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Der Israelit · 1930-06-05 · Heft 23 (5.6.1930) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 23 (5.6.1930)
Date
1930-06-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. Nr. 23 Diätetische Abteilung der Hirsch-Apotheke Zeil111, Frankfurta.M. DlflBETIKER-DlflT bandes jetzt durch Entsendung von Vertretern i n d i e Leitung aller von ihm unter st ützten Anstalten zur Geltung zu bringen suchen. Eine Wahlordnung für den Verbandstag wurde angenommen und ein Wahlprüfungsgericht geschaffen. Zur Vorbereitung einer Konferenz über die schwierige wirtschaftliche Lage der deutschen Juden wurde ein Ausschuß, bestehend aus den Herren Seckelsohn, Rechtsanwalt Klee und Struck gebildet. Erörtert wurde ferner die Errichtung einer jüdischen Sektion an einer zweiten pädagogischen Akademie, die Gründung einer Religionslehrerakademie und die Beschwerden, die gegen den vom Verband vorgeschlagenen Sachverständigen beim Kultusministerium, Rabbiner Dr. B a e ck, vorgebracht waren. Diesem wurde das Vertrauen des Rates ausgesprochen. Das bayrische Schächtverbot in Kraft. München, 5. Juni. Das vom Landtag angenommene bayerische Schlachtvieh-Betäubungsgesetz ist nunmehr im amtlichen Gesetz- und Verordnungsblatt verkündet worden, und wird danach am 1. Oktober 1930 in Kraft treten. Tschechoslowakei. Der Neubau der berühmten Iefchiwa in Hunsdorf. Preßburg, 25. Mai. Die historische Talmud-Hochschule in Hunc o o c e (Hunsdorf-Slowakei) mußte, wie seinerzeit gemeldet, wegen Baufälligkeit behördlich gesperrt werden. Die Gefahr, eine so hervorragende, von 200 Hörern besuchte Anstalt gänzlich sperren zu müssen, oeranlaßte ein Komitee von Gönnern, ein neues Lehrhaus mit anschließendem Internat samt jeglichem Komfort zu bauen. Der Rohbau ist nach kurzer Unterbrechung sertiggestellt und die Dachstuhlarbeiten werden diese Woche in Angriff genommen. Am Sonnabend, den 7. Juni, findet anläßlich des Jahrzeitstages des weltberühmten, vor einigen Jahren verschiedenen Rabbi Samuel Rosenberg ein feierliches Treffen aller ehemaligen Hörer der Hunsdorfer Jeschiwah aus den verschiedensten Ländern des Kontinents statt, an welchem auch der Frankfurter Raw, Herr Rabbiner Horowitz (früher Hunsdorf) teilnehmen wird. Am 8. Juni findet die Besichtigung des Neubaues und eine Sitzung des erweiterten Baukomitees statt, um die Details für die Fertigstellung endgültig festzulegen. Holland. Landeskonferenz der holländischen Kchomre- Schabbos-Organifation in Amsterdam. A m ft e r d a m, 31. Mai. Am Sonntag, den 18. Mai, fand in Amsterdam die erste Landeskonferenz der holländischen Landeszentrale des —.eltverbandes Schomre Schabbos statt. Die Vorbereitungen zu dieser. Tagung, die ihren Ausklang und Höhepunkt in einem grandiosen Massenmeeting in der großen Diamantbörse fand, lagen in den Händen des Sabbat-Komitees in Amsterdam. Nach Eröffnung der Konferenz, zu der über 100 Persönlichkeiten aus der Sabbatbewegung, an ihrer Spitze die Rabbinen von fast ganz Holland, erschienen waren, sprach zunächst der Oberrabbiner von Amsterdam, Herr Onderwyzer, warme Begrüßüngsworte. Danach hielt der - Vorsitzende, Herr Ascher, die eigentliche Eröffnungsrede, in der er die Notwendigkeit der Existenz des Weltverbandes Schomre Schabbos ausführlich begründete. Als Vertreter der Berliner Zentrale des Weltverbandes begrüßte Herr Vizeminister a. D. Dr. R a ch m i l e w i tz, die Konferenz und gab eine kurze Uebersicht über die bisherige Tätigkeit des Verbandes. Es folgten Referate von Oberrabbiner Davids (Amsterdam) und von Oberrabbiner Vredenburg (Arnheim). _Der Israelit_ Um 8 Uhr abends fand dann die große holländische Massenkundgebung statt. Redner der verschiedensten religiösen Richtungen und sozialen Lager kamen zu Worte. Alle stimmten darin überein, daß die Sabbat-Jdee^ als eine der feststehenden Säulen für die Existenz des Judentums um jssden Preis geschützt und erhalten werden müsse. Wiederum hatte /zu Her tausendköpfigen Versammlung Oberrabbiner Onderwyzer warme Begrüßüngsworte gesprochen, all die sich dann der Reigen der verschiedenen Führerperfönlichkeiten Hollands in markanten Ansprachen schloß. Besonders hervorzuheben istdas Referat, in dem Herr Oberrabbiner Vreden b u r g das Publikum über die Gefahren der drohenden Kalenderreform ausklärte. Ferner sprach der Abgeordnete V o ß, sowie Vertreter der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerkreise, die sich warm für den Schabbosgedanken einsetzten, und schließlich der Staatsbeamte E m a n u e l. Das Hauptreferat hielt als Vertreter der Die Woche. Berlin. Die Berliner I ü d i sch e Volkspartei veranstaltete anläßlich ihres lOjähri- . gen Jubiläums am 27. Mai eine Massenkundgebung in der Berliner Stadthalle, in der Redakteur Moses W a l d m a n n das Hauptreferat hielt. Weimar. Im Landtag begründete der nationalsozialistische Sprecher den Schächtverbotsantrag mit den Worten: „Wenn dadurch die Juden unsere Kurorte meiden, dann hätten wir erreicht, was wir erreichen wollten." Der Antrag wurde zurück-' gestellt. Jena. Rektor und Senat der thüringischen Landesuniversität haben gegen die Berufung Dr. Hans Günthers zum ordentlichen Professor der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät durch das Volksbildungsministerium einstimmig Protest eingelegt. Jerusalem. In der Nähe von Haifa ist ein englischer Polizist, Sergeant S i n g l e t o n, von einem Fremden, der ihm das Wort „Jude" zurief, erschössen worden. Der Mörder ist geflüchtet. — Der 50. Geburtstag von Rabbi Meier Berlin wurde von den Repräsentanten des Jifchuw feierlich begangen. 16 Redner sprachen. — E i n st e i n und Buber haben beim Oberkommissar telegraphsch um Begnadigung der zum Tode Verurteilten gebeten. — „Haarez" meldet, daß anläßlich des Geburtstages des englischen Königs alle zum Tode Verurteilten begnadigt werden würden. — Am Vorabend der Ankunft der vom Völkerbund entsandten Internationalen Klagemauer-Kommission entfernte die Polizei während der Andachtsstunde den etwa 10 Ellen von der Mauer entfernt aufgestellten, den Andächtigen unentbehrlichen rituellen Waschständer. Der jüdische Aufseher, der dagegen protestierte, wurde von der Polizei in Haft genommen, aber einige Stunden später freigelassen./ Berliner Leitung des Weltverbandes Vizeminister a. D. Dr. Rachmilewitz. Der Redner suchte den Nachweis zu führen^ daß auch bei der heutigen Wirtschaftsordnung ^Momente da seien, die eine Erleichterung der Durchführung der Sabbatruhe mit sich bringen könnten. Die Sabbat-Idee müsse durch eine Organisation.gefördert werden, die imstande usei,- ihre Rechte vor irtterM' tionalen Gremien zu verteidigend — Sämtliche Reben weckten die Begeisterung der tausendköpfigen Zuhörerschaft, unter der die starke Anteilnahme der Jugend besonders auffiel. England. Die Mac MahonhusseinSorrespondenz Wieder vor dem Unterhaus. London, 29. Mai. Auf eine Anfrage Cocks erklärte Dr. Shiels im Unterhaus, er müßte vor Veröffentlichung der Mac Mahon- Hufsein-Korrefpondenz eine fremde Regierung befragt werden; bis eine solche Antwort vorliegt, könne er eine Erklärung zu dieser Frage nicht abgeben. Zur politischen Lage in Palästina. London, 30. Mai. Die politische Kommission der Agency ist auf den 23. Juni nach London einberufen. — Vor der Mandatskommission in Genf wird die englische Regierung durch den Staatssekretär für die Kolonien, Dr. Thiels, vertreten fein. Als Gehilfen stehen ihm Mr. Luke und- Mr. Lloyd vom Kolonialamt zur Seite. Lloyd war _5. Juni 19s0 Sekretär der Shaw-Kommission. Die zionistische Exekutive Palästinas veröffentlicht einen scharfen offenen Brief an die Palästina-Regierung, worin sie die-von der Shaw-Kommission aufgestellten Behauptungen über die Auswahl der Einwand e r e r imit Entschiedenheit zurückweist. Derij;, Haupteinwanderungsbeamte, Mr. Hyamson. habe der Kommission in geheimer Sitzung unwahre Angaben gemacht, durch welche der Schein entstand, als habe man hinsichtlich der politischen Einstellung der Einwanderungslustigen Unterschiede gemacht. Die Exekutive protestiert gegen Uese falschen Beschuldigungen Hyamsons. -7s- Die Palästina-Presse, „Haarez", „Dawar" und „Doar Hajom", wendet sich neuerdings mit großer Schärfe gegen das neue englische Weißbuch über die'Palästina-Politik und verlangt, die englische Regierung solle entweder offen erklären, daß sie das Mandat ausführen wolle oder aber , die übernommene Zusage der Schaffung eines jüdischen Nationalheimes ebenso offen zurückziehen. „Times" tadelt in einem Leitartikel die Veröffentlichung des Weißbuches, das keinen positiven Inhalt habe, sondern nur die Verlegenheit und Unsicherheit der Regierung zeige. Die Veröffentlichung derartiger Bekenntnisse sei aber politisch unklug. Es sei zu befürchten, daß die Juden in der ganzen Welt schließlich ihre- Portemonnaies nicht mehr öffnen würden, so daß Palästina fast mit Sicherheit in seinen natürlichen Zustand zurücksinken und eines der ärmsten Länder des nahen Osten s ^werden würde. Die Kosten hätten die britischen Steuerzahler zu tragen und sogar die arabischen Führer würden dann mit Bedauern einsehen, daß sie durch ihr Vorgehen sich selber den größten wirtschaftlichen Schaden zugefügt hätten. Palästina. Aus dem Wege zur össentlichen Subbatheiligung. Jerusalem, 25. Mai. Der letzte Freitag wird für die thoratreue Bevölkerung der heiligen Stadt auf lange hinaus ein denkwürdiger Freudentag bleiben. An ihm erschien das im nachfolgenden wörtlich wiedergegebene Plakat des Makkabi, das die Absage des bereits angesetzten großen sabbatlichen Wettspiels zwischen den Fußballspielern von Tel-Awiw und Jerusalem mitteilt. Das Plakat lautet: Dtom-a nrmt m to’ytV DKnm '2 nn sm» V:n nwa minnnn nVoani 24*5*30 -1'X2 va ‘ina1? nsnpjff Wenn man sich vorstellt, wie viele Tausende bei einem solchen Anlaß bisher am Sabbat durch Eisenbahn und Automobile nach Jerusalem kamen, so kann man die Genugtuung begreifen, mit der das Ende dieser öffentlichen Sabbat-Entweihung überall begrüßt wird. Interessant ist, daß diese Genugtuung sich keineswegs bloß auf die streng orthodoxen Kreise beschränkt, sonderndaß darüber hinaus selbst solche Gruppen, die es nie-' mals g^xoagt haben, ihre Stimme gegen ben'-nar? zu erheben, jetzt dennoch mit dem erzielten Erfüll sympathisieren. Es ist charakteristisch, daß die Vertreter des naiv naiif als sie, wie gewohnt, am letzten Freitag die- Runde machten, um die Ladeninhaber zur rechtzeitigen Schließung ihrer Läden zu ermuntern, mit ganz besonderer Freundlichkeit und Sympathie ausgenommen wurden. Unter diesen Umständen wurde diese Woche auch die Freisprechung der 5 jungen Agudisten, die wegen des Versuchs der gewalttätigen Schließung des Photographenladens am Sabbat angeklagt waren, mit besonderer Freude ausgenommen. Die Anwälte der 5 jungen Leute schilderten mit großer Beredsamkeit die idealen Beweggründe ihres Handelns und auch der Rccyter nahm vor vornherein eine äußerst verständnisvolle und wohlwollende Haltung ein. Jetzt steht noch eine Gerichtsverhandlung gegen zwei Zeire Agudas Jisroel. in-Verbindung mit dem Streik bevor. Sir Iohn Simpson in Palästina. Jerusalem, 29. Mai. Simpson besucht eifrig die industriellen Unternehmungen Palästinas und informiert sich sowohl bei den Juden wie bei den Arabern über die Lage. Die Revisionisten haben in einem Schreiben an den Waad leumr.

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