Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1930)
- Date
- 1930-06-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23. Seite 5 5. Juni 1930 erklärt, sie seien nicht geneigt, -die Untersuchungsarbeit oon Sir John Simpson zu unterstützen. Die Klagemauer-Kommission des Völkerbundes Ende Juni in Palästina. ' > Jerusalem, 30. Mai. Wie die ITA erfährt, wird die von der englischen Regierung vorgeschlagene und vom Völkerbundsrät bestätigte Kommission zur Festsetzung der jüdischen und der arabischen Rechte an der Klagemauer, die sich aus den Herren (Stiel Löfgren, Charles Barde und Van Kempen zusammensetzt, gegen Ende Juni in Jerusalem eintreffen. Dr. Cyrus Adler, Vorsitzender des von der Jewish Agency ernannten Klagemauerkomitees, der das jüdische Material für die internationale Kommission bearbeitet, wird gleichzeitig mit der Kommission nach Jerusalem kommen. Dem von Dr. Cyrus Adler gewählten Komitee gehören mehrere bekannte Gelehrte und Rechtsanwälte in Palästina an. Ein neues Palästina-Weißbuch der englischen Regierung. , Jerusalem, 28. Mai. Im Hinblick aus den bevorstehenden Zusammentritt der Mandatskommission des Völkerbundes zu einer den Fragen Palästinas gewidmeten Sondersitzung hat die englische Regierung soeben ein Weißbuch veröffentlicht. In einem das Weißbuch einleitenden Statement wird die britische Politik in Palästina in allgemeinen Zügen Umrissen. Das Weißbuch gibt die Erklärung des Premierministers Ramsay Macdonald' in der Sitzung des Parlaments vom 3. April wieder, erörtert eingehend die Schwierigkeiten eines Ausgleichs der „miteinander in Widerspruch stehenden Interessen" in Palästina und stellt fest, daß zwischen den zwiefachen Verpflichtungen des Mandates das Gleichgewicht gehalten werden muß. Während die Regierung erklärt,' noch nicht in der Lage zu sein, konkrete und präzise Vorschläge hinsichtlich aller von der Shaw-Kommission aufgeworfenen Themen zu formulieren, nimmt sie im allgemeinen die Befunde der Kommission hinsichtlich der Ursachen des Ausbruchs, sowie die zionistischen Klagen gegen den Großmufti, die Palästina-Regierung und die palästinensisch-arabische Exekutive, schließlich die weniger ins Gewicht fallenden arabischen Klagegründe zur Kenntnis. Die Frage einer zeitweiligen Suspendierung der Einwanderung — heißt es in dem Regierungs-Statement weiter — wird untersucht, Gesetzesverordnungen werden vorbereitet mit dem Ziele, die Enteignung der einheimischen landwirtschaftlichen Bevölkerung zu kontrollieren. Endgültige Beschlüsse werden jedoch erst nach Erhalt des Berichtes oon Sir John Hope Simpson, der gegenwärtig im Aufträge der englichen Regierung in Palästina weilt unb Untersuchungen hinsichtlich der Fragen der Einwanderung und des Bodens anstellt, gefaßt werden. Die Regierung, heißt es in dem Statement weiter, stellt auch Untersuchungen bezüglich der Auswahl von Arbeiter-Immigranten durch die Konföderation der jüdischen Arbeiter Palästinas und bezüglich der landwirtschaftlichen, Kredite an. ■!" Die Regierung stellt fest> daß keinerlei Einrichtung einer,,Selbstverwaltung, die. mit den Bestitnmungeü d^s Mandates nicht zu vereinbaren ist, in Erwägung gezogen werden köyne. Schließlich wird in dem Regierungs-Statement erklärt,^ daß ein Plan der Landesverteidigung in Kraft treten wird, der die Errichtung und die Kontrolle versiegelter Waffenarsenale in den jüdischen Kolonien einschließt. Der High Commissioner erwägt gegenwärtig die Jnkraftbringung eines Gesetzes zur verbesserten Kontrolle der Presse in Palästina. Schweiz. Beginn der Palästina-Tagung der Mandat-. kommission. Genf, 5. Juni, Bei Beginn der Tagung der Mandatkommission am Dienstag erklärte der Vertreter der englischen Regierung, Dr. Drummond Shi^els, unter Bezugnahme auf die frühere Rede des Außenministers, die von zionistischer Seite eingeleitete scharfe Protestbewegung wegen der angeblichen Zurückziehung bereits bewilligter , Zertifikate beruhe auf einem bloßen Mißverständnis. Es fei kein einziges Zertifikat annulliert worden; vielmehr handelt es sich nur um einen Aufschub bis zum Der Israelit Vorliegen des Berichtes von Sir John Simpson. Die Regierung anerkenne die jüdische Arbeit in Palästina und werde nichts unternehmen, was den Aspirationen der Juden : Abbruch tun könne. Sowohl der Präsident der Jewish Agency, Dr.Chajim Weizmann, als auch der Vorsitzende der politischen Exekutive'«der Agudas Jisroel, Rabbiner Dr. Pinchas K o h n, sind hier eingetroffen. Personalien. Windau (Lettland), 27. Mai. Am Erew Schewuos feiert der berühmte Rabbiner in Windau, Rabbi Efraim Samunow seinen 70. Geburtstag. 1860 in Pilten (Kurland) geboren, zeigte der Jubilar in der frühen Jugend so große Fähigkeiten, daß er aus die Jeschiwo nach Woloschin kam, dort zum „Jlui" gekrönt wurde. Der damalige Rosch-Jeschiwo, Rabbi Naftali Hirsch Leib Berlin (Neziw) machte ihn zu seinem Talmid-Muwhok, und er wurde schließlich Schwiegersohn des damaligen Moskauer Raws, Rabbi Chaim Berlin. .1890 wurde Rabbiner Samunow Raw in Jakobstadt (Kurland) und seit 1897 bekleidet er die Rabbinerstelle in Windau. Herr Rabbiner!.Sgymnow hat eine rege Tätigkeit auf allen Gebieten des jüdischen Lebens zu verzeichnen. Als während der grausamen Zarenherrschaft nichtkurische Juden in Kurland kein Wohnrecht hatten und nur auf geheimen Wegen ihre Geschäfte dort erledigen konnten, hatte Rabbiner Samunow oft Gelegenheit, sich mit „Pidjaun Schwujim" zu befassen. Mit seinem großen Einfluß auf die damalige Macht ist ihm diese Mizwo in den meisten Fällen gelungen und mehrere Glaubensgenossen wurden vor Gefängnis und Verbannung gerettet. Rabbi Efraim Samunow Während der Revolution 1905 hat Rabbiner Samunow durch feine energische Intervention bei den "Führern der militärischen Strasexpedition, die in Kurland sehr streng häufte, alle Rücksicht aus, die jüdische Gemeinde. Windaus bewirkt. ''Bei der unmenschlichen 'Massenaüsweisung.der> Juden aus Kurland im Kriegsjahre 1916, organisierte Herr Rabbiner; Samunow schnelle Hilfe'für die unbemittelten Juden seiner Stadt, und auf das Drängen der Macht, die Stadt schnellstens zu verlassen, war seine Antwort, daß er nur als letzter I u d e aus Windau gehen und seine 'Gemeinde nicht dem Hefker- Zustande überlassen werde. In Anwesenheit der Beamten und vieler Nichtjuden rief er vor Abgang des Flüchtlingszuges laut aus: „Wir sind keiner Spionage und auch keines Verrats schuldig, wissen aber, daß wir unserer Religion wegen verfolgt werden." Diese Worte hatten tiefen Eindruck auf die Anwesenden gemacht. In der Verbannung, in Rußland, beteiligte sich Herr Rabbiner Samunow an der Organisierung des ruinierten jüdischen Lebens und des jüdischen Erziehungswesens, besonders der Jeschiwaus und Chedorim. Auch die jüdische Erziehungsgesellschaft „Jawne" in Litauen hat dem Jubilar die Durchführung einer großen Hilfsaktion im Jahre 1923 zu verdanken. Der Jubilar hat an mehreren rabbinischen und allgemeinen jüdischen Konferenzen teilgenommen. Im vorigen Jahre war er als Delegierter der „Agudas Jisroel" in Lettland auf der zweiten Kenessio Gedaulo in Wien. Er ist Vorstandsmitglied des Rabbiner-Verbandes in Lettland. Herr Rabbiner Samunow ist ausgezeichneter Redner und ausgestattet mit reichem Wissen auf talmudischen und allgemeinen Gebieten. Er besitzt eine große Bibliothek, in welcher viele seltene Seforim vorhanden sind. Vor einigen Jahren wurden ihm die Rabbinerposten in Libau und Reval angetragen. Da er aber bei seiner Gemeinde so beliebt und geachtet ist, hat er die Anträge nicht angenommen. Der Jubilar erfreut sich auch .und es wird immer heisser kaufen Sie daher jetzt Ihren Si^scftvattit Sie erliaiten diesen schon von Mk. 29.— an, bei Corey, SchiCfcvsfv. i« Das Fachgeschäft für Haus und Küche größter Achtung bei den lettischen Behörden, die seiner Meinung in den verschiedenen auftauchenden Fragen Rechnung tragen. Wir wünschen Herrn Rabbiner Samunow einen heiteren und arbeitsreichen Lebensabend. D"sivs- Köln. 4. Juni. Am 14. Mai vollendete Herr Isidor Rothenberg, Köln, Roonstr. 71, sein 60. Lebensjahr. Herr Rothenberg, der früher als Lehrer und Kantor in den jüdischen Gemeinden Soest, Peckelsheim und Heßloch tätig war, trat in den Kaufmannsstand über. Sein besonderes Interesse wandte er dem Kunstgewerbe j$u, und auf diesem Gebiete hat er Beachtenswertes geleistet. Die jüdische Kleinkunst verdankt ihm wesentliche Anregung und Förderung, so seine Synagogenstickereien sind zahllosen Wimpeln. In Rheinland und Westfalen und darüber hinaus werden feine Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Kleinkunst anerkannt und sehr geschätzt. Berlin, 30. Mai. Am 13. Juni ds. Js. vollendet in geistiger und körperlicher Frische der frühere Lehrer und Prediger Lion Wolfs sein 85. Lebensjahr. Herr Lion Wolff, der jetzt hier in Berlin lebt, arbeitet noch heute rüstig weiter, obwohl er nun offiziell in den Ruhestand getreten ist. Vor wenigen Monaten erst brachte er sein neuestes Buch „Proselyten" heraus, das auch bei Ihnen Würdigung gefunden hat. Ich brauche wohl kaum auf die Verdienste dieses greisen Mannes hinzuweisen, dessen Leben und Wirken in erster Linie den Kollegen galt und der jede Fehde aufnahm, wenn es galt, eine Lanze für die Kantoren und Lehrer zu brechen. Seine zahlreichen Werke sprechen von seiner Lebensarbeit und haben den Autor weit über die Grenzen Deutschlands bekannt und beliebt gemacht. Sie alle aufzuführen, ginge zu weit; noch heyte aber dürfte bekannt sein, daß alle Kollegen, auch die Jüngsten, die „Universal-Agende" nicht entbehren möchten. B. P. Triesch, 27. Mai. Der leider so kleine Kreis der Taurohtreuen in Mähren hat einen großen, fast unersetzlichen Verlust erlitten. Rabbi Abraham Kurzweil wurde am vergangenen nvo Kr-nn zur rrnap gebracht. R. Abraham Kurzweil, ein Preßburger Kind, war ein hervorragender Schüler des isio tsnp» Sein ganzes Jugendleben war geheiligt der 'n mm. er war aber und blieb es sein ganzes Leben lang, ein Einsamer, ein «am tr^an. ®s ist vielleicht gar nicht in seinem Sinne, wenn ein Bewunderer seiner Persönlichkeit und seiner einzig? artigen Charakterprägung eine schwache Würdigung seines Wesens in der Oeffentlichkeit zu geben versucht; aber es geschieht nur zur Ehre von rvapn, nur, damit Segen und Lebensheiligung aus dem Werdegang dieses wahren Ton für uns und besonders für feine Gemeinden gewonnen werde. — Eine schwere Aufgabe übernahm er als junger Mensch, als er sein erstes Rabbinat im Mährenlande übernahm. Auf schwierigem Boden sollte er die Saat von ns-vi mm ausstreuen. ornarr N'N IN«, ganz auf seinee eigene Kraft gestellt, durch Wahrheit und Festigkeit, und vor allem durch unbeugsame Strenge gegen sich selbst, gelang es ihm,, in vielen Herzen die Liebe zur Tauroh wieder zu entfachen. Wer Gelegenheit sichte, sein nwns und tojitd» näher kennen zu > lernen, war von Verwunderung darüber erfüllt, wie es möglich' fei, daß eine solche von Taurohglut beseelte Persönlichkeit im „kalten" Mähren wirken konnte. Schwer war die Arbeit, ein Leben voll Entbehrung und Hingebung hat sie erfordert, aber die Fahne der Treue zur Lehre Gottes im Mährenlande hat Rabbiner Kurzweil wieder zu entfalten geholfen. — Mit seinen Kindern, die Schüler der Frankfurter na-v sind, und seinen Gemeinden — Pirnitz, wo er drei Jahrzehnte lang wirkte und Triesch, wo er nach kurzer Tätigkeit aus seinen letzten Wunsch zwischen unschuldigen Q’Vsa seine Ruhestätte fand, — trauern daher alle m 'rri' die das Glück hatten, den Verewigten und sein segenvolles Wirken zu beobachten. Möge sein Andenken durch Reinerhaltung seiner Prinzipien im Kreise seiner Familie und seiner Gemeinden zum Segen werden. rraxan Die Woche. Ein zweitägiger Ausflug der Jugendgruppe der Agudas Jisroel. Vom Vorstande der A. J.-Jugendgruppe wird uns geschrieben: Die Wormser Tour hat bei den Teilnehmern den Wunsch nach wiederholten Ausflügen ähnlicher Art laut werden lassen. Die Leitung der Gruppe kommt dem Verlangen gerne nach. — Am ersten Pfingsttage, Sonntag- 8. Juni, fahren wir ab Hauptbahnhof: 6.22 Uhr nach