem Jahre ein Werk „Jüdische Kunstdenkmäler in den Rheinlanden", bearbeitet von Rabb. Dr. Kober und Dr. Elisabeth Moses, Köln, erscheinen wird. Insterburg. Aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des O ft preußischen Synagogenverbandes wurde! hier eine Feier abgehalten, mit einer Weiherede von Rabb. Dr. Lewin in Königsberg und vielen anderen Ansprachen und Begrüßungen, auch vonseiten der Stadt- und Staatsbehörden. Lzernorvih. Die Polizeibehörden haben den hochangesehenen Rabbiner der Gemeinde Suzcawa, Meschulim Rath, aus Rumänien ausgewief.en, und zwar, weil er angeb- - lich polnischer. Staatsbürger sei. Man weiß, daß diese Maßnahme mit eist Zug im traurigen Bilde der derzeitigen Judenverfolgungen in Rumänien ist. Genf. Aus dem Jahreskongreh des Weltverbandes der Völkerbundligen waren vertreten der Bürgermeister von, Tel-Awiw, Dizengoff und Leo M o tz k i n neben zwei anderen Delegierten die jüdische Minderheit in Palästina. Budapest. Gemäß Aufforderung der Israelitischen Landeskanzlei wurden aus Anlaß der 10. Jahreswende des Abschlusses des Friedensvertrages in Trianon in allen Synagogen Ungarns des für die ungarische Nation traurigen Tages gedacht. — In Budapest verstarb, hochbetagt, Frau Josef Scharf, die vor ungefähr 50 Jahren im Ritualmord-Prozeß von Tisza Eszlar auf Grund der falschen Aussagen ihres damals 12jährigen Stiefsohnes Moritz Scharf zusammen mit ihrem Gatten wegen Ritualmordes unter Anklage gestellt und zunächst verurteilt wurde. Der Staatsanwalt hatte gegen sie die Todesstrafe beantrag. Moritz Schärf ist be- - kanntlich im vorigen Jahre als zu seinem Glauben zurückgekehrter Jude in Amsterdam ' gestorben. Bukarest. In der Gemeinde Versinjeni, Bezirk Soroca, überfiel eine Gruppe von Bauern unter der Führung der cuzistischen Agitatoren Gavril Poli, Jon Rotaru und Jfrim Nusu die wenigen jüdischen Einwohner dieser Gemeinde, zerstörte ihre Wohnungen und befahl ihnen, binnen drei Tagen den Ort zu verlassen. Ein Teil der eingeschüchterten jüdischen Einwohner kam dieser Aufforderung bereits nach. — Es wird von dne Zeitungen heroorgehoben, daß die Judenexzesse in den! letzten Wochen mit der politischen Umwälzung und der Königsausrufung Carols nichts zu tun hätten. König Carol fei im Gegenteil ein Freund religiöser Toleranz. IetusaleM. Es wird offiziell bekanntgegeben, daß die 23 zum Tode verurteilten Araber in Palästina allesamt zu lebenslänglichem Gefängnisbegnadigt wurden. goge Levetzowstraße in die am Kottbuser Ufer gedacht. Kareski begründet den Wunsch des Vorstandes damit, daß 400.000 Mk., also die Hälfte der Baukosten des früher in der Klopstockstraße geplanten Baues, gespart werden. Dr. L o e b greift den Gemeindevorstand wegen des Stellungswechsels an. R.-A. Stern lehnt namens der Liberalen den „Orgeltausch" entschieden ab. Schließlich wird die gemischte Deputation gebildet mit dem Aufträge, schleunigst eine Vorlage einzureichen. Schächtverbot für Berlin abgelehnk. B e r l i n, 6. Juni. In der Sitzung des Haushaltungsausschufe s der Stadt Berlin wurde ein Antrag der Nationalsozialisten zur Einführung eines S ch ä ch t y e r b o t e s mit den Stimmen des Zentrums, der Demokraten, Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt. Für das Verbot stimmten neben den Nationalsozialisten und Deutschnütionalen auch die „Deutsche Volkspartei" und die „Wirtschaftspartei". 40 Jahre Verein zur Abwehr -es Antisemitismus. München, 4. Juni. Am Dienstag, den 3. Juni, abends, hielt der Verein zur Abwehr des Antisemitismus feine Jubiläumstagung anläßlich seines 40jährigen Bestehens in München ab. Zustimmungskundgebungen liefen aus allen Teilen des Reiches ein, so u. a. vom Bamllerger Erzbischof Dr. Jacob von Hauck, vom Vorsitzenden der Reichsragsfraktion der Bayerischen Volkspartei, Prälat Dr. Leicht, von zahlreichen Universitätsprofessoren, Stadthäuptern, Pfarrern u. a. m. Die Versammlung faßte die folgende Entschließung: „Im Antisemitismus sehen wir eine Verletzung der sittlichen Idee des Christentums, der Gerechtigkeit, der Wahrheit, und eine Gefahr für den Bürgerfrieden im Inland und für das deutsche Ansehen im Ausland." Die Begrüßung des Erzbischofs von Hauck lautet: „Jederzeit habe ich gegen ungerechtes und liebloses Vorgehen gegen die jüdische Religion 'wie gegen die jüdischen Mitbürger Stellung genommen und mir die Anerkennung der jüdischen Gemeinde dahier wie der bayerischen Judenfchaft verdient." .. Geheimer Hofrat Dr. jur. et. phil. Lujo Brentano, Professor an der Universität München, sandte eine Begrüßung, in der es u. a. heißt: „Das Fremdtum innerhalb des deutschen Volkes muß aufhören, wenn das Volk wieder aufkommen soll. Das kann aber weder durch Versuche, die Rassenreinheit herzustellen, erreicht werden, noch etwa, indem man einen Teil der intelligentesten Bevölkerung Deutschlands zu dessen Feinden macht, indem man etwa, dem früher russischen, jetzt ungarischen und polnischen Beispiele folgend, einen Numerus clausus für jüdische Studenten an den Universitäten oder für jüdische Professoren auf deren Lehrstühlen einführt. Was uns not ist, ist Einheit des Fühlens und Denkens." Aehnlich äußert sich Geheimrat Dr. Karl Boßler, Professor an der Universität München. Gründung eines Reichsverbandes von Schochtim in Deutschland. Mainz, 10. Juni. In einer Zeit, da sich alle Berufe zusammenschließen, mit vereinter Kraft ihre Standesinteressen wahrzunehmen, wird gewiß keiner den Schochtim das Recht versagen, durch eine Organisation ihre Wünsche und Forderungen zur Geltung zu bringen. Wer aber Zeuge war der ersten Gründungsversammlung am 9. Juni in Mainz, mußte mit Befriedigung konstatieren: Hier sammelt sich nicht eine Zunftgenossenschaft bloß zur Erreichung und Erringung materieller Vorteile. Hohe Ideale beseelen den deutschen Schochtimstand, soweit er wenigstens in Mainz vertreten war; starkes Verantwortungsgefühl für den Beruf, die Sorge um die Schändung des heiligen Handwerks durch unberufene Elemente, das Bestreben, für die Schechita nach innen und außen' Ehre einzulegen, all dieses ists, was neben berechtigten Materiellen Wünschen die Schochtim in einzelnen deutschen . Landen, so besonders .nt Bayern unter Führung des verdienten Herrn Neustädter in Kissingen, zur Sammlung bewog und jetzt 'die Delegierten' nach Mainz führte, um einen Reichsverband ins Leben zu rufen. j Alt 50 oder 60 Delegierte waren Montag vormittag im Hörsaale der Synagoge der Religionsgesellschast zu Mainz aus allen Gauen Deutschlands erschienen, zu ihnen mehrere Ehrengäste, Vertreter verschiedener jüdischer Verbände, die Herren Rabbiner von Maittz und Darmstadt, sowie Vorstandsmitglieder der Mainzer Religionsgesellschaft. Wie immer, zeigte Mainz eine gewisse Routine in der gastlichen Aufnahme von Konferenzgästen, die sich nicht allein in schönen Begrüßungsreden zeigte, sondern auch in einem improvisierten reichen Frühstück mit Wein und Zigarren. ' Punkt 9.30 Uhr eröffnete der Vorsitzende des provisorischen Komitees, Herr Gustav N e u st ä d t e r , die Versammlung mit einer Begrüßung der Teilnehmer und der Vertreter der Verbände wie der Ehrengäste. Ec erstattete sodann Bericht über die Vorbereitungsarbeiten und entwickelte in großen Zügen die Gesichtspunkte, unter denen der Verband als Notwendigkeit erscheine und seine Arbeiten einzurichten gedenke. Der Schriftführer, Herr Wetzlar aus Königstein, verliest einige Protokolle zur Ergänzung des Berichtes und dankt namens der vorbereitenden Kommission Herrn Neustädter für seine aufopferungsvolle Arbeit. Es folgen Begrüßungen. Als Erster ergreift Rabbiner Dr. Bamberger, Mainz, das Wort, um dent

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