Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1930)
- Date
- 1930-05-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 22 Der Israelit Lassen Sie Ihre UHREN bei Neeser-LAPP, Allegasse 2 reparieren. Sie gehen gut und die Preise sind billig. Alles unter Garantie. besuchten die zentralen Kooperativen Institutionen der orthodoxen Iudenheit in Warschau. Beim Besuch des Verbandes der jüdischen kaufmännischen Kooperativen wurden die Gäste vom Präsidenten A. Mendelsohn, Direktor Ratmann und Eckermann begrüßt und über Arbeit und Entwicklung der orthodoxen und kooperativen Bewegung informiert. Die Herren Dr. Kahn und Schweitzer begaben sich sodann in die zentrale orthodoxe Kooperative, wo sie von den Herren Ratmann Jakob Trockenstem, dem früheren Senator Mendelsohn und Gutfeld begrüßt wurden. Die Ioint-Führer erklärten, sic werden die Forderungen der orthodoxen Kooperativen in Polen an den Joint einer ernsten Prüfung unterziehen und deren Erfüllung im Rahmen der Möglichkeit erwägen. „Agudas Iisroel" zur Lage in Erez Iisroel. Warschau, 25. Mai. Das Zentralkomitee der polnischen Landesorganisation der „ Agudas I i s r o e l " veröffentlicht eine längere Erklärung, worin, auf Grund der von der politischen Exekutive der Welt-Aguda erteilten Richtlinien, dem Schmerze über die Einwanderungssperre Ausdruck verliehen wird, die geeignet sei, die arabische Gewaltpolitik zu ermutigen. Es sei jedoch Pflicht der jüdischen Organisation nen, beruhigend auf die Massen zu wirken und ihnen klarzumachen, daß die zionistische Politik mit ihrer negativen Einstellung zu den für das Geschick Erez Jisroels maßgebenden religiösen Momenten des Aufbaus und mit ihrer aufreizenden, lärmenden Propaganda für die jetzige Lage verantwortlich ist. Die Aguda empfiehlt den Gemeinden, gegen die Einwanderungssperre Verwahrung einzulegen, lehnt jedoch jede Verantwortung für die Schritte des zu parteipolitischen Zwecken einberufenen Gemeindekongresses ab. Die Erklärung schließt mit der Mahnung, die auf die prophetische Verheißung gestützte unerschütterliche Erlösungszuversicht des jüdischen Volkes nicht mit den wechselnden Ereignissen der Tages Politik zu verquicken. Ein Protest der Lodzer Gemeinde. Lodz, 20. Mai. Wie bekannt, haben die jüdischen Kommunisten in Moskau in einer Zusammenstellung der „Grausamkeiten einer rabbinischen Inquisition" insbesondere den bekannten Gaon M e i s e l, den früheren Oberrabbiner von Lodz, mit den schlimmsten Verleumdungen bedacht. In seiner Kanzlei sollen Pressionen gegen Leute, die sich weigerten, rabbinische Anordnungen anzuerkennen, ausgeübt worden sein. Zum Schluß versteigen sich die Moskauer „Emeß"-Leute zu der Behauptung, daß das Lodzer Rabbinat früher gar provokatorische Dienste der Geheimpolizei geleistet hätte. Gegen diese unerhörten Verleumdungen erhob die Gemeinde Lodz in der letzten Sitzung des Kehillorates geharnischten Protest. Der Protest wird der Moskauer Zentralregierung zugehen und auch in der großen Presse veröffentlicht werden. Litauen. Erleichterungen der Zwangssonntagsruhe in Litauen. K o w n o , 18. Mai. Die litauische Regierung hat eine Novelle zu dem Zwangssonntagsruhegesetz beschlossen, dergemäß bei der Durchführung des Zwangssonntagsruhegefetzes der jüdischen Bevölkerung große Erleichterungen gewährt werden sollen. Außer in der Landeshauptstadt Kowno, wo auch weiterhin der Handel den ganzen Sonntag über verboten bleibt, werden die Juden in den Vorstädten von Kowno und überall im Lande die Geschäfte zwischen 1 und 4 Uhr nachmittags an Sonntagen wie an christlichen Feiertagen offen halten dürfen. Auch soll den jüdischen Fabriks¬ und Werkstättenarbeitern wie den Handwerkern überhaupt, die an den Sabbattagen feiern, gestattet sein, an den Sonn- und christlichen Feiertagen zu arbeiten, sofern die Arbeit nicht öffentlich getan wird und keine Störung des Sonntagsfestes durch Lärm ufw. verursacht. Rumänien. Das Resultat der kulkusratswahlen in Ezernowih. Czernowitz, 20. Mai. Die ersten feit dem Kriege stattgefundenen Wahlen in den Kultusrat der jüdischen Gemeinde der Bukowinaer Hauptstadt Czernowitz (die Stadt zählt nicht viel weniger als 100.000 jüdische Seelen), ergaben das folgende Resultat: An der Spitze marschiert die von Dr. Mayer Ebner geführte Einheitspartei mit 1460 Stimmen und 12 Mandaten. Es folgte die Partei Dr. Strauchers mit 1490 Stimmen und 11 Mandaten, die Partei der nationalzaranistischen Juden (Liste Dr. Zloczower) mit 1298 Stimmen und 10 Mandaten, die jüdischen Sozialdemokraten (Bundisten) mit 1020 Stimmen und 8 Mandaten, die Liste Greif mit 634 Stimmen und 5 Mandaten, die orthodoxe Liste mit 460 Stimmen und 4- Mandaten. (ITA.) Die Woche. Berlin. Die Deutsch eLiga für Menschenrechte ruft die Reichsregierung und alle Geistigen in Deutschland' zum scharfen Proteste aus gegen die Berufung von Dr. Hans Günther als Professor der Rassenkunde nach Jena. Es wird in dem Appell nachgewiesen, daß außer blindwütigem Haß von Wissenschaftlichkeit in den Werken Günthers keine Spur zu entdecken fei. Karlsruhe. Am 17. Mai ds. Js. wurde im Landesgewerbeamt zu Karlsruhe eine Ausstellung „Kult und Form" eröffnet, die von dem „Kunstdienst" in Dresden und der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin veranstaltet ist. Die Ausstellung will als gemeinschaftliche Veranstaltung der katholischen und protestantischen Kirche, sowie der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, moderne Kultbauten und Kultgeräte, in allen größeren Städten Deutschlands zeigen. Sensburg. In der Synagoge zu Sensburg wurden von bübischer Hand große Verwüstungen angerichtet. Die Spuren führen in völkische Kreise. Die Untersuchung ist eingeleitet. Budapest. Dr. Franz H e v e s i, bisher Oberrabbiner in Szekesfehervar, wurde von der Pester israelitischen Kultusgemeinde als Rabbner an den großen Tempel in der Dohany-Utca berufen. Bukarest. In der Gemeinde Nina, unweit von Klausenburg, hat ein Bauer den Juden Hermann E g e r in dessen Wohnung, ohne ein Wort zu reden, mit dem Dolche erstochen. Bei der Vernehmung sagte der Bauer, er wolle damit der Parole des Professor Cuca folgen, alle Juden auszurotten. Kopenhagen. Stadtrat Jakob T e i t e l leitete hier eine Hilfsaktion für die russisch-jüdischen Flüchtlinge in Deutschland ein, die Erfolg verspricht. Ihm zur Seite steht u. a. Prof. » Simonsen. Teilet wurde vom Außenminister empfangen. Das dänische „Rote Kreuz" und die deutsche Gesandtschaft versprachen ihre moralische Unterstützung. Rewyork. Der Joint Distribution Committee hat in den letzten vier Jahren 14% Millionne Dollar für das jüdische Aufbauwerk in Osteuropa verausgabt. — Die Zionistische Organisation von Texas hat in ihrer soeben abgehaltenen Konferenz beschlossen, die Summe von 100.000 Dollar zur Gründung einer Kolonie in Palästina bereitzustellen. Es soll sofort ein Boden-Areal von 5000 Acker in Palästina für die zu gründende Kolonie erworben werden. Jerusalem. In der Nähe der Kolonie Neß Ziona wurde unter dem Namen „Beth Owed" eine Arbeiter-Kleinpächtersiedlung mit 20 Arbeiterfamilien begründet. — Palästina ist wiederum von einer Heuschreckeninvafion heimgesucht. Riesenschwärme erscheinen in verschiedenen Teilen des Landes. Es werden Notmaßnahmen zur Bekämpfung der Heuschreckenplage ergriffen. Ein mit einem Funkapparat ausgerüstetes Polizeiauto fährt im Lande herum und berichtet über die Bewegung der Heuschrecken; dadurch wird es möglich, die mit der Abwehr beschäftigten Arbeiter schnell an die gefährdeten Stellen zu bringen. Wiederum antisemitische Exzesse in Galatz. Bukarest, 18. Mai. Die größtenteils aus Studenten bestehende „Eiserne Garde" veranstaltet in Galatz täglich antisemitische Kundgebungen, die auch in Exzesse ausarten. Die jüdische Bevölkerung von Galatz wandte sich an den Innenminister _30. Mai 1930 um Schutz und sandte ihm Exemplare der aufreizenden Plakate der Euzisten ein, in denen die christliche Bevölkerung zur Ausrottung der jüdischen Einwohner der Stadt Galatz ausgefordert wird. England. Friseur- und Barbier-Bill. London, 23. Mai. Jnv Unterhause ist vorige Woche die dritte Lesung de; Gesetzes über die Sonntagsruhe in Friseur- und Barbier-Läden durchgeführt worden. Die Bill enthält eine Klausel, die jeder Person jüdischen Glaubens den Betrieb des Friseur- und Barbier-Gewerbes am Sonntag gestattet unter der Bedingung, daß das Geschäft am Samstag geschlossenist, Anmeldung bei der zuständigen Verwaltungsbehörde erfolgt und im Laden selbst eine Bekanntmachung angeschlagen wird, wonach der Laden am Sonntag und nicht am Samstag geöffnet fei. In der Beratung wandte sich Carl W i n t e r t o n gegen die Bestimmung zu Gunsten der jüdischen Geschäfte. Wenn man den Juden diese Ausnahme bewillige, so müsse man das gleiche auch für die Mohammedaner am Freitag tun. Aus anderen Gründen bekämpfte Kapitän Bour.n'e die Klausel, die konsequenterweise, wenn man sie annehme, auch auf andere Berufszweige angewandt werden müsse. Diese gegnerischen Stimmen verhinderten das Haus jedoch nicht, die Bill samt der Klausel mit sehr großer Mehrheit anzunehmen. Italien. Das neue Gesetz über den jüdischen Kultus in Italien. R o m , 12. Mai. lieber das vor kurzem in Kraft getretene Gesetz, über die nichtkatholischen Kulte, darunter der jüdische Kultus, wird,, dem ITA-Vertreter von angesehenen Persönlichkeiten mitgeteilt: Das jetzt veröffentlichte Gesetz betrifft wichtige Kultusgebiete. Artikel 4 und 5 garantieren die Gleichheit aller Bürger jeder Konfession und die Freiheit der Diskussion auf religiösem Gebiet. Der erste Artikel aber enthält eine Bestimmung, die unangenehm - werden könnte. Für die Errichtung eines Tempels oder eines Bethauses muß nämlich der vom Staate anerkannte Rabbiner ein Gesuch beim Kultusminister einreichen und den dokumentarischen Beweis liefern, daß die Errichtung des Tempels bezw. Bethauses einem wirklichen Bedürfnis entspricht, und daß zu dessen Unterhaltung genügend Mittel vorhanden sind. Laut Artikel 3 des Gesetzes unterliegt die Wahl des Rabbiners der Genehmigung seitens des Kultusministers,. Hauptbedingung für eine solche Genehmigung ist, daß der Rabbiner italienischer Staatsbürger sein muß. Bet dem Mangel an Rabbinern unter den italienischen Juden ist diese Bestimmung eine schwerwiegende. Vor dem Konkordat hatte die religiöse Ehe keine staatliche Gültigkeit in Italien. Heute hat die jüdische religiöse Trauung — ebenso wie die katholische — laut Artikel 7 -12 des neuen Gesetzes und laut Artikel 25—27' des Reglements volle zivile Geltung. Ehescheidung ist nicht zulässig, deshalb kann auch die vom Rabbiner nach, jüdischem Recht vollzogene Ehe nicht mehr geschieden, werden. Während aber katholische Ehen in besonderen Fällen durch das katholische kirchliche Gericht für ungültig erklärt werden können, steht dem Rabbiner eine solche Befugnis nicht zu. Auch auf anderen Gebieten ist die frühere Gleich--- stellung aller Kulte nunmehr zerstört worden. Die katho«- lischen Priester sind jetzt vom^ Militärdienst befreit, die Rabbiner aber müssen Militärdienst leisten. Nur im Falle einer allgemeinen Mobilisierung können vom Staate anerkannte Rabbiner vom Militärdienst befreit werden, wenn der Oberstaatsanwalt erklärt, daß ihre Tätigkeit als Seelsorger unentbehrlich ist. Die Schüler der vom Staate anerkannten Rabbinerschulen in Florenz, Livorno und Rodi sind aber den Schülern der katholischen Priesterseminare insofern gleichgestellt, als auch sie ihrem Militärdienst bis zur Vollendung ihres 26. Lebensjahres verschieben können. Sehr wichtig sind im neuen Gesetz die Verfügungen über den Religionsunterricht; laut Artikel 6 werdenjüdische Kinder aus Ersuchen der Eltern von der Pflicht befreit, dem. obligatorischen (katholischen) Unterricht beizuwohnen. Laut Artikel 23 haben Eltern jüdischer Kinder, sofern diese in einer Schule in genügender Zahl